Coronavirus Covid-19

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Diversity-Tag 2020

Diverse Menschengruppe

Die Corona-Krise betrifft uns alle – allerdings je nach Lebenssituation und Ausgangslage in sehr unterschiedlichem Maße.
So lässt sich beobachten, dass erkämpfte Standards und Rechte, wie zum Beispiel Barrierefreiheit, in der Krisensituation weniger Beachtung finden als sonst. Bestehende soziale Ungleichheiten werden durch die Krise verstärkt sichtbar, insbesondere beim Zugang zu (digitaler) Bildung. Darüber hinaus zeigt sich, dass neue und alte Stereotype und Vorurteile sich in dieser Ausnahmesituation in neuem Gewand aktivieren, dies wird insbesondere mit Blick auf Rassismus oder antisemitische Verschwörungserzählungen deutlich.

Die Corona-Krise aus Diversity-Perspektive

Den Diversity-Tag möchten wir in diesem Jahr dafür nutzen, mit Fokus auf Diversity und Antidiskriminierung möglichst viele unterschiedliche Perspektiven auf die Krise sichtbar zu machen. Dafür haben wir einen Fragebogen an verschiedene Projekte und Organisationen versandt. Ihre Antworten zeigen, wie sich die Krisensituation auf ihre Arbeit und Zielgruppe auswirkt, welche Maßnahmen sie ergriffen haben und was sie sich von Politik und Gesellschaft wünschen.
Diese Sammlung ist nicht abgeschlossen. Sie können uns gern kontaktieren, wenn auch Sie sich mit einem Steckbrief beteiligen möchten.

Viel Spaß beim Lesen!

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Beratungsstelle Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin des TBB erreichen seit Anfang März vermehrt Fälle von Rassismus in Zusammenhang mit dem Virus Covid-19.

Ratsuchende, die als asiatisch gelesen werden, sind Beleidigungen, Erniedrigungen und sogar brutalen Angriffen im öffentlichen Raum ausgesetzt.
Anfang März hält sich eine Gruppe von hauptsächlich asiatisch gelesenen Menschen in einer Bar im Prenzlauer Berg auf. Beim Verlassen der Bar werden sie von einer Gruppe Männer gefragt, ob sie das Corona-Virus haben. Die Gruppe macht rassistische Witze und Kommentare über Asiat*innen. Die Situation eskaliert, als eine Person aus der belästigten Gruppe die Männergruppe bittet, aufzuhören. Diese bedroht die Gruppe daraufhin körperlich.
Wie uns eine der angegriffenen Personen berichtete, war dies leider keine Ausnahmeerfahrung:
„… ich persönlich bekomme jeden Tag Drohungen und bin frustriert, dass es keinen solchen sozialen Schutz gegen diese Bedrohungen gibt. Kürzlich haben wir viele Fälle gesehen, in denen Asiaten in Berlin von Unwissenden wegen dieses Corona-bezogenen Rassismus körperlich angegriffen oder beschimpft wurden.”

Ende März hat uns die Meldung erreicht, dass eine asiatische Berlinerin die eine Maske trug, bei einer S-Bahn-Fahrt angegriffen wurde: Ein Mitreisender, der an einer Haltestelle dabei war auszusteigen, versuchte, der asiatischen Person die Atemschutzmaske abzureißen. Als der Freund der Angegriffenen ihn daran hindert, schrie der Mann sie an und forderte sie auf, die Maske abzunehmen. Er setzte seinen Angriff fort, indem er mit der Faust von außen gegen die Scheibe des Waggons schlug. Die angegriffene Person behielt die Maske auf, woraufhin der Angreifer versuchte, erneut in den Zug zu gelangen. Dies gelang ihm nicht, da der Zug abfuhr.
Aus Angst vor Angriffen, Bösen Blicken und weiteren Diskriminierungserfahrungen trauen sich viele Menschen nicht, ihre Wohnungen zu verlassen und sich im offenen Raum zu bewegen. Damit werden sie in ihren Grundrechten massiv eingeschränkt.

Rassismus umfasst alle Lebensbereiche
Auch in den Bereichen Gesundheit sowie Güter und Dienstleistung erreichen uns Diskriminierungsmeldungen. Hierbei geht es hauptsächlich um die Vorenthaltung von wichtigen (medizinischen) Leistungen. Einer Patientin aus China wird in einer Frauenarztklinik als einziger Person die Behandlung verweigert. Obwohl sie sich in den vorangegangenen Monaten nicht in China aufgehalten hat, wird sie gebeten, „aus gesundheitlichen Gründen“ die Klinik zu verlassen.

In weiteren Fällen dient die gesundheitliche Ausnahmesituation als vorgeschobener Grund für rassistisches Handeln. So wurde eine Schwarze Familie aufgefordert, im Rahmen einer Kita-Anmeldung, eine Corona Test für die zwei Kinder zu machen, um einen Betreuungsplatz zu bekommen, da die Mutter sich im Februar in Italien aufgehalten hatte. Obwohl beide Kinder negativ auf den Virus getestet wurden, erhielten sie den Platz nicht. Einer weiteren Schwarze Person wurde der Eintritt zum Supermarkt vom Sicherheitsmitarbeiter ohne Benennung eines Grundes verwehrt.

Im Bereich Wohnen verzeichnet der Arbeitsbereich Beratung der Fachstelle „Fair-mieten Fair-wohnen“ einen intensiveren Beratungsbedarf. „Durch die geltenden Maßnahmen gegen das Coronavirus bleiben die meisten Berliner*innen zu Hause, arbeiten im Homeoffice und gehen so wenig wie möglich hinaus. Wir beobachten, dass sich diskriminierende Nachbarschaftskonflikte in diesem Kontext verschärfen und betroffene Personen mit einem starken Unsicherheitsgefühl in ihren Wohnungen bleiben müssen. Für Menschen, die in und von ihrem direkten Wohnumfeld Diskriminierung erleben, verstärkt sich diese Belastung erheblich. Die Betroffenen sind diesen Diskriminierungen den ganzen Tag über ausgesetzt, denn sie haben keine Ausweichmöglichkeiten. Sie brauchen daher eine intensive Beratung.“

Die Gesundheit einer Gesellschaft muss sich nicht zuletzt an Maßstäbe für Schutz von Minderheiten und marginalisierte Gruppen vor Diskriminierung und rassistische Gewalt bemessen. Diese soll in Krisenzeiten von besonderer Bedeutung sein.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, findet die Offene Beratung des ADNB nicht mehr in den Räumen des TBB sondern per Telefon statt (dienstags 15:00-17:00 und donnerstags 10:00-12:00 Uhr unter 0157 8510 6697).

Ansonsten bieten wir Beratung via Email und Telefon, seit kurzem auch über Videocall an. Nur wenn es erforderlich ist, vereinbaren wir seit dem 4. Mai Beratungsgespräche Vorort (im Büro oder als Spaziergang). Mit den Ratsuchenden gemeinsam versuchen wir, eine individuell passende Lösung zu finden.
Wir benutzen Diensthandys, um die Ratsuchenden auch von zuhause aus telefonisch erreichen zu können. Für die Fall- und Teambesprechungen haben wir uns auf Videoplattformen umgestellt, sodass wir insgesamt nie Alle im Büro sind. Mit anderen Beratungsstellen und dem Dachverband tauschen wir uns über Erfahrungen und Strategien aus, und treffen Absprachen, um unsere Maßnahmen aneinander anzupassen.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Es brauch mehr Bewusstsein dafür, dass Diskriminierung auch auf struktureller und institutioneller Ebene ausgeübt wird. Denn zusätzlich dazu, dass Zugänge zu (medizinischer) Versorgung ungleich sind, und das Gesundheitssystem generell klassistisch aufgebaut ist, erfahren Menschen in Corona-Zeiten verstärkt institutionellen Rassismus.
Menschen werden von den Ausgangseinschränkungen unterschiedlich getroffen: Durch Machtverhältnisse werden Menschen vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen, und haben somit kein sicheres Zuhause, in dem sie sich aufhalten können.
Für Menschen, die psychische Erkrankungen haben, und sich in Therapie befinden, waren die Maßnahmen belastender, als für ableistete Menschen.
Für Menschen, die rassistischer Diskriminierung durch Nachbar*innen ausgesetzt sind, hat sich die Lage zuhause zugespitzt.
Alleinerziehende waren durch den Ausfall der staatlichen Bildungseinrichtungen in der Erziehung ihrer Kinder noch mehr gefordert.
Den vielfältigen Lebensrealitäten sollte in Maßnahmen zur Eindämmung des Covid-19 Virus Berücksichtigung geschenkt werden.
Im deutschen antirassistischen Diskurs taucht die Problematik von anti-asiatischem Rassismus kaum auf. Doch längst war anti-asiatischer Rassismus auch vor Corona real. Dafür sollte es mehr Sensibilisierung und mehr Schulungen geben.
Auch dass rassistisch markierten Menschen eine Infizierung per se unterstellt wird, spricht Bände für den Zusammenhang von Rassismus und Krankheit in seiner Funktionswiese.
Zuletzt zeigt sich, dass Ratsuchende in dieser Krisensituation vermehrt auf Beratungsangebote zurückgreifen. Antidiskriminierungsarbeit sollte auch außerhalb von Krisenzeiten als systemrelevant betrachtet werden, und die Arbeit durch Regelförderungen abgesichert werden.

Mehr Infos über das ADNB des TBB

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Logo_Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V.
Bild: Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegr. 1874 e. V. (ABSV) ist die Selbsthilfe- und Patientenorganisation blinder und sehbehinderter Menschen in Berlin mit 2.500 Mitgliedern. Er ist ein Beispiel gelebter Selbsthilfe, das heißt, blinde und sehbehinderte Menschen bestimmen die Ziele und Ausrichtungen des Vereins selbst.
Er gliedert sich in 19 Bezirks- und Stadtteilgruppen sowie weitere thematische Gruppen auf der Basis beruflicher, kultureller und sportlicher Interessen.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Bedingt durch die momentanen Kontakteinschränkungen findet praktisch kein Vereinsleben statt. Es gibt keine Treffen der Mitglieder und Gruppen, keine Gremiensitzungen. Die Kommunikation mit den Mitgliedern kann also nur telefonisch oder per E-Mail ablaufen. Videokonferenzen sind, bedingt durch die Altersstruktur und die damit einhergehende geringe Technik-Affinität, kaum möglich. Neben praktischen Alltagsproblemen, wie der Erledigung von Einkäufen oder Arztbesuchen, bei denen eine Begleitung erforderlich wäre, werden auch Vereinsamungstendenzen deutlich.
Dass blinde und sehbehinderte Menschen das geforderte Abstandsgebot nicht einhalten können und befürchten, sich deshalb Vorwürfen ausgesetzt zu fühlen, verunsichert. Auf der anderen Seite erleben wir auch Solidarität, die hoffentlich auch nach der Corona-Krise anhält und zu mehr Empathie in der Gesellschaft führt.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir stellen ein speziell auf blinde und sehbehinderte Menschen abgestimmtes Informationsangebot bezogen auf die aktuelle Krisensituation im Internet und per E-Mail zur Verfügung. Wir organisieren Einkaufshilfen durch unsere Mitarbeitenden im Begleit- und Assistenzservice. Wir beschaffen und versenden Masken. Wir führen verstärkt telefonische Beratungen durch. Wir haben ein Sicherheitskonzept mit Abstand und Maskenschutz entwickelt, um auch wieder persönliche Beratungen und Einzelschulungen anbieten zu können.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Wir wünschen uns mehr Toleranz und Hilfsbereitschaft im öffentlichen Raum.
Wir fordern schnellere Hilfen bei Problemen am Arbeitsplatz, digitale Barrierefreiheit aller Onlineangebote, insbesondere von Dokumenten und Informationen der Verwaltung, vermehrte Corona- sowie Antikörpertests und leichteren Zugang zu diesen für unsere Klientel.
Es darf keine Benachteiligung geben für Menschen, die der Risikogruppe angehören, wenn diese länger als andere im Homeschooling oder Homeoffice verbleiben müssen.

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Kurzvorstellung der Organisation

Amaro Foro e. V. ist eine Migrantenjugendselbstorganisation von Roma und Nicht-Roma mit dem Ziel, jungen Menschen durch Empowerment, Mobilisierung, Selbstorganisation und Partizipation Raum zu schaffen, um aktive Bürger*innen werden zu können. Als junge Roma und Nicht-Roma übernehmen wir gemeinsam Verantwortung für Achtung und gegenseitigen Respekt in der Gesellschaft.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Aktivitäten des Vereins, in deren Rahmen praktische Unterstützung angeboten wird, sind in der aktuellen Situation eingeschränkt. U. a. finden die Beratungsangebote telefonisch und per E-Mail statt. Die Arbeit des Vereins hat allerdings nicht aufgehört, sondern wurde schließlich umgestellt.
Für die Menschen, die sich an den Verein wenden, ist eine feste Unterstützungsstruktur weggefallen. Für viele ist diese Art von Unterstützung schwierig bis kaum möglich, da technische Ausstattung und zum Teil Kenntnisse nicht bzw. nicht ausreichend vorhanden sind. Dies betrifft auch viele schulpflichtigen Kinder und Jugendliche, die nicht gleichberechtigt am Onlineunterricht teilnehmen können.
Diskriminierungserfahrungen im Alltag sind weniger sichtbar. Institutionelle Diskriminierung dagegen weiterhin in Form von Schikanen präsent.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Im Rahmen der Vereinsangebote stehen im Vordergrund die Bedürfnisse und Rechte der Menschen, die sich an den Verein wenden. Die Vereinsaktivitäten wurden weiterhin niedrigschwellig gehalten, so dass viele Angebote auch in den sozialen Medien übertragen wurden, die für die meisten Menschen zugängig sind. Da es um eine außergewöhnliche Situation geht, die neue Herausforderungen brachte, wurde immer nach Lösungen gesucht, welche ziel- und bedarfsorientiert sind. In dieser Situation wurden die Selbsthilfepotentiale der Menschen noch mehr gefordert und gefördert, so dass der Ansatz des Vereins – Menschen zu stärken und einzubeziehen, intensiver umgesetzt wurde.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Schulen und Ämter sollen grundsätzlich digitalisiert werden. In solchen Situationen müssen die Senatsverwaltung für Bildung bzw. die Schulen die gleichberechtigte Teilhabe von Schüler*innen am Unterricht gewährleisten können und Schüler*innen technisch ausstatten. Es ist nicht tragbar und keine Aufgabe der Zivilgesellschaft, Spendenaktionen zu starten, um Schüler*innen mit Technik auszustatten.
Wenn die Politik eine Isolation verordnet, muss sie für die am stärksten benachteiligten Personen (Wohnungs- bzw. Obdachlose) das sicherstellen: sofortige Unterbringungen unabhängig von sozialrechtlichen Ansprüchen und amtliche Zuständigkeiten. Es ist ein Notfonds zu empfehlen, damit u. a. Hygieneartikel kostenlos an Menschen vergeben werden können.

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Kurzvorstellung der Organisation

Die Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS) ist eine unabhängige Beratungsstelle für Schüler*innen, Eltern/ Sorgeberechtigte, Lehrkräfte und Schulbeschäftigte, die an einer Schule diskriminiert wurden. Sie ist bei der nichtstaatlichen Bildungsorganisation LIFE – Bildung, Umwelt, Chancengleichheit e. V. angesiedelt und bietet neben der Beratung und Begleitung von Betroffenen, auch Empowermentworkshops für Eltern und Schüler*innen und Fortbildung für Schulen.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Mit der Schließung der Schulen in Berlin am 16. März und – von einem Tag auf den anderen – dem Verlagern des schulischen Lernens in die Familien als sogenanntes Homeschooling, rückten für Schüler*innen und Eltern zunächst massive andere Probleme in den Vordergrund und die diskriminierungsbezogenen Anfragen bei ADAS brachen übergangsweise ab. Auch alle Begleitungstermine von Betroffenen zu Schulkonferenzen und persönliche Beratungsgespräche mussten aufgrund der Einschränkungen zum Infektionsschutz abgesagt werden bzw. konnten nicht stattfinden.
Mit der schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen ab dem 11. Mai, aber auch der Erweiterung des Beratungsangebots von ADAS um das Thema Homeschooling stiegen die Beratungsanfragen wieder sprunghaft an. Expert*innen sagen voraus, dass bis zu den Sommerferien und evtl. sogar darüber hinaus, solange kein Impfstoff gefunden wird, kein regulärer Schulunterricht mehr stattfinden wird. Das aus der Notlage erzwungene Homeschooling birgt für viele Schüler*innen und Eltern v. a. aus ressourcenarmen Familien sehr viele Diskriminierungsrisiken und wird die Bildungsungerechtigkeit verschärfen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Das ADAS Team stellte die Zugänglichkeit des (telefonischen, online) Beratungsangebots auch vom Homeoffice aus wieder her und passte es dem veränderten Beratungsbedarf an. Darüber hinaus wurde eine Reihe von spezifischen Maßnahmen initiiert: es wurden in kürzeren Abständen Rundbriefe veröffentlicht, die für die Diskriminierungsrisiken des Homeschoolings sensibilisieren und den verschiedenen Gruppen konkrete Tipps zur Bewältigung an die Hand geben. Es wurde eine Umfrage telefonisch und online durchgeführt, bei der Eltern und Schüler*innen zu ihren Erfahrungen und Sorgen befragt wurden, an der 736 Personen teilnahmen und deren Ergebnisse demnächst veröffentlicht werden. Zur menschen- und antidiskriminierungsrechtlichen Einschätzung der aktuellen schulbezogenen Maßnahmen wurde eine Rechtsextpertise beauftragt.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die krisenbedingten adhoc Homeschooling-Maßnahmen bergen für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die Demokratie in Deutschland eine große Gefahr. Eine bereits bestehende zentrale Ungleichheit des deutschen Bildungssystems besteht darin, dass Schülerleistungen eng mit der Ressourcenausstattung der Eltern zusammenhängen. Diese bestehende Schere zwischen (ressourcen-)armen und (-)reichen Familien droht im großen Maße weiter aufzugehen und damit viele Kinder und Jugendliche in ihrer schulischen Entwicklung abzuhängen. Dies bedeutet für größere Teile der jungen Bevölkerung eingeschränkte Ausbildungs- und berufliche Perspektiven und Chancenungleichheit in der Gesellschaft. Alle weiteren Krisenmaßnahmen sollten darum prioritär an der Maßgabe von sozialer Gerechtigkeit, Chancengerechtigkeit und Inklusion im Bildungssystem gemessen werden.

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Logo_Antidiskriminierungsberatung Alter oder Behinderung
Bild: Antidiskriminierungsberatung Alter oder Behinderung

Kurzvorstellung der Organisation

Die Antidiskriminierungsberatung Alter oder Behinderung (ADB) ist ein Projekt der Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e. V. Wir beraten und unterstützen Menschen, die auf Grund einer Behinderung oder auf Grund ihres Alters diskriminiert werden und setzen uns für deren soziale, rechtliche und politische Gleichbehandlung ein. Wir sind als Beratungsstelle handlungsbefugt im Sinne des § 23 Abs. 2 und 3 des AGG.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Corona-Pandemie stellt alle Beratungsstellen vor große Herausforderungen. Unsere Zielgruppe, also Menschen, die auf Grund einer Behinderung oder auf Grund ihres Alters diskriminiert werden, gehört sehr häufig zu den in Bezug auf Corona vulnerablen Gruppen. Wir beobachten eine große Unsicherheit. Menschen mit Behinderungen werden zum Ablauf der Probezeit gekündigt, andere werden von Kündigung bedroht, wenn sie nicht zur Arbeit kommen, selbst als “Risikopatient*innen”. Es wird bei Menschen mit chronischen Krankheiten und Kundenkontakt hinterfragt bzw. zunächst untersagt, eine Maske zu tragen. Insbesondere ältere Menschen sind vom digitalen Ausschluss bedroht: Wer keinen Zugang zum Internet hat, hat besondere Schwierigkeiten, Online-Formulare wie eine Vollmacht und sonstige Online-Dokumente zeitnah auszufüllen und verschicken. Mitarbeitende (z. B. Ämter, Arbeitgebende) sind seltener erreichbar oder reagieren wegen Homeoffice verspätet, dadurch wird es schwieriger, Fristen einzuhalten.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Zur Vermeidung einer weiteren Ausbreitung des COVID-19 haben wir zahlreiche präventive Maßnahmen vorgenommen. Vorerst hat bis 12.05.2020 keine persönliche Beratung stattgefunden. Beratungsanfragen wurden selbstverständlich per Mail, Fax oder Post weiterhin beantwortet. Wir haben auf unserer Homepage und in Mails informiert, dass wir gerne per Mail oder telefonisch zur Verfügung stehen. Auch im Verteiler der AG “Aktiv im Alter in Gesundbrunnen” wurde die ADB als eine bestehende Kontakt in “Pandemie-Zeiten” aufgelistet. Am 12.05. fand die erste persönliche Beratung wieder statt. Alle hygienischen Maßnahmen, wie Schutzmasken, Abstand, Raumlüftung usw. wurden und werden eingehalten.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

In der Corona-Eindämmungsverordnung und ihrer Umsetzung sind strukturell diskriminierende Regelungen enthalten. So sind die von den Heimleitungen verhängten Besuchsverbote in Pflegeheimen (diskriminierend für ältere Menschen), Einrichtungen der Behindertenhilfe etc. umgehend durch quantitativ/ qualitativ angemessene Besuchskonzepte unter Wahrung der Hygienereregeln zu ersetzen, Schutzmaterial für die Bewohner_innen, Pflegekräfte und Angehörigen ist zur Verfügung zu stellen. Möglichkeiten des digitalen Austauschs – mit ausreichend Anleitung – müssen allen, die dies wünschen, zeitnah zur Verfügung gestellt werden. Gesellschaftliche Teilhabe heißt im Rahmen von Diversity auch: gleichwertige soziale Kontakte sind zu gewährleisten.

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Logo_Arbeiterkind.de
Bild: ArbeiterKind.de gemeinnützige gGmbH

Kurzvorstellung der Organisation

ArbeiterKind.de ist Deutschlands größte zivilgesellschaftliche Organisation für alle, die als Erste in ihrer Familie studieren. Bundesweit engagieren sich rund 6.000 Ehrenamtliche in 80 lokalen Gruppen. Sie informieren über die Möglichkeit eines Studiums, ermutigen und begleiten Studierende der ersten Generation auf ihrem Weg vom Studieneinstieg bis zum erfolgreichen Studienabschluss und Berufseinstieg.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die größte Herausforderung unserer Arbeit ist die derzeit eingeschränkte Erreichbarkeit der Zielgruppe (Schüler:innen, Studieninteressierte, Studierende) sowie potenzieller Engagierter, da Präsenzveranstaltungen in Schulen, Hochschulen und anderen Bildungsinstitutionen sowie Messen wegfallen. Doch gerade in dieser Krisenzeit ist es wichtig, mit der Zielgruppe in engem Kontakt zu bleiben. Nicht alle Schüler:innen können sich zu Hause in Ruhe mit den vorgesehenen technischen Hilfsmitteln über ein Studium informieren. Nicht allen Studierenden steht entsprechende Technik zur Verfügung, um den Studienalltag online zu meistern. Bereits vorhandene Informationslücken, Zweifel und Unsicherheiten werden weiter vergrößert und führen ggf. zu nachhaltigen negativen Folgen. Auch die fehlende Kinderbetreuung stellt eine große Doppelbelastung für Arbeiternehmer:innen sowie Studierende und Auszubildende dar.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

ArbeiterKind.de schaltet an vier Nachmittagen in der Woche ein Infotelefon. Unsere Community ist verstärkt online im eigenen Netzwerk aktiv. Die Ehrenamtlichen in Berlin bieten wöchentlich ein virtuelles offenes Treffen an, in dem sie online Ratsuchende zum Studium informieren und ermutigen. Webinare ersetzen Workshops, z. B. zum Thema „Studienzweifel in Zeiten von Corona“. Auch für die Schulbesuche entwickeln wir ein digitales Angebot. Für die persönliche Unterstützung nutzen die Engagierten nicht nur Telefon und Chat-Programme, sondern auch das Mentoring beim Spazierengehen („Walk und Talk“). Außerdem arbeiten wir an der Entwicklung einer App, damit auch künftig Ratsuchende und Ratgebende schnell zueinanderfinden.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Insbesondere die unbürokratische finanzielle, aber auch technische Unterstützung benachteiligter Familien und Personen ist notwendig, um soziale Ungerechtigkeit sowie Bildungsungerechtigkeit nicht weiter zu verschärfen. Des Weiteren erleben wir als zivilgesellschaftliche Organisation, dass ehrenamtliches Engagement mehr ist als nur anderen zu helfen und „Lückenbüßer*in“ für fehlende Angebote zu sein. Es verbindet verschiedene Menschen miteinander, bringt sie in eine gemeinsame Gesellschaft, fördert das gegenseitige Verständnis, stärkt den Zusammenhalt und ist somit ein wichtiger Bestandteil einer gerechten, sozialen und demokratischen Gesellschaft. Es sollte daher den entsprechenden Stellenwert in der Politik erhalten.

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Kurzvorstellung der Organisation

Ich arbeite bei der Arbeitsgemeinschaft für ein selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen (ALS e. V.), einer Beratungsstelle, die zum Thema Persönliche Assistenz im Arbeitgeber/innenmodell bzw. dem persönlichen Budget berät. Wir begleiten die Klientinnen und Klienten im Vorfeld, während der Beantragung und bei der Durchführung der Persönlichen Assistenz. Bei ASL e. V. arbeiten wir nach dem Peer-Counseling-Prinzip, d. h. das Menschen mit Behinderung Menschen mit Behinderung beraten.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Da ein großer Teil unserer Klientinnen und Klienten zur Risikogruppe zählen, finden momentan keine persönlichen Beratungen im Büro oder bei Hausbesuchen statt. Viele Arbeitsgruppen werden entweder ganz abgesagt oder finden online statt. Nicht alle Online-Plattformen sind barrierefrei zugänglich und für Screenreader-Nutzer bedienbar.

Für die Klientinnen und Klienten gestaltet sich während der Corona-Krise das Abdecken der Dienste noch erschwerter, als zuvor. Es gibt Assistentinnen und Assistenten, die komplett abgesprungen sind, da sie sich um ihre Kinder kümmern müssen oder aus Angst sich zu infizieren. Die Budgetnehmerinnen und Budgetnehmer ziehen sich momentan sozial stark zurück, um ihre Gesundheit zu schützen und verzichten auf Unternehmungen außerhalb der Wohnung. Die Kommunikation ist auf die Kanäle der sozialen Medien beschränkt, was Hürden für Menschen mit Behinderung mit sich bringt, die beispielsweise auf Hilfsmittel bei der Kommunikation angewiesen sind.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir bieten verstärkt Telefonberatung, E-Mail-Kontakt bzw. Treffen per Videokonferenz an, um mit den Budgetnehmerinnen und Budgetnehmern in Kontakt zu bleiben und ihre Fragen zu beantworten.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Krise zwingt uns neue Kommunikationswege zu finden und neue Möglichkeiten zu entwickeln, um innerhalb des Teams und mit den Klientinnen und den Klienten in Kontakt zu bleiben. Die bereits vorhandenen Video-Konferenzplattformen, sollten auf die Barrierefreiheit hin getestet werden und diese sollte gesetzlich geregelt werden. Dies bedeutet, dass die Plattformen uneingeschränkt beispielsweise für blinde und sehbehinderte Nutzer mit einem Bildschirmvorleseprogramm genutzt werden können. Wichtig wäre weiterhin, dass die Dokumente, wie Formulare, Informationsschreiben und Bescheide in einer barrierefrei zugänglichen Form zur Verfügung stehen. Ferner ist es wichtig, dass Veranstaltungen, barrierefrei ausgerichtet und gestaltet werden.

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Kurzvorstellung der Organisation

Die Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus e.V., kurz BAG RelEx, fördert und unterstützt die bundesweite Vernetzung von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, die sich für eine erfolgreiche und nachhaltige Prävention und Deradikalisierung auf dem Feld des religiös begründeten Extremismus engagieren. Dabei bietet die BAG RelEx eine Plattform für den Fachaustausch und unterstützt die Träger in der Erarbeitung und Entwicklung von Qualitätsstandards. Außerdem vertritt die BAG RelEx die Interessen der zivilgesellschaftlichen Akteur*innen in der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit gegenüber Politik, Wissenschaft und Verwaltung und bringt deren Erfahrungen und Perspektiven in die fachwissenschaftliche und politische Debatte ein. Weiterhin informiert die BAG RelEx Ratsuchende und Interessierte im Themenfeld und vermittelt Ansprechpartner*innen vor Ort.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Für eine Vielzahl unserer Mitgliedsorganisationen ist durch die Krise der Kontakt zu ihren Zielgruppen deutlich erschwert worden. Dies ist zum einen für Träger der Fall, die im Bereich Primärprävention mit Jugendlichen arbeiten. Aber auch solche Träger, die in der Ausstiegsberatung oder im Strafvollzug tätig sind, stehen diesbezüglich vor großen Herausforderungen. Bieten digitale Formate in Bezug auf die Arbeit mit Multiplikator*innen eine Möglichkeit, die Zusammenarbeit fortzusetzen, wirkt sich die aktuelle Situation gerade dann besonders auf die aktuelle und zukünftige Arbeit aus, wenn dem Beziehungsaufbau eine besondere Bedeutung zu kommt. Zwar bieten digitale Formate eine Möglichkeit, weiterhin mit der Zielgruppe in Kontakt zu bleiben, dennoch ersetzen sie in vielen Kontexten keine persönlichen Treffen. Außerdem ergeben sich gerade im Kontext von Beratungen, in Bezug auf Datenschutz und -sicherheit Schwierigkeiten, wenn diese in der aktuellen Situation weitergeführt werden (sollen).
Weiterhin konnten geplante Veranstaltungen nicht in der Form durchgeführt werden und die Umstellung auf digitale Formate beansprucht(e) sowohl in Bezug auf Ressourcen als auch in der Planung, Zeit und Know-how.
In Bezug auf die Zielgruppen unserer Mitgliedsorganisationen haben wir außerdem die Rückmeldung erhalten, dass Verschwörungstheorien eine große Rolle spielen und diesbezüglich bei den Zielgruppen ein erhöhter Bedarf an Informationen besteht.
Hinweis: Aufgrund der Tatsache, dass unsere Mitgliedsorganisationen sehr diverse Zielgruppen ansprechen, ist dies jedoch nur als ein Ausschnitt zu sehen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

In der Arbeit mit unseren Mitgliedsorganisationen haben wir aktuell vermehrt auf digitale Formate umgestellt. Der fachliche Austausch innerhalb der Mitgliedschaft wurde dementsprechend im Rahmen digitaler Netzwerktreffen fortgesetzt. Als BAG RelEx bieten wir bereits seit Herbst 2018 Webinare an und konnten so Erfahrungen mit der Durchführung digitaler Formate sammeln. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen haben wir für unsere Mitgliedsorganisationen ein Angebot entworfen, welches sie in der aktuellen Situation unterstützt.
Unsere Mitgliedsorganisationen haben einen Teil ihre Arbeit ebenfalls so gut es geht im digitalen Raum fortgesetzt. Diesbezüglich bieten Sie verschiedene online Angebote für ihre Zielgruppe an. Allerdings ist, gerade in Bezug zur ersten Frage die Herausforderung zu betonen, manche Zielgruppen in der aktuellen Situation adäquat zu erreichen.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

In Bezug auf den Umgang mit solchen Situationen ist die Perspektive zivilgesellschaftlicher Träger dringend mit einzubeziehen. Sie leisten einen essenziellen Beitrag zu einem demokratischen Miteinander und bekommen die Auswirkungen in ihrer täglichen Arbeit zu spüren. Gesellschaftliche Spannungen und die damit einhergehende Stimmung spiegeln sich stets in der Arbeit der Träger wider und stellen u.a. die Arbeit mit der Zielgruppe vor Herausforderungen. In Bezug auf gesellschaftliche Krisen ist dementsprechend stets zu berücksichtigen, dass eine Lösung nur eine gemeinschaftliche sein kann, die nicht auf Kosten einzelner Gruppen geht. Allzu leicht werden in Krisensituationen bereits existierende Diskriminierungen und Stigmata verstärkt. In der aktuellen Zeit kann auf Krisen jedoch nur mit einer gemeinschaftlichen Lösung geantwortet werden.

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Kurzvorstellung der Organisation

Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Mich erreichen Anfragen, Hinweise, Hilferufe und Beschwerden von Multiplikatoren und Einzelpersonen mit Behinderung und/oder mit Pflegebedarf, oder deren Familienangehörigen zu folgenden Themen: Behandlungs- und Versorgungsdefizite wegen des Wegfalls von ambulanten Betreuungs-, Therapie und pflegerischen Dienstleistungen im häuslichen Bereich; eingeschränkte Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeit behördlicher und nicht-behördlicher Beratungsinfrastruktur; fehlende behördliche und finanzielle Unterstützung für pandemiebedingte Notlagen von Menschen mit Behinderung (kein “Rettungsschim”). Isolation durch komplettes Ausgangs- und Besuchsverbot in stationären Wohnangeboten.
Fehlende Mitwirkungsmöglichkeiten bei Erstellung von Pandemieplänen und -eindämmungsverordnungen. Nicht barrierefreie Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum grenzen Menschen mit Behinderung aus, bzw. stellen selbst ein Verletzungsrisiko dar. Wiederhochfahren des politischen öffentlichen Lebens in nicht barrierefreien Räumen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

  • Netzwerkarbeit – unter pandemie-erschwerten Bedingungen
  • Verstärkte und aufwendige Einzelfall-Bearbeitung
  • Intervention bei und Sensibilisierung der für Pandemie-Maßnahmen zuständigen Entscheidungsträger
  • Kooperation mit und Unterstützung zivilgesellschaftlicher behindertenpolitischer Akteure

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

  • Sicherstellung diskriminierungs- und barrierefreier Beteiligung von Interessensvertretungen der Personengruppen mit unterschiedlichen Diversity-Merkmalen bei Erarbeitung von Pandemie-Eindämmungsmaßnahmen und -verordnungen (“Nichts über uns ohne uns”)
  • “Rettungsmaßnahmen” nicht nur für Unternehmen, auch für Menschen mit Behinderung und deren Organisationen, die pandemiebedingt in Not geraten
  • Vermeiden von diskriminierenden Stereotypisierungen im wording und framing: “Oma und Opa”, die “Kranken”
  • Beim Lockern des Lock-downs besondere Belange von Menschen mit Behinderung berücksichtigen (durch deren Einbeziehung)
  • Entschlossene Bekämpfung durch Politik und Zivilgesellschaft von eugenischem und rassistischem Gedankengut
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Logo_Berliner Tafel e. V.
Bild: Berliner Tafel e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

Die Berliner Tafel e. V. ist die erste Tafel Deutschlands. Seit 1993 sammelt der Verein überschüssige Lebensmittel ein und verteilt sie an bedürftige Menschen. Die Idee des Lebensmittelrettens und der gleichzeitigen Unterstützung Bedürftiger ist so überzeugend, dass der Verein damit eine bundesweite Bewegung initiiert hat. Mittlerweile gibt es rund 950 Tafeln in Deutschland, aber auch Tafeln in Österreich, der Schweiz und anderen Ländern.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

  1. Die Corona-Situation bedeutet für die Berliner Tafel, dass die meisten LAIB und SEELE-Ausgabestellen aufgrund des Alters ihrer Ehrenamtlichen schließen mussten. Auch viele Kund*innen der Ausgabestellen gehören zu den Risikogruppen. Üblicherweise kommen 50.000 bedürftige Menschen pro Monat in die Ausgabestellen.
  1. Rund die Hälfte der 300 sozialen Einrichtungen, die wir mit Lebensmitteln unterstützen, musste wegen der Corona-Situation schließen. Stattdessen haben sich viele neue Hilfsprojekte an uns gewandt, die gerade wegen der Corona-Krise für Bedürftige aktiv wurden. Wir unterstützen beide Gruppen, die altbekannten und die neuen. Vor der Corona-Krise haben wir rund 75.000 Menschen über die sozialen Einrichtungen mit Lebensmitteln unterstützt. Zu der aktuellen Situation haben wir noch keine Zahlen.
  1. Unser Kinder- und Jugendprojekt KIMBA, das Kochkurse in Schulen anbietet, muss gerade pausieren. Üblicherweise nehmen dort 4.000 Kinder im Jahr an den Kursen teil.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Damit bedürftige Menschen in Privathaushalten – trotz der Schließung der Ausgabestellen – weiterhin Lebensmittel bekommen können, hat die Berliner Tafel ihre logistischen Abläufe angepasst: Die Lebensmittelsammlungen wurden verstärkt, der Fuhrpark vergrößert und in einer zusätzlichen Halle auf dem Berliner Großmarkt werden täglich 500 bis 800 Tüten mit Lebensmitteln befüllt. Die Tüten werden anschließend mithilfe eines breiten Netzwerks an Unterstützer*innen an die Wohnungstüren der LAIB und SEELE-Kund*innen geliefert. Mitte Mai waren es bereits 25.000 ausgelieferte Tüten.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Corona-Situation macht das offensichtlicher, was vorher schon klar war: sie trifft vor allem bedürftige Menschen. Die Politik sollte sich dringend den Fragen der Nachhaltigkeit und der Teilhabe widmen. Nachhaltigkeit im Tafel-Sinne heißt u. a., die Supermärkte zur Abgabe der überschüssigen Lebensmittel an die Tafeln zu verpflichten (wie bereits in Frankreich gesetzlich geregelt). Teilhabe meint, die strukturellen und gesellschaftlichen Defizite zu beheben, die Armut entstehen lassen bzw. verfestigen.

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Logo_Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung
Bild: Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung

Kurzvorstellung der Organisation

Ich arbeitete als behinderter Peer Counselor ISL im Berliner Zentrum für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen e. V.. Wir beraten unabhängig und teilweise aufsuchend Kinder, Flüchtlinge, Menschen mit unterschiedlichen Behinderungsarten und chronischen Erkrankungen. Für Geflüchtete in einer Unterkunft geben wir Informationen zur Schutzbedürftigkeit.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Einige meiner Kollegen*innen arbeiten im Homeoffice und eine Face to Face-Beratung ist zurzeit nicht möglich. Die alltägliche Beratungstätigkeit findet am Telefon, per E-Mail und per Internet statt. Wegen der strengen Hygienevorschriften beraten wir Menschen mit Behinderungen, deren Angehörige und Flüchtlinge nur über digitale Medien.
Wir organisieren Kontakte zu Behörden, medizinischen Einrichtungen und Bildungseinrichtungen, Vereinen sowie Selbsthilfegruppen.
Die aktuelle Zusammenarbeit mit unserer Zielgruppe gegenüber der Bewilligungsbehörde und der Neuregelungen ab dem 01.01.2020 (Recht auf Teilhabe) führt wegen “Nicht-Erreichbarkeit einzelner Schnittstellen” zu massiven individuellen Problemen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Beispiele:

1. telefonische Beratung einer Frau aus Syrien zur Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen mit wenig Deutschkenntnissen,
2. Anfrage zu einem Videochat “Beratung eines russischen Ratsuchenden” mit schlechter digitaler Übertragung,
3. minderjähriger Junge in einer besonderen Wohnform ohne existenzsichernde Leistungen EHG Jugendamt,
4. junge Frau möchte ihren schulischen Abschluss nachholen, hat posttraumatische Störungen und Ängste, benötigt außerhalb der Wohnung eine ständige Begleitung (Teilhabe an Bildung)

Das heißt, alle Beratungen zu unterschiedlichen Themen finden zurzeit ohne Anwesenheit der Ratsuchenden, einer Gruppe oder der Angehörigen statt – Mehraufwand!!!!

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Es ist nicht immer klar, welcher Bereich für bestimmte Maßnahmen zuständig ist. Deswegen kann es zu Problemen kommen, wer zum Beispiel die Eingliederungshilfe bezahlen soll. Schnelle Klärung der Zuständigkeit ist Pflicht. Die Bereiche “Medizinische Rehabilitation”, die Teilhabe am Arbeitsleben und an Bildung, sowie die soziale Teilhabe sind entscheidende Maßnahmen zum Ziel. Die Schnittstelle der Eingliederungshilfe zur Kinder- und Jugendhilfe ist in der vorgenannten Krise eine große Herausforderung für die Berater*innen.
Fazit: Manche Menschen mit Behinderung brauchen Hilfe, damit sie arbeiten, zur Schule, ein Museum besuchen oder Freunde treffen können. Deshalb appellieren wir an die Leistungserbringer, eine schnelle Hilfe zu bewilligen.

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Kurzvorstellung der Organisation

Bezirksbeauftragter für Senioren und Menschen mit Behinderungen in Berlin-Spandau,
Berater des Bezirksamtes Spandau zu den Belangen der o. g. Personengruppen,
Ansprechpartner für die o. g. Personengruppen und Organisationen, die sich mit der Lebenswirklichkeit dieser Gruppen beschäftigen.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Vereinsamung der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegewohnheimen und Besonderen Wohnformen im Rahmen restriktiver Besuchsregelungen. Infolgedessen Zunahme von seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen.

Unverständnis und Empörung über “Lockerungen” für die Mehrheit der Bevölkerung auf Kosten der o. g. Personengruppen; nämlich wenn diese Lockerungen
a) entweder zur Zunahme des Risikos
b) oder zur Verschärfung von Beschränkungen
für die o. g. Personengruppen führen.

Stigmatisierung der o. g. Personengruppen als “Risikogruppen” und “Bremser” bei der Rückkehr zur “Normalität”.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Mitarbeit an einem Konzept zu Regelungen, die den Schutz von älteren Menschen sowie von Menschen mit Behinderungen gewährleisten und gleichzeitig nicht zur Totalisolation dieser Personengruppen und zur Aufgabe ihrer Persönlichkeits- und Freiheitsrechte führen.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Bitte alle Regelungen, die die Belange von älteren Menschen sowie von Menschen mit Behinderungen berühren, nur unter Beteiligung dieser Personengruppen als Expertinnen und Experten in eigener Sache treffen. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein. Häufig jedoch – so jetzt wieder bei der Frage nach Besuchsregelungen – geschieht dies nicht oder zu spät und die Betroffenen müssen sich ihre Beteiligung erst erkämpfen. Zur Beteiligung gehören (selbstverständlich) barrierefreie Beteiligungsformate.

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Logo_BIG e. V.
Bild: BIG e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen – BIG Hotline. Wir beraten Frauen und Unterstützungspersonen zu häuslicher Gewalt. Wir machen telefonische Beratung, Onlineberatung, aufsuchende Erstberatung und Begleitung bei den ersten Schritten aus der Gewaltsituation (Mobile Beratung).

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Wir haben während des Lock-Down vor allem telefonisch und online beraten und nur in Ausnahmesituationen auch persönlich. Seit Mitte Mai beraten wir wieder mehr und mehr auch persönlich und begleiten zu Behörden unter Wahrung von Schutz- und Hygienemaßnahmen.

Die Zielgruppe hat zunehmend Bedarf an Beratung. Die Anfragen haben seit März deutlich zugenommen. Es gibt viele Anfragen nach Schutzunterkünften und auch nach Vorbereitung und Begleitung zum Familiengericht im Rahmen der Anträge nach dem Gewaltschutzgesetz.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Unser Angebot hat sich nicht verändert. Wir beraten alle betroffenen Frauen individuell zu ihren Fragen und unterstützen sie niedrigschwellig in den für sie notwendigen Schritten und Fragen. Die Anfragen an Onlineberatungen haben zugenommen. Wir versuchen die Anfragen ebenso zeitnah zu beantworten, wie die Hotline Anrufe. Wir arbeiten mit Dolmetscherinnen, um Frauen in vielen verschiedenen Sprachen zu erreichen. Wir bieten niedrigschwellige Erstberatung an einem Ort an den Frauen gut hin kommen für Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht von alleine eine Beratungsstelle aufsuchen.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Es braucht niedrigschwellige Angebote für besonders vulnerable Gruppen, wie Frauen mit Sprachbarrieren, mit Behinderung, mit psychischen Belastungen, mit geringer Mobilität oder hoher Gefährdung aufgrund sehr aktiver Gefährder. Die Kinder geraten in Krisensituationen oft aus dem Blick und tragen die traumatishcen Erfahrungen mit. Bei gesellschaftlichen Krisensituationen sind ökonomische Abhängigkeiten und Isolation besonders belastend und auch unter Umständen extrem gefährlich für eine Eskalation in den Familien. Das heißt, es braucht unbürokratische und schnelle Hilfen für bersonders belastetet Gruppen. Gerade für diese gibt es die schnellen Hilfen oft nicht. Sozialarbeiterinnen müssen viel rumtelefonieren und stoßen an viele Grenzen.

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Logo_Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (BDB)
Bild: Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (BDB)

Kurzvorstellung der Organisation

Der Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland e. V. (BDB) ist eine Selbstorganisation, die seit 1996 das Ziel verfolgt, Rassismus und andere Diskriminierungsformen zu überwinden. Der Arbeitsschwerpunkt liegt hierbei auf Antidiskriminierungsberatung, Sensibilisierungs- und Empowermenttrainings, öffentlicher Bildungsarbeit und Vernetzung.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Von Rassismus betroffene Menschen werden verstärkt als Sündenbock für die Coronakrise gesehen, besonders Menschen, die als asiatisch gelesen werden, und zunehmend auch Schwarze Menschen. Die verstärkt auftretenden Beschimpfungen und Überfälle in der Öffentlichkeit oder am Arbeitsplatz sowie Verweigerungen von Dienstleistungen werden oft toleriert oder als gerechtfertigt gesehen. Gleichzeitig leben und arbeiten diese Menschen überdurchschnittlich unter prekären Bedingungen. Sie wagen es deshalb manchmal nicht, sich wegen Diskriminierung oder gesundheitsriskanten Bedingungen zu beschweren.

Präsenzberatung und -veranstaltungen sind nur begrenzt möglich und selten erwünscht (auch aufsuchend). Informationsworkshops sind digital möglich, aber reflexionsorientierte Sensibilisierungs- oder Empowermentworkshops sind aufgrund der emotionalen Auseinandersetzung digital nicht empfehlenswert. Vielen fehlen die ausreichenden technischen Möglichkeiten, um an digitalen Veranstaltungen oder Beratung teilzunehmen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

  1. Wir bieten weiterhin Beratung in Diskriminierungsfällen – jetzt noch immer hauptsächlich telefonisch, per Email oder per Videokonferenz, aber in dringenden Fällen, unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregelungen, auch persönlich oder aufsuchend.
  1. Digitale Formate haben wir seit der Krise erkundet und wir entwickeln dafür Informationsveranstaltungen. Für Reflexionsseminare werden wir kleine Präsenzveranstaltungen unter Beachtung von Hygienemassnahmen anbieten.
  1. Wir legen gerade mehr Fokus auf unsere digitale Präsenz – mit der Weiterentwicklung unserer Website und der Weiterführung unserer Facebook-Seite.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

  1. Die Strukturen von Migrant*innenselbstorganisationen und bspw. dem Netzwerk Neue Deutsche Organisationen e. V. müssen finanziell und politisch gestärkt werden. Sie haben den stärksten Draht zu ihren Communities, die gerade sehr stark die gegenseitige, emotionale und praktische Unterstützung brauchen.
  1. Aufgrund der erhöhten Schwierigkeiten, technisch, bürokratisch und emotional mit Diskriminierungsfällen umzugehen, muss die Fallmeldezeit von 2 Monaten beim AGG zumindest für die Coronazeit auf mindestens 6 Monate verlängert oder bestenfalls komplett ausgesetzt werden.
  1. Für Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, muss es einen “digitalen Zuschuss” geben, um sich für Beratung, Austausch, Homeschooling u. a. technisch ausstatten zu können.

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Kurzvorstellung der Organisation

Eltern beraten Eltern e. V. (EbE) ist ein selbstorganisiertes Netzwerk von Familien von Kindern mit Behinderung. Der Verein berät u. a. in allen Fragen rund um das behinderte Kind und sein privates und institutionelles Umfeld. Darüber hinaus beteiligt sich EbE an Gremienarbeit und organisiert Fortbildungs- und Freizeitangebote für die Zielgruppe.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Viele Familien aus unserem Netzwerk stehen mit weniger oder keiner Unterstützung da. Eingestellte Hilfen (Einzelfallhilfen, familienentlastende Dienste, Pflegedienste, Haushaltshilfen usw.) sind weggebrochen. Die Kommunikation zwischen den Schulen/ Kitas und den Familien ist nur unbefriedigend, so werden Familien bspw. trotz Berechtigung auf eine Notbetreuung von den Einrichtungen abgewiesen. Beantragte Hilfen in Ämtern werden aufgrund von Personalmangel kaum oder gar nicht bearbeitet. Gehören Kinder oder Familienangehörige einer Risikogruppe an, dürfen sie den Einrichtungen fernbleiben, werden zu Hause jedoch nicht weiter unterstützt/ gefördert. Häufig fehlt es an passendem Material/ Unterlagen, um die Kinder zu Hause weiter beschulen zu können. Schulhelfer*innen kommen nicht in die Familien, obwohl dies ausdrücklich durch den Senat befürwortet wurde.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Bündeln und Weiterleiten von Informationen; Gremienarbeit an der Schnittstelle zwischen Senatsverwaltungen, freien Trägern, Schulen und Betroffenen; Formulieren von Arbeitspapieren und öffentlichen Aufrufen; konkrete Beratungen für Eltern und Angehörige; Angebote werden mit angepassten Hygienestandards fortgeführt oder in digitale Angebote umgewandelt; aktives Erfragen von Bedarfen innerhalb der Zielgruppe und Weitergabe der Erfahrungen an zuständige Entscheidungsträger.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

  • Sicherstellen, dass Angebote zur Entlastung auch bei der Zielgruppe ankommen; dafür müssen Hilfeerbringer*innen eingebunden sein
  • Mehr Mut, Teilhabe auch über Regularien, Nachweiszwang und Fristen durchzusetzen
  • Bedarfe gemeinsam mit Betroffenen formulieren

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Kurzvorstellung der Organisation

Gesellschaft für psychosoziale Gesundheitsförderung bei Migrant*innen e. V. (GePGeMi) setzt sich für die Interessen und Belange von (asiatischen) Migrant*innen ein. Forschungs- und Projektsschwerpunkte sind die Teilhabe von älteren asiatischen Migrant*innen am Gesundheits- und Pflegesystem und in der Erstellung statistischer Daten u. a. zu Diskriminierungserfahrungen aufgrund der asiatischen Herkunft. Außerdem klärt GePGeMi über Rassismus gegen Asiat*innen auf.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Einschränkungen haben bei älteren asiatischen Menschen ähnliche Konsequenzen wie bei anderen älteren Migrant*innen wie Vereinsamung, Depression und Verunsicherung.
Netzwerktreffen mit Projekten für ältere Asiat*innen mit physischer Anwesenheit sind zur Zeit nicht durchführbar. Da allerdings asiatische Migrant*innen größtenteils Computerkenntnisse haben, sind Online-Treffen und Projekte für jüngere Asiat*innen geplant. Vereinsinterne Versammlungen und Vorstandsarbeit werden online durchgeführt.
Das Arbeitsfeld ‘Diskriminierung von asiatischen Migrant*innen’ hat sich durch die Coronakrise stark erweitert, da ein sprunghafter Anstieg von rassistischen Belästigungen, Beleidigungen und Angriffen zu verzeichnen ist. Auch durch zahlreiche Medien werden bzw. wurden Klischees, “Witze” und Bilder über Asiat*innen verbreitet, die gesellschaftlich großen Schaden angerichtet haben und eine Verrohung gegenüber der Menschenwürde asiatisch gesehener Menschen verstärkt hat.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Einerseits werden Erfahrungen von Betroffenen von rassistischen verbalen und nonverbalen Attacken aufgenommen, die z. T. eine Beratung und Weiterleitung an zuständige Stellen wie z. B. Antidiskriminierungsstellen erhalten. Dafür wird, soweit möglich, in der Muttersprache der Betroffenen kommuniziert. Workshops zum Empowerment werden online angeboten.
Andererseits wird mit Umfrageergebnissen und Stellungnahmen Öffentlichkeitsarbeit zum Thema ‘Diskriminierung gegen Asiat*innen’ geleistet und weiterhin zu dem Thema geforscht. Außerdem werden weitere Kontakte zu asiatischen Initiativen hergestellt, um Aktivitäten zu koordinieren.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Erkenntnis aus der Krise ist, dass der Rassismus gegen Asiat*innen, der kaum ernst genommen wurde, zurzeit eine explosionsartige Ausbreitung hat. Es ist nach wie vor notwendig, Menschen, die erziehen, unterrichten, im Journalismus, bei Behörden, der Polizei und Justiz tätig sind, zu sensibilisieren, aufzuklären und zu schulen. Rassismus gegen Asiat*innen muss erkannt, benannt und strafrechtlich verfolgt werden können. Die willkürliche Herstellung eines Zusammenhangs von Asiat*innen und Corona in Bild, Text oder Sprache muss geächtet werden. Politiker*innen sollten Rassismus gegen Asiat*innen benennen und verurteilen und ein Klima schaffen, in dem eine Beschuldigung jedweder Minderheit als Verantwortliche einer Krankheit unmöglich ist.

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Kurzvorstellung der Organisation

Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen in Berlin e.V., Träger des Gehörlosenzentrum in der Friedrichstr. 12, 10969 Berlin & einer allgemeinen Sozialberatungsstelle für taube (gehörlose) Menschen (Beratung in Gebärdensprache)
1. Vorsitzender Gérard-Leonhard Toeppich & Projektleiter Gaston von Krishiwoblozki

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Beratung in direktem Kontakt ist nicht mehr möglich. Viele Taube Menschen haben natürlich weiterhin Bedarf auf Sozialberatung wegen persönlicher Umstände, finanzieller Schwierigkeiten oder alleine zur Erledigung ihres Schriftverkehrs. Außerdem ist Beratung nötig, da viele taube Menschen durch Kommunikations- und Sprachbarrieren mit einem dauerhaften Informationsdefizit zurechtkommen müssen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir bieten unsere Beratung weiterhin mittels Videotelefonie sowie Email-, FAX- & SMS-Kontakt an. Wir haben ein Konzept zur Vor-Ort-Beratung unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften erarbeitet. Allerdings warten wir noch auf die behördliche Genehmigung, damit wir mit der Umsetzung starten können.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Sorgen Sie für eine durchgehende Information der Öffentlichkeit auch in Gebärdensprache! Formulieren Sie auch für Beratungsprojekte wie das Unsere klare Regeln und definieren Sie die klar die Handlungsspielräume.

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Kurzvorstellung der Organisation

Gehörlosenverband Berlin e.V. – (GVB e.V. ist als Landesverband und Dachverband)
Friedrichstr.12, 14169 Berlin
Mitglied des Landesbehindertenbeirates: Katja Fischer
1. Vorsitzender Gérard-Leonhard Toeppich

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Krisensituation wirkt sich in folgenden Punkten stark nachteilig auf die Gebärendsprachgemeinschaft (Taube bzw. gehörlose Menschen) aus:
Die Informationen zur jeweils aktuellen Lage und zu neuen Entscheidungen des Landes Berlin werden nicht barrierefrei zur Verfügung gestellt und es fehlt in der Regel sowohl an online-live Verdolmetschung in Gebärdensprache als auch an Gebärdensprachvideos als Übersetzung von Informationstexten auf den gängigen Informationskanälen wie Webseiten, Facebook und Twitter.

Auch das Fernsehen als wichtige Informationsquelle ist in der Regel für Gebärdensprachnutzer*innen nicht barrierefrei gestaltet. So gibt es zwar Bestrebungen, Pressekonferenzen zu verdolmetschen, allerdings fehlen an vielen Stellen immer noch der Einsatz von Teams aus tauben und hörenden Dolmetscher*innen im Fernsehen. Und es fehlt an HbbTV, sodass Gebärdensprache im Fernsehen eingeblendet werden kann. Zudem haben taube Senior*innen nicht immer Zugang zum Internet. Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. fordert deshalb barrierefreien Zugang auf lineares Fernsehen (mit direkte Dolmetscheinblendung z. B. auf Pressekonferenzen), wo Bürger*innen sofort den Zugang zu Informationen in Echtzeit bekommt und nicht mehrere Stunden oder Tage warten müssen, bis die Informationen im Internet zu finden sind.

Ein weiterer kritischer Punkt ist, dass es in Berlin weder einen barrierefreien Notruf noch eine barrierefreie Corona-Hotline als Videotelefonie in Gebärdensprache für taube Bürger*innen gibt. Auch im Falle von häuslicher Gewalt gibt es kaum barrierefreie Kontaktmöglichkeiten für taube Betroffene.

Eine besondere Belastung stellen auch die Kontaktbeschränkungen insbesondere für taube Senior*innen in Senioren- und Pflegeeinrichtungen dar, die zu Isolation und Vereinsamung führen können. Für Sie fehlen Kontaktpersonen, die gebärdensprachkompetent sind.

Da die Deutsche Gebärdensprache eine visuelle Sprache ist, bei der das Mundbild eine grammatikalische Funktion hat, wird die Kommunikation in Gebärdensprache durch die Maskenpflicht deutlich erschwert. In den Medien wurde darüber viel berichtet, doch sind diese Informationen bei vielen Bürger*innen noch nicht angekommen. Taube Menschen sind oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Im Bezug auf die Gebärdensprachgemeinschaft fehlt es immer noch an grundlegender Aufklärung in der hörenden Mehrheitsgesellschaft.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir, der Gehörlosenverband Berlin e.V., sind ein soziopolitisch-kultureller Verband und beraten und informieren in allen Anliegen im Zusammenhang mit tauben Menschen. Wir sind Mitglied beim Deutschen Gehörlosen Bund e.V. Dieser bieten verschiedene Informationen zum Thema Corona an.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Wir haben folgende Empfehlungen für Politik und Gesellschaft. Die Stadt Berlin sollte sich darum bemühen, insbesondere in Krisensituationen alle Informationen direkt – und nicht zeitversetzt – auf allen Webseiten, in den Sozialen Medien sowie im Fernsehen (RBB) in Gebärdensprache zur Verfügung zu stellen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Statements, Pressekonferenzen und Berichte, die in Video- oder Textformat vorliegen und die in Gebärdensprachvideos verdolmetscht bzw. übersetzt werden sollten.

Zudem sollte die Koordinierung zwischen Polizei und Rettungsdiensten mit Dolmetscher*innen für Gebärdensprache und Lautsprache verbessert werden.

Alle Hotlines sollten auch als Videotelefonie mit Gebärdensprache, entweder in direkter Kommunikation oder über eine Verdolmetschung angeboten werden.

Die Erreichbarkeit von Polizei und Beratungsstellen zum Beispiel bei häuslicher Gewalt sollte für taube Bürger*innen barrierefrei gestaltet werden.

Grundsätzlich sollten Informationen für taube Eltern, Kinder und Jugendliche als Gebärdensprachfilme zur Verfügung gestellt werden.

Die Bedürfnisse folgender Zielgruppen wie Taubblinde, Taube Geflüchtete, Taube Migrant*innen etc. sollten bei der Verbesserung der Situation stets mitgedacht werden.

Empfehlenswert wäre die Einrichtung eines Pools an tauben und hörenden Dolmetschenden vonseiten der Stadt Berlin.

Aus der Corona-Krise gab es sehr viele Erkenntnisse:

Wir haben erkannt, dass nach wie vor viel Aufklärungsarbeit in der hörenden Mehrheitsgesellschaft nötig ist, sei es im Bezug auf Zugang zu Informationen, Beratungsstellen, Impfzentren, Hotlines etc.. Es wird dringend empfohlen, dass die Senatsverwaltungen, Polizei, Einrichtungen des Bildungswesens sowie Frauenhäuser mehr mit dem Gehörlosenverband Berlin e.V. zusammenarbeiten, damit das Recht tauber Bürger*innen und Gebärdensprachnutzer*innen auf Barrierefreiheit laut der UN-Behindertenrechtskonvention gewährleistet werden kann.

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Logo_GLADT e. V.
Bild: GLADT e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

GLADT ist eine Selbstorganisation von Schwarzen und of Color Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und Queeren Menschen in Berlin. Wir engagieren uns auf unterschiedlichen Ebenen gegen Rassismus, Sexismus, Trans*- und Homofeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit sowie andere Formen von Diskriminierung. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf den Themen Mehrfachdiskriminierung und Intersektionalität, d. h. den Überschneidungen/Überlappungen und Wechselwirkungen unterschiedlicher Diskriminierungsformen und den damit einhergehenden, spezifischen Erfahrungen.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Viele unserer Klient_innen und Community Mitglieder sind überproportional vom COVID-Lockdown betroffen, da sie ihre ohnehin schon prekären Arbeitsplätze verloren haben und keine staatliche Unterstützung erhalten können, weil sie entweder keine Papiere haben oder die Arbeitsplätze ein Nebeneinkommen waren, von dem sie leben müssen, da die staatliche Hilfe nicht einmal zur Deckung der Grundbedürfnisse ausreicht. Unmittelbar nach Beginn von COVID erhielten wir innerhalb der ersten Woche über 24 Hilfsersuchen. Wir haben die Menschen bei der Beantragung von Hilfen unterstützt, wo immer dies möglich war. Wir erhielten auch Spenden von Privatpersonen, die wir auf einige wenige Menschen verteilten, die Notlagen hatten.

Die Probleme, mit denen die Menschen zu kämpfen haben, sind der Mangel an Finanzen für Lebensmittel, Miete, Hygieneartikel, notwendige Medikamente wie Hormone und vor allem Internetzugang. Viele unserer Kund_innen leben isoliert in Geflüchtetenunterkünften, die nicht jedem Zugang zum WLAN bieten. Das bedeutet, dass die Menschen ihr eigenes Internet über Mobilfunkunternehmen kaufen müssen. Aber das Geld, das sie von den Ämtern erhalten, reicht nicht aus, um all diese Bedürfnisse zu befriedigen, vor allem wenn alle Free-WiFi und Lebensmittelverteilungsstellen in Berlin und Brandenburg geschlossen sind.

Ein weiteres Problem ist der Zugang zu Medikamenten. Viele queere Menschen benötigen täglich Medikamente wie Hormone, PreP und Medikamente, die sie brauchen, wenn sie krank werden, zum Beispiel wenn sie eine Erkältung bekommen. Nicht alles wird von den Krankenkassen übernommen oder die Menschen haben keine Versicherungen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir bieten den Menschen Online Beratungen und Gruppenangebote an, wo sie sich Unterstützung holen können und im Austausch bleiben, um Isolation entgegenzuwirken. Außerdem versuchen wir durch die Öffentlichkeitsarbeit Spenden und Förderungen zu erhalten, um Menschen in finanziellen Notlagen zu unterstützen. Mit Online Workshops und Konferenzen zu den Themen: Umgang mit Epidemie, Psychologische Gesundheit, Empowerment und Community Building wird versucht, einerseits Menschen zusammen zu bringen und andererseits Honoraraufträge für die selbstständigen Personen weiterhin zu ermöglichen.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Corona-Krise stellt uns alle vor eine herausfordernde Situation und insbesondere für QTIBIPoCs ist es schwer, in einem positiven Zustand mentaler und physischer Gesundheit zu bleiben. In diesen Zeiten der sozialen Isolation ist es dringender denn je, Community-Strukturen zu stärken. Die Politik bzw. die Gesellschaft kann dazu beitragen, dass mehr Räume für marginalisierte Gruppen finanziert und gestaltet werden. Den Themen, die Menschen mit Mehrfachdiskriminierung betreffen, sollte mehr Platz in der Öffentlichkeit gegeben werden.

Weitere Informationen zur Organisation

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Kurzvorstellung der Organisation

Die Beratungsstelle “KiDs – Kinder vor Diskriminierung schützen!“ der Fachstelle Kinderwelten/ ISTA KiDs bietet kostenfreie und vertrauliche Beratung und Begleitung bei Diskriminierungsfällen von Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren. Das Angebot bezieht sich auf Diskriminierungserfahrungen in Kita, Grundschule und anderen Lebensbereichen. Die Beratung richtet sich an von Diskriminierung betroffene Kinder, ihre erwachsenen Bezugspersonen, an pädagogische Fachkräfte/ Leitungskräfte und weitere Erwachsene.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Aufgrund der aktuellen Krisensituation kann das Beratungsangebot von KiDs nur telefonisch und/oder per Mail erfolgen. Dies bedeutet, dass insbesondere jüngere Kinder nicht persönlich in den Beratungsprozess einbezogen werden können. Im Rahmen der Antidiskriminierungsberatung von jungen Kindern ist jedoch das persönliche Gespräch zwischen Berater*in und Kind zum Vertrauensaufbau wichtig. Ein solcher Prozess kann mit jungen Kindern nicht am Telefon umgesetzt werden.
Auch bei der Beratung von erwachsenen Personen kann die Beratung über Telefon und E-Mail ein Hindernis darstellen (bspw. neuer Beratungsfall oder Sprache).
Während der Schließung von Kitas und Schulen haben sich wenige Ratsuchende an die Beratungsstelle gewandt, da diese vermutlich aufgrund der veränderten Betreuungssituation keine oder weniger Kapazitäten hatten, die Beratung in Anspruch zu nehmen. Es kann auch vermutet werden, dass aufgrund der Schließung weniger Diskriminierungserfahrungen in den Einrichtungen gemacht wurden.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Durch die aktuellen Lockerungen der Kontaktbeschränkungen kann die Beratung von KiDs in dringenden Einzelfällen, unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften, wieder aufgenommen werden.
Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit werden wichtige Stellen und Kooperationspartnerschaften darüber informiert, dass die Beratung von KiDs weiterhin angeboten und durchgeführt wird.
Es findet ein regelmäßiger Austausch mit anderen Beratungsstellen statt, um gemeinsame Ideen zu entwickeln.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Im Rahmen der politischen Entscheidungen muss die Perspektive der Kinder, deren Bedürfnisse sowie deren spezielles Diskriminierungsrisiko stärker Beachtung finden.
Insbesondere Kinder aus sozial schwachen Familien sowie Kinder mit Beeinträchtigungen haben in der aktuellen Situation ein erhöhtes Risiko der Benachteiligung zu befürchten.
Es muss dabei auch verstärkt auf das seelische und körperliche Wohlbefinden der Kinder geachtet werden und dieses nicht nur im Hinblick auf die Verbesserung der Arbeitssituation der erwachsenen Bezugspersonen Berücksichtigung finden.

Weitere Informationen zur Beratungsstelle

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Kurzvorstellung der Organisation

KIS – Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe Pankow, zwei Standorte für Gruppentreffen: STZ Pankow und STZ Prenzlauer Berg.
Über 80 Selbsthilfegruppen treffen sich regelmäßig in unseren Räumen.
Themen: Sucht, Psychosoziale Themen (Depressionen, Angst…), Chronische Erkrankungen…

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Alle Gruppen können sich seit Mitte März nicht treffen. Das ist für die meisten Gruppen eine sehr schwierige Situation. Die Teilnahme an Gesprächsgruppen und der persönliche Kontakt zu Gleichgesinnten ist für die Genesung und Abstinenz von größter Bedeutung.
Einige Gruppen, vor allem die mit jüngeren Teilnehmer*nnen, haben Wege gefunden auch weiterhin im Kontakt zu sein z. B. über Video-Chats oder Telefonkonferenzen. Für Gruppen mit älteren TN ist das schwierig.
Wir haben Kontakt zu den Gruppen gehalten und alternative Angebote (Video-Chats) gemacht. Telefonisch und über E-Mail waren wir immer erreichbar.
Jetzt werden die Gruppen ungeduldig und wollen wieder mit ihren regulären Gruppentreffen beginnen.
Der Zugang Neuinteressierter zur Selbsthilfe war und ist derzeit noch nicht möglich.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

  • Erreichbarkeit über Telefon, E-Mail, Informationen über Internet
  • Peerberatung telefonisch und virtuelle, baldige persönliche Beratung geplant
  • Planung einer langsamen und vorsichtigen Öffnung der Selbsthilfe-Kontaktstelle unter Berücksichtigung aller Vorgaben ist für die Selbsthilfegruppen schwierig

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

keine

Weitere Informationen zur Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe

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Logo_korientation e. V. - (post)migrantische Selbstorganisation und ein Netzwerk für Asiatisch Deutsche Perspektiven
Bild: korientation e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

korientation ist ein Netzwerk für Asiatisch Deutsche Perspektiven mit einem gesellschaftskritischen Blick auf Kultur, Medien und Politik. Asiatisch Deutsch benennt die thematische und politische Positionierung des Vereins und seiner Mitglieder und ist keine ethnische Identitätszuschreibung. Das Ziel ist es, vielfältige Lebenswirklichkeiten in Deutschland bewusst und sichtbar zu machen und damit Rassismus entgegen zu wirken.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Mit Beginn der Corona-Pandemie und der Berichterstattung über COVID-19 erleben asiatisch gelesene Personen in Deutschland und weltweit einen starken Anstieg rassistischer Gewalt. In einem community-übergreifenden Projekt sammeln wir Medienberichte zur Corona-Pandemie, die durch diskriminierendes und kulturalisierendes Framing und/ oder mehrdeutige, stereotypisierende, klischeebeladene und unsachliche Text-Bild-Verknüpfungen anti-asiatischem Rassismus Vorschub leisten. Gleichzeitig erhalten wir verstärkt Anfragen von Presse und Organisationen, die sich auf individuelle Rassismuserfahrungen fokussieren. Mit dem Medienkritikprojekt werfen wir den Blick zurück auf die Medienberichterstattung, um auf die strukturelle Dimension des Rassismus gegen asiatisch gelesene Personen aufmerksam zu machen und diese zu dokumentieren. Wir sensibilisieren für das Thema anti-asiatischer Rassismus und tauschen uns community-intern zu Strategien und Informationen zur Hilfe für Betroffene aus.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Unsere Arbeit speist sich aus den Bedarfen Asiatisch-Deutscher Menschen und findet mit ihnen zusammen statt. Das Medienkritikprojekt z. B. läuft im ständigen Austausch mit der Community: Alle, die beitragen möchten, sind herzlich dazu aufgerufen sich zu beteiligen und die Gruppe an ehrenamtlichen Projektbeteiligten wächst kontinuierlich. Wir verstehen es als Empowerment, uns in dieser Form gemeinsam und solidarisch gegen rassistische Fremddarstellungen zu wehren. Auch vernetzen wir uns bundesweit und transnational. Dafür nutzen wir digitale Tools, wie Videokonferenzen, unsere Social Media Kanäle und unsere Website.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

  1. Dass Politiker*innen, Behörden, Schulen, Polizei und Verwaltungen das Thema anti-asiatischer Rassismus aufgreifen und klare Stellung dazu beziehen.
  2. Dass Polizeibeamte verbale und körperliche Angriffe auf asiatisch gelesene Menschen ernstnehmen und ihrer Verpflichtung nachkommen, dagegen Anzeige aufzunehmen.
  3. Dass Personen, die nicht negativ von anti-asiatischem Rassismus betroffen sind, Erfahrungen asiatisch gelesener Menschen ernstnehmen, nicht in Frage stellen oder verharmlosen und jede Form von anti-asiatischem Rassismus unterlassen.
  4. Dass Medienschaffende sich und ihre Redaktionen grundsätzlich und speziell im Kontext der Corona Pandemie auf kulturalisierendes, stereotypisierendes oder unsachliches Framing prüfen.

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Kurzvorstellung der Organisation

Der 1978 gegründete Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin Brandenburg e. V. versteht sich als Schnittstelle zwischen der Community der Sinti und Roma und der Mehrheitsgesellschaft. Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie setzt sich der Verband für die gesellschaftliche Gleichstellung der Minderheit sowie für die Wahrung ihrer kulturellen Tradition und Eigenständigkeit ein.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Corona-Krise bedeutet für alle Menschen Einschränkungen, doch von Diskriminierung betroffene Personen sind größeren Belastungen ausgesetzt, da die gegenwärtige Situation die unter normalen Bedingungen bereits vorhandenen Probleme weiter verschärft.
Momentan können vor Ort keine persönlichen Beratungen, Gespräche und Arbeitstreffen stattfinden, öffentliche Veranstaltungen werden vertagt oder umgestaltet. Das Projekt “Ein starkes WIR”, das durch Förderung der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung sowie des Berliner Landesprogramms gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus entwickelt wurde, kann unter den jetzigen Bedingungen nicht in seiner ursprünglichen Form stattfinden. “Ein starkes WIR” ist ein Weiterbildungsangebot zur Gegenwart und Geschichte der Sinti und Roma und richtet sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, um diese im Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt und Strukturen von Diskriminierung zu unterstützen.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Es ist selbstverständlich, dass der Landesverband den in Not geratenen und Hilfe suchenden Menschen gerade in dieser Krise als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Dies kann aktuell nicht in gewohnter Form durch persönliche Beratung stattfinden, weshalb wir den Menschen mit telefonischen Beratungsgesprächen zur Seite stehen.
Das Projekt „Ein starkes WIR“ wird aktuell inhaltlich sowie konzeptionell weiterentwickelt. Dies ist auf die veränderten Arbeitsumstände ausgerichtet und ermöglicht die Sicherstellung der Projektarbeit während der andauernden Krise. Damit das Bewusstsein für gesellschaftliche Vielfalt trotz Pandemie nicht verloren geht, wird ein zielgruppenspezifisches Netzwerk weiter ausgebaut.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Ganz im Sinne unseres Projektes “Ein starkes WIR” plädiert der Landesverband Deutscher Sinti und Roma für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gesellschaftsweite politische Entscheidungen müssen daher stets auf Gleichbehandlung sowie Chancengleichheit aller Menschen in unserem Land abzielen.

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Bild: Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

Die Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e. V. ist der Dachverband der Berliner Selbsthilfeorganisationen für Menschen mit chronischen Krankheiten und Behinderungen. Sie vereint 65 Vereine und vertritt die Interessen von 65.000 Menschen und ihren Angehörigen. Seit 1979 setzt sich die Landesvereinigung Selbsthilfe für Inklusion und volle Teilhabe in allen Lebensbereichen ein. Sie ist Trägerin der Antidiskriminierungsberatung Alter oder Behinderung.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die COVID-19-Pandemie betrifft Menschen mit chronischen Kranheiten und Behinderungen in allen Lebensbereichen besonders stark. Beratung “von Mensch zu Mensch” kann nicht persönlich stattfinden, so dass die Selbsthilfe oder unsere Antidiskriminierungsberatung sich neu organisieren muss. Die Digitalisierung erhält einen Umsetzungsschub – das ist häufig positiv, wenn gleiche Zugangsbedingungen geben sind und z. B. Barrierefreiheit, Aufbau von digitaler Kompetenz und niedrigschwelliger Zugang zu Hard- und Software gewährleistet sind. Dafür müssen wir immer wieder massiv kämpfen. So war z. B. auf den Senatsseiten lange Zeit keine Information zu Corona in Leichter Sprache, aber in den gängigen Fremdsprachen. Wie verhindert man Stigmatisierung von “Risikogruppen”? Wie kann man beispielsweise gegen die Triage-Kritierien der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) demonstrieren, die Menschen mit Behinderungen diskriminierenden, wenn die Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt ist? Dies braucht viel gemeinsame Kreativität und Aktivität.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir setzen uns politisch dafür ein, dass Teilhabe-Rechte von Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten für die nicht absehbare Dauer der Pandemie nicht (weiter) eingeschränkt werden. Die Landesvereinigung Selbsthilfe hat hierzu ein Impulspapier zur Teilhabe vulnerabler Bevölkerungsgruppen erarbeitet.
Wir sensibilisieren dafür, dass die Vertreter_Innen vulnerabler Bevölkerungsgruppen von Anfang an in die Erstellung von Schutzkonzepten und Maßnahmen einbezogen werden.
Wir unterstützen und beraten die Selbsthilfe zu barrierefreien, nutzer_innenfreundlichen und sicheren Formen des digitalen Austausches, z. B. bei Videokonferenzen und Webinaren.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Berlin soll trotz Corona eine diversitätsfreundliche, inklusive Stadt bleiben. Auch Menschen mit Behinderungen haben hier gleiche Lebens-Rechte. Daher sollte man jetzt nicht über uns, sondern mit uns sprechen:
  • Wie nehmen wir uns wahr? (keine “Risikogruppe”),
  • Was genau brauchen wir? (z. B. genug Masken und ein vernünftiges Testkonzept, statt Besuchsverbote/Ausgangssperren in Einrichtungen und Empfehlungen zur Selbstquarantäne),
  • Wie wollen wir trotz Corona teilhaben? (z. B. mit Anspruch auf individuelle, inklusive Transporte via Inklusionstaxi und Berlkönig statt für uns nicht sicherem ÖPNV)
  • Wie soll uns die Gesellschaft schützen? (z. B. mit einer Berliner Initiative gegen die diskriminierenden Triage-Kriterien der DIVI)

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Logo_LSBTI*-Zufluchtswohnungen
Bild: LSBTI*-Zufluchtswohnungen

Kurzvorstellung der Organisation

Die LSBTI*-Zufluchtswohnung bietet eine anonyme, temporäre Unterkunft für volljährige Personen, die von Gewalt aufgrund ihrer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität bedroht sind, z. B. von häuslicher Gewalt und Zwangsverheiratung.
Die LSBTI*-Zufluchtswohnung ist ein Kooperationsprojekt des AWO Kreisverbandes Berlin Spree-Wuhle e. V. und des Zentrums für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg e. V. (LSVD).

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Derzeit findet bei unserem Kooperationspartner MILES keine Vor-Ort-Beratung statt, die Beratung erfolgt telefonisch oder per E-Mail. Die Personalpräsenz in der LSBTI*-Zufluchtswohnung musste reduziert werden; derzeit arbeiten die Mitarbeiter*innen abwechselnd vor Ort, unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen.
Die Wohnungsvermittlung gestaltet sich derzeit sehr schwierig, viele Behörden, soziale Einrichtungen und weitere Anlaufstellen bieten gerade nur ein eingeschränktes Angebot an.
Für potentielle Bewohner*innen sind Anlaufstellen, z. B. im LSBTI*-Bereich, nur eingeschränkt erreichbar, Beratungen finden oft nur per Telefon oder E-Mail statt.
Insbesondere das psychosoziale Angebot, das gerade in Krisenzeiten besonders wichtig ist, steht gerade nur in begrenztem Umfang zur Verfügung.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Frühzeitige Information der Bewohner*innen über Risiken und Präventionsmaßnahmen bzgl. Covid-19; Desinfektionsmittel, Mund-Nasen-Schutz sowie Behelfsmasken sind vorhanden; Mitarbeiter*innen arbeiten abwechselnd in der Wohnung; Beratungen vor Ort finden unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen statt, ein Teil der Beratung erfolgt per Telefon und Mail, die Mitarbeiterin bei MILES ist telefonisch und per Mail für die Bewohner*innen erreichbar. Aktuelle Projektinformationen sind über die Homepage und die Facebook-Seite der AWO abrufbar. Weiterhin erfolgt ein enger Fachaustausch mit verschiedenen Akteur*innen per Telefon und Mail. Seit dem 13.05.2020 läuft die Plakatkampagne vom Bündnis gegen Homophobie, in der die LSBTI*-Zufluchtswohnung als Anlaufstelle genannt wird.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Informationen schneller und mehrsprachig zugänglich machen;
Gesundheit und Schutz von LSBTI*-Personen in Unterkünften für Wohnungslose und Geflüchtete sicherstellen;
Hygiene-Standards in den Unterkünften für wohnungslose und geflüchtete Personen sicherstellen;
Weitere Angebote für psychologische Krisenbewältigung schaffen (mehrsprachig und inklusiv);
Angebote für Frauen*, die von Gewalt betroffen sind, weiter ausbauen;
Schulung von Personal im Hinblick auf Online-Angebote, z. B. Online-Beratung.

Weitere Informationen zum Projekt

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Bild: L-Support

Kurzvorstellung der Organisation

L-Support ist ein Antigewaltprojekt für lesbische, bisexuelle und queere Frauen. Wir unterstützen Frauen, die homophobe Gewalt erlebt haben, und möchten lesbenfeindliche Gewalt vermehrt in gesellschaftliche und politische Debatten einbringen. Wir bieten telefonische und persönliche Beratung für Betroffene an und nehmen Fallmeldungen entgegen, die wir anonymisiert auswerten.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Der Umzug ins Homeoffice und die Verlegung der Teamsitzungen auf Zoom hat für uns gut funktioniert. Persönliche Beratungen bieten wir aktuell nicht an, doch unsere Hotline ist nach wie vor jedes Wochenende besetzt. Zusätzlich sind nach Absprache telefonische Beratungsgespräche unter der Woche möglich. Wir haben weniger Beratungsanfragen, doch die eingehenden Fallmeldungen zeigen, dass homophobe Übergriffe auch in Zeiten der Pandemie vorkommen.

Aktuell ist es noch schwieriger, die Zielgruppe zu erreichen, da sämtliche Offline-Angebote wie Partys, Clubs, Feste etc. nicht stattfinden. Es erfolgt ein Rückzug ins Private.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Durch die Absage von Veranstaltungen mussten wir unsere Öffentlichkeitsarbeit auf unsere Social Media Kanäle verlagern.
Um lesbische, bisexuelle und queere Frauen speziell bei der Bewältigung der aktuellen Krisensituation zu unterstützen, haben wir eine ergänzende Telefonsprechstunde eingerichtet, die sich zum Beispiel an Menschen richtet, die unter Einsamkeit leiden oder die Beziehungsprobleme oder häusliche Gewalt erleben.
Außerdem haben wir versucht, neue Formate bei der Nutzung von Social Media zu entwickeln.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Unterstützung von Community-Projekten ist insbesondere in Krisensituationen wichtig. Beratungsstellen und andere Projekte werden nicht als systemrelevant angesehen. Trotzdem brauchen Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind, in der Krise und auch danach spezifische Unterstützung in Form von Beratung und Empowerment.
Eine Verbindung von gesellschaftlich ohnehin vorhandenen Strukturen mit Bereichen der Community im Sinne einer gay-straight-alliance könnte einer Vereinzelung entgegenwirken (bspw. Ansprechpersonen in Bezirksämtern, Rathäusern etc.).

Weitere Informationen zum Projekt

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Kurzvorstellung der Organisation

Die Opferhilfe – Hilfe für Opfer von Straftaten in Berlin e. V. berät und unterstützt sowohl Opfer als auch Zeug*innen von Straftaten und deren Angehörige. Wir helfen unabhängig von Delikt, Alter, Geschlecht und Herkunft unmittelbar nach der Tat und auch Monate oder Jahre später – kostenlos und vertraulich. Das Beratungsteam besteht aus Sozialarbeiter*innen mit Zusatzqualifikationen (z. B. Traumafachberater*in).

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

  • Umstellung des Beratungssettings auf ausschließlich telefonische Beratungsgespräche: manche Klient*innen berichteten in diesem Zusammenhang von einer „Telefonhemmung“.
  • deutliche psychische Mehrbelastung der Klient*innen durch die soziale Isolation
  • zusätzliche, oft existentielle finanzielle Belastungen sowie die Sorge vor Arbeitslosigkeit verstärkten häufig das Gefühl von Unsicherheit
  • gleichzeitig können individuelle Ressourcen (z. B. Sport- und Freizeitaktivitäten) gar nicht oder nur sehr eingeschränkt genutzt werden, dadurch wird die erlebte Belastung höher.
  • für Personen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist es schwieriger, Unterstützung und Hilfe zu bekommen, da die Möglichkeiten, wegzugehen oder ungestört zu telefonieren, stark eingeschränkt sind.
  • Einschränkungen bei der Vermittlung an weitere Hilfsangebote (Behördengänge, Jugendamtstermine, ärztliche- oder psychotherapeutische Unterstützung) aufgrund der oftmals kürzeren Öffnungszeiten und weniger Personal

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

  • Beibehaltung der gewohnten Sprechzeiten
  • Vergabe von (einstündigen) Telefonterminen statt persönlicher Beratungsgespräche
  • verstärktes Angebot von E-Mail-Beratung
  • Angebot von Video-Telefonie bereitgestellt
  • Beratungsangebot mit Sprachmittler*innen aufrechterhalten
  • mehr Recherche zu Beratungsmöglichkeiten (persönlich/ telefonisch/ Video, Öffnungszeiten) und notwendigen Voraussetzungen dafür (z. B. Hygienemaßnahmen), um Klient*innen gut vermitteln zu können
  • wiederholte Information an alle relevanten Netzwerkpartner*innen, über unsere Erreichbarkeit und das Beratungsangebot während der Eindämmungsmaßnahmen

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

  • kontinuierliche Erreichbarkeit von Ämtern und Behörden gewährleisten
  • telefonische Hotline in mehreren Sprachen für durch Corona belastete Menschen einrichten
  • mehr Angebote in einfacher Sprache bzw. Vereinfachung der Sprache bei Anträgen etc.
  • Die Versorgung von Obdachlosen und geflüchteten Menschen darf nicht ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement sichergestellt werden oder durch öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt werden
  • bürokratische Hürden müssen abgebaut werden und durch schnelle, effektive Hilfen ersetzt werden, z. B. eine schnelle Hotelöffnung für Gewaltopfer – leider gab es für Gewaltbetroffene kaum bis gar keine Möglichkeit, in einer Schutzwohnung oder in einem Krisenhaus unterzukommen (ausgenommen Frauenhäuser).

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I Kurzvorstellung der Person

Sonderschullehrerin

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Behinderungen, die durch Vorerkrankungen oder wegen sogenannter geistiger Behinderung nicht in die Schule kommen dürfen/ können.
Können ist eine Sache, aber nicht dürfen…???

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

machtlos

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Alle Schulen für Kinder und Jugendlichen und alle Heime für Kinder und Jugendliche mit sogenannter geistiger Behinderung können nicht mehr zur Schule gehen. Das kann so nicht gehen. Auch hier muss es Richtlinien geben, dass diese wieder beschult werden.

II Kurzvorstellung der Person

Lebensmittelchemikerin, berentet seit 1998 wegen 90 % Schwerbehinderung
  • Mitglied des Pankower Behindertenbeirates,
  • AG “Selbst Aktiv” – Menschen mit Behinderungen in der SPD,
  • SPD Pankow

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

  • Ausfall aller Sitzungen/ Veranstaltungen
  • wöchentliche Sportkurse (Fitness, Schwimmen) finden nicht statt

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

  • Kontakt per E-Mail, Telefon
  • Videokonferenz wegen fehlender technischer Ausstattung des PC (Kamera, Lautsprecher) nicht möglich

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Da ich recht zufrieden mit der gegenwärtigen Politik/ Gesellschaft bin, kann ich jetzt keine konkreten Empfehlungen geben.

  • Die AG “Selbst Aktiv” hat mir Hilfe angeboten

III Kurzvorstellung der Person

Beraterin für schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen im Zusammenhang mit Teilhabe am Arbeitsleben

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Psychische Themen stehen mehr und mehr im Vordergrund, wie Verunsicherung, Ängste, Vereinsamung, Hilflosigkeit, Arbeitsplatzverlust,…

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Gesprächsangebote und Aufzeigen von noch vorhandenen Möglichkeiten der Teilhabe sowie anderweitigen Unterstützungsangeboten.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Prüfen, ob die Corona-Eindämmungsmaßnahmen gegenüber den psychischen und finanziellen Auswirkungen in der Gesamtbevölkerung gerechtfertigt sind.

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Logo_Pflegestützpunkte Berlin_beratung rund um Pflege und Alter
Bild: Pflegestützpunkte Berlin

Kurzvorstellung der Organisation

Pflegestützpunkt Spandau-Siemensstadt: Wir informieren und beraten unabhängig und kostenlos zu allen Fragen rund um das Thema Pflege. Unter anderem vermitteln und koordinieren wir bei Bedarf notwendige Unterstützungsangebote, klären die Finanzierung und helfen bei der Antragsstellung.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die einerseits zunehmende Isolation pflegebedürftiger Menschen und andererseits steigende Überlastung pflegender Angehöriger nehmen wir als die größten Herausforderungen für unsere Zielgruppe wahr. Eine häufig spürbare Verunsicherung unserer Klienten erschwert zusätzlich die kontinuierliche Versorgung der pflegebedürftigen Menschen bei der Inanspruchnahme von pflegerischen Leistungen, die vorrangig durch Pflegepersonal erbracht werden. Die stark eingeschränkten Besuchsrechte in Pflegeheimen belasten zudem die vollstationär versorgten Pflegebedürftigen und deren Angehörige sehr.
Unser Beratungsangebot verlagert sich dabei zeitweise verstärkt vom Bereich der persönlichen Beratung im Pflegestützpunkt und im Hausbesuch auf den Bereich der telefonischen und digitalen Beratung.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Mit unseren erweiterten telefonischen Servicezeiten und den ergänzend geplanten digitalisierten Hilfestellungen haben wir unser Beratungsangebot so angepasst, dass uns unsere Klienten bestmöglich erreichen können. Proaktive Kontakte zu unseren Klienten, in denen wir den aktuellen Bedarf abfragen, individuelle Unterstützung anbieten und psychosozial zur aktuellen Lebenssituation beraten, beugen einer Verschlimmerung der persönlichen Situation unserer Klienten vor. Oft sind wir hierbei Wegweiser durch bzw. hin zu bereits gut ausgebauten Versorgungsstrukturen und -angeboten, die noch nicht ausreichend bekannt sind.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Ausreichende Transparenz und Barrierefreiheit sollten bei der Schaffung von Beratungs- und Versorgungsangeboten, nicht nur im digitalen Rahmen, sondern auch bei klassischen Informations- und Versorgungswegen oberste Priorität haben.

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Logo_Pflegestützpunkte Berlin_beratung rund um Pflege und Alter
Bild: Pflegestützpunkte Berlin

Kurzvorstellung der Organisation

Pflegeberaterin beim Pflegestützpunkt Tempelhof-Schöneberg.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Zusammenarbeit mit Familien, die schwerkranke und behinderte Kinder haben, gestaltet sich wesentlich effektiver und vertrauensvoller im persönlichen Kontakt, noch besser im Rahmen eines Hausbesuches, was derzeit nicht möglich ist. Das gilt ganz besonders für die Betreuung und Unterstützung der Familien durch Ehrenamtliche. Solange das nicht möglich ist, ist die Belastung der Eltern, insbesondere von Alleinerziehenden in den Familien besonders hoch.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Regelmäßiger telefonischer Kontakt mit den Familien, in denen man einfach nur zuhört und fragt, wie es aktuell geht, lindert ein bisschen.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Unterstützung für Familien mit behinderten Kindern, die auf Ehrenamt angewiesen sind, indem der Zugang zu Corona -Tests einfach ermöglicht wird, damit sich alle an der Betreuung und Unterstützung Beteiligten wieder trauen, Unterstützung zu geben oder anzunehmen.

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Kurzvorstellung der Organisation

Ich engagiere mich ehrenamtlich als Beraterin in der PRO RETINA. Als Selbsthilfevereinigung fördert PRO RETINA den Erfahrungsaustausch unter Menschen, die von einer degenerativen Netzhauterkrankung betroffen sind. Die fortschreitenden Augenerkrankungen können bis zur Erblindung führen. In der PRO RETINA finden die Betroffenen und ihre Angehörigen Beratung und Informationen.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Viele Aktivitäten der Selbsthilfe sind zu Zeiten der Corona-Pandemie nicht möglich:
Wir können keine Infomationsveranstaltungen durchführen, bei denen Betroffene ersten Kontakt zu uns aufnehmen. Gruppentreffen zum Erfahrungsaustausch und zur gegenseitigen Unterstützung finden nicht statt. Die von Beratern der PRO RETINA angebotene Sprechstunde für Augenpatienten im Vivantes Klinikum Neukölln kann nicht angeboten werden.

Für seheingeschränkte Menschen bedeutet die Bewältigung des Alltags in der Zeit der Corona-Pandemie eine große Herausforderung:
Es ist schwierig, Abstand zu halten, wenn man nicht sieht, wie weit andere Personen entfernt sind. Unterstützungsangebote von Mitmenschen unterbleiben wegen der Infektionsgefahr. Das Tragen von Masken erschwert die Kommunikation, die für nichtsehende Menschen besonders wichtig ist. Man wird nicht verstanden und versteht das Gegenüber nicht.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Die sehbehinderten und blinden Ehrenamtler organisieren sich seit der Corona-Maßnahmen über Telefon- und Videokonferenzen. Für von einer Netzhautdegeneration Betroffene bietet PRO RETINA telefonische Beratung an. Auch in Newslettern werden aktuelle Informationen zur Pandemiesituation, die zum Beispiel einen Augenarztbesuch betreffen gegeben. Über Mailinglisten tauschen sich Betroffene über Tipps zur Alltagsbewältigung aus. Es geht um Fragen, wie “Bekomme ich kontaktlos Unterstützung?”, “Wie kann ich mich orientieren, ohne Gegenstände wie eine Ampel zu berühren?”.
Zur interaktiven Fortbildung und Information bietet PRO RETINA Web-Seminare an. Es werden dafür barrierefreie Anbieter ausgesucht.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Erfahrungen aus der Ausnahmezeit der Pandemie zeigen die große Bedeutung der Umsetzung von Barrierefreiheit für die Teilhabe von sehbehinderten und blinden Menschen. Markierungen, Kontraste, Leitsysteme und akustische Signale sind für die Mobilität von Menschen mit Seheinschränkung in Zeiten von Kontaktbeschränkungen eine wichtige Unterstützung. Das in Krisenzeiten erhöhte Informationsbedürfnis muss durch zugängliche digitale Angebote für alle erfüllt werden.

Weitere Informationen zur Organisation

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Kurzvorstellung der Organisation

ReachOut ist eine Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin. Wir unterstützen und beraten auch Angehörige, Freund*innen der Opfer und Zeug*innen eines Angriffs. Die Situation und die Perspektive der Opfer rassistischer, rechter und antisemitischer Gewalt stehen im Zentrum der Arbeit. ReachOut recherchiert rechtsextreme, rassistische und antisemitische Angriffe in Berlin und veröffentlicht dazu eine Chronik. Darüberhinaus bietet ReachOut antirassistische, interkulturelle Bildungsprogramme an.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die persönliche Beratung wurde fast gänzlich ein- und auf Telefon- und Onlineberatung umgestellt. Dies verengte den Zugang zur Beratung, da Ratsuchende über entsprechende technische Ausstattung verfügen mussten. Auch wogen sie ab, ob ihr Anliegen wichtig genug für eine Beratungsanfrage sei. Die Unterstützung durch Dolmetscher*innen wurde massiv erschwert. Kinderbetreuung während einer persönlichen Beratung ist derzeit nicht möglich.

Auch bei den Berater*innen entstand zuerst Verunsicherung. Viele arbeiteten vom Homeoffice. Die technischen Bedingungen mussten angepasst werden. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. In der Bildungsarbeit wurden sämtliche Veranstaltungen abgesagt. Jetzt mehren sich Anfragen nach Online-Angeboten. Damit ändert sich der Charakter von Lernprozessen. Es werden nun ausschließlich Seminar-Formate, statt wie zuvor überwiegend Workshops, angeboten. Insbesondere die abgesagten Empowerment-Workshops mit bspw. unbegleiteten minderjahrigen Geflüchteten oder Begleiter*innen von Geflüchteten, werden sehr bedauert. Sie stellten immer einen wichtigen Teil bei der Bewältigung rassistischer Anfeindungen für (potenziell) Betroffene dar.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

ReachOut gewährleistet telefonische Erreichbarkeit: Es wurde ein barrierefreier Beratungsraum eingerichtet, in dem die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden können. Piktogramme und Bodenmarkierungen erleichtern den persönlichen Umgang. Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Schutz werden bei Bedarf zur Verfügung gestellt.

Zugänge zum Projekt über den persönlichen Kontakt hinaus werden verstärkt beworben. Die Projektmitarbeiter*innen wurden technisch adäquat ausgestattet und die Arbeit verstärkt telefonisch und über Online-Tools organisiert. Mitarbeiter*innen wurden hinsichtlich technischer und didaktischer Anforderungen im Umgang mit Online-Tools geschult. Arbeitsräume wurden aufgeteilt und Homeoffice-Regelungen vereinbart, um Mitarbeiter*innen und Besucher*innen zu schützen.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Selbstvertretungen betroffener Gruppen müssen die Diskussion, welche Empfehlungen sich aus den Herausforderungen im Zusammenhang mit der Pandemie ergeben, anführen.

Alle erforderlichen Zugänge zu Beratungs- und Bildungsangeboten, die sich aus dem dem professionellen Standard der Diskriminierungssensibilität ergeben, müssen aufrechterhalten und sichergestellt sein. Dafür müssen Projekte jetzt technisch angemessen ausgestattet werden. Die Ausstattung muss sowohl Zugänglichkeit als auch Datenschutzanforderungen gewährleisten, insbesondere im Hinblick auf die Verwendung von Online-Tools. Online-Tools müssen die diversen Bedingungen der Adressat*innen abbilden, bspw. in Hinblick auf Sprache, Seh- und Höreinschränkungen.
Homeoffice-Arbeitsplätze müssen angemessen und leidensgerecht ausgestattet werden.

Weitere Informationen zur Beratungsstelle

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Kurzvorstellung der Organisation

Der Verein RuT – Rad und Tat offene Initiative lesbischer Frauen e. V. wurde vor 30 Jahren von einer Gruppe älterer und behinderter lesbischer Frauen gegründet. RuT e. V. ist Treffpunkt, Beratung und Veranstaltungsort. Ein Teil der Angebote richtet sich im besonderen an ältere lesbische Frauen und Frauen mit Behinderungen. Das RuT ist aber offen für alle Frauen und fördert generationsübergreifenden und intersektionalte Begegnungen. Die Räumlichkeiten sind rollstuhlgerecht und barrierearm.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Die Angebote von RuT finden überwiegend im direkten sozialen Kontext statt und leben von dem Zusammentreffen unterschiedlicher Personengruppen. Da die Zielgruppe von RuT e. V. aber zumeist Personen aus der Hochrisikogruppe sind, können die Angebote von RuT e. V. nicht mehr wie vorher stattfinden. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der Mitarbeiterinnen von RuT e. V. auch als Hochrisikogruppe gelten muss.
Die Zielgruppe von RuT e .V. besteht überwiegend aus älteren lesbischen Frauen, Frauen mit chronischer Erkrankung oder Behinderung. Sie sind in ganz besonderen Maße von sozialer Ausgrenzung und oft auch von Armut betroffen und nun durch die Coronakrise leiden sie auch im besonderen Maße ggf. unter dem Virus, aber auch und vor allem dingend unter Angst und Vereinsamung. Deshalb wurde der Besuchsdienst ausgebaut und eine zusätzliche Nachbarschaftshilfe initiiert.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Relativ schnell hat sich ergeben, dass wir unsere Angebote digitalisieren und/ oder sie telefonisch anbieten müssen wie z. B. das Beratungsangebot. So bieten wir mittlerweile fast alle Sozialangebote wie z. B. Spieleabende, Diskussionsveranstaltung und auch Ausstellungsbesuche in virtueller Form an. Die Beratung werden telefonisch, über einen Videokanal und in besonderen Krisensituationen auch persönlich angeboten. Da wie oben schon erwähnt ganz im besonderen ältere Lesben und Frauen mit Behinderung von sozialer Ausgrenzung und Armut betroffen sind, haben wir über eine Förderung 10 Tablets angeschafft, die betroffene Personen über das RuT ausleihen können. Ehrenamtliche Helferinnen schulen die Teilnehmerinnen in der Bedienung.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Coronakrise hat uns die Sollbruchstellen unserer Gesellschaft aufgezeigt. Diese sind ganz im besonderen Armut, Altersarmut, Bildungsarmut, Behinderung, Krankheit und die Zugehörigkeit zu einer Minderheit. Mehr denn je müssen wir dafür sorgen, dass gesellschaftliche Teilhabe keine Frage der körperlichen Befähigung und finanziellen Möglichkeiten ist. Aufgezeigt hat uns diese Krise auch, wie schnell die Belange von Frauen, Lesben und hier besonderen älteren Frauen und armen Frauen aus dem gesellschaftlichen Blickwinkel geraten kann – zum Beispiel Kompensation durch Digitalisierung und Homeoffice kann eben nur ermöglicht werden, wenn die finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stehen.

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Kurzvorstellung der Organisation

Sinneswandel – Förderung gehörloser und hörgeschädigter Menschen in Berlin gGmbH: Angebote für taube und schwerhörige Menschen (bilinguale Kita, Kooperationen Ganztagsschule, SprungBRETT-Übergang Schule-Beruf, Eingliederungshilfe (Betreutes Wohnen) für gehörlose Menschen mit zusätzlichen Behinderungen, Kinder- und Jugendclub); von 200 Mitarbeiter_innen ca. 1/3 selbst taub oder schwerhörig

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

persönliche Erreichbarkeit eingeschränkt, Zugänglichkeit von Informationen nicht barrierefrei möglich (anfangs kaum Infos in DGS), Hotlines nur telefonisch erreichbar
keine PSA verfügbar (Arbeitsschutz nur eingeschränkt möglich)

2. Mit welchen Maßnahmen, z.B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

digitale Angebote (Sprechstunden, Betreuung und Angebote für Kinder und Jugendliche über zoom, skype usw.)
Erstellung eigener neuer Webseite mit Infos zu Corona und Angeboten (Beschäftigung, Bildung per DGS-Video, auch in einfacher DGS für Kinder, Jugendliche, Eltern und Klient_innen): (www.sinneswandel-allerhand.de)
Sicherstellung der Betreuung in den betreuten Wohngemeinschaften und für das betreute Einzelwohnen durch Präsenz des Personals, Sicherstellung der Notbetreuung in Kita und Schule

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

-Sämtliche Informationen MÜSSEN IMMER in DGS verfügbar sein, Erklärungen für die Bevölkerung müssen live verdolmetscht werden
- Hotlines für Krisenfälle, müssen auch per Videotelefonie erreichbar sein (und endlich auch der Notruf 112)
- Gesundheitsämter müssen für das Vorhandensein tauber Menschen sensibilisiert werden
- Menschen mit Behinderungen, die in Wohnangeboten leben (egal ob ambulant oder in besonderen Wohnformen) müssen mitgedacht werden (es gibt keine passenden Empfehlungen des RKI zum Management in diesen Wohnformen, die mit dem BTHG vereinbar wären)

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Logo_Sonntags-Club e. V.
Bild: Sonntags-Club e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

Der Sonntags-Club ist ein Ort, der alle Menschen aus dem LGBTIQ-Bereich mit ihren unterschiedlichsten Bedürfnissen und Lebenslagen anspricht. So treffen sich hier über 20 Gruppen. Neben dem Angebot einer psychosozialen Beratung und Antidiskriminierungsberatung für queere Menschen und deren Angehörigen gibt es im Sonntags-Club mit über 80 Veranstaltungen im Jahr auch ein umfangreiches und vielfältiges Programm von Workshops über Lesungen bis zu Vorträgen.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Das Erreichen unserer Zielgruppe stellt eine große Herausforderung dar. Wir versuchen andere Wege zu finden und eignen uns technisches Knowhow an, um so weit wie möglich mit unserer Zielgruppe im Kontakt zu bleiben. Der Treffpunktcharakter im Sonntags-Club ist allerdings nicht ersetzbar, Bildungs- und Kulturveranstaltungen können nicht mehr mit Publikum stattfinden, Gruppen sich nicht mehr treffen. Auch die psychosoziale Beratung ist im persönlichen Setting im Moment nicht mehr durchführbar. Ebenso fehlen einigen Menschen die technischen Ressourcen oder auch Kenntnisse zur Nutzung der neugeschaffenen Möglichkeiten. Die Gefahr, dass einige Menschen in die Isolation fallen, ist leider sehr groß. Andererseits machen wir auch die Erfahrung, dass vor allem jüngere, aber auch Menschen mit eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit oder in anderen Orten lebend, Zugang zu uns finden, die teilweise zuvor nicht mit dem Sonntags-Club Kontakt hatten.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Der Sonntags-Club bleibt präsent, das Büro ist weitestgehend besetzt. Zum Schutz der Mitarbeiter*innen wird die Arbeit aber auch sofern möglich im Homeoffice durchgeführt. Wir halten digitalen Kontakt. Die Beratung wird im Moment in Form einer Videokonferenz angeboten. Es kommt im Beratungsbereich allerdings durch die Krisensituation zur erhöhten Anfragen, die nur durch Mehrarbeit bedient werden kann. Die Gruppen werden angeregt und unterstützt, digitale Instrumente zu nutzen. Über unseren neu geschaffenen YouTube-Kanal werden diverse Veranstaltungen z. T. live übertragen. Vor allem Bildungsveranstaltungen erreichen hohe Besuchszahlen. Den Kontakt zu den Ehrenamtlichen erhalten wir telefonisch aufrecht.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Durch die Digitalisierung werden mehr und auch andere Menschen erreicht z. B. mit geringerer Mobilität oder jüngere Menschen. Gelingt es, diese Erweiterung des Adressat*innenkreises auch nach der Krisensituation, wenn die persönlichen Angebote wieder durchführbar sind und alle persönlichen Nutzer*innen wieder eingebunden werden können, aufrechtzuhalten, vergrößern wir insgesamt die Zielgruppe über die Diversitymerkmale Lebensalter, Befähigung und Migrationshintergrund hinweg. So könnten z. B. Bildungsveranstaltungen in Gebärdensprache oder Sprachen über unseren YouTube-Kanal angeboten werden, die jederzeit abrufbar sind und so zu höherer Diversität der Angebote beitragen. Dies erfordert allerdings erhöhte Ressourcen.

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Kurzvorstellung der Organisation

Die Sozialhelden sind ein Team von mehr als 20 Aktivist*innen und Expert*innen mit und ohne Behinderungen. Seit mehr als 15 Jahren entwickeln wir Projekte, die auf soziale Probleme aufmerksam machen und praktische Lösungen anbieten. Durch Projekte wie Wheelmap.org – eine Onlinekarte zum Suchen und Finden von rollstuhlgerechten Orten – haben wir uns in den letzten Jahren auf das Thema Inklusion und Barrierefreiheit spezialisiert. Wir stellen uns immer wieder Fragen wie: Warum werden Menschen mit Behinderungen so selten in der Gesellschaft mitgedacht und aktiv einbezogen? Warum werden weiterhin Gebäude mit fehlender Barrierefreiheit geplant oder Veranstaltungen ohne Rücksicht auf “Minderheiten” konzipiert? Unsere Arbeit richtet sich gemäß des Disability Mainstreamings – das Mitdenken von Barrierefreiheit und Inklusion von Anfang an in allen Lebensbereichen. Es geht also immer um die Frage: Wie bringen wir das Thema Behinderungen in den Alltag?

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Da bei uns Menschen der sogenannten Risikogruppe für eine Corona-Infektion arbeiten, sind wir relativ schnell ins Homeoffice gewechselt. Wir arbeiten in unseren Projekten schon immer mit digitalen Werkzeugen, so dass sich in den Arbeitsabläufen nicht viel geändert hat. Hinzugekommen sind jedoch die täglichen Online-Meetings statt physischer Treffen, sowie Webinare und Online-Beratungen, die sonst bei Organisationen und Firmen stattgefunden haben. Was die Zielgruppe betrifft, so können wir zwar weiterhin einen guten Kontakt halten über das Internet, jedoch leben natürlich einige Projekte von der physischen Begegnung (z. B. unsere Mapping Events von Wheelmap.org). Außerdem hören wir von der Zielgruppe, in der auch viele der Risikogruppe angehören, dass sie Sorgen haben, wie es mit ihrer Gesundheit (Stichwort Triage), der Solidarität in der Gesellschaft (Stichwort Kontaktsperren) sowie dem Arbeitsleben weitergeht.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir sensibilisieren weiterhin die Gesellschaft für Themen wie Diskriminierung von behinderten Menschen im Allgemeinen und die Benachteiligung in Zeiten von Corona im Speziellen. Beispielsweise machen wir in unserem Magazin Die Neue Norm auf gesellschaftliche Missstände wie Barrieren auf dem 1. Arbeitsmarkt, sowie die Situation von behinderten Künstler*innen in der Corona-Pandemie aufmerksam. Außerdem geben wir Workshops, wie Organisationen und Firmen nun ihre Online-Workshops barrierefrei gestalten können.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Corona-Krise bietet ein Momentum, um innenzuhalten, wie gewisse Abläufe in der Gesellschaft verbessert werden können. Das Homeoffice beispielsweise bietet nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile, z. B. als Rückzugsort für konzentriertes Arbeiten. Außerdem sollten Möglichkeiten der digitalen Teilhabe ausgebaut werden, denn noch immer sind viele Medienangebote nicht barrierefrei. Online-Meetings im Arbeits- oder Ausbildungskontext, sowie Videos und Social Media Tätigkeiten sollten so angeboten werden, dass sie auch von blinden, gehörlosen und Menschen mit Lernschwierigkeiten verstanden werden können. Die Richtlinien für Barrierefreiheit, die längst in der UN-Behindertenrechtskonvention, sowie auf EU-Ebene und auch im Behindertengleichstellungsgesetz in Deutschland festgeschrieben wurden, sollen endlich auch von der privaten Wirtschaft umgesetzt werden. Damit ist auch ein Appell an Firmen und Organisationen gerichtet, Barrieren abzubauen und mehr Menschen mit Behinderung auf dem 1. Arbeitsmarkt einzustellen.

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Kurzvorstellung der Organisation

Der TBB ist ein gemeinnütziger, überparteilicher, überkonfessioneller, demokratischer Dachverband von derzeit 38 Organisationen und 86 Einzelpersonen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, der 1991 gegründet wurde. Er ist Mitglied der Türkischen Gemeinde in Deutschland, des Migrationsrates in Berlin, beim Bündnis für ein weltoffenes und tolerantes Berlin, Bündnis gegen Homophobie und der Verbraucherzentrale Berlin. Der TBB gehört zu den Unterzeichnenden der Charta der Vielfalt.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Derzeit finden in unseren Beratungsprojekten ausschließlich Beratungen per Email und Telefon statt, in begründeten Fällen auch persönliche Beratungen unter Einhaltung der Hygienevorschriften. Wir wissen, dass es für Teile unserer Zielgruppen schwierig ist, diese Angebote wahrzunehmen, sei es aus technischen, (infra-)strukturellen oder persönlichen Gründen. Dem versuchen wir mit Engagement und Flexibilität zu begegnen.
Andere Projekte erreichen ihre Zielgruppen weitgehend unverändert, wenngleich unter erschwerten Bedingungen. Wir nehmen wahr, dass der Bedarf nach zivilgesellschaftlichem Engagement in den Zielgruppen sich teils verändert hat, aber durch die Krise keinesfalls nachließ, ganz im Gegenteil, dass in dieser Krisenzeit, insbesondere der Beratungsdienst verstärkt in Anspruch genommen wird. Für einige Beratungsangebote bedarf es einer Vertrauensgrundlage, die nun durch Telefon- und Emailberatung nur bedingt gebildet werden kann.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Mit teils neuen Schwerpunkten in der Art der Anfragen arbeiten unsere Beratungsprojekte weiter, um Teilhabe zu sichern. Ein neues Projekt widmet sich gezielt der Ehrenamtsförderung von, für und mit geflüchteten Berliner*innen. Engmaschige und bedarfsgerechte Betreuung von durch den TBB vermittelten FSJler*innen unterstützt diese beim Engagement während und gegen die Krise.
Das Problem ist aber, dass diejenigen, die bspw. keinen Zugang zum Internet haben, nun von digitalisierten Angeboten ausgegrenzt werden. Hinzukommt, dass wir nun auch erkannt haben, dass viele Institutionen selbst in der Digitalisierung nachhinken.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Gesamtgesellschaftliche Herausforderungen wie die aktuelle Pandemie erfordern die Mitwirkung aller in einer pluralen Gesellschaft. Um dies zu erreichen sollte daher, auch jenseits von Krisen, allen das Gefühl von vollwertiger Zugehörigkeit und die Möglichkeit zur vollen Teilhabe gegeben werden. Exklusion und eng führende Identitätspolitiken erweisen sich als Hindernisse.
Diverse, intersektional sensible, zivilgesellschaftliche Organisationen können schnell und flexibel reagieren und die Bedürfnisse derer erkennen und adressieren, deren Stimmen sonst ungehört blieben. Dazu brauchen sie einen stabilen, strukturellen und finanziellen Rahmen und den Rückhalt der Politik, um langfristig, also auch nach der Corona-Krise, zu bestehen.

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Logo_TransInterQueer e. V.
Bild: TransInterQueer e. V.

Kurzvorstellung der Organisation

Das Projekt “Antidiskriminierungsarbeit und Empowerment für Inter*” von TransInterQueer e. V. (TrIQ) schafft Räume für inter* Personen und setzt sich für deren Belange und Rechte ein.

TransInterQueer (TrIQ) ist eine Selbstvertretungsorganisation, gewährleistet seit 2006 ein professionelles Beratungsangebot in den Bereichen Trans* und Inter* und bietet Bildungs- und Aufklärungsarbeit zu trans* und inter* Themen sowie vielfältige Community-Angebote wie Gruppen und themenspezifische Veranstaltungen an.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Für viele inter* Personen sind Isolation, Einsamkeit, Ausgrenzung etc. aufgrund der Diskriminierungen, die sie erfahren haben, oft ohnehin ständige Begleiter_innen. In der aktuellen, kollektiven Krisensituation zeigt sich dies verstärkt und es gibt (auch) unter inter* Personen vermehrt individuelle Lebenskrisen. Wir versuchen diese durch zusätzliche Angebote bestmöglich abzufangen bzw. zu begleiten.

Vor allem inter* Personen, die bereits in prekären Verhältnissen leben, trifft die aktuelle Situation besonders hart. Etwa weil sie Sexarbeiter_innen sind und ihre (meist einzige) Einkommensquelle im Rahmen der Schutzmaßnahmen verboten wurde. Oder aber wohnungslose inter* Personen, für die nun viele Unterstützungsangebote wegfallen und sie infolgedessen noch mehr Gewalt und Diskriminierung (auch aufgrund ihrer Intergeschlechtlichkeit) ausgesetzt sind.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Wir sind im Moment darum bemüht, trotz der aktuellen Krisensituation unseren laufenden Betrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten und möglichst viele unserer Maßnahmen und Angebote in angepasster Form weiterhin umsetzen bzw. anbieten zu können.

Vieles, was sonst vor Ort und im persönlichen Austausch passiert, findet im Moment online statt. Dies ermöglicht vielen Menschen Teilhabe, ohne sich gesundheitlichen Risiken (bezüglich Covid-19) aussetzen zu müssen. Gleichzeitig produziert dies aber auch neue Ausschlüsse und Menschen die z. B. keinen Zugang zur nötigen technischen Ausstattung haben, können plötzlich nicht mehr teilnehmen. Wir versuchen hier die Balance zu halten und im Rahmen des aktuell Möglichen unterschiedliche Formate anzubieten.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die aktuelle Lage verstärkt strukturelle Ungerechtigkeiten. Individuelle Unterstützungsmaßnahmen sind wichtiger den je, sollten aber (vor allem aus parteipolitischer Sicht) stets als Unterstützung und Wegweiser auf dem Weg hin zu langfristigen, nachhaltigen, strukturellen Veränderungen angesehen werden.

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Kurzvorstellung der Organisation

Wir sind die kompetente und engagierte Interessenvertretung für Einelternfamilien. Zusammen mit dem Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter unterstützen wir getrennte Eltern in Berlin dabei, ihr Leben als Alleinerziehende selbstbewusst in die Hand zu nehmen. Wir bieten Beratung, Gruppen, Infoveranstaltungen, Seminare, Coaching, Elternkurse und offene Treffpunkte an.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Zu Beginn der Pandemie wurden sofort alle Veranstaltungen und Treffen abgesagt. Die telefonische Beratung konnte weitergeführt werden. Persönliche Beratungen wurden per Telefon durchgeführt. Die Mitarbeiterinnen arbeiten zeitweise in der Geschäftsstelle und im Homeoffice, um die Personaldichte in den Räumen niedrig zu halten. Schnell wurden Teamsitzungen über Videoplattformen eingeführt, ebenso wie einige Gruppenangebote nun wöchentlich über Video stattfinden. Auch ein Geburtsvorbereitungskurs wurde von einer Hebamme online durchgeführt. Weiterhin werden nun auch Veranstaltungen über Video geplant (Mitgliederversammlung, Infoveranstaltung).

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Ausgeweitetes Angebot der telefonischen Beratung, auch mit individueller Terminvergabe. Weiterführung der Gruppen über Videoplattformen. Hier war es schwierig, eine frei zugängliche, leicht händelbare und datenschutzkonforme Plattform zu finden. Schwierigkeiten: durch die bei allen Angeboten stattfindene Kinderbetreuung, können noch lange unsere Angebote vor Ort nicht durchgeführt werden. Die Kinderbetreuung fehlt auch dann während der Gruppendurchführung über Video. Für das Team bestanden zu Beginn keine Strukturen für das Homeoffice und mussten provisorisch geschaffen werden. Die technische Ausstattung ist nicht optimal und musste auch angepasst werden. Bzw. bestehen noch Probleme (kein VPN, schlechte Laptops mit minderer Bildqualität etc.)

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Unsere Familien sind alleinerziehende Mütter und Väter, die derzeit massive Probleme mit der Vereinbarung von (Heim)Arbeit, Kinderbetreuung, Homeshooling etc. haben. Sie erfahren hier keinerlei Entlastung. Außerdem fehlt oft die Technik bzw. ausreichend Geräte, um Homeoffice und Homeshooling parallel durchführen zu können oder/und an Angeboten teilnehmen zu können. Auch melden sich viele Mütter, die durch Kurzarbeit oder Minderung des Unterhalts noch massivere finanzielle Probleme als sonst haben. Die Politik muss (alleinerziehende) Familien mehr im Blick haben und schnell unbürokratisch Hilfeleistungen anbieten. Es darf für Alleinerziehende keine finanziellen Einbußen geben, da diese Gruppe sowieso schon mehr von Armut betroffen ist.

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Kurzvorstellung der Organisation

Wir sind eine Organisation, die das Thema sexualisierte Gewalt in der Kindheit/Jugend zum Thema hat. Es gibt zum einen die Fachberatungsstelle auf einer Etage und separate Räume in einer anderen, in der sich Betroffene Frauen* und Trans* im Rahmen von Selbsthilfegruppen, Workshops und sonstigen Veranstaltungen vernetzen können sowie selbstbestimmte und selbstorganisierte Formate zur Auseinandersetzung mit der erlebten Gewalt und Folgen dieser nutzen, entwickelt und erproben können.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Seit 14. März 2020 keine angeleiteten Gruppenangebote, Workshops etc. Manche der bereits arbeitenden Selbsthilfegruppen (SHG) haben individuelle Formate gefunden, um in Kontakt zu bleiben (derzeit 12 SHG/Wo), die Gründung neuer SHG sind jedoch bis auf weiteres verschoben – dadurch viel Kommunikation und oft eine Verlagerung in die Beratung. Es gibt drei offene Erstberatungszeiten, in denen im März und April einerseits deutlich weniger persönliche Besuche verzeichnet wurden, anderseits verstärkte sich das Anrufaufkommen, auch außerhalb der Sprechzeiten, weshalb wir die Erreichbarkeiten sehr ausweiteten. Laufende Beratungen wurden wahlweise telefonisch oder im Park angeboten. Menschen, die einfach auftauchten, wurden nicht weggeschickt sondern unter Wahrung der Hygienebestimmungen in einem großen Raum beraten. Es meldeten sich zudem viele Menschen mit anderem Hilfebedarf, die anderswo einfach niemanden erreichen konnten. Fazit: Größerer Arbeitsumfang trotz reduzierter Angebote etc. (keine Gruppen, Gremien, Kongresse, FOBI).

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Unser Anspruch war und ist es, so umfänglich wie möglich die Erreichbar- und Zugänglichkeit unserer Angebote zu gewährleisten. Unter Wahrung der Hygienemaßnahmen einerseits und unserer persönlichen und beruflichen ethischen Standards andererseits.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Die Lebenswirklichkeiten von Menschen, die vulnerablen und marginalisierten Gruppen angehören dürfen nicht immer chronisch ausgeblendet werden. Diese 750 Zeichen würden nicht reichen… Wir fanden es jedoch symptomatisch, welche anderen Organisationen und Menschen im März und April erreichbar waren für uns und die Menschen mit denen wir Kontakt hatten und welche nicht…

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Logo_ZwischenWelten
Bild: ZwischenWelten

Kurzvorstellung der Organisation

Das Projekt ZwischenWelten ist Bestandteil des „Berliner Landesprogramms Radikalisierungsprävention“ und zielt mit differenzierten und kreativen Workshop-Formaten auf eine niedrigschwellige, adressatengerechte Prävention von Gewalt- und Radikalisierungstendenzen insbesondere bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und -erfahrungen ab. Das Projekt wird in Kooperation zwischen Gangway e. V. und der Jugendstrafanstalt Berlin durchgeführt.

1. Wie wirkt sich die aktuelle Krisensituation auf Ihre Arbeit und Ihre Zielgruppe aus?

Umgesetzt wird das Projekt in Form von Workshops innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern, in denen die Kommunikations- und Dialogkompetenzen trainiert werden. Hierfür finden pädagogisch begleitete Gruppenübungen sowie Diskussionsrunden statt, die den Teilnehmenden auf niederschwellige Art und Weise ausgewählte politische Thematiken vermitteln. Die Workshops innerhalb der JSA können auf Grund der notwendigen Schutzmaßnahmen aktuell nicht durchgeführt werden. Durch die anfänglich starken Kontaktbeschränkungen konnten die Workshops außerhalb des Gefängnisses ebenfalls nicht stattfinden. Das traf Dozent*innen und Teilnehmer gleichermaßen schwer, da sich die Arbeit gerade an einem entscheidenden Punkt befand. Die Gruppen hatten die erste Kennenlernphase abgeschlossen und eine produktive Gruppendynamik hatte sich entwickelt, die grundlegend für eine erfolgreiche Projektumsetzung ist. Bei einer Neuaufnahme der Workshops muss dies erst wieder aufgebaut werden.

2. Mit welchen Maßnahmen, z. B. zur Sicherstellung von Teilhabe, begegnen Sie den sich aus der Krise ergebenden Herausforderungen?

Durch die ohnehin besonderen Umstände, die die Arbeit in einem Gefängnis mit sich bringen, kann das Projekt in der JSA erst wieder aufgenommen werden, wenn die allgemeinen Bestimmungen gelockert werden (geplant ist aktuell der 01.07.2020). Die Gruppe außerhalb wird von den Dozent*innen momentan mit Hilfe von digitalen Meetings betreut. Das erfordert auch ein methodisches Umdenken, da gewohnte Vorgehensweisen nicht immer auf die digitale Lösung übertragen werden können und die technischen Voraussetzungen bei den Jugendlichen nicht immer gegeben. Auch hier ist die Hoffnung, in naher Zukunft auch wieder Face-to Face-Angebote leisten zu können, da die intensive Beziehungsarbeit unter der physischen Distanz leidet.

3. Mit Blick auf Diversity und Antidiskriminierung: Welche Empfehlungen für die Politik bzw. die Gesellschaft würden Sie als Erkenntnis aus der Corona-Krise formulieren?

Jetzt wo viel auf digitale Teilhabe zurückgegriffen wird, kann unsere Zielgruppe häufig nicht partizipieren, da sie oft nicht über die technischen Möglichkeiten verfügen. Grundlagen für digitales Lernen sollten verbessert werden, um in solchen Phasen, in denen keine Fach2. Ihre Überschrift :e-to-Face-Begegnungen möglich sind, trotzdem den Kontakt zu den benachteiligten und schwer erreichbaren Zielgruppen aufrecht erhalten zu können. Gerade vor dem dem Hintergrund von Verschwörungstheorien und Filterblasen im Internet kommt den interaktiven Medien, die demokratisches Denken fördern, eine entscheidende Bedeutung zu.

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