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Drittes Lagebild Organisierte Kriminalität für das Jahr 2020 veröffentlicht

Pressemitteilung vom 12.11.2021

Hauptbetätigungsfelder der OK nach wie vor Rauschgifthandel und -schmuggel sowie Eigentumskriminalität. Neue Schwerpunktbetrachtung KfZ-Kriminalität.

Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport und die Polizei Berlin haben heute das dritte Lagebild Organisierte Kriminalität (OK) für das Jahr 2020 veröffentlicht. Das Berliner Lagebild OK bildet die Ergebnisse der Strafverfolgung der Polizei Berlin sowie der in Berlin ermittelnden Bundesbehörden ab. Es stellt eine Beschreibung des Hellfeldes dar, also der polizeilich bekannt gewordenen Kriminalität. Die Schwerpunkte der Arbeit lagen 2020 auf folgenden Phänomenbereichen:

  • „Clankriminalität“
  • Russisch-Eurasische OK
  • Internationale Kfz-Verschiebung
  • Outlaw Motorcycle Gangs
  • Menschenhandel
  • Schleusungskriminalität
  • Rauschgifthandel und -schmuggel
  • Raub- und Einbruchskriminalität

Im Jahr 2020 wurden in Berlin 64 OK-Verfahrenskomplexe mit insgesamt 498 Tatverdächtigen geführt. In 14 Verfahrenskomplexen gab es Hinweise auf Geldwäscheaktivitäten, in zehn Verfahren davon wurden Ermittlungen wegen Geldwäsche nach § 261 StGB geführt. Insgesamt wurden in 91% der Verfahrenskomplexe Finanzermittlungen durchgeführt. OK-Tätergruppierungen verursachten im Jahr 2020 einen Schaden von rund 58,6 Millionen Euro. Rund 18,6 Millionen Euro an kriminellen Erträgen konnten nachvollzogen und Vermögenswerte von rund 2,3 Millionen Euro vorläufig durch den Staat gesichert werden.

Hauptbetätigungsfelder und wichtigste Einnahmequelle der OK-Gruppierungen in Berlin sind nach wie vor der Rauschgifthandel und -schmuggel sowie die Eigentumskriminalität. Innerhalb der Eigentumskriminalität stellt die internationale Kfz-Kriminalität das am häufigsten registrierte Betätigungsfeld der OK-Gruppierungen dar. Daher wurde dieser Bereich im Lagebild erstmalig gesondert betrachtet. Zwölf OK-Verfahrenskomplexe betreffen den Bereich der internationalen Kfz-Verschiebung. Die geographische Lage Berlins, insbesondere die schnelle Anbindung an die ins Ausland führenden Autobahnen, spielt hierbei eine tatbegünstigende Rolle. Daneben bietet Berlin als große Metropole mit einer hohen Dichte hochwertiger Fahrzeuge, die überwiegend auf öffentlichem Straßenland abgestellt werden, eine Vielzahl an Gelegenheiten.

Organisierte Kriminalität zeichnet sich nach wie vor durch einen starken internationalen Bezug aus. In 73,4 % der OK-Verfahrenskomplexe ist eine internationale Tatbegehung zu verzeichnen. Insgesamt 38 Verfahrenskomplexe weisen Bezüge in das Ausland auf. Beziehungen und Verbindungen konnten zu 37 unterschiedlichen Staaten festgestellt werden.

Innensenator Andreas Geisel sagte dazu: „Kriminelle machen nicht vor Ländergrenzen halt. Daher arbeiten wir bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität und der Erhellung ihrer Strukturen eng mit ausländischen Ermittlungsbehörden zusammen. Das ist der richtige Weg, um erfolgreich gegen die Organisierte Kriminalität im In- und Ausland vorzugehen. Im Fokus steht auch weiterhin die Bekämpfung der sogenannten Clankriminalität. Hier haben wir große Erfolge erzielt. Wir werden auch weiter auf allen Ebenen gegen die offen zur Schau getragene Verletzung unserer rechtsstaatlichen Regeln vorgehen.“

Zehn OK-Verfahrenskomplexe sind der „Clankriminalität“ zuzuordnen. Die OK-Verfahrenskomplexe wurden hauptsächlich wegen Rauschgifthandel und -schmuggel geführt. Mit dem im November 2018 von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport entwickelten 5-Punkte-Plan hat Berlin mit anderen Verwaltungen und Behörden einen gemeinsamen Weg beschlossen, der auch in Zukunft weiter beschritten wird.

Neben den kriminellen Angehörigen aus ethnisch abgeschotteten Subkulturen („Clankriminalität“) standen 2020 erneut auch Gruppierungen der russisch-eurasischen OK (REOK) im Fokus. Insbesondere tschetschenische Tätergruppierungen gewinnen immer mehr an Relevanz und zeichnen sich durch eine hohe Gewaltbereitschaft aus. Die dynamische Entwicklung dieser kriminellen Strukturen im Grenzbereich zwischen qualifizierter Bandenkriminalität und etablierter OK wird weiterhin aufmerksam betrachtet und mit aller Konsequenz bekämpft. Im Bereich der russisch-eurasischen OK wurden sechs Verfahrenskomplexe geführt.

Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik: „Unbedingtes Macht- und Gewinnstreben – die zwei Ziele der Organisierten Kriminalität. Dafür versuchen ihre Akteure, unseren Rechtsstaat zu unterminieren. Sie beuten Menschen – auch mit Gewalt – aus, erpressen sie, versetzen sie in Angst. Sie versuchen im Verborgenen zu agieren. In das ‚System Organisierte Kriminalität‘ immer mehr – auch unter Nutzung moderner Technik – vorzudringen, die Akteure, Methoden und Finanzströme ans Licht zu bringen sowie Verbrechen aufzuklären ist unsere tägliche Aufgabe, die wir unbeirrbar mit Nachdruck verfolgen.“

Eine neue herausragende Bedeutung für die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden erlangt die Auswertung kryptierter Täterkommunikation, die intensiv und über Ländergrenzen hinaus erfolgt. Hier sind in den nächsten Jahren weitere Verfahrenskomplexe mit umfangreichen Ermittlungen zu erwarten.

Der ausführliche Lagebericht Organisierte Kriminalität Berlin ist als Download im Internet
verfügbar unter: https://www.berlin.de/polizei/_assets/dienststellen/lka/lagebild-ok-berlin-2020.pdf