Verdienstvolle Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels Medizingeschichte am Standort Buch durch zwei Berlinerinnen

Pressemitteilung vom 19.06.2013

Frau Dr. Hannelore Dege und Frau Rosemarie Pumb haben sich über viele Jahre ehrenamtlich einem in großen Teilen noch unerforschten, dunklem Kapitel der Geschichte der ehemaligen Krankenanstalten am Medizinstandort Buch gewidmet. Sie forschten, schrieben und publizierten über die Ermordung von Zwangsarbeitern und die systematisch betriebene Euthanasie, die während der Nazizeit in der Heil- und Pflegeanstalt Berlin-Buch stattfand.

Dafür haben Dr. Hannelore Dege und Rosemarie Pumb vom Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen. Gesundheitssenator Mario Czaja wird den beiden Berlinerinnen die hohe Auszeichnung morgen in seinem Amtssitz überreichen.

Der Senator hebt in seiner Laudatio hervor, dass sich die beiden Frauen mit ihrer jahrelangen akribischen Arbeit große Verdienste erworben haben. „Ein erheblicher Teil dieses schrecklichen Kapitels der Medizingeschichte lag über Jahrzehnte völlig im Dunkeln. Frau Dr. Dege und Frau Pumb haben sich in unermüdlicher Kleinarbeit den in Buch begangenen Verbrechen gewidmet und über viele Jahre mehrere tausend Krankenakten ausgewertet. Sie haben ans Licht gebracht, dass in den Kliniken in Buch Euthanasie in einem bisher nicht bekannten Maße betrieben wurde. Nach neuesten Erkenntnissen wird die Zahl der Opfer auf rund 10.000 geschätzt.

Sie haben neben ihrer Freizeit auch eigene finanzielle Mittel investiert. Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit haben sie ein wichtiges Stück der Medizingeschichte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dr. Hannelore Dege brachte mit Hilfe von Albatros e. V. das Buch „In den Tod geschickt heraus. Rosemarie Pumb hat in ihrer letzten Veröffentlichung „Ein Ort schweigt“ beschrieben, wie die DDR dieses Kapitel der Nazi-Vergangenheit ganz bewusst geschlossen gehalten hat.

So gebührt den beiden Frauen, die heute im Ruhestand sind, für ihre Forschungs- und Publikationstätigkeit großer Dank und unsere Anerkennung. Sie haben ein Stück deutscher Vergangenheitsbewältigung geleistet“, so Gesundheitssenator Mario Czaja.

Die Ordensverleihung, zu der Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich eingeladen sind, findet statt am Donnerstag, dem 20. Juni 2013, um 13.30 Uhr im Raum 2.023 in der Oranienstraße 106, 10969 Berlin.