Leitlinie Ältere Migrantinnen und Migranten

Auf einem Tablet-Computer sind bunte Figuren in mehreren Reihen aufgestellt
Bild: © Scanrail

Migrantinnen und Migranten sind fester Bestandteil der Berliner Stadtgesellschaft. Der Senat von Berlin berücksichtigt die besonderen Belange der älter werdenden Migrantinnen und Migranten und wird sein Engagement in dem wichtigen Bereich der Interkulturellen Altenhilfe und Pflege ungebrochen fortsetzen.

Ziele und konkrete Vorhaben des Senats

  • Der Senat erkennt die Notwendigkeit, dass die interkulturelle Öffnung der Altenhilfe- und Pflegestrukturen (IKÖ) weiter gefördert werden muss. Veränderungen ergeben sich erst nach und nach und bedürfen oftmals einer Initialzündung bzw. eines “Kümmerers”. Es ist Überzeugungsarbeit zu leisten, Know-how (z. B. durch Fortbildungen) zu vermitteln oder leicht zugänglich zu machen. IKÖ gelingt darüber hinaus nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. IKÖ bedeutet Veränderung und Bewegung. IKÖ kostet zunächst oft mehr, rechnet sich aber auf längere Sicht. Diese Erkenntnis muss Bestandteil des Bewusstseinswandels für IKÖ in der Altenhilfe und bei der weitgehend marktbestimmten Altenpflege sein.
  • Eine entscheidende Rolle spielt die Haltung der handelnden Verantwortungsträger in Führungspositionen. Es ist künftig noch stärker auf die Vermittlung eindringlicher und anschaulicher Botschaften zu Grundstandards/-werten, Chancen und Erfolgsmodellen zu setzen.
  • Der Senat setzt sich weiter für den Ausbau und die Förderung der interkulturellen Kompetenz in den Bezirksämtern und den Bereichen Altenhilfe/Pflege durch Weiterbildungsmaßnahmen ein.
  • Zur kultursensiblen Gestaltung der Arbeit sind Standards und konkrete Arbeitshilfen hilfreich. 2011 wurde mit der Erarbeitung von Standards für kultursensible Information und Beratung in der Altenhilfe und Pflege begonnen. Sie sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Verwaltungen und Einrichtungen als Leitfaden dienen. Der Prozess soll weiter befördert werden.
  • Die Zugänge für ältere Zuwanderer zu den Möglichkeiten der Teilhabe und ehrenamtlicher Tätigkeit sind zu verbessern. Der Senat wird auch hier im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützend tätig werden. Hierzu ist beispielsweise eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und Migrantenorganisationen in bestehende Netzwerkstrukturen stärker einzubinden. Regionale Strukturen der Altenhilfe, wie u. a. Seniorenfreizeitstätten, sind mit der Migrationssozialarbeit zu vernetzen, um Betroffene besser erreichen zu können.
  • Im Kontext der Fachkräftesicherung im Pflegebereich sind geeignete Maßnahmen zur Gewinnung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund für die Ausbildung und Umschulung zur Altenpflegefachkraft sowie zur Bereitstellung entsprechender Praktikums- und Ausbildungsplätze in den Altenhilfe- und Pflegeeinrichtungen durchzuführen.
  • Fachtage und Workshops dienen dazu, das Thema stärker in der wissenschaftlichen Debatte zu platzieren und über die Bedürfnisse und Lebenslagen von älteren Migrantinnen und Migranten zu informieren. Darüber hinaus wird Mehrsprachigkeit im Internetauftritt und in alters- und pflegespezifischen Informationsmaterialien der Bezirke befördert.

Aktuelle Entwicklung

Umsetzungsmaßnahmen für die Leitlinie ältere Migrantinnen und Migranten wurde gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe (komzen) erarbeitet und mit der AG Migration des Landesseniorenbeirates andiskutiert. Der Abstimmungsprozess wird in den kommenden Sitzungen der AG Migration fortgesetzt. Einige der vorgesehenen Maßnahmen der Leitlinie 13 befinden sich aktuell schon in der Umsetzung oder sind bereits abgeschlossen, darunter:

  • Schulungen zur kultursensiblen Arbeit in Bezirksämtern und Pflegestützpunkten
  • Durchführung eines Fachworkshops zur interkulturellen Öffnung der Pflegeausbildung durch das komzen

Weitere der vorgesehenen Maßnahmen der Leitlinie 13 befinden sich aktuell schon in der Umsetzung oder sind bereits abgeschlossen, darunter:

  • Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe 2015-2018
  • Unterstützung der Zusatzqualifizierung von Integrationslots/innen des Landesprogramms für die niedrigschwellige Information älterer Migrant/innen zu Angeboten der Altenhilfe und Pflege – 1. Schulungsdurchgang
  • Veröffentlichung des Gutachtens „Interkulturelle Altenhilfe in Berlin“ – Empfehlungen für eine kultursensible Pflege älterer Migrantinnen und Migranten. Das Gutachten wurde umgesetzt von Camino Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung gGmbH im Auftrag der Berliner Integrationsbeauftragten und unter Mitwirkung der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Es ermittelt aus der Perspektive von älteren Migrant/innen der ersten Einwanderergeneration und pflegenden Angehörigen sowie Migrantenselbstorganisationen deren Bedarfe und Ressourcen im Bereich der Altenhilfe und Pflege sowie die Barrieren des Zugangs zu den Angeboten und gibt Handlungsempfehlungen.

Stand: Mai 2015