Musterraumprogramme

Leeres Klassenzimmer
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Die Musterraumprogramme enthalten die Empfehlungen für den Neubau von Schulen für Unterrichtsräume, Fachräume, Pausen- und Freiflächen.

Mindeststandards

Als Handlungsempfehlung für den Neubau sowie Erweiterung und Umbau von Schulen und zur Gewährleistung berlinweit einheitlicher Mindeststandards werden Musterraumprogramme erstellt. Diese werden auf Basis der Stundentafeln, curricularer Anforderungen, des Betreuungsbedarfs und zur Gewährleistung der im Rahmen der Zumessungsrichtlinien möglichen Unterrichtsorganisation sowie sonstiger pädagogischer Anforderungen entwickelt.

Gestaltungsfreiräume

Für die Raumnutzung aller Einrichtungen ist jedoch kein Einheitskonzept verbindlich. Den vielfältigen Formen von „eigenverantwortlicher Schule“ wird innerhalb des Musterraumprogramms mit zahlreichen Gestaltungsfreiräumen entsprochen, die im Sinne des jeweiligen pädagogischen Profils genutzt werden können.

Dies gilt insbesondere bei Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden. Dabei müssen die Standards der Musterraumprogramme mit der jeweiligen spezifischen Gebäudesituation abgeglichen werden. Es kann vorkommen, dass einzelne Raumtypen, die für die pädagogische Konzeption der Schule erforderlich sind, nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. In einem solchen Fall müssen Varianten geprüft werden.

Neubau von Schulen

Für den Neubau von Schulen enthalten die Musterraumprogramme auch Empfehlungen für

  • die Größe der Pausen- und Freiflächen,
  • für Schülerarbeitsgärten,
  • Fahrradständer,
  • Sportanlagen etc.

Diese lassen sich jedoch nur auf Standorten realisieren, die über ausreichend große Flächen verfügen. In innerstädtischen Bereichen und bei eingeschränkten Flächenressourcen sind die Vorgaben weder bei Neubau noch bei Um- und Erweiterungsmaßnahmen umsetzbar.

In diesen Fällen muss unter Berücksichtigung der pädagogischen Konzeption und in Zusammenarbeit mit der Schule eine tragfähige Lösung entwickelt werden.

Klassenräume

Für Klassenräume wird beim Neubau eine Größe von 60 – 65 m 2 empfohlen. Der Richtwert beträgt rund 2,0 m 2 pro Platz.

Die aktuelle Durchschnittsfrequenz beträgt in den Grundschule 23 – 24 Schülerinnen und Schüler pro Klasse. Bei der Bewertung von Bestandsgebäude werden 1,7 – 2,0 m 2 herangezogen. Vereinzelt kann auch die Möglichkeit bestehen, dass ein optimaler Raumzuschnitt kleinere Räume zulässt. Zu berücksichtigen sind bei Einpassungen im Bestand grundsätzlich immer die realen Strukturen des Raums wie Belichtung, Belüftung (Raumhöhe) usw.

Kleine Gruppenräume

Die Ausstattung der Schulgebäude mit Kleingruppenräumen, die zum Beispiel für Teilung und Differenzierung erforderlich sind, ist ausgesprochen unterschiedlich.

Insbesondere ältere Gebäude weisen in diesem Punkt häufig Defizite auf. Sofern solche Raumstrukturen nicht vorhanden sind, sollte der Standort individuell auf die vorhandenen Möglichkeiten hin untersucht werden und fehlende Gruppenräume zum Beispiel durch Umwidmung und/oder Verlagerung von untergenutzten Nebenräumen, durch Aufgabe von Nutzungen, die nicht zwingend erforderlich sind, durch Abtrennung/Mitnutzung überdimensionierter Verkehrsflächen (z.B. Flure) oder durch Teilung größerer Räume geschaffen werden.

Freizeitbereich

Auch bei den Empfehlungen für den Freizeitbereich ist zwischen Neubauten und bestehenden Gebäuden zu differenzieren.

Wesentlich für die Gestaltung des Freizeitbereichs sind die pädagogischen Rahmenbedingungen. Sowohl die gebundene als auch die offene Ganztagsgrundschule unterscheiden sich hinsichtlich der Raumstrukturen und Raumnutzungen und auch bezüglich der Freiflächen von der traditionellen Halbtagsschule.

Ganztagsschulen

Ganztagsschulen müssen so konzipiert werden, dass sich die Kinder und die Erwachsenen dort den ganzen Tag wohl fühlen und miteinander leben, arbeiten und lernen können. Der gesamte Standort sollte daher mit all seinen räumlichen Angeboten ganztägig nutzbar sein. Die Trennung, vormittags Unterrichtsräume / nachmittags Betreuungsräume, sollte bei Ganztagsschulen aufgehoben werden und die vormittäglichen und nachmittäglichen Bildungsangebote aufeinander bezogen sein.

Wünschenswert sind verschiedene Arten von „Freizeit“:

  • die klassengebundene Freizeit, welche die Schüler in ihrer aus dem Unterricht gewohnten Gruppenstruktur verbringen,
  • die kursgebundene Freizeit, in der sie sich für einen inhaltlich festgelegten klassen- und jahrgangsübergreifenden Kurs (z.B. Theater, Radfahrtraining, Keramik etc.) entscheiden und
  • die ungebundene Freizeit, die die Schülerinnen und Schüler spontan an verschiedenen Orten selbstbestimmt gestalten können (z.B. Bibliothek, PC-Werkstatt, Sporthalle).

Welche Form am jeweiligen Ort am besten passt, muss die jeweilige Schule unter Berücksichtigung der jeweils vorgegebenen äußeren Rahmenbedingungen selbst entscheiden.