Verkehrssicherheitsbericht 2016 für Berlin vorgelegt

Verkehrssicherheitsbericht 2016
Bild: Schäfer, plan.publik.
Pressemitteilung vom 28.12.2016

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat den Verkehrssicherheitsbericht 2016 vorgelegt. Er steht ab sofort auch als Download auf den Internetseiten zur Verfügung.

Der Bericht stellt einen wichtigen Baustein zur Erfolgskontrolle und Nachsteuerung der Verkehrssicherheitsarbeit in Berlin dar. Unter Berücksichtigung der polizeilichen Verkehrsunfalldaten des Jahres 2015 bietet er auf über 60 Seiten eine differenzierte Darstellung zur Entwicklung der Verkehrssicherheit im Berliner Straßenverkehr. Der Verkehrssicherheitsbericht ergänzt den Verkehrssicherheitslagebericht und die Sonderuntersuchungen zum Unfallgeschehen der Polizei Berlin für das Jahr 2015.

Rund 137.000 Verkehrsunfälle wurden im Jahr 2015 polizeilich registriert. Das bedeutet erneut einen Zuwachs gegenüber den Vorjahren. Allerdings nehmen auch die Einwohnerzahl und die Kfz-Zulassungszahlen seit einigen Jahren zu. Rund 90 % der Verkehrsunfälle haben glücklicherweise lediglich Sachschäden zur Folge.

Wesentliche Erkenntnisse

Der bis zum Jahr 2010 erfreuliche Entwicklungstrend der Verunglücktenzahlen hat sich seither nicht fortgesetzt. Fast 18.000 Menschen wurden 2015 wieder bei Verkehrsunfällen im Berliner Stadtgebiet verletzt, davon rund 2.100 mit schweren Verletzungen. Auch bezogen auf die bei Verkehrsunfällen getöteten Menschen hat sich der bis etwa 2010 günstig verlaufende Trend nicht fortgesetzt. Der Jahreswert pendelt seither innerhalb eines Spektrums von rund 40 bis 50 Getöteten pro Jahr. Ein absoluter Tiefstand wurde im Jahr 2013 mit 37 Getöteten erreicht. 48 Menschen erlitten im vergangenen Jahr tödliche Verletzungen. Mit dem Zuwachs der Verunglücktenzahlen in den letzten drei Jahren folgt Berlin im Grundsatz einem bundesweiten Trend. Deutlich ungünstiger als im langjährigen bundesweiten Trend bei innerörtlichen Unfällen erweist sich allerdings die Entwicklung in Hinblick auf schwerverletzte Unfallopfer: Während die Anzahl Schwerverletzter auf Innerortsstraßen bundesweit betrachtet seit 2004 um 13 % zurückging, wurde in Berlin im gleichen Zeitraum ein Zuwachs um 13 % verzeichnet.

Zufußgehende, Radfahrende und motorisiert Zweiradfahrende machen zusammen genommen rund drei Viertel der bei Unfällen auf Berliner Straßen Getöteten und Schwerverletzten aus. Zweiradfahrende, ob motorisiert oder nicht, werden zudem im Vergleich zu ihrem Anteil an den täglichen Wegen im Straßenverkehr („Modal Split“) überproportional häufig schwer verletzt.
Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt die sicherste Form der Verkehrsteilnahme.
Der Anteil der Risikoaltersgruppen – Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene sowie ältere und alte Menschen – umfasst zusammen genommen knapp die Hälfte der Getöteten und rund ein Drittel der Schwerverletzten.

Die meisten Unfälle mit Verletzungs- und Tötungsfolge, an denen Zufußgehende und Radfahrende beteiligt sind, werden von Autofahrerinnen und Autofahrern als Hauptverursachenden verschuldet. Bezogen auf die Einwohnerzahl der jeweiligen Altersgruppen stehen autofahrende junge Erwachsene, aber auch Erwachsene mittleren Alters (25 bis 64 Jahre) auf der Rangliste der Unfallverursachenden ganz oben. Als Unfallursache dominiert hier mit Abstand „Falsches Verhalten beim Abbiegen“. Dies gilt in besonderem Maße gegenüber Radfahrenden. Die Unfallursachen „Nichtbeachten der Vorfahrt“ und „Nicht angepasste Geschwindigkeit“ rangieren an zweiter und dritter Stelle.

Eine wichtige Aufgabe der differenzierten Unfallanalyse ist die Identifizierung der Bevölkerungsgruppen mit den größten Unfallrisiken.

  • Junge Erwachsene stellen insgesamt betrachtet die wichtigste Risikogruppe dar. Neben den motorisierten Verkehrsarten – Auto und motorisierte Zweiräder – gilt dies mittlerweile auch im Radverkehr.
  • Eine weitere Hauptrisikogruppe im Radverkehr sind die Erwachsenen mittleren Alters. Hier hat das Risiko mit den Jahren zugenommen.
  • Bei Schulkindern und Jugendlichen betrifft das Risiko in erster Linie das Zufußgehen.
  • Bei radfahrenden älteren Schulkindern hat sich das Risikopotenzial im Vergleich zu den Vorjahren tendenziell verringert. Es bleibt aber wie bei den Jugendlichen erhöht.
  • Einen besonderen Fokus erfordern zu Fuß gehende alte Menschen ab 75 Jahren, weil sie im Falle eines Unfalls besonders häufig schwer verletzt werden.

Schlussfolgerungen

Mittlerweile über 30 Institutionen, die sich in der „Berliner Charta für die Verkehrssicherheit“ zusammengeschlossen haben, tragen mit vielfältigen Maßnahmen und Aktivitäten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Stadtgebiet bei. Die Kommunikationsplattform www.berlin-sicher-mobil.de belegt das mittlerweile erzielte Maß der Kooperation und die dadurch zur Verfügung stehenden vielfältigen Maßnahmen- und Aktionsangebote. Der neue Verkehrssicherheitsbericht gibt einen Überblick über die bis etwa Mitte 2016 durchgeführten Aktivitäten und stellt auch einige neu entwickelte Ansätze einzelner Chartamitglieder vor.
Schlussfolgerungen für die laufende Verkehrssicherheitsarbeit: nicht nachlassen, weiter zu schärfen, neue Akzente setzen

Wesentliche Aspekte für die Aufgaben in den kommenden Jahren sind:

  • Geschwindigkeiten und Geschwindigkeitsverhalten von Kraftfahrenden mit Wirkung auf die Verletzungsschwere vor allem im Fuß- und Radverkehr,
  • Rahmensetzungen beim Abbiegen im Fahrverkehr, insbesondere im Hinblick auf die Gefährdung von parallel laufenden Fuß- und Radverkehrsströmen im Zusammenhang mit einer „bedingt verträglichen“ Signalisierung von Zufußgehenden sowie Radfahrenden auf Radwegen im Seitenraum, aber auch von Linksabbiegeströmen im Kfz-Verkehr,
  • Rahmensetzungen für Zufußgehende beim Überqueren der Fahrbahn,
  • Sichtbarkeit und Erkennbarkeit der Verkehrsteilnehmenden im Verkehrsraum und -geschehen, vor allem zwischen Autofahrenden (Pkw, Lkw) und Zufußgehenden, Radfahrenden und motorisiert Zweiradfahrenden an Kreuzungen, Einmündungen und stark frequentierten Grundstückszufahrten und unter Berücksichtigung der Tatsache, das Radfahrende und motorisiert Zweiradfahrende aufgrund ihrer schmaleren Silhouette später gesehen werden als Pkw und Lkw,
  • generell eine weitere Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur sowie die rechtlichen und verkehrstechnischen Rahmenbedingungen im Radverkehr,
  • Rücksicht, partnerschaftliches Verhalten und Regeleinhaltung bezogen auf alle am Straßenverkehr Teilnehmenden.

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