Sieben gute Ideen zur Wiederverwendung von Gebrauchtwaren

Re-Use Berlin Wettbewerb
Bild: SenUVK
Pressemitteilung vom 14.12.2018

Umweltstaatssekretär Stefan Tidow zeichnet die besten Ideen des Ideenwettbewerbs der Initiative Re-Use Berlin aus

Über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich an dem Ideenwettbewerb zur Wiederverwendung von Gebrauchtwaren beteiligt. Die besten drei Ideen, die von einer neunköpfigen Jury ausgewählt wurden, sind heute bei einer Preisverleihung in Berlin ausgezeichnet worden. Vier weitere innovative Ideen erhielten einen Sonderpreis.
Zu dem Ideenwettbewerb hatte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz im Rahmen der Initiative Re-Use Berlin aufgerufen. Gesucht wurden kreative, effektive und anwendbare Maßnahmen, um Gebrauchtes wiederzuverwenden, Stoffkreisläufe neu zu gestalten und Müll zu vermeiden.

Stefan Tidow, Staatssekretär für Umwelt und Klimaschutz, sagte bei der Preisverleihung: „Wir gratulieren den Preisträgerinnen und Preisträgern und danken für ihre kreativen Ideen zur Wiederverwendung von gebrauchten Dingen. Brauchbares gehört nicht auf den Müll, sondern sollte wiederverwendet werden. Machen Sie mit! Wer Dinge weiter verwendet, schützt die Umwelt und hilft, Müll zu vermeiden.“

Der erste Platz und ein Preisgeld von 2.500 Euro gehen an Elisabeth Prantner vom Veränderungsatelier „BIS ES MIR VOM LEIBE FÄLLT“. Ausgezeichnet wird der kreative und nachhaltige Umgang mit Mode und Textilien: Schadhafte, nicht mehr passende, unter fragwürdigen ethischen Bedingungen produzierte, aus der Mode gekommene oder aus der Gunst gefallene Kleidungsstücke sollen nicht entsorgt werden, sondern sie werden umgearbeitet oder ausgebessert und dann weiter getragen.

Der zweite Platz und ein Preisgeld von 1.500 Euro gehen an Nathalie Swords von der Baugesellschaft Transform. Die Baugesellschaft wird das Circular Economy Haus in Berlin-Neukölln umbauen und dabei konsequent das Prinzip des zirkulären Bauens anwenden.
So sollen vorwiegend Bauteile und Bauelemente aus anderen Gebäuden genutzt werden, die um- oder rückgebaut werden. Das CRCLR-Haus ist somit nicht nur ein Ort, an dem über den Umgang mit Ressourcen nachgedacht und Ideen umgesetzt werden, sondern auch bei der Instandsetzung des Gebäudes werden gebrauchte Materialien wiederverwendet.

Der dritte Platz und ein Preisgeld von 1.000 Euro gehen an Van Bo Le-Mentzel, den Architekt von Tiny Houses, für seine Idee eines Re-Use Mobils. In einem Anhänger an einem Fahrzeug sollen gute, gebrauchte Möbel kostenfrei abgestellt und Nachbarn zur Verfügung gestellt werden. Zudem soll das Re-Use Mobil mit einer Miniwerkstatt ausgestattet sein, um dort kleinere Reparaturen vornehmen zu können. Im nächsten Jahr soll in Berlin ein Pilotprojekt realisiert werden.

Die folgenden vier Ideen wurden von der Jury mit einem Sonderpreis ausgezeichnet und erhalten ein Preisgeld von je 500 Euro:

Jacob Sternbeck vom Gymnasium Bertha-von-Suttner wird für die Idee „Kleiderkiste“ ausgezeichnet. Seine Idee: ein schulinterner Klamotten-Kreislauf, der die Nutzungsdauer gebrauchter Kleidung voll ausschöpft und zu mehr Bewusstsein und nachhaltigem Denken anregt. An der Schule soll ein kleiner Bereich von wenigen Quadratmetern hergerichtet und für drei Wochen zur schulinternen Kleiderboutique werden. Verkauft wird nichts, sondern nur unter Schülern getauscht. Damit wird tragbare Kleidung vor der Mülltonne bewahrt.

Hanna Legleitner von RESTLOS GLÜCKLICH e.V. will mit Kochkursen und Bildungsworkshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene den nachhaltigeren Konsum von Lebensmitteln fördern. Ziel ist, Lebensmittel bewusster zu konsumieren, weniger Lebensmittel zu verschwenden und mehr zu verwerten. Allein in Deutschland werden jährlich rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Dabei sind Nahrungsmittel nicht nur ein überlebenswichtiges Gut, sondern ihre Produktion verbraucht auch viele Ressourcen und verursacht schädliche Treibhausgasemissionen.

RESTLOS GLÜCKLICH e.V. will Workshops für nachhaltige Lebensmittelverwendung kostenfrei an Schulen anbieten. Mit Unterstützung des Preisgeldes könnten im Februar 2019 die ersten Kick-off Workshops in Berlin veranstaltet werden. Dies soll den Auftakt zu einer längerfristigen Kooperation mit ausgewählten Oberschulen bilden.

Elisa Garrote Gasch wird für Ihre Idee eines 3D-Repair Cafés ausgezeichnet. Mit Hilfe der 3D-Technik können kaputte Gegenstände repariert werden. Denn oft sind die nötigen Ersatzteile für Reparaturen nicht vorhanden oder zu teuer bzw. nur schwer zu bekommen. Dann müssen Gegenstände, bei denen nur ein kleines Ersatzteil fehlt, weggeworfen werden. In dem 3D-Repair Café können diese Ersatzteile mit Hilfe von 3D-Druckern selbst hergestellt werden. Außerdem können neue Zielgruppen für Klimaschutzaktivitäten erreicht werden. Die Aktivitäten werden mehrsprachig und so niedrigschwellig wie möglich angeboten. Das 3D-Repair Café gibt es seit fast einem Jahr.

Die von Sabine Starke-Wulff eingereichte Idee „Tauschen statt wegwerfen“ steht für Wiederverwendung und Klimaschutz sowie für Nachbarschaftsvernetzung durch Digitalisierung. Vorbild ist der Bremer Tauschladen fairTauschen und das dazugehörige digitale Tauschportal. In nur elf Monaten wurden rund 6.500 Gegenstände getauscht und so eine Menge Abfall vermieden und CO2 eingespart – auch im Hinblick darauf, dass die Waren sonst neu gekauft worden wären: meist als Importe mit weiten Transportwegen. 700 Menschen haben beim Tauschen mitgemacht; elf Ehrenamtliche engagieren sich für das Projekt. In Berlin sollen nun ein oder mehrere Tauschläden eröffnet werden.

Mit der Initiative Re-Use Berlin will die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz die Wiederverwendung von Gebrauchtwaren dauerhaft in Berlin etablieren und die Kreislaufwirtschaft stärken. Wir wollen den Gedanken der Wiederverwendung breit in der Stadtgesellschaft verankern. Außerdem sollen die bestehenden Sozialkaufhäuser und die vielfältigen Re-Use Initiativen in Berlin besser vernetzt werden.

Umweltstaatssekretär Stefan Tidow: „Wir werden unsere Initiative Re-Use Berlin fortsetzen. Bereits im nächsten Jahr wollen wir ein ‚Kaufhaus der Zukunft‘ initiieren, in dem gute gebrauchte Produkte verkauft werden. Dort sollen auch Reparaturmöglichkeiten für kaputte Gegenstände geschaffen werden, die sonst weggeworfen würden.“

Im Rahmen der Initiative Re-Use ist ein Pop-Up-Store für Gebrauchtwaren eingerichtet worden, der noch bis Sonntag, den 16. Dezember, geöffnet ist (Fr: 10 –16 Uhr; Sa / So: 12 – 20 Uhr im CRCLR-Haus, Rollbergstraße 26 in Berlin-Neukölln).
Die Erlöse aus dem Pop-Up-Store für Gebrauchtwaren fließen in die Preisgelder für den Ideenwettbewerb.

Weitere Informationen zur Initiative Re-Use: www.berlin.de/re-use