Inklusion

Mädchen im Rollstuhl in der Schule
Bild: SenBJW

Alle Menschen sollen überall teilhaben können! Das bedeutet Inklusion. In einer inklusiven Gesellschaft wird jeder Mensch akzeptiert und kann gleichberechtigt und selbstbestimmt beteiligt sein. Es geht darum, vorhandene Barrieren abzubauen und Akzeptanz zu fördern. Inklusion in der Gesellschaft ist ein fortschreitender Prozess, der ein Umdenken aller Menschen erfordert.

Verschieden – aber gleichwertig

Kein Mensch ist wie der Andere. Jeder besitzt Eigenschaften, die er mit anderen gemeinsam hat und mit denen er sich von anderen unterscheidet.

Grafik Inklusions-Wolke

Wichtig ist, dass jeder die Gleichwertigkeit aller Menschen trotz dieser Vielfalt anerkennt und bestehende Vorurteile abbaut. Inklusion ist kein Expertenthema, sie ist nur erfolgreich, wenn alle mitmachen.

Inklusion in der Bildung

Im Bildungsbereich bedeutet Inklusion, dass allen Menschen auf Grundlage der Chancengleichheit das Recht auf höchstmögliche Bildung zusteht, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht oder sozialen und ökonomischen Voraussetzungen. Bereits im Jahr 1989 wurde das Recht des Kindes auf Bildung in der UN- Kinderrechtskonvention verankert .

Das Konzept der Inklusiven Schule erkennt die Individualität jedes Kindes sowie die Verschiedenheit der Schüler innerhalb einer Lerngruppe an und sieht darin eine Bereicherung. Ziel einer inklusiven Schule ist es, Unterricht und Schulleben so zu gestalten, dass alle Schülerinnen und Schüler – gleich welcher Herkunft und welcher Leistungsfähigkeit – gemeinsam leben und lernen können.

Inklusive Schule – Potenziale entdecken und fördern!

Ein Schulsystem, das die Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler als Chance, und nicht nur als Herausforderung, sieht und das die Potentiale und Begabungen aller Schüler fördert, kann als inklusives Schulsystem bezeichnet werden.

Damit wird die Schule zum gemeinsamen Lernort für Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Begabungen und Interessen mit ihren jeweils individuellen Lern- und Unterstützungsbedürfnissen. Der Anspruch der Schule ist es, jede Schülerin und jeden Schüler bestmöglich zu fördern. Das bedeutet, dass die Inklusive Schule für Kinder mit speziellen Begabungen ebenso geeignet ist wie für diejenigen, die einer besonderen Förderung bedürfen.

Im Schulalltag bedeutet damit Inklusion auch das gleichberechtigte Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung in einer Lerngruppe an den gleichen Inhalten, denn Behinderung ist nur ein Verschiedenheitsmerkmal. Während früher behinderte Schüler ausschließlich in Sonderschulen lernten, hat die gemeinsame Bildung und Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung jetzt Vorrang, dies ist im Berliner Schulgesetz festgelegt. Inzwischen lernen mehr als die Hälfte aller Schüler mit einer Behinderung an allgemeinen Schulen zusammen mit nicht behinderten Kindern.

Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert von den Vertragsstaaten u.a. die Entwicklung eines inklusives Bildungssystems, in dem Menschen mit Behinderungen nicht mehr ausgegrenzt werden, sondern ihnen, wie allen anderen Menschen auch, die Möglichkeit zur vollen Teilhabe an gemeinsamen Bildungsprozessen bietet.

Inklusiver Unterricht

Für das Gelingen inklusiven Unterrichts sind tiefgreifende Veränderungsprozesse notwendig. Das heisst, Haltungen, Strukturen und Praktiken, die die Verschiedenartigkeit der Schülerschaft einbeziehen, müssen entwickelt werden, um allen Schülerinnen und Schülern die volle Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Dabei orientiert sich die inklusive Schule an folgenden Werten:

  • Wertschätzung von Vielfalt
  • Gleichwertigkeit trotz Verschiedenheit
  • Recht auf Bildung ohne Aussonderung
  • Vertrauen in Schülerpotenziale
  • Gemeinschaft als sozialer Lehr- und Lernraum
  • Teilhabe aller am gemeinsamen Lernen
  • Nachhaltigkeit der Entwicklung

Qualifizierungsprogramm
Um die Schulen bei der Entwicklung inklusiver Kulturen, Strukturen und Praktiken zu unterstützen, wurde ein „Qualifizierungsprogramm zur Weiterentwicklung von Berliner Schulen auf dem Weg zur Inklusion“ von einer Facharbeitsgruppe entwickelt. Das Konzept wird ergänzt durch einen Lehrplan, der die Unterrichtsentwicklung in den Mittelpunkt stellt.

Neben den Schulberatern aus der Regionalen Fortbildung stehen den Schulen auf Antrag auch finanzielle Mittel zur Verfügung, die sie zur externen Unterstützung ihrer Schulentwicklungsprozesse nutzen können.

Rahmenlehrplan
Mit der Einführung eines neuen Rahmenlehrplans für die Schulen in Berlin und Brandenburg zum Schuljahr 2017/18 wird ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung inklusives Lernen gegangen. Der Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufen 1-10 eröffnet Möglichkeiten zum differenzierenden Unterricht und stellt die Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt.

Elf Inklusive Schwerpunktschulen im Schuljahr 2017/2018

Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 ist der Startschuss für die Einrichtung von Inklusiven Schwerpunktschulen für Berlin gefallen. Insgesamt sind 36 Schulen geplant. Zunächst starteten im Schuljahr 2016/17 die sechs ersten Standorte. Zum Schuljahr 2017/18 kommen fünf weitere Inklusive Schwerpunktschulen hinzu.

Inklusive Schwerpunktschulen sind Schulen aller Schularten sowie berufliche Schulen, die aufgrund ihrer personellen, räumlichen und sächlichen Ausgestaltung besonders in der Lage sind, Schülerinnen und Schüler mit den sonderpädagogischen Förderschwerpunkten

  • „Körperliche und motorische Entwicklung“,
  • „Sehen“,
  • „Hören und Kommunikation“,
  • „Geistige Entwicklung“ und
  • „Autismus“
    aufzunehmen und dafür entsprechende Konzepte entwickelt haben.

Im Gegensatz zu den schon bestehenden Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt lernen Kinder und Jugendliche dort mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam.
Das Angebot richtet sich dabei insbesondere an Eltern, die sich bisher eine integrative Beschulung gewünscht haben, aber nur in Förderschulen die aus ihrer Sicht für ihr Kind unabdingbare Bedingungen vorgefunden haben.

Folgende Standorte von Inklusiven Schwerpunktschulen wird es ab dem Schuljahr 2017/2018 geben:
Friedrichshain-Kreuzberg

Charlottenburg-Wilmersdorf

Spandau

  • 30. Schule (05G30)
    Förderschwerpunkte Geistige Entwicklung und Körperlich und Motorische Entwicklung
  • Paul-Moor-Schule (05G21)
    Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Tempelhof-Schöneberg

Treptow-Köpenick

  • Heide-Schule (09G09)
    Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation

Lichtenberg

Reinickendorf

Inklusion in Berlin

In fast allen Schulen im Land Berlin werden schon jetzt Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet. Einige Schulen haben in Schulversuchen dabei für alle anderen Schulen wichtige Erfahrungen gesammelt:

Schulpreise für Inklusive Schulen

Daneben gibt es in Berlin weitere Schulen, die bereits wichtige Schritte auf dem Weg zu einer Inklusiven Schule unternommen haben. Einige wurden dafür bereits mit dem „Jacob-Muth-Preis“ oder mit dem „Deutschen Schulpreis für Gemeinsames Lernen“ ausgezeichnet.

Schulen, die mit dem „Jacob-Muth-Preis“ ausgezeichnet wurden:

Schulen, die mit dem „Deutschen Schulpreis für Gemeinsames Lernen“ ausgezeichnet wurden:

Beratungs- und Unterstützungszentren für inklusive Pädagogik

Damit Inklusion im Schulalltag erfolgreich umgesetzt werden kann, werden derzeit in allen Bezirken Beratungs-und Unterstützungszentren für inklusive Pädagogik eingerichtet, die gemeinsam mit den bisherigen Schulpsychologischen Beratungszentren jeweils ein Schulpsychologisches und inklusionspädagogisches Beratungs- und Unterstützungszentrum (SIBUZ) bilden.

Die Angebote der SIBUZ betreffen neben schülerbezogenen Fragen, auch im Hinblick auf sonderpädagogische Fragestellungen sowohl die Weiterentwicklung der Schulen zu Inklusiven Schulen als auch die Vernetzung und Kooperation aller Experten.

Förderung

Im Schuljahr 2015/16 lernen bereits fast 62 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung in allgemeinbildenden Schulen.

Um den Erziehungsberechtigten eine Wahlmöglichkeit zu geben, welche Art der sonderpädagogischen Förderung ihnen für ihr Kind am besten erscheint, werden aber auch in Zukunft Schulen mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkten erhalten bleiben. Die Entscheidung, ob ein Kind eine allgemein bildende Schule oder eine Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt besuchen soll, treffen zukünftig ausschließlich die Erziehungsberechtigten.

Es ist wichtig, die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Neigungen und Fähigkeiten zu fördern. Dies gilt sowohl bei besonderer Begabung als auch bei behinderungsbedingten Nachteilen und sprachlichen Entwicklungsrückständen. Mit ihren Angeboten versuchen die Berliner Schulen den vielfältigen Interessenlagen der Schülerschaft zu entsprechen.

Sie bieten eine Vielzahl von Angeboten – genau auf den Bedarf zugeschnitten: Von Integrations- über Förderklassen, über Schulen mit besonderem musikalischem Schwerpunkt bis zum Konzept der Hochbegabtenförderung.

Beispiel einer Inklusiven Schule: Heinrich-Zille-Grundschule

Im Jahr 2010 wurde die Heinrich-Zille-Grundschule in Berlin mit dem Jakob Muth-Preis für Inklusive Schule ausgezeichnet. Dieser Preis zeichnet Schulen aus, die inklusive Bildung beispielhaft umsetzen und so allen Kindern die Möglichkeit eröffnen, an hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre individuellen Potenziale zu entwickeln.

Seit mehr als 20 Jahren werden an der Heinrich-Zille-Grundschule Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet. Schon zu Beginn der 90er Jahre wurden auch Kinder mit geistigen und schweren Mehrfachbehinderungen im Rahmen eines „Landesweiten Schulversuchs“ (Senatsverwaltung für Bildung, 1990-97) aufgenommen. Auf diesem Feld hat sich die Heinrich-Zille-Schule zu einer (von zwei) Schwerpunktschule für den Bezirk entwickelt.

Durch die positiven Erfahrungen des gemeinsamen Unterrichts entstand im Kollegium eine hohe Bereitschaft, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unabhängig von der Art und Schwere der zugrunde liegenden Beeinträchtigungen, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ohne Behinderungen zu unterrichten.

Die ersten Kinder mit ausgewiesenem sonderpädagogischem Förderbedarf („Lernen“) kamen im Schuljahr 1988/89 auf Wunsch der Eltern an die Heinrich-Zille-Grundschule. Zum Schuljahr 1990/91 wurde ein Kind mit dem Förderbedarf „Geistige Entwicklung“ aus einer benachbarten Kita gemeinsam mit der gesamten Kindergruppe aufgenommen; das erste Kind mit einer schweren Mehrfachbehinderung folgte zum Schuljahr 1992/93. Seit Mitte der 90er Jahre sind fast durchgehend alle Klassen Integrationsklassen mit jeweils 1 bis 5 Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf Seit 1990 wurden bzw. werden insgesamt 25 Kinder im Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ erfolgreich gemeinsam unterrichtet, davon sechs Kinder mit schwerster Mehrfachbehinderung.

Die Heinrich-Zille-Grundschule liegt im sozialen Brennpunkt in Kreuzberg. Sie versteht sich im Stadtteil als Schule für alle Kinder. Soweit es die Aufnahmekapazität zulässt, werden alle angemeldeten Kinder – mit und ohne Behinderungen – in die jahrgangsgemischten Schulanfangsklassen aufgenommen. Es gilt der im Leitbild des Schulprogramms festgeschriebene Grundsatz: „Unsere Schule ist eine Schule für alle Kinder“.

Er wird vom gesamten Kollegium – Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer – seit Jahren getragen und mit Leben gefüllt. Die Schule hat Konzepte entwickelt, um allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, sie individuell zu fördern und niemanden auszuschließen. Der Bericht der Berliner Schulinspektion vom 9. März 2009 bestätigt, dass die gewählten Schwerpunkte dem Anspruch einer Schule im sozialen Brennpunkt und den damit verbundenen Anforderungen gerecht werden. „Der im Leitbild festgeschriebene Grundsatz: – Unsere Schule ist eine Schule für alle Kinder – wird durch diverse Maßnahmen zur Inklusion lernbehinderter, geistig behinderter, körperbehinderter oder schwerstmehrfach behinderter Kinder mit spürbarem Leben erfüllt.“ (S. 23/33 Inspektionsbericht)

Die Heinrich-Zille-Grundschule bietet Differenzierungsangebote und – maßnahmen sowohl für leistungsstarke als auch für leistungsschwache Kinder.

  • Die Lehrkräfte schaffen insgesamt ein Arbeits- und Lernklima, in dem die „Andersartigkeit“ jedes einzelnen Kindes in den Lerngruppen akzeptiert wird. Sie geben individuelle Rückmeldung und beraten beim Bewältigen der gestellten Aufgaben.
  • Den Schülerinnen und Schülern werden die gestellten Leistungsanforderungen durch individuell formulierte Wochenpläne und Stationsaufgaben, der Lernstraße, durch differenzierte Klassenarbeiten und ggf. durch individuell vereinbarte Lernverträge vermittelt.
  • Die Klassenteams legen für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Förderplänen fest, in welcher Form und mit welchen Maßnahmen die lernzielgleiche bzw. lernzieldifferente Förderung realisiert werden soll. Auf Beschluss der Klassenkonferenzen werden – falls nötig – auch immer wieder vielfältige Formen des Nachteilsausgleich gewährt.