Kunstwettbewerb für die Gestaltung des Gedenkorts Güterbahnhof Moabit entschieden

Pressemitteilung vom 19.08.2016

Der Regierende Bürgermeister von Berlin Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten hat in Abstimmung mit dem Bezirksamt Mitte von Berlin im April 2016 einen nichtoffenen Kunstwettbewerb mit 10 eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern zur künstlerischen Gestaltung des „Gedenkorts Güterbahnhof Moabit“ in Berlin-Mitte ausgelobt, an dem 9 Künstlerinnen und Künstler teilgenommen haben.

Welche Bedeutung der Güterbahnhof Moabit in der Zeit des Nationalsozialismus bei der systematischen Deportation von Juden aus Berlin wirklich hatte, war lange Zeit nicht bekannt. Inzwischen ist jedoch belegt, dass die meisten der sogenannten „Sondertransporte“ von den Gleisen 69, 81 und 82 des Güterbahnhofs Moabit erfolgt sind. Über 30.000 Menschen wurden von hier aus in Ghettos und Vernichtungslager deportiert.

Ziel des Kunstwettbewerbs war es, den heute stadträumlich vergessenen Ort der Landkarte der Berliner Gedenkkultur hinzuzufügen und die längst überfällige Erinnerung in das kollektive Gedächtnis der nachfolgenden Generationen einzuschreiben.

Das Preisgericht hat unter Vorsitz von Prof. Dr. Stefanie Endlich am 18. August 2016 die Arbeit „Hain“ des Berliner Künstlerkollektivs raumlabor mehrheitlich mit dem 1. Preis ausgezeichnet und mit Überarbeitungsempfehlungen zur Realisierung empfohlen. Als tragende Idee des Entwurfes wird der Gedenkort durch einen Hain aus 24 Kiefern definiert. Das scheinbar deplatzierte und irritierende Landschafts-element ist aus Sicht der Verfasser die angemessene Annäherung an diesen lange vernachlässigten Ort. Die besondere Qualität und Angemessenheit des Entwurfes ergibt sich für das Preisgericht aus der Kohärenz der Idee, ihrer Lesbarkeit und der abstrakten Neuinterpretation des authentischen Ortes, Gleis 69 Moabit.

Der 2. Preis wurde an die Arbeit „WEG-ORT-NACHBARN“ der Künstlerin Katharina Hohmann vergeben. Auch diese Arbeit erhielt vom Preisgericht eine Realisierungs-empfehlung, sofern der Entwurf von raumlabor mit der Überarbeitung nicht zu einer Realisierung geführt werden kann. Die Arbeit „DER HAIN – nach der Deportation“ von Andrea Zaumseil erhielt eine Anerkennung.

Die Realisierung des Gedenkorts wird durch das Bezirksamt Mitte aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie erfolgen.

Alle eingereichten Entwürfe des Kunstwettbewerbs sind vom 25. August bis 2. September 2016 jeweils von 12.30 bis 20.00 Uhr im Auditorium des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin-Kreuzberg zu sehen. Der Eintritt ist frei. Im Sommer 2017 soll der Gedenkort der Öffentlichkeit übergeben werden.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung am Mittwoch, 24. August 2016, um 17 Uhr geben Prof. Dr. Andreas Nachama (Direktor der Stiftung Topographie des Terrors) sowie Sabine Weißler (Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Umwelt und Naturschutz im Bezirk Mitte von Berlin) eine thematische Einführung zum Gedenkort Güterbahnhof Moabit. Im Anschluss daran werden die künstlerischen Entwürfe von der Vorsitzenden des Preisgerichts, Prof. Dr. Stefanie Endlich, vorgestellt. Geplant ist, dass das Künstlerkollektiv raumlabor und die Künstlerin Katharina Hohman jeweils ihren Entwurf persönlich präsentieren werden.

Kontakt:
Referentin für Kunst im Stadtraum, Katrin Sander, (030) 90228-746
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