Weniger Diebstahl aber mehr Internetkriminalität

Pressemitteilung vom 09.03.2020

Innensenator Andreas Geisel stellt Polizeiliche Kriminalstatistik vor

Im Jahr 2019 wurden in Berlin 513.426 Straftaten registriert, das sind 0,3 % mehr als 2018. Die Häufigkeitszahl – also die Anzahl der Straftaten je 100.000 Einwohner – ist trotz eines Bevölkerungszuwachses von 31.000 Menschen von 14.160 im Jahr 2018 auf 14.086 im Jahr 2019 gesunken ist.
Diese Zahlen nannte Innensenator Andreas Geisel bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2019 (PKS). Erfreuliche Rückgänge gibt es bei fast allen Diebstahlsdelikten: weniger Taschendiebstähle, weniger Diebstähle an/aus Kraftfahrzeugen, weniger Fahrraddiebstähle. Die Eigentumskriminalität hat mit 40,3% immer noch den größten Anteil an der Gesamtkriminalität, sie geht jedoch über die letzten Jahre betrachtet kontinuierlich zurück. Wie bereits im vergangenen Jahr gab es im Bereich des Taschendiebstahls noch einmal einen Rückgang der Fallzahlen um 11,3%. Mit 17.738 angezeigten Taschendiebstählen in 2019 wurden so wenige registriert wie seit 2012 nicht mehr.
Im Bereich des Wohnraumeinbruchs hatte Berlin 2019 mit 7965 Fällen die zweitniedrigsten Fallzahlen und mit 11,7 % die höchste Aufklärungsquote im 10-Jahresvergleich. 44,4% aller Tathandlungen endeten im Versuchsstadium – ein deutlicher Hinweis auf die positive Wirkung der polizeilichen Präventionsarbeit.
„Das sind gute Nachrichten für die Berlinerinnen und Berliner. Mit Blick auf den Schutz des Eigentums hat sich die Kriminalitätslage in Berlin weiter verbessert“, sagte Andreas Geisel.
Besorgt zeigte sich der Senator wegen der gestiegenen Zahlen bei Sexualdelikten. Hier gab es eine Steigerung von 15% gegenüber dem Vorjahr. Insbesondere der Erwerb, Besitz und die Herstellung kinderpornographischer Schriften mit einer Zunahme von 89,7 % ragt dabei heraus.
„Die hohe Steigerungsrate im Bereich der Kinderpornographie ist erschreckend. Sie liegt vermutlich in der Verpflichtung US-amerikanischer Provider, der US-amerikanischen halbstaatlichen Organisation „National Center for Missing and Exploited Children“ (NCMEC) strafrechtlich relevante Sachverhalte zu melden“, so Innensenator Geisel. Die NCMEC leite die Sachverhalte dann an die zuständigen Behörden im In- und Ausland weiter. „Betroffen machen mich die gestiegenen Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und besonders schwere Fälle sexueller Übergriffe. Möglicherweise hat die Me-too-Debatte zu einer besonderen Sensibilisierung geführt – und damit zu einer erhöhten Anzeigenbereitschaft. Was ich sehr begrüße“, sagte Andreas Geisel.

Bemerkenswert sei die deutliche Zunahme der Internetkriminalität, betonte Innensenator Geisel: „Hier gab es 38.988 erfasste Fälle in 2019, das sind 8.205 Fälle mehr als 2018. Internetkriminalität entwickelt sich zu einer Form der Alltagskriminalität. Hier machen Betrugsdelikte, Erpressungen und Identitätsfälschungen den größten Anteil aus.“

Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität hat sich das gesamte Fallaufkommen um 4,6% auf 4.464 Fälle gegenüber 2018 erhöht; Gewaltdelikte haben insgesamt nur geringfügig um fünf Fälle auf 599 zugenommen.
Beim Fallaufkommen zur PKM-links gab es eine leichte Steigerung von 1.234 Fällen in 2018 auf 1.389 Fälle in 2019, aber einen Rückgang der Gewaltdelikte um 11,4%.
Die Fallzahlen im Bereich der PMK-rechts sind um 8% von 1.789 im Jahr 2018 auf 1.932 Fälle im Jahr 2019 gestiegen. Es gab mehr Gewaltdelikte (2018: 128 Fälle, 2019: 153 Fälle) und auch mehr Propagandadelikte (2018: 811 Fälle, 2019: 901 Fälle).

Ein besonderes Augenmerk liegt nach wie vor auf Straftaten mit antisemitischer Motivation. Insgesamt wurden hier aktuell 281 Fälle registriert – im Vergleich zu 329 Fällen im Jahr 2018, was einem Rückgang von 14,6 % entspricht. Davon konnte bei 230 Fällen eine rechte Motivation festgestellt werden, im Vergleich zu 257 Fällen 2018. Innensenator Geisel begrüßte diese Entwicklung, gab jedoch keine Entwarnung, was die Anstrengungen zur konsequenten Bekämpfung jeglicher Form von Antisemitismus betrifft.

Innensenator Andreas Geisel dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Berliner Polizei für ihren Einsatz und ihr Engagement. Die in vielen Bereichen erfreuliche Entwicklung der PKS sei das Ergebnis ihrer geleisteten Arbeit. „Der tägliche Einsatz der Polizistinnen und Polizisten zahlt sich aus. Wir sind allen zu Dank verpflichtet, die jeden Tag hart für die Sicherheit in unserer Stadt arbeiten“, sagte Andreas Geisel.

Die Berichte sind online abrufbar.