Der Wandel der Stasi-Zentrale zum Campus für Demokratie

Pressemitteilung vom 05.11.2019

Vor 30 Jahren brachte die friedliche Revolution die Mauer zu Fall. Ein historischer Schauplatz dieser Zeit ist das Areal des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin-Lichtenberg. Der Standort wird seit Sommer 2018 unter der Federführung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen aktiv zu einem Campus für Demokratie entwickelt.

Am 8. November 2019 findet die 4. Standortkonferenz zur Entwicklung des Areals der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg statt. Zur Einordnung des Standortes in die internationale Erinnerungs- und Gedenklandschaft blicken Basil Kerski, Leiter des Europäischen Solidarność-Zentrum Gdańsk und Kari Lämsä, Service Manager der Helsinki City Library Oodi auf die gesellschaftliche, planerische und städtebauliche Genese ihrer – für die demokratische Bildung und Aufklärung – renommierten und ausgezeichneten Orte in Europa.

Das sich anschließende Podium fragt nach den Perspektiven des geplanten Campus für Demokratie in Berlin im politischen und öffentlichen Diskurs und zieht Schlussfolgerungen aus den vorgestellten Projekten für die weitere städtebauliche und funktionale Entwicklung des Campus. Auf dem Podium sitzen Katrin Lompscher, Senatorin Stadtentwicklung und Wohnen, Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa, Lutz Henke, visit Berlin, Dr. Robert Kaltenbrunner und Luise Meier.

Termin: 8. November 2019, 17 bis 20 Uhr

Ort: Finanzamt für Körperschaften II, Großer Saal im Innenhof, Magdalenenstraße 25, 10365 Berlin

Die Veranstaltung ist in die berlinweite Veranstaltungsreihe „30 Jahre Friedliche Revolution / Mauerfall“ eingebettet, die durch die Kulturprojekte GmbH durchgeführt wird.

Das Europäische Solidarność-Zentrum Gdańsk versteht sich als Gedenkort, der zugleich mit Ausstellungsräumen, dem Zentralarchiv, der Multimedia-Bibliothek sowie Tagungs- und Kongressräumen eine multifunktionale Forschungs- und Bildungseinrichtung ist. Im gegenwärtigen politischen Raum der Republik Polen hat die Einrichtung keinen leichten Stand. Im stadträumlichen Umfeld der ehemaligen Lenin-Werft besitzt das Solidarność-Zentrum jedoch ein ikonografisches Gewicht. Im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung des Campus für Demokratie liegt der Fokus der Keynote von Basil Kerski auf der inhaltlichen Konzeptionierung des Zentrums – dem Aufzeigen der Entwicklung und Umsetzung des Vorhabens im Kontext von politischen Absichten, Setzungen und Widerständen sowie dem Zusammenwirken der beteiligten Akteure. Das Solidarność-Zentrum ist ein geeignetes Beispiel eines modernen Gedenkorts, der retrospektive Informationsvermittlung mit zeitgemäßen Formen politischer Bildung verbindet.

Kari Lämsä beleuchtet in seiner Keynote (in englischer Sprache) den Anspruch der Oodi-Bibliothek, über der eigentlichen Aufgabe als Bibliothek, ein Ort der Kommunikation, der Kreativität und des demokratischen Austauschs zu werden. Das Gebäude ist Resultat eines intensiven partizipatorischen Prozesses mit der Bürgerschaft Helsinkis – also Ergebnis einer demokratischen Willensbildung. Auch hier handelt es sich um einen erfolgreichen demokratisch entwickelten und verfassten Ort, der beispielhaft für die Gestaltung auf dem Campus für Demokratie stehen kann.