Polizei als wichtiger Integrationsmotor - Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Andreas Germershausen, zu den Berichten um die Polizeiakademie Berlin:

Pressemitteilung vom 10.11.2017

Polizei als wichtiger Integrationsmotor – Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Andreas Germershausen, zu den Berichten um die Polizeiakademie Berlin:

Viele junge Menschen aus Einwandererfamilien, die ihren Platz in unserer Gesellschaft gefunden haben und sich für diese engagieren, haben ihre Ausbildung bei der Berliner Polizei erfolgreich absolviert und versehen in unserer Stadt eine verantwortungsvolle Tätigkeit. Die Berliner Polizei ist ein gutes Beispiel für eine interkulturell geöffnete Verwaltung, die die Vielfalt der Bevölkerung unserer Stadt abbildet, in der 43% aller Jugendlichen einen Migrationshintergrund haben. Das ist auch ein Erfolg der konsequenten Berliner Integrationspolitik in den letzten 10 Jahren.

Mit der Berliner Polizei und deren Akademie arbeite ich seit vielen Jahren eng zusammen. 2005 stand die Erhöhung des Anteils der Auszubildenden mit Migrationshintergrund für den Bereich des öffentlichen Dienstes und den Polizeivollzug im Zentrum der Gründung der Initiative Berlin braucht dich!. Gemeinsam mit Sekundarschulen und der Polizei arbeitet diese Initiative eng mit der Berliner Polizei zusammen und organisiert dort Betriebsbegegnungen und Praktika zur Gewinnung Jugendlicher mit Migrationshintergrund als Nachwuchskräfte. Auch das von mir geförderte Projekt „KUMULUS-Bildungsberatung für Jugendliche aus Einwandererfamilien und jugendliche Geflüchtete“ pflegt seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit mit der Berliner Polizeiakademie. Mindestens zweimal jährlich werden vom Projekt Schulungen zur Interkulturalität mit angehenden Polizeianwärterinnen und –anwärtern des mittleren als auch des gehobenen Dienstes sowie der Berliner Ordnungsämter und des Objektschutzes durchgeführt.

Der Anteil von Auszubildenden mit Migrationshintergrund ist seitdem bei der Polizei Berlin von 6,7% (2006) auf 32,1% (2016) gestiegen. Von den 576 im Jahr 2016 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für den mittleren Polizeivollzugsdienst hatten 185 Polizeianwärter/innen einen Migrationshintergrund (jährliche Befragung zum Migrationshintergrund unter den neueingestellten Azubis durch BQN Berlin in meinem Auftrag). Angesichts der wachsenden Vielfalt unter den Auszubildenden wird auf meine Initiative hin (im Rahmen von Berlin braucht dich!) an neuen didaktischen Ansätzen gearbeitet, um der neuen Vielfalt an Leistungsniveaus gerecht zu werden und mit den unterschiedlichen Auszubildendengruppen ein konstruktives Miteinander aufzubauen.

Die anonyme Stellungnahmen und das Bild, das in der Öffentlichkeit erzeugt wird, geben meiner Wahrnehmung nach kein repräsentatives Bild vom Ausbildungsgeschehen und der Arbeitsrealität der Berliner Polizei ab. Die beunruhigenden Verallgemeinerungen in der Diskussion über die einzelnen Vorfälle, durch die der der Eindruck erweckt wird, dass Disziplinlosigkeit und Kriminalität auf die wachsende Vielfalt von Azubis mit Migrationshintergrund oder auf Religion zurückzuführen ist, sind ein ernstzunehmendes Signal für eine sich entwickelnde Stimmungslage, der dringend entgegengetreten werden muss. Selbstverständlich muss den Vorwürfen auf den Grund gegangen werden.

Wir müssen verhindern, dass Menschen, die für die Stadt diese wichtigen Integrationsleistungen erbringen, aufgrund von anonymen Vorwürfen pauschal diffamiert werden, weil sie einen Migrationshintergrund haben. Der demographische Wandel kann nur bewältigt werden, wenn es gelingt, junge Menschen dieser Stadt mit ihrer ganzen Vielfalt als Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Als Integrationsbeauftragter werde ich die Polizeiführung und das ausbildende Personal darin stärken, den eingeschlagenen Weg der Vielfalt weiter zu gehen.