Mammographie-Screening in Berlin

Gruppe aktiver Menschen
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.com

Mit jährlich 69.200 Neuerkrankungen und 18.100 Todesfällen (Stand: 2015) ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Seit Sommer 2006 haben Berlinerinnen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren die Möglichkeit, alle zwei Jahre an einem nach EU-Leitlinien qualitätsgesicherten Mammographie-Screening teilzunehmen.

Ziel des Mammographie-Screenings

Ziel dieser von der Bundesregierung im Jahr 2002 bundesweit beschlossenen Reihenuntersuchung ist es, Brustkrebs früh zu erkennen, d.h. bevor er tastbar ist oder andere Symptome hervorruft. Wird ein Tumor frühzeitig erkannt (< 1cm), liegen die Heilungschancen bei über 90 Prozent. Die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern zeigen, dass eine 70%-Teilnahme der anspruchsberechtigten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren die Brustkrebssterblichkeit um 25%-35% senken kann. Die Teilnahme am Mammographie-Screening-Programm ist freiwillig.

Mammographie-Screening für symptomfreie Frauen zwischen 50 und 69 Jahren

Das Mammographie-Screening richtet sich ausschließlich an symptom- und beschwerdefreie Frauen zwischen 50 und 69 Jahren und stellt für diese Altersgruppe ein zusätzliches Früherkennungsangebot dar. Studien haben gezeigt, dass vor allem Frauen in dieser Altersgruppe den größten Nutzen vom Mammographie-Screening haben, denn das Brustkrebsrisiko steigt mit dem Alter.
Die meisten betroffenen Frauen sind zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung älter als 50 Jahre, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 63 Jahren. Röntgenaufnahmen von Frauen unter 50 Jahren sind oft auf Grund des dichten Drüsengewebes weniger gut zu beurteilen, demgegenüber sinkt das Risiko an Brustkrebs zu sterben bei Frauen, die älter als 70 Jahre alt sind.

Frauen mit Beschwerden oder Verdachtsbefunden, oder Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind und sich innerhalb des 5-jährigen Nachsorgeprogramms befinden, werden nicht in das Mammographie-Screening-Programm aufgenommen. Sie werden wie bisher über den behandelnden Gynäkologen zur kurativen Mammographie in eine radiologische Praxis überwiesen. Das Mammographie-Screening ersetzt nicht die Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen beim Frauenarzt, die jede Frau unabhängig von ihrem Alter regelmäßig in Anspruch nehmen sollte.

Automatische Einladung zur Mammographie alle zwei Jahre

Alle anspruchsberechtigten Frauen mit Hauptwohnsitz in Berlin erhalten automatisch alle zwei Jahre von der sog. Zentralen Stelle, die das Einladungswesen koordiniert, eine Einladung zur Mammographie in eine der vier Berliner Screening-Einheiten. Die Screening-Einheiten sind hochqualifizierte Untersuchungszentren, in denen das Screening nach strengen technischen und medizinischen Qualitätskriterien nach EU-Leitlinien durchgeführt wird. Die Einladung erfolgt schrittweise nach Postleitzahlen und Wohngebieten.

Bezirkliche Zuständigkeit der Screening-Einheiten (SE) in Berlin

  • SE 01

    für Spandau, Reinickendorf und Mitte

  • SE 02

    für Pankow, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf

  • SE 03

    für Treptow-Köpenick, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg

  • SE 04

    für Tempelhof-Schöneberg, Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf

Einhaltung des Datenschutzes

Die Zentrale Stelle ist auf landesrechtlicher Grundlage berechtigt, regelmäßig personenbezogene Daten (Name, Anschrift, Geburtsdatum) aus den amtlichen Melderegistern von allen anspruchsberechtigten Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren mit Hauptwohnsitz in Berlin zu beziehen. Aus den Meldedaten werden nicht wieder entschlüsselbare Screening-Identifikationsnummern gebildet, die zusammen mit dem vorgeschlagenen oder wahrgenommenen Termin und dem Ort der Untersuchung gespeichert werden. Die personenbezogenen Daten werden nach erfolgter Einladung gelöscht, unabhängig davon, ob die Frau am Screening teilnimmt oder nicht. Die Evaluation erfolgt in anonymisierter Form unter Verwendung der Screening-ID-Nummer. Wie bei allen ärztlichen Untersuchungen unterliegen die Daten der Schweigepflicht.

Ablauf der Mammographie

Die Mammographie-Aufnahmen werden von einer speziell geschulten radiologischen Fachkraft erstellt. Dabei wird die Brust zwischen zwei Kunststoffplatten gelegt, kurz zusammengedrückt und geröngt. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Durch die Mammographie können auch kleinste Veränderungen des Brustgewebes sichtbar gemacht werden, bevor körperliche Beschwerden auftreten oder Knoten tastbar sind. Da sich die Untersuchung an symptomfreie Frauen richtet, findet bei der Mammographie ausdrücklich kein Arztkontakt statt.

Die Aufnahmen werden von mindestens zwei Ärzten beurteilt. Die untersuchte Frau erhält den Befund in der Regel innerhalb von sieben Werktagen. Sollten keine Auffälligkeiten vorliegen, erfolgt eine weitere Einladung automatisch nach zwei Jahren.

Sollte der Befund Auffälligkeiten aufweisen, wird die betroffene Frau zur weiteren Abklärung und Beratung zu einem Arztgespräch eingeladen. Dies ist bei ca. 5% der untersuchten Frauen der Fall. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass bei 80% dieser Frauen, die wegen einer auffälligen Mammographie nochmals eingeladen werden, kein Brustkrebs nachgewiesen werden konnte. Nur bei ca. 1% der Frauen bestätigt sich der Verdacht auf Brustkrebs. Diese Patientinnen werden umfassend multidiziplinär medizinisch und psychologisch beraten und eine Weiterbehandlung in zertifizierte Brustzentren empfohlen, in denen sie auch eine intensive psychosoziale Betreuung erhalten.

Übernahme der Mammographie-Kosten durch gesetzliche Krankenkassen

Die Untersuchung ist für gesetzlich Versicherte kostenfrei, auch ein Überweisungsschein ist nicht erforderlich. Privat versicherte Frauen sollten mit ihren Krankenversicherungen den Selbstbehalt klären.

Qualitätsinformationen zum Mammographie-Screening

Das Mammographie-Screening unterliegt strengen Qualitätssicherungen nach EU-Leitlinien, die ein hohes Maß an Sicherheit für die untersuchten Frauen gewährleisten. Hierzu zählen modernste apparative Ausstattung und deren tägliche Überprüfung, Zertifizierung und Re-Zertifizierung aller Screening-Einheiten, regelmäßige spezielle fachliche Aus- und Weiterbildung der Ärzte und medizinisch-technischen Mitarbeiter, Doppelbefundung durch zwei Ärzte, die jährlich mindestens 5.000 Mammographien befunden, Multidisziplinarität des Screening-Teams in den Fallkonferenzen und Dokumentation und Evaluation des Programms.

Chancen und Risiken der Mammographie

Wie bei jeder Röntgenuntersuchung kommt es auch beim Mammographie-Screening zu einer Strahlenexposition. Nach Angaben der Strahlenschutzkommission kann das zweijährige Mammographie-Screening in der Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen ein zusätzliches Risiko von 0,01 bis 0,24% darstellen, bis zum Lebensende an Brustkrebs zu erkranken. Nach aktuellen Bewertungen der großen klinischen Studien wird unter der Voraussetzung eines qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings nach EU-Leitlinien der Nutzen für die Frauen zwischen 50 und 69 Jahren höher eingeschätzt als ihr Risiko.

In seltenen Fällen kann es zu Intervallkarzinomen kommen, wenn sich ein Tumor im Zeitraum zwischen zwei Mammographien entwickelt. Auch kann es auch zu falsch-positiven oder falsch-negativen Befunden kommen. Auch weitere Untersuchungsmethoden zur Abklärung wie eine Biopsie oder das Warten auf den Befund können zu einer physischen und psychischen Belastungssituation führen.

Internationale Studien und ihre erneute Bewertung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) belegen jedoch, dass das Mammographie-Screening derzeit die einzige flächendeckend durchführbare Methode zur Brustkrebsfrüherkennung ist, die die Brustkrebssterblichkeit nachweislich senken kann.

Kontaktdaten

Bei Fragen zur Einladung oder Terminvergabe wenden Sie sich bitte an die Zentrale Stelle:

Hotline : 03342-42 69 0

Für alle anderen Fragen Rund um das Thema Mammographie-Screening-Programm wenden Sie sich bitte an die Kooperationsgemeinschaft Mammographie:

Hotline : (030) 31 99 851-0

oder an die Senatsverwaltung für Gesundheit Pflege und Gleichstellung

Telefon: (030) 9028-2691