Leitlinie Verkehr und Mobilität im Alter

Eine Frau schiebt einen Rollstuhlfahrer über eine Rampe in einen Bus
Bild: Monkey Business / Fotolia.com

Der Senat von Berlin wird verkehrspolitische Vorhaben zum weiteren Abbau von Barrieren und zur Steigerung der Mobilität älterer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer in einem sicheren Verkehrsraum vorantreiben.

Ziele und konkrete Vorhaben des Senats

Der Senat setzt sich für die Mobilitätsbelange der älter werdenden Stadtbevölkerung rückhaltlos ein. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum soll – auch im Lichte der UN-Behindertenrechtskonvention verstanden – allen Bürgerinnen und Bürgern zu Teil werden. Dieses Ziel wird die Verkehrspolitik des Landes Berlin in den nächsten Jahren wesentlich bestimmen. Die besonderen Berliner Mobilitätsangebote sollen dauerhaft gesichert und fortgeführt werden.

Konkrete Maßnahmen:

  • Gemäß der – im Rahmen der AG “Bauen und Verkehr – barrierefrei” (angesiedelt bei der für Stadtentwicklung zuständigen Senatsverwaltung) gemeinsam mit der für Soziales zuständigen Senatsverwaltung, dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung (LfB), den Behindertenverbänden sowie den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) – abgestimmten Prioritätenliste für den Einbau von Aufzügen in U-Bahnhöfen für die Jahre 2011 bis 2016 ist der Einbau von Aufzügen in 28 weiteren U-Bahnhöfen geplant.
  • Bis zum Jahr 2020 sollen sämtliche BVG-Bahnhöfe barrierefrei sein. Das kommt allen in ihrer Mobilität eingeschränkten Fahrgästen zugute, auch der steigenden Anzahl von Seniorinnen und Senioren.
  • Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat in seiner 33. Sitzung am 13. Juni 2013 die BVG einstimmig aufgefordert, den erreichten Standard eines automatischen Absenkens (“Kneeling”) der Busse beizubehalten.
  • Bis Ende 2017 werden durch den Ersatz aller hochflurigen Tatra-Fahrzeuge durch niederflurige Straßenbahnfahrzeuge (durch Neubeschaffung der Flexity-Straßenbahn ab 2010) auch alle Straßenbahnen barrierefrei nutzbar sein.
  • Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für ältere Menschen, aber auch für andere Altersgruppen, sind verschiedene Maßnahmen aus den Bereichen der Verkehrsplanung, der polizeilichen Verkehrsüberwachung und der verkehrspädagogischen Aufklärung und Bildung erforderlich. Ein wichtiges Ziel der Präventionsarbeit wird für den Senat auch künftig sein, ältere Menschen nachhaltig für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren und Unfälle zu verhindern.

Geplante Maßnahmen:

  • Seniorengerechte Verkehrsraumgestaltung (Tempo 30, Verkehrsberuhigung, Querungshilfen),
  • ausreichend lange Grünphasen für Fußgängerinnen und Fußgänger; gute und sichere Gehwege, aber auch Radwege; abgesenkte Bordsteine etc.,
  • vermehrte Geschwindigkeitsüberwachung in Tempo-30-Zonen und auf Hauptverkehrsstraßen,
  • Überwachung des ruhenden Verkehrs (zugeparkte Gehwege, Radwege und Fußgängerüberwege),
  • Aufklärung älterer Autofahrerinnen und Autofahrer über verkehrsrelevante altersbedingte Leistungseinbußen und über die Auswirkungen von Medikamenten auf die Verkehrstüchtigkeit sowie
  • Sensibilisierung über die Risiken im Straßenverkehr.

Aktuelle Entwicklung

Die Sicherung der Mobilitätsbedürfnisse für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkter Menschen ist ein vorrangiges Ziel der Berliner Verkehrspolitik. Eine wesentliche Grundvoraussetzung dafür ist die Barrierefreiheit des Berliner Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Bis Ende Januar 2014 wurden alle Busse, auf denen das Bedarfskneeling getestet wurde, wieder auf das automatische Kneeling zurückgestellt.
Im Juni 2013 hat die AG „Bauen und Verkehr – barrierefrei“ die Prioritätenliste 2017 bis 2020 beschlossen, die die 42 U-Bahnhöfe umfasst, welche noch nicht barrierefrei ausgebaut sind und die bisher noch auf keiner Prioritätenliste stehen.
Seit Verabschiedung der Leitlinien im August 2013 sind weitere Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut worden.
Mit Stand vom 31. Dezember 2014 sind von den 132 Berliner S-Bahnhöfen 123 stufenfrei über Aufzüge (110 Bahnhöfe) und Rampen (13 Bahnhöfe) erreichbar. Dies entspricht einem Anteil von 93,2 %. 116 S-Bahnhöfe (87,9 %) verfügen über ein Blindenleitsystem. Von den 173 Berliner U-Bahnhöfen sind 108 Bahnhöfe stufenfrei über Aufzüge (99 Bahnhöfe) und Rampen (9 Bahnhöfe) erreichbar. Dies entspricht einem Anteil von 62,4 %. Über ein Blindenleitsystem verfügen 112 U-Bahnhöfe.
Die Berliner Verkehrsbetriebe verfügten mit Stand zum 31.03.2015 über insgesamt 351 Straßenbahnfahrzeuge. Darunter sind insgesamt 239 Niederflurfahrzeuge (150 GT&-Fahrzeuge und 89 Flexity-Fahrzeuge). Bis Ende 2017 sollen die noch vorhandenen restlichen 112 hochflurigen Tatrafahrzeuge durch barrierefreie Flexity-Fahrzeuge ersetzt werden.

Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für ältere Menschen, aber auch für andere Altersgruppen, werden in Berlin seit 2001 kontinuierlich neue Fußgängerüberwege (Zebrastreifen) eingerichtet. Über die 2001 in Berlin noch rund 100 verbliebenen Zebrastreifen hinaus, konnten bis jetzt 321 neue Fußgängerüberwege realisiert werden. Darüber hinaus wurde eine große Zahl von Mittelinseln und Gehwegvorstreckungen neu gebaut.
In den Jahren 2012 bis 2014 wurden im Rahmen des Bordabsenkungsprogramms 409 Bordabsenkungen an Einmündungen und Überwegen gebaut.

Stand: Dezember 2014