Online sein als Normalzustand? – Ergebnisse des 5. Berliner Verbrauchermonitors

Pressemitteilung vom 17.08.2015

Das Verbrauchervertrauen der Berlinerinnen und Berliner hat sich in den vergangenen zwei Jahren erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt der mittlerweile fünfte Verbrauchermonitor mit dem Schwerpunktthema Internet.

„Das gestiegene Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher ist ein gutes Signal. Wir sind auf einem guten Weg und können auf Grundlage des Monitors unsere Projekte besser auf die Bedürfnisse der Berlinerinnen und Berliner abgestimmt weiterentwickeln“, erklärt die Staatssekretärin für Verbraucherschutz Sabine Toepfer-Kataw.

Interessante Ergebnisse: Mit dem ersten eigenen Handy intensiviert sich bei Kindern die Internetnutzung erheblich. Bewusstsein über kommerzielle Datennutzung durch Dritte ist dabei gering: „So lange ich nicht auf unerlaubten Seiten bin, ist mir egal, ob das einer weiß, was ich mir angeschaut habe“, so die Aussage eines 12-Jährigen.

Als wichtigste Handlungsfelder für den Verbraucherschutz nennen die deutsch- und türkischsprachigen Befragten die Bereiche „Essen und Trinken“, Finanzen und Versicherungen“, Energie und Wohnen“, „Telefon und Internet“ sowie „Verkehr und Freizeit“.

Insgesamt wurden 942 repräsentativ ausgewählte Berlinerinnen und Berliner zwischen April und Juni 2015 befragt. Wie in den vergangenen Monitoren wurden gezielt türkischsprachige Verbraucher einbezogen (n=200). Neu ist die Form der dyadischen Befragung von Kindern im Alter von 11-13 Jahren.

Durchgeführt hat die Befragung die Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung e.V. (GfK) Nürnberg. Berlin ist neben Bayern und Baden-Württemberg das einzige Bundes-land, das einen Verbrauchermonitor erstellen lässt. Ergebnisse im Überblick:
  • Im Vergleich zu 2013 ist das Verbrauchervertrauen der deutschsprachigen Berliner von einem Indexwert von 52 Punkten auf 59 Punkte gestiegen. Auch das Vertrauen bei den türkischsprachigen Verbrauchern ist mit aktuellen 67 Punkten im Vergleich zur vorherigen Erhebung um drei Punkte angestiegen.
  • Essen und Trinken ist für die Berlinerinnen und Berlinern das wichtigste Verbrau-cherthema. Bei deutschsprachigen Verbrauchern folgt der Bereich „Finanzen und Versicherungen“. Hingegen ist für Türkischsprachige der Bereich „Telefon und Internet“ zweitwichtigster Bereich. Für beide Gruppen folgt der Bereich „Energie und Wohnen“ als drittwichtigstes Handlungsfeld für den Verbraucherschutz.
  • 74% der Deutschsprachigen gibt an, ihre Rechten und Pflichten als Verbraucher zu kennen. Bei den Türkischsprachigen sind es nur 43%.
  • Türkischsprachige investieren weniger Zeit in die Informationssuche als Deutschspra-chige und sind auch etwas weniger bereit, für unabhängige Informationen zu bezahlen. Beide Gruppen haben jedoch das Gefühl zu viele Informationen zu Produkten, Dienstleistungen oder Anbietern zu bekommen.
  • 96% der Befragten, die eine Beratung bei der Verbraucherzentrale Berlin in Anspruch genommen haben, sind zufrieden mit der Beratung bzw. den erhaltenen Informationen. Die Nutzung ist jedoch zurückgegangen.
    27% der türkischsprachigen Verbraucher haben das Angebot bereits genutzt.
  • Der unzureichende Schutz vor Viren wird bei der Internetnutzung als größtes Risiko wahrgenommen. Schutzinstrumente wie Virenscanner haben Deutschsprachige we-sentlich häufiger auf ihren Geräten installiert als Türkischsprachige. Jugendliche nutzen weniger Sicherheitsmaßnahmen als ältere Verbraucher.
  • Nur 27% der Befragten nutzen Verschlüsselungstechnologien. Als Hauptgründe für die Nicht-Nutzung werden zu geringe Kenntnisse oder die Unkenntnis über solche Technologien angegeben.
  • Drei Viertel der deutschsprachigen Internetnutzer kaufen online ein; bei etwas mehr als einem Drittel sind schon einmal Probleme aufgetreten: Zu lange Lieferzeiten, unzureichende Qualität der Ware oder der Dienstleistung oder gar keine Lieferung.
  • Türkischsprachige nutzen die sozialen Netzwerke stärker als Deutschsprachige. Datenschutzeinstellungen nehmen beide Gruppen im gleichen Umfang vor.
  • Mit dem 1. Smartphone ca. ab dem 10. Lebensjahr intensiviert sich die Internetnutzung erheblich. „Online sein“ wird zum permanenten Normalzustand.
  • Nur wenige Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren schützen sich vor Viren bei der Smartphone Nutzung. Firewalls und Verschlüsselungstechnologien als Schutzmechanismen sind eher unbekannt.
  • Mehr als die Hälfte der deutschsprachigen Verbraucherinnen und Verbraucher lesen die Angaben zu Inhaltsstoffen auf den Verpackungen von Produkten des täglichen Bedarfs häufig oder fast immer. Bei den Türkischsprachigen liegt diese Quote bei 37%.
  • 64% kennen Nano-Produkte, aber nur jeder Zweite kauft solche Produkte oder würde sich vorstellen können sie zu nutzen.
  • Nur ein Drittel der Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, dass Nano-Produkte teilweise gekennzeichnet werden müssen.

Alle Ergebnisse des Verbrauchermonitors 2015 finden Sie hier.

Bei Rückfragen:
Christina Rasche
(030) 9013-3644