Coronavirus (SARS-CoV-2): Handlungsempfehlungen für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige

Junge und alte Frau

Fragen und Antworten

  • Coronavirus-Krankheit (Covid-19) – Übertragung, Anzeichen, Therapie und Diagnostik
    Übertragung des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) per Tröpfcheninfektion, d. h. Tröpfchen von Speichel oder Nasensekret werden beim Husten oder Niesen oder „feuchter Aussprache“ in die Luft geschleudert und gelangen auf die Schleimhaut in Mund, Nase oder Auge einer anderen Person. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass Tröpfchen über die Hände und Gegenstände verteilt werden. Fasst man sich mit einer verschmutzten Hand dann wieder an Mund, Nase oder Augen, kann das Virus ebenfalls übertragen werden.
    • Inkubationszeit beträgt wahrscheinlich maximal 14 Tage, d. h. die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit kann bis zu zwei Wochen dauern. Daher ist im Fall eines Ansteckungsverdachts eine Quarantäne von 14 Tagen einzuhalten. Erst danach ist klar, ob es zu einer Ansteckung gekommen ist oder nicht.
    • körperliche Anzeichen der Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19): Fieber, trockener Husten, Halsschmerzen, Atembeschwerden, Kopfschmerzen
    • in schweren Fällen: Pneumonien (Lungenentzündung) mit schweren Verläufen mit akutem Lungenversagen
    • symptombezogene Therapie, d.h. es gibt kein Medikament, das die Krankheit heilt, aber Medikamente, die die Krankheitssymptome abmildern können
    • eine Labordiagnostik (Abstrich) erfolgt nur bei begründeten Verdachtsfällen, d.h. es liegen Anzeichen der Erkrankung wie oben beschrieben vor UND es bestand Kontakt mit einem bestätigten Fall oder es erfolgte ein Aufenthalt in einem Risikogebiet in den vergangenen 14 Tagen. Die Labor-Kapazitäten reichen für die Testung von begründeten Verdachtsfällen aus, allerdings nicht für die Testung jeder Person mit Erkältungsanzeichen (es ist auch ohne Corona gerade Erkältungszeit!). Bitte haben Sie Verständnis für diese Einschränkung und akzeptieren Sie entsprechende Einschätzungen von Gesundheitspersonal.
  • Besonders gefährdete Personengruppen
    Personengruppen, die nach bisherigen Erkenntnissen ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf haben:
    • Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwerer erkranken (Immunseneszenz). Da unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber die Antwort des Immunsystems auf eine Infektion sind, können diese im Alter schwächer ausfallen oder fehlen, wodurch Erkrankte dann auch erst später zum Arzt gehen.
    • Auch verschiedene Grunderkrankungen wie z. B. Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebserkrankungen scheinen unabhängig vom Alter das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu erhöhen.
    • Bei älteren Menschen mit vorbestehenden Grunderkrankungen ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf höher als wenn nur ein Faktor (Alter oder Grunderkrankung) vorliegt; wenn mehrere Grunderkrankungen vorliegen (Multimorbidität) dürfte das Risiko höher sein als bei nur einer Grunderkrankung.
    • Für Patienten mit unterdrücktem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, oder wegen Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken, wie z. B. Cortison) besteht ein höheres Risiko.
    Kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben:
    • Schwangere scheinen nach bisherigen Erkenntnissen aus China kein erhöhtes Risiko gegenüber nicht schwangeren Frauen mit gleichem Gesundheitsstatus zu haben.
    • Bei Kindern wurde bislang kein erhöhtes Risiko für einen schweren Erkrankungsverlauf berichtet.
  • Besuch pflegebedürftiger Menschen in Pflegeheimen

    Wie der Besuch anzumelden ist, wie die genauen Besuchszeiten und wie der Zugang zur Einrichtung vor Ort geregelt ist, ist von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Allerdings dürfen tägliche Mindestbesuchszeiten von 10:00 – 17:00 Uhr und an zwei Tagen von 9:00 – 19:00 Uhr nicht unterschritten werden.

    Besuchende müssen in der gesamten Einrichtung eine FFP2-Maske tragen. Das gilt nicht in den Zimmern von Schwerstkranken und Sterbenden (§ 2 Absatz 2 SARS-CoV-2-Basisschutzmaßnahmenverordnung).

    Besuchende müssen sich entsprechend dem Testkonzept des Pflegeheims auf das Coronavirus SARS-CoV-2 testen lassen. Die Pflegeheime haben vor Ort Testmöglichkeiten für die von ihnen vorgeschriebenen Testungen zur Verfügung zu stellen (§ 4 Absatz 2 SARS-CoV-2-Basisschutzmaßnahmenverordnung).

  • Testung pflegender An- und Zugehöriger

    Seit dem 30. Juni 2022 besteht für symptomlose Personen in der Regel kein Anspruch auf kostenlose Schnelltests mehr. Einige Personengruppen können sich weiterhin kostenlos testen lassen.
    Bedingungen zur kostenlosen Testung

    Pflegende An- und Zugehörige sowie Besucherinnen und Besucher von pflegebedürftigen Personen können die Teststellen insbesondere dann kostenlos oder gegen eine Eigenbeteiligung von 3,00 € nutzen, wenn sie zu folgenden Personengruppen gehören:
    1. Private Pflegepersonen von ambulant gepflegten Menschen können sich kostenlos in einer Teststelle testen lassen. Hierunter fallen auch Personen, die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegewohngemeinschaften oder eines Betreuten Wohnens zumindest zeitweise pflegen (§ 4a Absatz 1 Nr. 9 Coronavirus-Testverordnung).
    2. Besucherinnen und Besucher von stationären Pflegeheimen oder vergleichbaren Einrichtungen (z. B. Pflegewohngemeinschaften mit 24-Stunden Betreuung) können sich kostenlos testen lassen. Neben den Teststellen können Besucherinnen und Besucher auch die Testangebote der Einrichtung nutzen, wenn deren Testkonzept die Testung bei Besuch vorsieht (§ 4a Absatz 1 Nr. 5 Coronavirus-Testverordnung).
    3. Personen, die zu keiner der o.g. Gruppen gehören, können sich in den Teststellen gegen eine Eigenbeteiligung von 3,00 € testen lassen, wenn sie eine pflegebedürftige Person besuchen, die älter als 60 Jahre ist oder aufgrund einer Vorerkrankung oder Behinderung ein hohes Risiko aufweist, schwer an COVID-19 zu erkranken. Eines der voranstehenden Merkmale trifft auf Pflegebedürftige in der Regel zu (§ 4a Absatz 1 Nr. 6b Coronavirus-Testverordnung).

    Um in den Teststellen nachzuweisen, dass man zu einer der o.g. Personengruppen gehört, kann das folgende, auf der Seite des Bezirksamtes Berlin-Steglitz bereitgestellte Formular zum Download genutzt werden:
    Selbstauskunftsbogen für ermäßigte Coronatests

    Weitere Informationen

  • Testung in Pflegeeinrichtungen

    Pflegeeinrichtungen regeln die Testung von BesucherInnen, BewohnerInnen und den in der Einrichtung Tätigen unter Berücksichtigung der Vorgaben des Robert Koch-Instituts in eigener Verantwortung. Sie haben vor Ort Testmöglichkeiten für die von ihnen vorgeschriebenen Testungen zur Verfügung zu stellen (§ 4 Absatz 2 SARS-CoV-2-Basisschutzmaßnahmenverordnung).

    Die Sach- und Durchführungskosten können weiterhin bei der zuständigen Pflegekasse abgerechnet werden (siehe § 7 Absatz 2 Coronavirus-Testverordnung). Stationäre Pflegeeinrichtungen können je versorgte Person bis zu 35 Antigen-Tests im Monat nutzen und abrechnen, ambulante Pflegeeinrichtungen bis zu 20 (siehe § 6 Absatz 4 Coronavirus-Testverordnung).

    Formulare, Richtlinien und Zuständigkeiten für die Geltendmachung der Kosten

    Jedes positive Testergebnis eines Antigen-Tests ist von der Einrichtung umgehend dem Gesundheitsamt zu melden. Es wird empfohlen, in die Betreffzeile den Code 1111 Pflege! aufzunehmen. Jeder positive Antigen-Test von Personen, die in einer Pflegeeinrichtung tätig sind, muss durch eine PCR-Testung bestätigt werden. Ein PCR-Test ist ggf. auch für die Anerkennung als Berufskrankheit notwendig. Die Nachtestungen kann über das Gesundheitsamt, den Hausarzt, den Betriebsarzt, die COVID-19-Praxen einigen Teststellen (mit Tätigkeitsnachweis der Einrichtung) erfolgen.

  • Versorgung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen
    Schwere Verläufe der Covid-19-Erkrankungen sind vor allem bei betagten, multimorbiden Menschen zu erwarten. Die Fachgesellschaft Palliative Geriatrie verweist darauf, dass die Indikation für eine Krankenhauseinweisung von multimorbiden alten Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung sehr sorgfältig abzuwägen und höchstens bei Komplikationen von Begleiterkrankungen gegeben ist. Damit eine gute Betreuung und Versorgung der wunschgemäß in ihrem vertrauten Umfeld verbleibenden sterbenden Menschen erfolgen kann, sollten frühzeitig oder spätestens bei Diagnosestellung der Infektion wichtige Fragen der Versorgungsplanung am Lebensende geklärt werden. Dabei können Instrumente wie eine Patientenverfügung oder eine Notfallverfügung insbesondere in kritischen Situationen für Pflegende und medizinische Fachkräfte eine sehr hilfreiche Grundlage zum Fällen von Entscheidungen sein. Zu speziellen Fragen rund um Vorsorge, Sterben, Tod und Trauer berät die Zentrale Anlaufstelle Hospiz.

    Zur Umfeld-Suche können einschlägige Suchportale genutzt werden, z. B. der
    Palliativwegweiser

    Schwerstkranke und Sterbende unterliegen keinen Beschränkungen für den Empfang von Besuch. Wichtig ist auch hier, dass dem Schutz aller beteiligten Personen Rechnung getragen wird. In der Regel sollte die Sterbebegleitung durch Ehrenamtlichen für einen gewissen Zeitraum durch Telefongespräche oder auch durch Videoübertragung erfolgen. Sofern dennoch ein Besuch erfolgen soll, ist im Vorfeld das Einverständnis der Betroffenen einzuholen und eine mögliche Gefährdung oder Ansteckung zu erfragen bzw. darauf hinzuweisen. Beim Wunsch nach Begleitung durch einen ambulanten Hospizdienst wird der telefonische Kontakt zum Hospizdienst empfohlen.
    Informationen der Fachgesellschaft palliative Geriatrie

  • Notversorgung chronisch kranker Kinder während der Pandemie

    Der Corona bedingte Zusammenbruch des bisherigen häuslichen Versorgungssettings rechtfertigt den zeitnahen vermittelnden Einsatz der Versorgungskoordination für Familien mit versorgungsintensiven Kindern und Jugendlichen (VK KiJu) zur Organisation einer alternativen Versorgung.
    Für eine Notversorgung von in der Häuslichkeit bislang ohne Einbeziehung eines ambulanten Pflegedienstes versorgte chronisch kranke Kindern, für die aus Gründen der Pandemie das Versorgungssetting temporär ausfällt, z. B. weil die Eltern sich mit Covid 19 infiziert haben, und wo eine Notunterbringung der Kinder in Rede steht, wird dringend empfohlen, den Kontakt mit der jeweils zuständigen Krankenkasse zu suchen, mit ihr die Möglichkeiten zu besprechen und eine Klärung herbeizuführen.

    Weitere Informationen:
  • Schutzmaßnahmen
    • Einhaltung aller hygienischen Grundregeln wie Nies- und Hustenetikette, Abstandsgebot oder regelmäßiges Händewaschen mit Seife gelten besonders in Zeiten von Corona.
    • Um die Ausbreitung der Erkrankung einzuschränken, sollte persönliche Kontakte reduziert werden
    • Befinden sich Menschen gemeinsam in einem Raum, sollte ein Abstand von 2 m eingehalten werden, damit die Tröpfchen keine andere Person erreichen.
    • Wer Erkältungssymptome zeigt, sollte alle sozialen Kontakte meiden.
    • Um die Gefahr einer Doppelinfektion zu vermeiden, sollten insbesondere gefährdete Personen gegen Keuchhusten (Pertussis) und Pneumokokken geimpft sein. Auch die jährliche Grippeimpfung ist aktuell noch zu empfehlen. Klären sie die Möglichkeit der Impfung telefonisch mit ihrem Hausarzt ab.

    SARS-CoV-2-Basisschutzmaßnahmenverordnung

  • kontaktarme Pflege
    • Pflegebedürftige gehören in der Regel zur besonders gefährdeten Personengruppe, sind aber durch eine vollständige Impfung gut vor schwerem Verlauf geschützt und die Gefahr einer Infektion ist geringer.
    • Menschen mit Krankheitssymptomen müssen auf Besuche verzichten.
    • Körperferne Versorgung (Gespräche, Stellen von Medikamenten, Zubereitung von Mahlzeiten, Reinigung / Lüften der Wohnung, Pflegedokumentation) sollte nach gründlicher Händedesinfektion unter Einhaltung eines körperlichen Abstands von 2 m zur pflegebedürftigen Person erfolgen, ggf. durch geschlossene Türen. Während der Verrichtung ihrer Tätigkeiten sollte sich die pflegebedürftige Person in anderen Räumen der Wohnung aufhalten.
    • Körpernahe Versorgung (Körperpflege, Ankleiden, Wundversorgung) sollte nach gründlicher Händedesinfektion mit Handschuhen und FFP2-Maske verrichtet werden. Während der Tätigkeit sollten Sie nicht mit Ihrer Kundin bzw. Ihrem Kunden sprechen. Dauer und Umfang der Tätigkeiten sollten unter Abwägung von pflegefachlicher Notwendigkeit und Patientenschutz erfolgen.
    • Ausreichende Trinkmengen und regelmäßiges Lüften sorgen für gut durchblutete und feuchte Schleimhäute, die besser gegen Erreger abschirmen.
    • Notrufmöglichkeiten müssen sichergestellt werden, entweder über Telefon oder über entsprechende Notrufanlagen.
    • Stellen ambulante Pflegedienste die Versorgung nicht sicher, überlegen Sie gemeinsam, wer aus der Nachbarschaft oder Verwandtschaft Tätigkeiten übernehmen kann. Halten Sie die Anzahl der unterstützenden Personen möglichst gering.
  • Mobilität
    • Bei allen Terminen außerhalb der Wohnung sollte sorgfältig geprüft werden, ob diese unbedingt notwendig sind oder nicht doch durch Telefonate oder Online-Aktivitäten ersetzt werden können.
    • Ist ein Termin außerhalb unerlässlich, sollte auf die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs verzichtet und auf Alternativen wie Taxi oder Privatautos zurückgegriffen werden. Auch ein Ausflug mit Rollstuhl kann eine Alternative darstellen, wenn die örtlichen Gegebenheiten dies zulassen und die pflegebedürftige Person mit angemessener Kleidung, Decken und Schuhwerk gewappnet ist.
  • Einkaufen und Vorratshaltung
    • Besonders gefährdete Personen müssen auf Supermarktbesuche verzichten.
    • Lieferdienste können eine Alternative darstellen.
    • Zahlreiche Nachbarschaftsinitiativen bieten derzeit ihre Unterstützung an. Scheuen Sie sich nicht, den Kontakt aufzunehmen und die Hilfeleistung anzunehmen.
    • Die Lebensmittelversorgung ist gesichert, daher kann die Vorratshaltung wie gewohnt erfolgen.
    • Wie gewohnt sollten Sie auf ausreichend frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse zugreifen können.
    • Halten Sie Rücksprache mit ihrer/m behandelnden Ärztin/Arzt, ob Medikamente für einen längeren Zeitraum verschrieben werden können und das Rezept an die Apotheke versendet werden kann.
  • Nachbarschaftliche Hilfen

    In Berlin bilden sich immer mehr nachbarschaftliche Initiativen, die besonders gefährdete Gruppen durch Einkaufen gehen, Botengänge und andere Erledigungen unterstützen wollen. Zögern Sie nicht, mit den zahlreichen Hilfsangeboten Kontakt aufzunehmen.

    Beachten Sie bei Ihrem Engagement jedoch unbedingt, dass der Infektionsschutz an erster Stelle stehen muss. Darum gilt auch für freiwilliges Engagement und nachbarschaftliche Hilfe Besonnenheit und Vorsicht. Gerade wenn es darum geht, mit Menschen einer Risikogruppe in Kontakt zu treten. Bitte informieren Sie sich gründlich, bevor Sie anderen helfen – zu Ihrem eigenen Schutz und unser aller Wohl.

    Pflegebedürftige können für anerkannte Unterstützungsangebote und nachbarschaftliche Hilfen auch den Entlastungsbetrag gemäß § 45 b SGB XI in Höhe von 125 Euro pro Monat nutzen.
    Übersicht über die zur Verfügung stehenden Angebote

    Zu den anerkannten Angeboten gehört unter anderem die
    Malteser Nachbarschaftshilfe
    Telefon: (030) 3480-03266

    Für Berliner Seniorinnen und Senioren gibt es jetzt mehrseitige Informationen mit wichtigen Tipps, Hotlines in allen Bezirken, telefonischen Gesprächsangeboten und Beratungen für pflegebedürftige Menschen und pflegende Angehörige.
    Informationen für Berliner Seniorinnen und Senioren

  • Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

    Kurzzeitige Arbeitsverhinderung

    In einer akuten Pflegesituation haben Beschäftigte Anspruch auf eine Auszeit von der Arbeit, um die Pflege naher Angehöriger sicherzustellen oder zu organisieren. Dieses Recht gilt in jedem Arbeitsverhältnis. Die Auszeit ist auf insgesamt 10 Arbeitstage je Angehörigen begrenzt. Die Inanspruchnahme und deren voraussichtliche Dauer ist dem Arbeitgeber unverzüglich mitzuteilen. Dieser kann einen Nachweis über die akute Situation und die voraussichtliche Pflegebedürftigkeit verlangen (ärztliches Attest). Für die Dauer der Auszeit kann Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen beantragt werden, wenn kein Anspruch auf Lohn-/Gehaltsfortzahlung besteht.

    Pflegezeit

    Beschäftigte können sich für die häusliche Pflege von nahen Angehörigen bis zu sechs Monate unbezahlt teilweise oder vollständig von der Arbeit freistellen lassen. In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten besteht ein Anspruch auf Freistellung. Gegenüber dem Arbeitgeber ist die Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad 1-5) nachzuweisen. Umfang und Dauer der Freistellung sind schriftlich mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren.

    Familienpflegezeit

    Im Rahmen der Familienpflegezeit besteht die Möglichkeit, für die häusliche Pflege naher Angehöriger für einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten unbezahlt die vertragliche wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden zu reduzieren. Gegenüber dem Arbeitgeber ist die Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad 1-5) nachzuweisen. Umfang und Dauer der Arbeitszeitreduzierung sind schriftlich mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren und acht Wochen vorab (bei Anschluss der Familienpflegezeit an Pflegezeit drei Monate vorab) anzukündigen. Für Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 25 Beschäftigten besteht ein Anspruch auf Familienpflegezeit.

    Begleitung in der letzten Lebensphase

    Für die Begleitung naher Angehöriger in der letzten Lebensphase ist es möglich, sich bis zu drei Monate unbezahlt teilweise oder vollständig von der Arbeit freistellen zu lassen. In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten besteht ein Anspruch auf Freistellung. Die zu pflegende Person muss während dieser Zeit nicht in häuslicher Umgebung gepflegt werden. Die Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad 1-5) muss nicht vorliegen.

    Die Gesamtdauer aller Freistellungen darf 24 Monate je nahem Angehörigen nicht überschreiten. Bei der Inanspruchnahme von Pflegezeit und Familienpflegezeit müssen die Freistellungen unmittelbar aneinander anschließen.

    Ab der Ankündigung, höchstens jedoch 12 Wochen vor dem Beginn der Freistellungen nach dem Pflegezeitgesetz bzw. Familienpflegezeitgesetz und während der Freistellungen besteht ein Sonderkündigungsschutz.
    Für die Zeit der Freistellungen kann zum Ausgleich des Lohnverlusts ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden.

    Befristete Sonderregelungen aus Anlass der COVID-19-Pandemie:

    Um pflegende Angehörige weiterhin zeitnah zu unterstützen, wurden die bestehenden Sonderregelungen mit dem Gesetz zur Verlängerung von Sonderregelungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie bis zum 31. Dezember 2022 verlängert, das heißt:

    Kurzzeitige Arbeitsverhinderung:
    Wenn die akute Pflegesituation auf Grund der COVID-19-Pandemie aufgetreten ist, ist eine Freistellung von bis zu 20 Arbeitstagen möglich.

    Pflegeunterstützungsgeld:
    Das Pflegeunterstützungsgeld wird für diesen Zeitraum für bis zu 20 Arbeitstage gezahlt, wenn die häusliche Pflege nicht anders sichergestellt werden kann.

    Familienpflegezeit und Pflegezeit:
    Wer die Höchstdauer einer Auszeit für pflegebedürftige nahe Angehörige bisher nicht ausgeschöpft hat, kann sich erneut von der Arbeit freistellen lassen, wenn der Arbeitgeber zustimmt. Während der Pandemie ist eine mehrfache Inanspruchnahme möglich und die Freistellungen müssen weiterhin nicht in unmittelbarem Anschluss genommen werden. Es ist zu beachten, dass die Gesamtdauer von 24 Monaten nicht überschritten werden darf. Die Freistellungen müssen spätestens am 31.12.2022 enden. Die Frist für die schriftliche Ankündigung einer Freistellung wird auf 10 Tage (statt 8 Wochen) verkürzt. Die wöchentliche Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden darf vorübergehend, längstens für die Dauer von 1 Monat, unterschritten werden.

    Berücksichtigung von Einkommenseinbußen bei der Ermittlung der Höhe der zinslosen Darlehen
    Pandemiebedingte Einkommensausfälle können auch weiterhin bei der Ermittlung der Darlehenshöhe auf Antrag unberücksichtigt bleiben. Zudem besteht weiterhin die Möglichkeit, pandemiebedingte Rückzahlungsschwierigkeiten auf Antrag anzuzeigen und die Rückzahlung im Verwaltungsverfahren zu erleichtern.

    Über das aufgeführte hinaus können weitere Möglichkeiten dazu beitragen, Beruf und Betreuungsverpflichtungen besser miteinander zu vereinbaren, beispielsweise flexible Arbeitszeit- und Teilzeitmodelle, Homeoffice, Arbeitszeitkonten und Sonderurlaub.

    Information, Beratung und Unterstützung:

    Wenn Sie weitere Informationen, Beratung bzw. Unterstützung benötigen, steht Ihnen gerne die Beratungsstelle KOBRA Beruf | Bildung | Arbeit kostenfrei zur Verfügung.

    • Beratungsstelle KOBRA
    • Terminvereinbarung: Mo – Fr 10:00 – 13:30 Uhr, Telefon: (030) 6959 230
    • Telefonische Sprechzeiten: Di 14:00 – 15:30, Do 10:00 – 12:00 Uhr, Tel.: (030) 6959 2316
    • Sie können Ihr Anliegen auch direkt per E-Mail senden.

    Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat wichtige Informationen zu den Freistellungsregelungen bei Pflege zusammengestellt:
    www.wege-zur-pflege.de

  • Beratungs- und Unterstützungsangebote

    Informationen zum aktuellen Angebot und den Kontaktmöglichkeiten der Berliner Beratungs- und Unterstützungsangebote in der Pflege:
    Übersicht der Berliner Beratungs- und Unterstützungsangebote

    Die Broschüre “Nicht immer einfach” gibt einen guten Überblick über alle Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige mit psychosozialer und psychologischer Beratung in schwierigen Situationen:
    Nicht immer einfach

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