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Modernisierung Boulevard Unter den Linden

Luftbild, Brandenburger Tor, Unter den Linden
Bild: Depositphotos.com / jovannig

Der Straßenzug Unter den Linden soll mit einem grundlegenden Umbau seine Bedeutung als attraktiver Hauptstadtboulevard Berlins zurückgewinnen. Seit den 1950er Jahren gab es keine umfassenderen Ideen für die Weiterentwicklung des Boulevards im Herzen des historischen Berlins. Mit neuer Zielrichtung starten jetzt die Planungen.

Zentrale Vision ist es, einen öffentlichen Raum mit höherer Aufenthaltsqualität und mehr Verkehrssicherheit für alle zu schaffen. Zusätzlich soll er den Anforderungen aus dem Klimawandel Rechnung tragen. Dem Mobilitätsgesetz folgend wird nach der Neugestaltung der Fuß-, Rad- und Busverkehr mehr Raum erhalten (§ 4 Abs. 3) und die Grünflächen gestärkt werden (§ 8 Abs. 3 ).

Berlin reiht sich mit dem Modernisierungsprojekt Unter den Linden ein in den beginnenden Umbau von Weltmetropolen: In Paris wird die Prachtstraße Champs-Élysées im Rahmen der »ökologische Transformation der Stadt« wieder in altem Glanz erstrahlen. In Wien hat die Mariahilferstraße dank der Reduzierung des motorisierten Verkehrs deutlich an Aufenthaltsqualität gewonnen. Viele weitere Beispiele ließen sich nennen.

Im Fokus der mehrere Jahre dauernden Umgestaltung steht der etwa 770 Meter lange Abschnitt zwischen Wilhelm- und Universitätsstraße.

Projektfortschritt „Unter den Linden"

Die Modernisierung des Boulevards findet in mehreren Phasen statt. Kurzfristige Arbeiten werden zu deutlichen Verbesserungen besonders für Radfahrer*innen führen, bevor langfristig eine grundhafte Erneuerung stattfindet.

  • Die bepflanzte Referenzfläche vor dem Hotel Adlon zeigt, wie die neue Grüngestaltung des Mittelstreifens aussehen kann.
  • Ab Herbst 2021 wird der Straßenbelag in Abschnitten erneuert und die Fahrbahnen werden neu markiert. Im Zuge dessen erfolgt eine neue Aufteilung des Straßenraums unter Berücksichtigung der Vorgaben aus dem Mobilitätsgesetz: Je ein Fahrstreifen für den motorisierten Individualverkehr, die Busse und den Radverkehr. So wird kurzfristig erreicht, dass der Straßenraum viel gleichmäßiger als heute verteilt wird und der Umweltverbund aus Bussen und Radverkehr deutlich mehr Raum erhält. Die Bauphase soll im Sommer 2022 abgeschlossen sein.
  • Parallel beginnen wir eine Debatte innerhalb der Stadtgesellschaft zur grundhaften Neugestaltung des Boulevards. Ziel ist es, durch die Aufenthaltsqualität in unmittelbarer Nähe von Kultureinrichtungen, der Humboldt-Universität und anderen Institutionen zu verbessern, so Handel, Gastronomie und Hotellerie zu unterstützen und Unter den Linden zu einem attraktiven Ort für Einheimische und Besucher*innen zu machen. Eine öffentliche Debatte begleitet den Prozess der Neugestaltung. Eine öffentliche Debatte begleitet den Prozess der Neugestaltung. Weitere Informationen finden Sie weiter unten unter „Aktuelles“.

Aktuelles

Für die langfristig geplante gestalterische und ökologische Aufwertung der Mittelpromenade – auch mit Fokus auf den aktuellen Baumzustand der Linden – ist eine grüne Beispielfläche in Höhe Hotel Adlon entwickelt worden. Gegenstand ist die hochwertige Einfassung der Baumbeete in Verbindung mit Staudenpflanzungen und einem Bewässerungssystem. Zu der kurzfristigen Sanierung und Neu-Aufteilung des Straßenzuges sowie zur grundhaften Erneuerung und dem öffentlichen Beteiligungsprozess finden Sie unter mein.Berlin.de weitere Informationen.

Aktuelles zum Umbau Unter den Linden

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Unter den Linden im Wandel der Zeit

Unter den Linden war in der Geschichte Berlins stets mehr als nur ein Verkehrsweg. Der Boulevards spiegelt seit seiner Entstehung im 16. Jahrhundert immer auch das Selbstverständnis Berlins wider. Während früher der Adel die Prachtstraße nach seinen Bedürfnissen anlegte, dominierte später der motorisierte Verkehr große Teile der Fläche im Herzen des historischen Berlins und tut dies bis heute.

Berlin hat mit der Verabschiedung des Mobilitätsgesetzes festgelegt, dem Umweltverbund aus öffentlichen Verkehrsmitteln sowie dem Fuß- und Radverkehr mehr Bedeutung zu verschaffen und das Straßengrün zu stärken. Das Selbstverständnis Berlins hat sich erneut verändert: Von einer autozentrierten Stadt zu einem Ort, an dem Fußgänger*innen und Radfahrer*innen ihren Platz finden und die Aufenthaltsqualität für alle im öffentlichen Raum deutlich zunimmt. Damit einher geht, dass dieser Straßenabschnitt als gewidmete Bundesstraße aufgegeben wird.

Weitere Informationen zur Geschichte von Unter den Linden und der aktuellen baulichen Situation erhalten Sie hier:

Unter den Linden steht als Ensemble genauso unter Denkmalschutz wie einzelne Gebäude und Denkmäler im Bereich des Boulevards, die Schloßbrücke oder der Pariser Platz. Durch die Neugestaltung von Unter den Linden werden die Gebäude, Plätze und Denkmäler leichter zugänglich und dadurch besser erlebbar.

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  • 16. Jahrhundert: Anlegen eines Reitweges vom Schloss zum Tiergarten durch Kurfürst Johann Georg, Bereich von der heutigen Schloßbrücke bis zur Schadowstraße.
  • 17. Jahrhundert: Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ den Reitweg nach dem 30-jährigen Krieg erneuern. Pflanzung einer sechsreihigen Baumallee mit je 1.000 Linden und Nußbäumen. Der Memhardt-Plan 1652 gestattet den Bau erster Häuser parallel zur Allee. Es folgt die Errichtung der Dorotheenstadt und der Friedrichstadt als große Stadterweiterungen.
  • 18. Jahrhundert: Die Prachtstraße wird nach Westen verlängert und endet jetzt am Quarré, dem heutigen Pariser Platz, westlich davon wird der Tiergarten als Parkanlage hergerichtet. Geplant von Friedrich II. wird ab 1740 von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff das Forum Fridericianum errichtet. Es reicht von der Schloßbrücke bis zur Universitätsstraße, dem späteren Standort des Reiterstandbildes Friedrich II.
  • 19. Jahrhundert: Friedrich Wilhelm III. beauftragte Karl Friedrich Schinkel mit der Gestaltung des Boulevards und zahlreicher Gebäude. Die „Linden“ wurden als Triumphstraße umgestaltet. Die äußeren Baumreihen ließ Schinkel entfernen. Die Straßenflächen wurden strukturiert in Bürgersteige, Fahrbahnen, Last- und Reitweg. Die Fahrbahnen erhielten eine Kopfstein¬pflasterbefestigung, die Gehwege Granitplattenbahnen umsäumt von Pflaster. Mittelstreifen und königlicher Reitweg blieben unbefestigt.
  • 20. Jahrhundert: Wachsende Anforderungen an Verkehr und Wirtschaft bedingten ab 1902 eine Querschnittsänderung. Fahrbahnen wurden zu Lasten des Reitweges erweitert. Lediglich auf der Nordseite verbleibt der vier Meter breite königliche Reitweg. Die verbreiterten Gehwege wurden mit berlintypischen Betongehwegplatten diagonal mit Bischofsmützen und Mosaik angelegt und erhielten eine Baumreihe zurück. Die 11,50 Meter breite Mittelpromenade wird nun von zwei Baumreihen gesäumt, unterpflanzt mit Rasen und abgeschlossen durch eine Ligusterhecke zur Fahrbahn. Bänke und Tiergartengitter begrenzen den Promenadenweg, den später Mietstühle und eine Hängebeleuchtung aufwerten. In den *1920*er Jahren wird der Reitweg der Mittelpromenade zugeschlagen.

Für die Olympischen Spiele 1936 veranlassen die Nationalsozialisten einen umfassenden Umbau der „Linden“ mit neuer Querschnittsaufteilung. Alle Bäume wurden – bedingt durch den schlechten Zustand und teils durch den Bau der S-Bahn – abgeholzt, ein exakt symmetrischer Querschnitt entsteht. Die neun Meter breiten asphaltierten Richtungsfahrbahnen erhielten drei Fahrstreifen und darüber hinaus einen fünf Meter breiten Senkrechtparkstreifen an der Mittelpromenade. Sowohl in den sieben Meter breiten Gehwegen als auch auf der Promenade wurden insgesamt vier Reihen Silberlinden neu gepflanzt. Mittig der Promenade wurden vier Meter breit Betongehwegplatten, wie auf den Gehwegen, verlegt.

Nach dem 2. Weltkrieg war die Straße zerstört, nur wenige Häuser und Bäume überstanden diese Zeit. Beim Wiederaufbau ab 1949 blieb der Querschnitt aus 1936 erhalten. Instandgesetzte und neue schmucklose Gebäude säumen nun die „Linden“. Bäume wurden sukzessive nachgepflanzt. Zwischen Wilhelmstraße und Universitätsstraße fand letztmalig in den 1950er Jahren ein grundhafter Fahrbahnausbau statt.

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ab 1997
  • Wiederherstellung Mittelpromenade zwischen Pariser Platz und Universitätsstraße
  • Neubau Beleuchtung am Gehweg von Pariser Platz bis Schloßbrücke mit einem Nachbau historische Schupmann-Kandelaber (Straßenlaternen).
  • Neubau Beleuchtung Mittelpromenade mit einer Doppelreihe quadratischer Stelen
  • Schließung der Mittelpromenade in Höhe Universitätsstraße.

2003
Neubau Pariser Platz und Unter den Linden bis zur Wilhelmstraße.

2006
Grundhafter Umbau und Neugestaltung Forum Fridericianum (Abschnitt von Universitätsstraße bis Straße Hinter dem Gießhaus) im veränderten Querschnitt mit breiten Gehwegen.

bis 2009
Herstellung der Durchgängigkeit der Mittelpromenade für Fußgänger*innen.

ab 2009
Neubau U-Bahn U5 zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof mit Haltestellen an Unter den Linden. Eröffnung Ende 2020.

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