Preisverleihung

Link zu: Nominierungsaufruf
Bild: LADS

Die Preisverleihung des Berliner Preis für Lesbische* Sichtbarkeit ist alle zwei Jahre ein wichtiger Tag im Kalender der Regenbogenhauptstadt. Die mediale Berichterstattung verstärkt die Sichtbarkeit und sorgt für erhöhte Aufmerksamkeit bei den Berlinerinnen und Berlinern für das Thema. Der Berliner Preis für Lesbische* Sichtbarkeit ist daher nicht nur eine Würdigung der Gewinnerin, sondern ist selbst auch ein Mittel, lesbische Sichtbarkeit herzustellen.

Die Preisverleihung 2020

Insgesamt gingen während der Nominierungsphase über 100 Vorschläge für 47 Personen/Personengruppen ein. Die unabhängige ehrenamtliche Jury entschied sich aus dieser Vielzahl ehrenwerter Persönlichkeiten für die folgende Preisträgerin des mit 5.000 Euro dotierten Preises und wählte drei Nominierte für besondere Würdigung aus.

Videobotschaft des Senators Dr. Dirk Behrendt

Quelle: Lokaler Server
Formate: video/mp4

Preisträgerin

Portrait Katharina Oguntoye
Bild: Carolyn Gammon

Katharina Oguntoye

“Ich engagiere mich für lesbische* Sichtbarkeit, weil versteckt Leben keine Alternative ist.”

Engagement: Katharina Oguntoye engagiert sich seit 1983 in der Frauen- Lesbenbewegung in Deutschland und International, z.B. bei der Organisation der Berliner Lesbenwoche, dem Cross-Cultural Sommer Institute – Deutschland, leitete Workshops beim Lesben Frühlingstreffen und der Audre Lorde Conference „I Am Your Sister“ (Boston) und dem International Feminist Book Fairs (Montreal, Amsterdam) und nahm an zahlreichen Podiumsdiskussionen in LGBTQI* Foren teil. Katharina Oguntoye ist in den Medien durch zahlreiche Interviews präsent, wie z.B. L-Mag, Siegesäule, Berliner Zeitung, Focus, Stern, Deutschland Radio Kultur, Schwules Museum, Filme (LFT Doku, Goethe Institute). Katharina Oguntoye ist außerdem für ihre Veröffentlichungen bekannt u.a. in der Berliner Lesbenwochen-Doku, Lesbenjahrbüchern und Anthologien. Sie ist zudem Mitgründerin einer Lesben mit Kinderwunsch-Gruppe.

Lebensweg: Katharina Oguntoye ist Historikerin und hat die feministische und afro-deutsche Bewegungen mitgeprägt – unter anderem als eine der Herausgeberinnen und Autorin des Buches „Farbe bekennen. Afro-Deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ (1986), sowie als Gründungsmitglied der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ und ADEFRA (Afro-deutsche Frauen- und Lesbengruppe). 1997 erschien ihre wissenschaftliche Recherche zur Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland, die in 2020 unter neuem Titel „Schwarze Wurzeln, Afro-deutsche Familiengeschichten von 1884 bis 1950“ im Orlanda Verlag neu erscheint. Seit 1983 ist sie Aktivistin in der Frauen / Lesben Bewegung und seit 1996 ist sie Leiterin des von ihr mitbegründeten Vereins Joliba – Interkulturelles Netzwerk in Berlin e.V. (www.joliba.de).

Für besondere Würdigung ausgewählte Nominierte

Portrait Jutta Brambach
Bild: Jutta Brambach

Jutta Brambach

“Ich setzte mich für lesbische* Sichtbarkeit ein, weil sich für mich damit Gendergerechtigkeit verbindet und diese meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für eine solidarische, demokratische und vielfältige Gesellschaft ist.”

Engagement: Von 2000 bis 2004 war Jutta Brambach an der Durchführung von Coming-out Gruppen für junge Frauen im Mädchenzentrum Kreuzberg sowie von 2000 bis 2006 im RuT-Rad und Tat e.V. für Frauen im späten Coming-out (mit Sabine Thomsen) engagiert. Seit 2004 ist sie für den Aufbau des Besuchsdienstes „Zeit für Dich“ für ältere lesbische Frauen im RuT verantwortlich – anfangs ehrenamtlich und seit 2013 als Leitung der Einrichtung RuT in der Schillerpromenade. Jutta Brambach leitet seit 2008 den Aufbau des RuT-Wohnprojektes, größtenteils ehrenamtlich, und seit 2011 als ehrenamtliche Geschäftsführung der RuT Berlin gGmbH. Jutta ist außerdem Gründungsmitfrau des Dachverbands Lesben und Alter e.V. und dort seit 2009 im Vorstand.

Lebensweg: Jutta Brambach, Jahrgang 1953, wuchs in Hamburg und Schleswig-Holstein auf und siedelte 1974 nach Berlin über. Seit 1980 lebt sie Regenbogenfamilie. Nach dem Studium der Sozialarbeit an der Alice-Salomon-Hochschule mit Studienschwerpunkt Feministische Mädchenarbeit engagierte sie sich in den 70er und 80er Jahren beim Aufbau und in der Mitarbeit in Kinderläden und lesbischen Müttergruppen. Seit Anfang der 80er Jahre ist sie zudem in der feministischen Mädchenarbeit aktiv: Seit 1985 war sie an der Gründung und anschließend in der Leitung des Internationalen Mädchentreffs in Berlin-Kreuzberg tätig und danach mit dem Aufbau und der Leitung des Mädchenzentrums Kreuzberg betraut.

Portrait Saideh Saadat-Lendle
Bild: Zara Zandieh

Saideh Saadat-Lendle

„Ich setze mich für lesbische* Sichtbarkeit ein, weil es mir um Empowerment geht und Verbundenheit, darum, sich gegenseitig zu stärken, wertzuschätzen und zu unterstützen, darin, Diskriminierung und Gewalt die rote Karte zu zeigen, Lebenswünsche zu verwirklichen und sich gemeinsam für eigene und die Rechte der Verbündeten einzusetzen.”

Engagement: Als feministische, iranische Frauenaktivistin habe ich mich im Jahre 1990 als queere Lesbe* geoutet und bin damit auf viele Widerstände gestoßen. Seitdem setze ich mich deutschlandweit und international unermüdlich für Empowerment und gegen mehrdimensionale Gewalt und Diskriminierung von Lesben* und ihren Verbündeten ein. Ich habe in diesen 30 Jahren persönlich und als Leiterin von LesMigraS zum Thema Sensibilisierung und Empowerment hunderte Redebeiträge gehalten, Gruppen, Workshops und Fortbildungen geleitet, zahlreiche Interviews gegeben, Texte geschrieben und Broschüren und Bücher zum Thema herausgegeben. Im Jahre 1999 habe ich LesMigraS gegründet und damit bis heute einer neuen Generation von Lesben* Raum gegeben, sich zu stärken, zu verbinden und damit für sich, für einander, für ihre Communities und die Gesellschaft aktiv Verantwortung zu tragen.

Lebensweg: Saideh Saadat-Lendle wurde 1958 im Iran geboren und studierte Mathematik für Informatik und Chemie. Kurz vor dem Abschluss wurde Saideh Saadat-Lendle auf Grund politischer Aktivitäten aus der Universität entlassen und zwei Mal inhaftiert. Nach 5 Jahren eines Lebens im Untergrund floh Saideh Saadat-Lendle 1985 nach Deutschland, wo sie in Berlin kritische Psychologie studierte. Seitdem engagiert sich Saideh Saadat-Lendlesich politisch in der iranischen Frauenbewegung im Exil und seit 1989 berlin- und deutschlandweit für Empowerment und gegen mehrdimensionale Gewalt und Diskriminierung insbesondere von Frauen*, Lesben* und Queers.

Portrait Tülin Duman
Bild: Hassan Taheri

Tülin Duman

„Ich setzte mich für lesbische* Sichtbarkeit ein, weil auch in der queeren Welt eine “männliche” Dominanz herrscht.”

Engagement: Tülin Duman engagiert sich seit vielen Jahren in diversen Projekten gegen Sexismus, Homo- und Transphobie, sowie gegen Rassismus – zunehmend auch im musikalisch und künstlerischem Bereich. „Mehrdimensional denken, multiperspektivisch handeln” ist dabei ihre Linie. Einen besonderen Fokus legt sie bei ihrer Arbeit auf den Rassismus und Sexismus innerhalb der queeren Szenen. Tülin Duman ist seit über zwanzig Jahren in zahlreichen politischen, künstlerischen und kulturellen Projekten sowohl beruflich als auch ehrenamtlich tätig.

Lebensweg: Tülin Duman ist Mitgründerin und -inhaberin des Berliner Veranstaltungsortes Südblock – Showbühne, Bar, Nachbarschafts- und Begegnungsort in Kreuzberg. Von 2008 bis 2011 war Tülin Duman Geschäftsführerin von GLADT e. V. (Berlin), deutschlandweit die einzige unabhängige Eigenorganisation von queeren Migrant_innen mit Vereinsstatus. Der Verein wurde von überwiegend türkeistämmigen Lesben, Schwulen
und Trans* Personen gegründet, verfolgt einen intersektionalen Ansatz und ist nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle für mehrfachdiskriminierte Queers.
2005 gründete Duman den Laden „GOAL“, der sich mit Fußballkultur beschäftigte. Sie organisierte mit GOAL Veranstaltungsreihen, Ausstellungen und Lesungen u.a. zu Diskriminierungen im Fußball, antisexistischer Fankultur und Frauen im Fußball. Unter dem Namen “Kick it queer” veranstaltete sie große Public Viewing-Reihen von Frauenfussballspielen. Tülin Duman studierte Pharmazie und war von 2002 bis 2008 im Bereich Public Health als
Projektkoordinatorin bei Gesundheit Berlin mit dem Schwerpunkt Migration und soziale Ungleichheit tätig.

Hinweis: Aufgrund der COVID-19 Situation konnte die Preisverleihung nicht wie geplant stattfinden, die Preisübergabe und Würdigung aller von der Jury ausgewählten Nominierten wird aber voraussichtlich im Herbst im Rahmen des Forums Regenbogenstadt Berlin stattfinden.

Die Preisverleihung 2018

Die feierliche Preisverleihung des 1. Berliner Preises für Lesbische* Sichtbarkeit fand am 02. Juli 2018 im SchwuZ statt.

Insgesamt waren nach einer vierwöchigen, öffentlichen Nominierungsphase mit insgesamt 89 Nominierungseingängen 30 Personen für den Preis vorgeschlagen worden. Die Jury wählte daraufhin aus den eingereichten Nominierungen zunächst drei Nominierte für eine Shortlist aus und bestimmen danach und unter diesen die endgültige Gewinnerin, die erst auf der Preisverleihung bekannt gegeben wurde. Die Jury entschied zudem kurzfristig das Preisgeld zu dritteln, um so alle drei Nominierten zu würdigen.

Die Preisträgerin 2018 Dr. Ilse Kokula

Dr. Ilse Kokula setzte sich über viele Jahrzehnte hinweg für die Rechte und die gesellschaftliche Anerkennung von Lesben ein. Immer wieder fordert sie dabei, dass Lesben und lesbische Lebensformen benannt und sichtbar gemacht werden, denn: „Zur Existenz gehört in unserem Kulturkreis die Bezeichnung; was keinen Namen hat, existiert nicht.“ (1983)

Sie studierte Sozialarbeit und Pädagogik und promovierte 1982 in Soziologie. Drei Jahre später wird sie von der Universität Utrecht als erste Gastprofessorin für „soziale Geschichte und Sozialisation lesbischer Frauen“ auf einen Wechsellehrstuhl berufen. Sie publiziert zahlreiche Bücher und Aufsätze zu Lesben: „Weibliche Homosexualität um 1900“, „Formen lesbischer Subkultur“, „Gespräche mit älteren lesbischen Frauen“, „Lesbisch leben in Deutschland“, „Die Welt gehört uns doch – Zusammenschluss lesbischer Frauen in der Schweiz der 30er Jahre“.

Politisch war Dr. Ilse Kokula u.a. in der Frauengruppe der Homosexuellen Aktion Westberlin (HAW), später Lesbisches Aktionszentrum Westberlin aktiv. In Berlin arbeitete sie auch an der Ausstellung „Eldorado. Homosexuelle Frauen und Männer in Berlin 1850–1950“ mit.

Einzigartig ist Dr. Ilse Kokulas Beitrag zur Verknüpfung von Lesbenforschung und Lesbenpolitik sowie zur Vernetzung von Lesben und Lesbengruppen aus der BRD, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und der DDR. Auch als Mitarbeitende des Referats und anschließend Leiterin des Fachbereichs für gleichgeschlechtliche Lebensweise des Berliner Senats brachte sie von 1989 bis 1996 zahlreiche Themen aus dem Bereich lesbischer und schwuler Lebensformen durch Tagungen und Publikationen in die gesellschaftliche Diskussion.

Dr. Ilse Kokula wurde mit dem Preis für ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Rechte und die gesellschaftliche Anerkennung von Lesben geehrt.

Die für den Preis ebenfalls nominierte Sängerin und Kabarettistin Sigrid Grajek und DJ İpek İpekçioğlu wurden für ihr Engagement für lesbische Sichtbarkeit mit Urkunden ausgezeichnet.