Deutsch-israelische Beziehungen

03.10. - 06.11.2015

Bridges of Love
Bild: © Katja Harbi

Fotoausstellung anlässlich des 50. Jahrestages diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland

Katja Harbi ist Fotografin und Ethnologin (MA). In ihrem Studium spezialisierte sie sich auf die Bereiche Kultur, Politik und Religion im Nahen und Mittleren Osten. 2000/2001 erhielt sie ein Stipendium der AlbertLudwigsUniversität Freiburg, um ein Jahr an der Hebräischen Universität in Jerusalem zu studieren. 2006 begann sie für Dialog, das Zentrum für interkulturelle Bildung in Zichron Yaacov/Israel zu arbeiten. In dieser Zeit lernte sie den Fotografen Kfir Harbi kennen. Gemeinsam mit ihm und ihren beiden Kindern (derzeit 3 und 6 Jahre) lebte sie bis 2013 in Israel und nun in Berlin. Katja Harbi setzt sich intensiv mit interkulturellen Themen und ihrer Visualisierung auseinander.

Die Künstlerin beschreibt ihr Projekt so:

Von der Diplomatie zum Zwischenmenschlichen die “Bridges of Love”
Als am 14. Mai 1948 der Staat Israel gegründet wurde, konnte sich niemand vorstellen, dass dieser mit der Bundesrepublik Deutschland, welche ein Jahr später ins Leben gerufen wurde, jemals fruchtbare diplomatische Beziehungen aufnehmen würde. Schließlich hatte der nationalsozialistische Vorgängerstaat der Bundesrepublik die systematische Ermordung von 6 Millionen Juden initiiert.
Doch in den früheren 50er Jahren begannen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel, das sich als Zufluchtsstätte der Juden aus aller Welt sieht, Verhandlungen bezüglich deutscher Reparationszahlungen1. Bei weiteren Treffen gelang eine weitere zaghafte Annäherung. 1960 trafen sich die Regierungschefs beider Länder, Ben Gurion und Konrad Adenauer, zum ersten Mal persönlich. Und dann, am 12. Mai 1965 geschah das scheinbar Unmögliche. Die Länder Israel und Deutschland nahmen offizielle diplomatische Beziehungen auf. Seitdem haben sich die deutsch-israelischen Beziehungen kontinuierlich intensiviert und vertieft. In den Bereichen Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft bestehen enge Kooperationen zwischen den beiden Ländern.

Auch Liebesbeziehungen zwischen sogenannten “Deutschblütigen” und “Juden” waren im Nationalsozialismus alles andere als selbstverständlich. Bis 1945 waren in Deutschland solche Liebesbeziehungen und die Heirat mit “Juden” als Rassenschande definiert. Als am 15. September 1935 auf dem Reichstag der NSDAP in Nürnberg das “Blutschutzgesetz” erlassen wurde, stellten die Nazis Eheschließungen und auch außereheliche Beziehungen zwischen Juden und Arieren unter Strafe. Juden, die vor diesem Datum geheiratet hatten und die in einer “Mischehe” lebten, waren zwar einerseits durch ihren arischen Ehepartner größtenteils geschützt, wurden jedoch als Personen herabgewürdigt, eingeschränkt und bedroht. Bei Scheidung oder Ableben des nichtjüdischen Partners, deportierte man den jüdische Partner umgehend. Es sei denn, es gab unversorgte Kinder. Kurz vor Kriegsende wurden auch die Mischehen angegriffen und die jüdischen Partner zum Arbeitseinsatz nach Theresienstadt transportiert. Diese Aktion, die bundesweit geplant war, brach man in der Endphase des Krieges ab und viele, jedoch nicht alle, der jüdischen Partner kehrten zu ihren Familien zurück.

Heute, nach 70 Jahren, umgibt uns eine ganz andere Realität. In allen Schichten und Subkulturen beider Länder finden sich deutsch-israelische Paare2 und Familien, die die schwierige Vergangenheit nicht davon abhielt, eine “Brücke der Liebe” zu schlagen. So spiegeln sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel symbolhaft in vielen Liebesbeziehungen und Familien wider3 – von der Diplomatie zum Zwischenmenschlichen die “Bridges of Love”:

Dieses Projekt hat die visuelle Darstellung der Vielfalt deutsch-israelischer
Liebesbeziehungen zum Ziel4.
Um die Individualität der Lebenswelten sichtbar zu machen, wurden alle deutsch-israelischen Paare und Familien in ihrem Zuhause fotografiert (in Deutschland und Israel).
Neben der visuellen Darstellung wird es einen Text geben. Jedes Paar und jede Familie erzählt uns etwas über ihr Kennenlernen und darüber, ob die Vergangenheit Deutschlands bei ihrem Kennenlernen eine Rolle spielte.

Vision
Die Entwicklungen der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland und die Beziehungen der Menschen beider Länder sind hoffnungsgebend. Die Künstlerin und Ethnologin entschied sich nicht zuletzt deshalb den Moment der Liebe zwischen Menschen zu visualisieren.
Die Geschichten der Familien zeigen, dass für alle der Mensch im Vordergrund stand und nicht der der historische Hintergrund!

Das Projekt wurde unterstützt von der Stadt Berlin, dem Jungen Forum, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. (DIG) und HaBait.

Die Ausstellung wurde vom 3. Oktober bis zum 6. November 2015 gezeigt.

Eröffnung: 3. Oktober 2015, 19-23 Uhr
Ort: Galerie Café Emma T., Lehderstraße 60, 13086 Berlin
Öffnungszeiten: Mi – So 9-18 Uhr
Info: contact@katjaharbi.com

1 1952, Luxemburger Abkommen. Beteiligt daran waren der israelische Ministerpräsident David BenGurion, der Vorsitzenden der Jewish Claims Conference Nahum Goldmann und der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland Konrad Adenauer.

2 “Israelisch” steht hier für jüdisch-israelisch.

3 Wie in allen anderen interkulturellen Beziehungen zeigen sich auch bei deutsch-israelischen Paaren teilweise Probleme hinsichtlich kulturell unterschiedlicher Habitus. Diese sollen jedoch nicht im Fokus dieses künstlerischen Projektes stehen, denn diese Divergenzen werden nicht von dem nationalsozialistischen Paradigma “arisch” vs. “jüdisch” bestimmt.

4 Ein kritisches Hinterfragen der sozialen und gesellschaftspolitischen Realitäten solcher Paare und Familien und auch ein Vergleich zu anderen interkulturellen Beziehungen in denen Deutsche und Israelis leben, steht nicht im Fokus dieses Projektes und wird hier absichtlich nicht thematisiert.