Vielfalt in der Ausbildung: Der Durchbruch muss jetzt kommen

Abbildung: Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst (ÖD) und in den Betrieben mit Landesbeteiligung (LB)
Abbildung: Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst (ÖD) und in den Betrieben mit Landesbeteiligung (LB) Bild: BQN Berlin 2017
Pressemitteilung vom 16.06.2017

Die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach zur Statistik der neu eingestellten Auszubildenden mit Migrationshintergrund 2016: Öffentliche Arbeitgeber als Integrationsmotoren gefordert

Die Bilanz der Senatorin zur Statistik der neu eingestellten Auszubildenden mit Migrationshintergrund fällt für 2016 zwiespältig aus: 547 der 2.186 neu eingestellte Auszubildende beim Land Berlin (25,1 %) haben einen Migrationshintergrund, so viele wie nie zuvor. „Diese erneute Steigerung ist Ausdruck der konsequenten Integrationspolitik Berlins und seiner Initiative Berlin braucht dich!“, so Breitenbach. Allerdings ist das insgesamt positive Bild getrübt, da die Entwicklung bei manchen Behörden und Betrieben mit Landesbeteiligung stagniert oder gar rückläufig ist. Der starke Anstieg wird vor allem durch die Polizei und Vivantes durch ihre besonders hohe Anzahl neu eingestellter Auszubildender getragen. Berlins Beauftragter für Integration und Migration, Andreas Germershausen, fordert: „Berlin als wachsende Stadt mit zunehmendem Fachkräftebedarf braucht einen weiteren Sprung nach vorne“.
Dies belegt die von BQN Berlin durchgeführte aktuelle Befragung. Im Öffentlichen Dienst wurden in den Verwaltungen 1.354 Auszubildende neu eingestellt, von denen 23 % einen Migrationshintergrund hatten (2015: 19,5 %). Bei den Betrieben mit Landesbeteiligung wurden insgesamt 832 Auszubildende neu eingestellt, davon 28,5 % mit Migrationshintergrund (2015: 24,2 %).

Neben der Polizei Berlin, die 32,1 % (2015: 26,8 %) erreichte, überschritten auch die Bezirksämter Friedrichshain-Kreuzberg sowie Neukölln und Tempelhof-Schöneberg ebenfalls die ursprünglich vom Senat anvisierte Zielmarke von 25 %. Demgegenüber fielen andere Bezirksämter zurück.

Bei den Berliner Betrieben mit Landesbeteiligung entfielen 80 % der Neueinstellungen auf die fünf größten Betriebe: Vivantes (273), die Berliner Verkehrsbetriebe (148), Charité Gesundheitsakademie (112), Berliner Stadtreinigung (74) sowie die Berliner Wasserbetriebe (72). Mit Ausnahme von Vivantes ist bei den großen Betrieben mit Landesbeteiligung eine stagnierende Entwicklung beim Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund zu beobachten: Sie kamen auf Werte zwischen 12,5 % und 17,6 %. Einen deutlichen Anstieg dieser Zahlen erhofft sich Andreas Germershausen für 2017 durch das mit diesen Betrieben gestartete Pilotvorhaben ‚Erprobung neuer Zugänge in die Ausbildung‘. Dadurch wird jungen Menschen der Einstieg in die Ausbildung durch Vereinbarungen mit Betrieben und eine gezielte, auf Praktika basierende Förderung jenseits der bisherigen betrieblichen Auswahlverfahren ermöglicht.
Das Ziel, die wachsende Vielfalt in der Bevölkerung auch in der Ausbildung beim Land Berlin widerzuspiegeln, so die Senatorin, bleibt eine schwierige Herausforderung. „Aber sie kann bewältigt werden“, betont Breitenbach, denn: „Berlin verfügt als Arbeitgeber über die Möglichkeit, die eigene Verwaltung und die Betriebe mit Landesbeteiligung durch gezielte Personalpolitik interkulturell zu öffnen und mit gutem Beispiel voran zu gehen.“

„Außerdem wächst der Öffentliche Dienst in seiner Bedeutung für die Zukunftsperspektiven der Berliner Jugendlichen“, so die Senatorin weiter. Die Zahl seiner Ausbildungsplätze hat seit 2013 um 27,1 % zugenommen und liegt nun bei 2.177. Im gesamten Dualen System hingegen ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge seit 2013 um 2 % gesunken und liegt bei 15.856 (2015).

„Gleichzeitig hat es eine nicht zu unterschätzende Signalwirkung für die migrantische Bevölkerung, wenn die Vielfalt in der Bevölkerung sich auch in den städtischen Institutionen widerspiegelt“, hebt der Integrationsbeauftragte Germershausen hervor. Besonders wichtig ist diese Wirkung beim Öffentlichen Dienst, der laut Koalitionsvertrag „Vorbild für die berufliche Förderung von Menschen mit Migrationshintergrund und Diskriminierungserfahrung“ sein soll. In der neuen Senatspolitik, insbesondere der Arbeitsmarkt- und Integrationspolitik, so Breitenbach, steht die Bekämpfung der sozialen Spaltung Berlins im Mittelpunkt: „Niemand darf verlorengehen. Der Anfang zu mehr Vielfalt in der Ausbildung ist gemacht, der Durchbruch muss nun kommen.“
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Seit 2006 erhebt BQN Berlin, das Berufliche Qualifizierungsnetzwerk für Migrantinnen und Migranten in Berlin jährlich den Anteil der neu eingestellten Auszubildenden mit Migrationshintergrund im Öffentlichen Dienst, und seit 2010 auch bei den Betrieben mit Landesbeteiligung.

BQN Berlin e.V. verfolgt das Ziel, Vielfalt und Chancengleichheit als Querschnittsaufgabe in den Fokus zu rücken – insbesondere im Bereich der beruflichen Integration. BQN Berlin e.V. setzt sich auf politischer Ebene dafür ein, dass Vielfalt als gesellschaftliche Realität anerkannt und als Chance genutzt wird.