Pilotprojekt „Unabhängiges Beschwerdemanagement in Flüchtlingsunterkünften“ beendet

Pressemitteilung vom 13.08.2019

Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales teilt mit:

Nach einem Jahr Laufzeit wird das Pilotprojekt Beschwerdemanagement morgen im Rahmen einer Abschlussveranstaltung im Beisein von Senatorin Elke Breitenbach offiziell abgeschlossen. Die Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales unter der Leitung von Sybill Schulz hatte ab Juni letzten Jahres mit den beiden Trägern GFBM – Gemeinnützige Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen mbH – und UrbanPlus Droste&Partner in 12 Unterkünften für geflüchtete Menschen in 8 Bezirken den Probelauf für ein Unabhängiges Beschwerdemanagement durchgeführt. Beteiligt waren Pankow, Lichtenberg, Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick.

Dabei wurden Sprechstunden für die Bewohnerinnen und Bewohner in den Unterkünften angeboten. Dort wurden sie über ihre Rechte informiert, Anregungen zur Verbesserung des Alltags in den Erstaufnahme- und Gemeinschaftsunterkünften gegeben sowie Beschwerden über die Unterbringung entgegengenommen. Ziel war es, schnelle und nachhaltige Lösungen mit den Betreiberinnen und Betreibern und zuständigen Behörden, u. a. dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), zu finden. Angestoßen durch das Engagement der Frauen-Monitoringgroup, bestehend aus etwa 40 geflüchteten Frauen, unterstützt durch die Zukunftswerkstatt Heinersdorf und das Bezirksamt Pankow, konnte das Pilotprojekt berlinweit praxisnah umgesetzt werden.

Senatorin Elke Breitenbach: „Wir möchten nicht über Geflüchtete reden, sondern mit Ihnen. Das ist hier gelungen. Mit dem Beschwerdemanagement haben Geflüchtete ein neues Instrument in die Hand bekommen, mit dem sie auf kurzem Wege an der Gestaltung ihres unmittelbaren Wohnumfeldes teilhaben können. Uns geht es nicht nur darum, von negativen Vorkommnissen, sondern auch frühzeitig von Verbesserungsvorschlägen zu erfahren. Um Bedarfe steuern zu können, muss man sie erst einmal kennen. Es ist so ein geeignetes Kontrollinstrument zum Nutzen aller Seiten.“

Sybill Schulz: „Das Pilotprojekt war eine praxisnahe Erprobung einer unabhängigen Beschwerdestelle und hat gleichzeitig belegt, dass der Peer-to-Peer-Ansatz mit muttersprachlichen Vertrauenspersonen für den Erfolg eines unabhängigen Beschwerde- und Qualitätsmanagement unerlässlich ist.“

Masumeh Parsakia, selbst mit Fluchthintergrund, war eine von insgesamt 8 eingesetzten mobilen Integrationslotsinnen und -lotsen. Sie hat als Vertrauenspersonen im Rahmen des Pilotprojektes in den Unterkünften Sprechstunden durchgeführt: „Die Menschen nehmen wahr, dass sie ernst genommen werden und ihre Anliegen – ganz gleich ob klassische Beschwerden über Missstände oder allgemeine Verbesserungsvorschläge – nicht im Sande verlaufen, sondern dass sie gestalten und teilhaben können. Nach den Ohnmachtserfahrungen der Flucht und der grundsätzlich schwierigen Situation, nun in einem noch fremden Land zu sein, kann die Bedeutung solchen Mitmachens gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.“

Auch für den Projektleiter Max Krieger von GFBM/UrbanPlus war das Pilotprojekt ein Erfolg. Es hat seiner Ansicht nach den Testlauf voll bestanden. „Die letzten 12 Monate haben einen umfassenden Einblick in die realen Probleme der Geflüchteten gegeben und etliche Verbesserungsbedarfe aufgezeigt. Einige davon konnten schon realisiert werden.“

Alle Einzelfälle und Beschwerden wurden dokumentiert, ausgewertet und fließen in die Planung der berlinweiten Unabhängigen Beschwerdestelle für 2020 ein. Das Pilotprojekt wurde wissenschaftlich von der Alice Salomon Hochschule begleitet – auch um Handlungsempfehlungen abzuleiten. Im Oktober wird eine Broschüre dazu erscheinen.

Die Abschlussveranstaltung findet statt:

  • Wann? Mittwoch, 14. August von 15 bis 19 Uhr
  • Wo? in der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales – Foyer/Kantine.

Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich dazu eingeladen.

Weiteres zum Thema auf der Webseite der Koordinierungsstelle Flüchtlingsmanagement: www.berlin.de/koordfm