Berlin baut landeseigenen S-Bahn-Fahrzeugpool auf

S-Bahn Berlin
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Pressemitteilung vom 06.11.2018

Vergabeverfahren für Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd-Trassen angekündigt

Der Senat hat sich in seiner heutigen Sitzung über die Zukunft der Berliner S-Bahn verständigt. Die Länder Berlin und Brandenburg stehen vor der Aufgabe, für den Betrieb der Berliner S-Bahn mit Neufahrzeugen auf den Teilnetzen Stadtbahn und Nord-Süd rechtzeitig das entsprechende wettbewerbliche Vergabeverfahren einzuleiten. Es handelt sich dabei um die Verkehrsleistungen, die nach Auslaufen der noch mit Bestandsfahrzeugen bedienten Verkehrsverträge zu erbringen sind. Gestaffelte Termine für den Leistungsbeginn sind daher beim Teilnetz Stadtbahn die Jahre 2028 bis 2031 (Vorserie ab Herbst 2026), beim Teilnetz Nord-Süd die Jahre 2030 bis 2033.

Die Besprechungsunterlage der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, in der die Ausschreibungskonzeption beschrieben ist, wurde vom Senat zustimmend zur Kenntnis genommen. Das eigentliche Vergabeverfahren beginnt im November 2019. Die dafür rechtlich erforderliche Vorinformation für interessierte Unternehmen soll in den kommenden Tagen im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden.

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, zeigte sich sehr zufrieden über die Vergabepläne: „Wir wollen und müssen den Berliner S-Bahn-Verkehr verbessern und ausbauen, denn eine leistungsfähige S-Bahn ist unverzichtbar für die wachsende Metropole Berlin. Das neue Vergabekonzept für zwei Drittel des Gesamtnetzes sichert einen wirksamen, fairen Wettbewerb für Hersteller und Betreiber, der die Qualität erhöht und die Kosten senkt. Berlin und Brandenburg brauchen zuverlässige, moderne und gut ausgestattete Fahrzeuge, damit der umweltfreundliche öffentliche Nahverkehr für immer mehr Menschen attraktiv wird.”

Ziel der gewählten Verfahrenskonzeption, eines sogenannten Kombinationsverfahrens, ist die Sicherung von Qualitäts- und Preisvorteilen durch ein für viele Unternehmen attraktives Wettbewerbsverfahren. Dafür wird das Land aus Haushaltsmitteln sukzessive einen landeseigenen S-Bahn-Fahrzeugpool aufbauen. Geplant ist der Erwerb von 602 Viertelzügen mit der Option einer Aufstockung um weitere 88 Viertelzüge, die zwischen den Jahren 2026 und 2033 auf die Schiene kommen. Sämtliche alten Wagenreihen werden nach und nach ersetzt. Der Erwerb steht unter Haushaltsvorbehalt.

Bei der Vergabe werden zwei Verfahrensansätze miteinander kombiniert. Im sogenannten Kombinationsverfahren haben die Interessenten sowohl die Möglichkeit, ein Angebot für die Gesamtleistung also für die Komponenten Fahrzeugbeschaffung/Instandhaltung sowie Betrieb in ihrer Gesamtheit abzugeben als auch Einzelangebote auf diese Fachlose.

Durch diese Ausgestaltung, verbunden mit der Finanzierung des Fahrzeugpools durch das Land, haben viele Anbieter die Chance, sich an dem Verfahren zu beteiligen. Eine Monopolsituation wird vermieden. Der landeseigene Fahrzeugpool senkt zudem die Haushaltsbelastung erheblich, weil das Land den Erwerb der Wagen durch Eigenmittel günstiger finanzieren kann als renditeorientierte Unternehmen.

Der Zuschlag für beide Teilnetze ist nach einem Verhandlungsverfahren für Ende 2021 geplant. Die ersten Vorserien-Wagen sollen zur Erprobung ab 2026 fahren, die letzten Viertelzüge im Jahr 2033 den Betrieb starten.

Auf das kombinierte Vergabeverfahren hatte sich zuvor der Berliner Lenkungskreis S-Bahn in Absprache mit dem Land Brandenburg verständigt. Im Lenkungskreis vertreten sind die Senatsverwaltungen für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, für Wirtschaft, Energie und Betriebe, für Finanzen sowie die Senatskanzlei und Koalitionsvertreter aus dem Abgeordnetenhaus.

Für die Beschaffung der Wagen wird mit Gesamtkosten von 2,8 bis 3,2 Mrd. Euro gerechnet. Die Summe wird Schritt für Schritt bezahlt. Darüber hinaus sind die Kosten für Instandhaltung und Betrieb von den Ländern zu finanzieren.