Berliner Energieverbrauch und CO2-Bilanz

Der weltweit steigende Energieverbrauch ist mit vielen Problemen verbunden. So trägt die Verbrennung der fossilen Rohstoffe – wie Kohle, Erdöl und Erdgas – zu einer Steigerung des klimaschädlichen Kohlendioxides (CO2) in der Atmosphäre bei. Die durch die Nutzung der Energie verbundene Umwelt- und Klimabelastung fordert – neben einer Umstellung auf schadstoffarme Technologien – eine Begrenzung des Energieverbrauches.

Die Entwicklung des Energieverbrauches und der damit verbundenen CO2-Emissionen ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Dazu zählen z.B. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftsentwicklung, Verfügbarkeit und Preisentwicklung der Energieträger, Technologische Entwicklung, Energieeffizienz, Umweltanforderungen und Jahreszeitbedingte Temperaturentwicklungen.

Wie sich der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen in Berlin über einen bestimmten Zeitraum entwickeln, lässt sich an der jährlichen Energie- und CO2-Bilanz für Berlin ablesen. In dieser werden das Aufkommen, die Umwandlung und die Verwendung von Energieträgern in den Verbrauchssektoren für ein Jahr möglichst lückenlos und detailliert nachgewiesen. Die umfassende Bilanzierung für Berlin wird in Zuständigkeit des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg erstellt und im Internet veröffentlicht; für den Vergleich mit anderen Bundesländern werden die Kennziffern unter www.lak-energiebilanzen.de bereitgestellt. Die Bilanzierung erfolgt nach bundesweit einheitlichen Methoden. Die verbindlichen Abstimmungen hierfür führt der Länderarbeitskreis Energiebilanzen durch, in dem unter anderem die zuständigen Vertreter der Ämter für Statistik der einzelnen Bundesländer ihren Sitz haben. Aus der Energiebilanz wird die CO2-Bilanz abgeleitet.

Energie- und CO2-Bilanz 2014

Energiebilanz

Primär- und Endenergieentwicklung
Im Jahr 2014 betrug der Primärenergieverbrauch (PEV) 271,5 PJ. Der Verbrauch sank gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent. Gegenüber dem Basisjahr 1990 reduzierte sich der Verbrauch um 23,8 Prozent. Der Anteil des Landes Berlin am gesamtdeutschen Primärenergieverbrauch betrug 2,1 Prozent. Der Verbrauch der Energieträger Stein- und Braunkohle konnte gegenüber 1990 (Anteil von 36,7 Prozent am PEV) erheblich reduziert werden und betrug im Jahr 2014 noch 20,4 Prozent. Damit stieg der Anteil dieser beiden Energieträger am PEV gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent, wobei insbesondere der Anteil der Steinkohle gegenüber dem Vorjahr um 6,7 Prozent zunahm. Erdgas und Mineralöle stellten mit 66,0 Prozent die größte Gruppe am PEV dar. Der Verbrauch von Erdgas nahm im Vergleich zu 2013 um 19,8 Prozent ab. Zum Basisjahr 1990 resultierte eine Zunahme des Verbrauchs um 36,4 Prozent. Der Verbrauch von Mineralöl und Mineralölprodukten sank gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent. Die Erneuerbaren Energien konnten ihren Anteil am Gesamtprimärenergieverbrauch auf 3,9 Prozent erhöhen. Ihr Anteil am PEV betrug 10,6 PJ und sank damit gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent.

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Abbildung 1: Primär- und Endenergieverbrauch
Bild: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg + SenWEB

Der Endenergieverbrauch (EEV) sank in Berlin im Vergleich zum Basisjahr 1990 um 10,7 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 7,4 Prozent. Im Vergleich zum Basisjahr 1990 hat eine Verschiebung der einzelnen Energieträger stattgefunden. Der größte Unterschied ist bei den Energieträgern Stein- und Braunkohlen festzustellen. Im Jahr 2014 wurden nur noch 0,4 PJ verbraucht, während es 1990 noch 32,6 PJ waren. Der EEV von Strom stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent auf 48,3 PJ und der EEV von Fernwärme reduzierte sich um 13,7 Prozent auf 34,0 PJ. Der EEV-Anteil fiel leicht auf 14,6 Prozent. Den größten Anteil am Gesamtendenergieverbrauch haben Mineralöl- und Mineralölprodukte mit 41,1 Prozent. Deren Verbrauch sank gegenüber dem Vorjahr um 1,8 Prozent auf 96,0 PJ. Der EEV von Erdgas sank um 16,1 Prozent auf 51,0 PJ, dies entspricht 21,8 Prozent am Gesamtenergieverbrauch. Der Anteil der Erneuerbaren Energien sank im Vergleich zum Vorjahr und beträgt nun 3,7 PJ (1,6 Prozent am EEV). Hinsichtlich der Unterteilung nach Endverbrauchssektoren ist festzustellen, dass der prozentuale Anteil des Sektors Haushalte, Gewerbe, Handel, und Dienstleistungen und übrige Verbraucher in Berlin leicht auf nun 62,7 Prozent abnahm. Zum Basisjahr 1990 ergab sich eine Reduzierung des Verbrauches um 11,0 Prozent; im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion um 12,7 Prozent auf 146,4 PJ. Der Verkehrssektor hatte einen Anteil von 31,9 Prozent (74,6 PJ). Er nimmt im Vergleich zum Vorjahr weiter an Bedeutung zu (+8,1 Prozent); gegenüber dem Basisjahr 1990 ergab sich ein Anstieg von 21,6 Prozent. Im Sektor Gewinnung von Steinen und Erden, sonstiger Bergbau und verarbeitendes Gewerbe ging der Endenergieverbrauch bezogen auf das Basisjahr 1990 um 65 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich eine Reduktion um 18,8 Prozent auf 12,5 PJ.

Energieproduktivität und Pro-Kopf-Verbrauch im Vergleich

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Abbildung 2: Primärenergieverbrauch je Einwohner im Vergleich
Bild: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg + SenWEB

Im Jahr 2014 betrug der Primärenergieverbrauch pro Einwohner 78,2 GJ und ist bezogen auf das Basisjahr 1990 um 24,6 Prozent, und im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent, zurückgegangen. In Deutschland sank der PEV pro Einwohner im Vergleich zu 2013 um 5,2 Prozent auf 162 GJ und ist damit doppelt so hoch wie in Berlin. Der Endenergieverbrauch pro Einwohner betrug 67,3 GJ und ist gegenüber dem Basisjahr 1990 um 11,6 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt und auch zu anderen Stadtstaaten verbrauchen Berlinerinnen und Berliner somit relativ wenig Energie.

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Abbildung 3: Energieproduktivität (Euro BIP/GJ PEV) im Vergleich
Bild: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg + SenWEB

Ein vergleichbar gutes Ergebnis zeigt sich auch bei einem Blick auf die Energieintensität und die Energieproduktivität. Die Energieproduktivität als Maßstab für die Effizienz im Umgang mit Energieressourcen verdeutlicht die Wirtschaftsleistung eines Landes je verbrauchter Energieeinheit. Eine intelligentere und damit effizientere Energienutzung kann zu einem geringeren Energieverbrauch und sinkendem CO2-Ausstoß beitragen. Hier ist Berlin, auch aufgrund seiner durch den Dienstleistungssektor bestimmten Wirtschaftsstruktur sehr effizient. Seit 1990 hat Berlin die Energieproduktivität um 56 Prozent gesteigert (Abbildung 3). Während im Jahr 2000 noch 236 € je Energieeinheit erwirtschaftet wurden, waren es im Jahr 2014 bereits 433 € (+ 80 Prozent). Die Entwicklung der Energieintensität, also des Maßstabes wieviel Energieeinheiten notwendig sind, um einen Euro Bruttoinlandsprodukt herzustellen, bestätigt den effizienteren Umgang mit Energieressourcen im Land Berlin. Während im Jahr 2000 noch 4,1 GJ benötigt wurden, um einen Euro im Land Berlin zu erwirtschaften, waren es im Jahr 2014 nur noch 2,3 (-44 Prozent).

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Abbildung 4: CO2-Emissionen im Land Berlin
Bild: Landesamt für Statistik B-BB

CO2-Bilanz

Emissionsentwicklung
In Berlin wurden im Jahr 2014 19,9 Mio. Tonnen CO2 im Endenergieverbrauch (Verursacherbilanz) emittiert. Dies entsprach einer Reduzierung von 6,0 Prozent zum Vorjahr und einem Rückgang von 31,8 Prozent zum Basisjahr 1990 (Abbildung 4). Die größten Emittenten nach der Verursacherbilanz in Berlin sind die Energieträger Mineralöle und Mineralölprodukte sowie Strom. Bei den Mineralölen sank der Ausstoß im Jahr 2014 um 1,8 Prozent auf 7,1 Mio. Tonnen im Vergleich zu 2013. Beim Energieträger Strom sank die CO2-Emission leicht auf 7,5 Mio. Tonnen. Für den Energieträger Erdgas ergab sich eine Abnahme der Emissionen zum Vorjahr von 16,0 Prozent (2,9 Mio. Tonnen). Für den Energieträger Fernwärme verringerten sich im Jahr 2014 die CO2-Emissionen auf 2,4 Mio. Tonnen.

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Abbildung 5: CO2-Emissionen nach Verbrauchssektoren
Bild: Landesamt für Statistik B-BB

Der Sektor Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen hat mit 13,0 Mio. Tonnen CO2 den größten Anteil am Gesamtausstoß (65,4 Prozent). Gegenüber 1990 ergab sich hier ein Rückgang von 31,2 Prozent. Eine Zunahme der Emissionen wurde im Verkehrssektor (Zunahme um 9,6 Prozent ggü 2013) festgestellt. Der Sektor Gewinnung von Steinen und Erden, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe reduzierte im Jahr 2014 hingegen die CO2-Emissionen um 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (Abbildung 5)

Emissionsintensität und Pro-Kopf-Ausstoß im Vergleich

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Abbildung 6: Pro-Kopf-Emissionen im Vergleich
Bild: Landesamt für Statistik B-BB

Im Jahr 1990 produzierte jeder Einwohner in Deutschland durchschnittlich 12,3 Tonnen Kohlendioxid (CO2) – die Berliner jedoch nur 7,8 Tonnen. Auch 2014 produziert jeder Berliner deutlich weniger Emissionen als der durchschnittliche Bundesbürger. Insgesamt konnten die Pro-Kopf-Emissionen auf 4,9 Tonnen reduziert werden. Die Berliner haben damit weiterhin im Vergleich zu den anderen Stadtstaaten einen kleineren CO2-Pro-Kopf-Ausstoß (Abbildung 6).

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Abbildung 7: Entwicklung CO2-intensität im Vergleich (1990=100)
Bild: Landesamt für Statistik B-BB

Auch die Emissionsintensität Berlins hat seit 1990 deutlich abgenommen. Die Emissionsintensität drückt aus, wie viel CO2-Emissionen pro erwirtschaftetem Euro Wirtschaftsleistung ausgestoßen wird. Sie gilt somit als ein Maßstab der Klimaeffizienz eines Wirtschaftsraumes. In Berlin wurden nach der Quellenbilanz im Jahr 2014 0,17 kg je erwirtschaftetem Euro des Bruttoinlandsproduktes ausgestoßen. In Deutschland waren es durchschnittlich hingegen 0,28 kg je Euro. Seit 1990 verbesserte sich die CO2-Intensität in Berlin um gute 50 Prozent gegenüber dem Jahr 1991. (Abbildung 7)

Erneuerbare Energien

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Abbildung 8: Entwicklung EE-Anteil am Energieverbrauch in Berlin und Energiemix im Primärenergieverbrauch 2012
Bild: Landesamt für Statistik B-BB

Erneuerbare Energien im Berliner Energiemix

Der Primärenergieverbrauch der Erneuerbaren Energien sank im Jahr 2014 um 4,2 Prozent. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch steigt jedoch weiter leicht auf 3,9 Prozent. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch sank im Vergleich zum Vorjahr um 18,2 Prozent. Ein vollständigeres Bild der Nutzung der Erneuerbaren Energien in Berlin durch Endverbraucher ergibt sich jedoch erst durch einen Blick auf die Strombilanz. Hier betrug der Anteil der Erneuerbaren Energien am Brennstoffeinsatz zur Stromerzeugung im Jahr 2014 2,9 Prozent.

Das EEG in Berlin

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Abbildung 9: EEG-Anlagen, Strommenge und Netto-Zahlungsstrom im Vergleich
Bild: Landesamt für Statistik B-BB

Im Vergleich zu anderen Stadtstaaten sind in Berlin deutlich mehr Erneuerbare Energieanlagen im Rahmen der EEG-Förderung und zur Einspeisung in das öffentliche Netz installiert. Dennoch zeigt die niedrigere durch Anlagen in Berlin bereitgestellte EEG-Strommenge, dass es sich bei den Anlagen in Berlin hauptsächlich um kleine und mittlere Solaranlagen handelt bzw. ein größerer Anteil zu Eigenstromversorgung genutzt wird während Bremen und Hamburg vermehrt auf Stromerzeugung aus Windkraftanlagen setzen. In den vergangenen Jahren hat der EEG-induzierte Mittelzufluss aufgrund der Vergütungen an Anlagenbetreiber in Berlin leicht zugenommen. Der Mittelabfluss, der über die von den Verbrauchern zu bezahlende EEG-Umlage induziert wird, stieg jedoch stark an. Damit sind die Stadtstaaten insgesamt, ebenso wie andere Bundesländer mit einer hohen Verbraucherdichte Netto-Zahler des Ausbaus der Erneuerbaren Energien in Deutschland.
Weder in der Energie- und CO2-Bilanz noch in der EEG-Bilanz werden Anlagen zur Eigennutzung von Energie (Strom und Wärme) aus Erneuerbaren Energien berücksichtigt, soweit sie dezentral eingesetzt werden und nicht an das generelle Strom- oder Wärmeversorgungsnetz angeschlossen sind. Weitere Informationen zum Stand der Nutzung von erneuerbaren Energien in Berlin sind unter förderal-erneuerbar.de bzw. bei der Agentur für Erneuerbare Energien zu finden.

Emissionsfaktoren

Emissionsfaktoren und Heizwerte

In der Energie- und CO2-Bilanzierung des Landes Berlin werden seitens des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS) CO2-Emissionsfaktoren für verschiedene Energieträger bereitgestellt (Auszug siehe Tabelle 1). Dabei kann unterschieden werden zwischen konstanten rohstoffbezogenen Faktoren (bspw. Erdgas, Heizöl und erneuerbare Energien) sowie sich in Abhängigkeit vom Energiemix verändernden Faktoren (Strom und Fernwärme). Letztere werden jährlich als Landesdurchschnitt berechnet (Fernwärme) bzw. als Bundesdurchschnitt gebildet (Strom).

Tabelle: Heizwerte und CO2-Emissionsfaktoren nach Energieträgern zur Energiebilanz 2014

  • Energieträger

    Emissionsfaktor kg CO2/MWh

  • Ottokraftstoff

    263

  • Dieselkraftstoff

    266

  • Heizöl, leicht

    266

  • Flüssiggas

    234

  • Erdgas

    201

  • Windenergie, Photovoltaik; Brennholz

    O

  • Elektrischer Strom (Bundesdurchschnitt)

    561

  • Fernwärme (Landesdurchschnitt)

    257

Quelle: AfS Berlin-Brandenburg (2017), Statistischer Bericht „Energie- und CO2-Bilanz in Berlin 2014“, Seite 30

Die CO2-Emissionsfaktoren werden u.a. zur Ermittlung der Gesamtemissionen und zur Überprüfung der Klimaschutzziele des Landes Berlin verwendet. Darüber hinaus werden sie auch für die Energie- und Umweltberichterstattung von Bezirken und anderen Landeseinrichtungen, zur Bilanzierung von Klimaschutzvereinbarungen des Landes Berlin sowie zur Ermittlung der Emissionsminderung bei Einsparmaßnahmen* benötigt.

Weitere Faktoren, die im Rahmen der Bilanzierung und Minimierung weiterer Treibhausgase relevant sind, finden Sie hier.

  • Zur Darstellung der tatsächlichen CO2-Einspareffekte konkreter Einzelmaßnahmen im Bereich Fernwärme wird die Verwendung lokaler Faktoren des jeweiligen Versorgungsnetzes empfohlen, die bei den entsprechenden Versorgern zu erfragen sind.

Quellen