Integrationsbeauftragte stellt vor: Das Projekt The-BoP-Tickets, Studierende engagieren sich für Flüchtlinge

Pressemitteilung vom 18.02.2015

Im Rahmen eines Pressegesprächs stellte Berlins Integrationsbeauftragte Monika Lüke heute gemeinsam mit den Akteuren das Projekt „The BoP-Tickets“ vor.

Die aktuelle politische Situation der Flüchtlingsbewegung ist prekär.
Der eigentliche Überfluss an kulturellen und sozialen Angeboten in Berlin kommt Flüchtlingen meist nicht zugute, weshalb eine gesellschaftliche Partizipation jugendlicher Flüchtlinge schwierig ist. Ebenfalls trägt die alleinige Bereitstellung von finanziellen Hilfsmitteln häufig nicht zur direkten Verbesserung der Situation von Flüchtlingen bei.

Das Projekt „The Bop-Tickets“ (Booklet of Participation) wurde Ende 2014 von Studierenden der Macromedia Hochschule Berlin im Rahmen eines Seminars ins Leben gerufen. Die Macromedia Hochschule gehört zu den führenden Medienhochschulen in Deutschland und bietet unter anderem Kultur- und Eventmanagement in ihrem Programm an.

Die Idee der „Bop-Tickets“ besteht darin, Tickets von Berliner Kultur- und Sportbetrieben zu sammeln und an Flüchtlingsheime zu übergeben und dabei gleichzeitig Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander in Kontakt zu bringen. Insgesamt 5 Berliner Heime konnten bislang dafür gewonnen werden, sich hier als Partner zu beteiligen. Über 600 Tickets konnten bereits innerhalb der letzten 3 Monate gesammelt werden. Das Projekt wird auf Facebook und durch eine Website begleitet (siehe unten), die vor allem eine hohe Nachfrage bei jüngeren Usern herrufen. Der Publizist Gernot Wolfram und die Studierenden legen vor allem Wert darauf, dass es zu Formen der Begegnung kommt, die längerfristig funktionieren. Was ursprünglich als Studentenprojekt begann, entwickelt sich zu einem breiten Aktivitätenstrom, mit dem viele junge Menschen auch verdeutlichen wollen, dass sie in Zeiten von Pegida und populistischer Rhetorik für ein tolerantes und weltoffenes Deutschland stehen.

Gerade dieser Ansatz hat die Integrationsbeauftragte dazu bewogen, das Projekt zu unterstützen. „Wer die Möglichkeit hat, am gesellschaftlichen Leben teil zu nehmen, hat es erheblich leichter in der neuen Umgebung Fuß zu fassen“, so Monika Lüke.

Bislang haben die Studierenden bereits zahlreiche Sport- und Kulturveranstaltungen gemeinsam mit Flüchtlingen besucht, etwa bei Spielen der EHC Eisbären Berlin. Die Resonanz war durchweg positiv und zeigte, dass die Flüchtlinge sich akzeptiert fühlen als gleichwertige Rezipienten und nicht als bloß Beschenkte. Durch viele Gespräche mit den Verantwortlichen in den Flüchtlingsheimen wurde für das Projektteam deutlich, dass es nicht nur um einzelne Aktionen gehen darf, sondern um eine Begegnung zwischen Einheimischen und Fremden, die Vertrauen schafft.

Die Studierenden der Macromedia Hochschule Berlin und der betreuende Professor, der Publizist Gernot Wolfram, wollen daher einen gesellschaftlichen Diskurs und einen interkulturellen Austausch fördern, der sich an die direkte Integration von Flüchtlingen in das gesellschaftliche Leben richtet. Der interaktive Besuch von nicht sprachgebundenen Kultur- und Sportveranstaltungen kann hier eine wichtige Plattform für einen Kennlernprozess darstellen. „Dabei geht es uns nicht um Charity, sondern um eine nachhaltige Form der Partizipation. Dafür werden auch sogenannte „Vernetzungsblätter“ in Umlauf gebracht. Das sind Kontaktlisten, in denen sich Flüchtlinge ebenso wie andere Bürger_innen eintragen können, um in einen gemeinsamen Austausch zu treten“, sagt Florian Kugler, einer der studentischen Projektleiter.

Zu den Ticketsponsoren zählen etwa die Bar jeder Vernunft, Die Uferstudios, ALBA Berlin, EHC Eisbären Berlin, Appassionata, Tipi – das Zelt und auch Tickets von Künstler_innen aus der freien Szene und viele mehr.

Die Studierenden haben nun in Berlin einen Verein gegründet „Board of Participation e.V.“, der sich auch in Zukunft um Fragen der Teilhabe kümmern will, nicht nur durch das Sammeln von Tickets, sondern auch durch die Organisation von eigenen Veranstaltungen. So wird es im Herbst beim „internationalen literaturfestival berlin“ eine Performance zu „Invisible Walls“ mit deutschen und internationalen Künstler_innen geben. Gemeint sind die unsichtbaren Mauern und Schranken, die Fremde, die nach Deutschland kommen, zu überwinden haben. Zudem werden Podiumsdiskussionen mit Künstler_innen aus unterschiedlichen Herkunftsländern organisiert, die in Berlin als Flüchtlinge leben.

„Wir wollen die Diskussion um Weltoffenheit und Toleranz nicht politisch führen, sondern mit kulturellen und künstlerischen Mitteln. Und mit der Kraft junger Menschen, die besonders glaubwürdig sind, wenn es um eine Kultur der Teilhabe außerhalb politischer Interessen geht“, sagt der Publizist Gernot Wolfram.

Vorgestellt wurde das Projekt von:
Dr. Monika Lüke, Beauftragte für Integration und Migration des Berliner Senats
Prof. Dr. Gernot Wolfram, wissenschaftlicher Leiter des Projektes, Autor und Kulturwissenschaftler
Cornelia Lanz, Künstlerische Leiterin des Vereins Zuflucht Kultur e.V.
Suada Dolovac, Hauptansprechpartnerin der Giersu Boardinghaus GmbH
Florian Kugler, studentische Projektleitung „The BoP-Tickets“
Maximilian Schindlbeck, studentische Projektleitung „The BoP-Tickets“

Die offizielle Ticketübergabe wird am 22. Februar 2015, um 17.00 Uhr im Radialsystem Berlin in Zusammenarbeit mit dem Zuflucht Kultur e.V. stattfinden, die im Anschluss ihr Opern- und Friedensprojekt mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen präsentieren.

Bei der Opening Ceremony im Radialsystem werden die Tickets an ausgewählte Partner aus den Heimen übergeben. Zudem werden syrische Flüchtlinge mit kurzen künstlerischen Interventionen den Blick auf ihre derzeitige Situation werfen und aus ihrer Perspektive das Projekt reflektieren. In einer zweitägigen Ausstellung werden über den Verein Zuflucht Kultur e.V. Bilder von Flüchtlingen gezeigt.

Im Anschluss wird es eine Opernaufführung von Mozarts „Cosi fan tutte“ unter Leitung von Cornelia Lanz vom Verein „Zuflucht Kultur e.V.“ geben. Im Chor singen syrische Flüchtlinge gemeinsam mit deutschen Sängern und Sängerinnen im Ensemble. Hier steht, wie bei den BoP-Tickets, das gemeinsame Handeln im Vordergrund, eine künstlerische Begegnung auf Augenhöhe.

Das Projekt wird unterstützt durch das Bündnis für Demokratie und Toleranz und die Integrationsbeauftragte des Senats. „The BoP-Tickets ist ein tolles Beispiel für gelebte Willkommenskultur.“, so die Integrationsbeauftragte Dr. Monika Lüke. „Ich wünsche dem Projekt, dass die Idee von vielen Initiativen aus Kunst, Kultur und Sport aufgegriffen wird.“

Das studentische Team sucht noch nach weiteren Ticket-Sponsoren und Unterstützer für das Projekt.
Kontaktadresse:
Florian Kugler
Communication Culture
BoP-Tickets Berlin – MHMK Büro M33-Höfe, Berlin Mehringdamm 33, 10961 Berlin Germany
florian.gernot.friedrich.wilhelm.kugler@mhmk.de
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