Gewalt verhindern - Betroffene Frauen unterstützen – Beratungsangebote erweitern!

Pressemitteilung vom 25.11.2019

Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales teilt mit:

Besuch der Beratungsstelle Trixiewiz e. V. anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Am 25. November 2019 besuchte die Beauftragte des Senats für Integration und Migration, Katarina Niewiedzial, anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen den migrantischen und feministischen Verein Trixiewiz in der Bernkasteler Strasse 78 in Berlin-Weißensee. Mit dabei waren die Leiterin der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, Sybill Schulz und die Leiterin von Trixiewiz e. V., Teresita Cannella.

Die Integrationsbeauftrage Katarina Niewiedzial sagte: „Es freut mich, dass wir mit dem Besuch die Arbeit der Migrantenorganisation Trixiewiz ins Zentrum rücken, die sich beim Thema Gewalt gegen Frauen seit Jahren stark engagiert. Mir gefällt ihr Ansatz: Frauen, egal welcher Herkunft, zu stärken, untereinander zu vernetzen und zu ermutigen, für sich selbst zu sprechen. Das ist gerade bei schwierigen Themen besonders wichtig.“

Im Mittelpunkt der Arbeit von Trixiewiz stehen Projekte, die Geschlechterverhältnisse in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen beleuchten und grenzübergreifend demokratische Strukturen und gleichberechtigte Beziehungen fördern. Darüber hinaus will Trixiewiz dazu beitragen, Migrationsprozesse zu verstehen und interkulturelle Kommunikation zu ermöglichen. Trixiewiz ist Anlaufstelle für von Gewalt betroffenen Frauen.

Für Beratungsstellen dieser Art gibt es leider immer noch dringenden Bedarf: In Deutschland wird jeden Tag eine Frau durch ihren (Ex-)Partner unmittelbar mit dem Tode bedroht; an jedem dritten Tag wird eine Frau durch ihren (Ex-)Partner getötet. So steht es in einer Statistik des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2018. Insgesamt wurden im Jahr 2017 113.965 Frauen Opfer sogenannter Partnerschaftsgewalt, das sind 82,1 Prozent des Gesamtaufkommens (Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor). Die Polizei geht von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus, weil die Straftaten nicht immer angezeigt werden. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasste folgende versuchte oder vollendete Delikte gegen Frauen:
  • Vorsätzliche, einfache Körperverletzung: knapp 69.000
  • Bedrohung: über 16.700
  • Gefährliche Körperverletzung: rund 11.800
  • Bedrohung, Stalking, Nötigung: knapp 29.000
  • Mord und Totschlag: 364

In puncto Vergewaltigung und sexueller Nötigung innerhalb von Partnerschaften sind Frauen zu fast 100 Prozent die Opfer. Von Stalking und Bedrohung durch (Ex-)Partner sind fast 90 Prozent der Betroffenen Frauen. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind 81 Prozent der Opfer weiblich.

Sybill Schulz, die Leiterin der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement hält angesichts dieser Zahlen die Tätigkeit von Initiativen und Projekten wie Trixiewiz für unerlässlich: „Die vorliegende Datenlage kann nur fassungslos machen. Umso wichtiger ist die Arbeit von erfahrenen Initiativen wie Trixiwiez die ein offenes Ohr haben und die Frauen darin bestärken, dass diese keine Verantwortung für das Erlittene trifft. Das Problem ist niemals die Frau, die Opfer von Gewalt wird, sondern die Person, von welcher die Gewalt ausgeht. Eine unabhängige Beschwerdestelle für geflüchtete Menschen wird ab 2020 auch betroffene Frauen unterstützen.“

Die Leiterin von Trixiewiz, Teresita Cannella, sagt: „Im Mittelpunkt der Frage der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen steht der intersektionelle Ansatz und die Betrachtung der Gewalt auf unterschiedlichen systematischen Ebenen und den vielseitigen Machtpositionen auf diesen.“

Eine anonyme Betroffene sagt: „Wir wünschen uns eine direkte und erweiterte Anlaufstelle, die gendersensibel und mehrsprachig arbeitet und uns die Möglichkeit gibt, unsere Sicht der Gewalterfahrungen zu vertreten, und die dementsprechend agiert.“