Coronavirus in Berlin

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Dekontamination

Dekontamination einer verletzten Person auf einem Transportband in einem Dekontaminationszelt
Bild: SenGes

Bei CBRN-Gefahrenlagen kann es erforderlich werden, eine große Anzahl von Personen zu dekontaminieren. Neben dem Aufbau eines Dekontaminations- und Behandlungsplatzes direkt am Schadensort ist es unverzichtbar, Krankenhäuser auf solche Fälle vorzubereiten, da Menschen von selbst (also unkontrolliert) in die Kliniken strömen und die Kontamination durch radioaktive, chemische und biologische Stoffe in diese hineintragen können. Die Dekontamination in den Krankenhäusern ist also eine weitere wichtige Maßnahme für den gesundheitlichen Bevölkerungsschutz im Katastrophenfall.

Dekontaminationskonzept für Berliner Krankenhäuser

Jedes Krankenhaus benötigt ein eigenes Dekontaminationskonzept, das die Versorgung gehfähiger und eventuell verletzter kontaminierter Selbsteinweiser in einer Katastrophensituation vorbereitet. Durch die Dekontamination sollen die weitere Kontaminationsverschleppung im Krankenhaus vermieden und die Krankenhausabläufe gesichert werden. Darüber hinaus verlangt ein Dekontaminationskonzept den Eigenschutz des Personals durch persönliche Schutzausrüstung sowie theoretische und praktische Schulungen.

Detaillierte Informationen zur Dekontamination in den Berliner Krankenhäusern können den Empfehlungen zur klinischen CBRN-Vorsorge entnommen werden, die als PDF-Datei vorliegen.

Empfehlungen zur klinischen ABC-Vorsorge

Checkliste für vorbereitende Planungen (Organisation, Personal, Technik, Material) sowie die Erarbeitung von Alarmplänen, Einsatzplänen und Handlungsanweisungen

PDF-Dokument (437.9 kB) - Stand: 27.02.2009 Dokument: SenGes

Best Practices für die Dekontamination

Dekontaminationstrainings in Berliner Kliniken haben Best Practices für einzelne Dekontaminationsprozesse aufgezeigt. Lösungsansätze gibt es sowohl für die Dekontamination gehfähiger als auch liegender Personen. Für die vorbereitende Organisation einer klinischen Dekontaminationseinrichtung haben sich Hinweise zur Registrierung der Personen, zur Raumordnung und zur Ausrüstung als nützlich erwiesen. Best Practices für verschiedene Dekontaminationsprozesse im Überblick:

Absperrbereich und Wegeführung für ankommende Personen

Der Absperrbereich darf nur von Einsatzkräften und kontaminierten Personen betreten werden. Für den Fall, dass weitere kontaminierte Personen eintreffen bzw. eintreffen könnten, müssen diese durch Hinweisschilder und gegebenenfalls durch das Personal zur Dekontaminationsstelle geführt werden.
  • der Absperrbereich wird durch vorbereitete Bauzaunelemente markiert
  • Personal mit geeigneter Schutzausrüstung führt die kontaminierten Personen an einen zentralen Sammelpunkt (Erstversorgungsbereich)
  • betroffene Personen werden durch Hinweisschilder zur Dekontaminationsstelle geleitet.
  • Sicherung des Flurs durch die Installation von Folienwänden
  • die Raumtrennung zwischen reinem und unreinem Bereich sollte konsequent eingehalten werden; eine Trennwand kennzeichnet den Übergang

Erstversorgung

Eine qualitative Erstversorgung der Personen vor der Dekontamination ist immer dann nötig, wenn es zu einem Personenstau in den Duschen kommt. Die Erstversorgung muss sich auf lebensrettende Sofortmaßnahmen begrenzen und auf invasive Maßnahmen verzichten.
  • Grobdekontamination durch Entfernen von Bekleidung und Schuhen als Erste-Hilfe-Maßnahme und zur Reduzierung der Schadstoffexposition für anwesende Personen
  • um die Aufnahme von Schadstoffen über die Atemwege zu vermeiden, darf die Kleidung eines Verletzten nicht über den Kopf gezogen werden und ist bei Bedarf mit Kleiderscheren aufzuschneiden
  • mithilfe der Spot-Dekontamination mit einem Wundreinigungsgerät werden vor der eigentlichen Dekontamination einzelne, offensichtlich kontaminierte bzw. verletzte Körperstellen, an Stellen an denen venöse Zugänge geplant sind und eventuell am Gesicht punktuell dekontaminiert
  • ein flüssigkeitsdichter Folienverband schützt eine Wunde bei der Dekontamination

Erfassung der Personen und Umgang mit deren Eigentum

Bei der zeitkritischen Situation vor der Dekontamination ist bestenfalls eine Erstregistrierung möglich. Ansonsten erfolgt die Registrierung der Personen nach der Dekontamination im reinen Bereich.
  • Mittel zur Erstregistrierung: Kontaminierte Bekleidung und Schuhe werden in großen durchsichtigen Tüten sichergestellt; jede Person und die dazugehörenden Tüten erhalten eine eindeutige Nummer
  • kontaminierte Wertsachen wie Uhren, Brille, Hörgerät etc. werden in kleinere durchsichtige Tüten gepackt; auch diese Tüten erhalten eine eindeutige Nummer, die der Person zugeordnet ist
  • die einfache Erstregistrierung einer Person erfolgt mit einem Plastik-Armband, das mit einer fortlaufenden Nummer beschriftet wird oder mittels einer Umhängekarte
  • Kleidersäcke: die Kleidung wird möglichst doppelt eingetütet, mit einem Kabelbinder verschlossen und mit der Nummer der zugehörigen Person markiert
  • die Kleidersäcke sollten in einem separaten Bereich mit guter Belüftung, leicht abseits des Erstversorgungsbereiches gesammelt liegen, um eventuelle Gefährdungen durch Ausgasungen zu vermeiden
  • Wertsachentüte: Wertsachentüten sollten immer durchsichtig sein, um eine spätere Begutachtung des Inhalts zu erleichtern.

Dekontamination liegend-verletzter Personen

  • eine mobile Dekontaminationseinheit besteht aus drei Zelten, die über Schleusen verbunden sind; sie werden an drei Krankenhäusern vorgehalten
  • der Transport der liegenden Patienten erfolgt schonend auf “Spineboards” über ein Rollensystem
  • zur Dekontamination werden Spiralschläuche mit Handbrausen verwendet.

Dekontamination gehfähiger Personen (Garage)

Die Dekontamination gehfähiger Personen erfolgt durch Entkleiden (mindestens der Oberbekleidung) und Duschen. Auch provisorische Einrichtungen (Gartenschlauch mit Duschkopf) können sinnvoll zur Dekontamination eingesetzt werden.

Ausrüstung und persönliche Schutzausrüstung

  • die Ausrüstung muss einsatzbereit sein und darf nur in Bereichen gelagert werden, die im Alarmfall sehr wahrscheinlich nicht kontaminiert werden
  • der Lagerraum sollte gut belüftet, beheizt und nicht feucht sein
  • genaue Platzierung des Materials und der Zelte an vorher angebrachten Bodenkennzeichnungen.
  • Vorhaltung von Rollwagen mit Ersatzkleidung im reinen Bereich (z. B. Decken, Kittel, Overalls, Füßlinge, Latschen, gegebenenfalls fertige Kleidungssets)
  • CBRN-Materiallager im reinen Bereich: Zum schnellen Transport des Materials sind Rollwagen optimal geeignet.
  • Führungskräfte werden durch das Tragen einer Warnweste gekennzeichnet
  • nach der Dekontamination der persönlichen Schutzausrüstung kann diese mit Unterstützung eines Helfers ausgezogen werden; um das Restrisiko einer Kontaminationsverschleppung weiter zu minimieren, trägt der Helfer einfachen Schutz