Vernissage von „Contested Modernities“ – ein Blick vom Alexanderplatz nach Südostasien

Am 10. September startete die Ausstellung „Contested Modenities – Postcolonial Architecture in Southeast Asia“ mit einer Vernissage im Berliner Haus der Statistik.

„Contested Modernities“ ist Teil des langfristig angelegten Programms „Encounters with Southeast Asian Modernism“, das 2019 mit Ausstellungen und Veranstaltungen in Phnom Penh, Jakarta, Yangon und Singapur begann. Fünf kuratorische Teams setzten sich dort auf unterschiedliche Weise mit der Bedeutung der lokalen Architekturmodernen auseinander. Die Ausstellung führt diese Beiträge nun in Berlin zusammen. Ergänzt werden sie um einen Blick auf die Rolle der beiden deutschen Staaten im Modernisierungsprozess Südostasiens in der Zeit des Kalten Krieges im Ausstellungsteil „Poelzigs Enkel und die Platte in den Tropen: Deutsche Einflüsse und Projekte in Südostasien.“

Nach einer Einführung durch die Künstlerische Leitung begrüßten Dr. Torsten Wöhlert, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin, und MinR‘ Gabriele Kautz, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Anschließend präsentierten Laurence Bay, Botschafter der Republik Singapur in Berlin, Hannan Hadi, Botschaftsrat für Presse, Soziales und kulturelle Angelegenheiten der Botschaft der Republik Indonesien in Berlin und Nina Peters von ZUsammenKUNFT Berlin eG/Haus der Statistik im Rahmen eines Panels ihre Gedanken zur Ausstellung und dem Thema „Contested Modernities“.

Nachdem die Ausstellung pandemiebedingt mehrfach verschoben werden musste, war die Freude über das kulturelle Zusammenkommen und den lebhaften Austausch auf dem Alexanderplatz begleitet von südostasiatischer moderner Musik vom Plattenteller umso größer.

Zur Ausstellung:
Mit der Erlangung der Unabhängigkeit Mitte des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Erscheinungsbild vieler Städte in Südostasien. Hand in Hand mit der Aufgabe, sich als Nation zu konstituieren, ging der Wunsch nach einem symbolträchtigen Neubeginn in Architektur und Städtebau. Die Internationale Moderne lieferte das ästhetische Programm, in dem sich die Erwartungen an Fortschritt und Wohlstand spiegelten, und das gleichzeitig dazu diente, sich von den Kolonialmächten zu emanzipieren. Mit dem Wissen um klimatische Anforderungen des Bauens in tropischen Regionen und kulturelle Spezifika entstanden lokale Modernen, die lange das Bild der Städte prägten. Rasante Urbanisierungsprozesse, eine häufig politisch motivierte Neubewertung der eigenen Baugeschichte und neue Nutzungsanforderungen führen heute dazu, dass die baulichen Zeugnisse dieses Aufbruchs abgerissen oder durch massive Umbauten zerstört werden. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung der postkolonialen Architektur in der Region zunehmend thematisiert. Damit einher geht die Kritik an der verbreiteten Deutung der Moderne als originär westliche Bewegung. In Deutschland sind die Bauten der südostasiatischen Modernen und die aktuellen Diskussionen um ihren Erhalt kaum bekannt. „Contested Modernities“ bringt nun den südostasiatischen Diskurs beispielhaft nach Berlin, wo aktuell erstaunlich ähnliche Diskussionen um das baukulturelle Erbe der Moderne geführt werden.
Das Haus der Statistik als Ausstellungsort stellt dabei einen direkten Bezug zum Thema der Ausstellung her. Errichtet als administratives Gebäude an zentraler Stelle der Stadt, stand es nach der Wende leer und war zum Abriss vorgesehen. Dank zivilgesellschaftlichem Engagement und einer aufgeschlossenen Verwaltung konnte dies jedoch abgewendet werden. Nach dem Umbau soll das Haus in Zukunft als Modellprojekt Kultur, Soziales, Bildung, bezahlbares Wohnen und Verwaltungsnutzungen an diesem besonderen Ort vereinen. Im Zusammenspiel mit den Themen, die die Beiträge aus Südostasien präsentieren, möchte „Contested Modernities“ einen gemeinsamen Denkprozess eröffnen, der neue Perspektiven der Wahrnehmung und des Umgangs mit der Architektur der Modernen hier und dort verhandelt.

Initiator:innen und Künstlerische Leitung der Ausstellung sind Sally Below, Moritz Henning, Christian Hiller und Eduard Kögel. „Contested Modernities“ ist gefördert durch Berlins Hauptstadtkulturfonds und durch das Innenministerium. Der Regierende Bürgermeister hat die Ausstellung im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Berlin unterstützt.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 24. Oktober 2021, Dienstag – Freitag 13 – 19 Uhr und Samstag – Sonntag 11 – 18 Uhr.

Weiterführende Informationen zur Ausstellung sind unter diesen Links zu finden:
discourse | encounters (seam-encounters.net)
Contested Modernities. Postcolonial Architecture in Southeast Asia | ARCH+ (archplus.net)
Contested Modernities. – Modellprojekt Haus der Statistik

  • Initiator:innen und Künstlerische Leitung der Ausstellung

    Initiator*innen und Künstlerische Leitung der Ausstellung (links nach rechts): Moritz Henning, sind Sally Below, Eduard Kögel und Christian Hiller.

  • Vertreter Jakarta

    Sally Below mit Laurence Bay, Botschafter der Republik Singapur in Berlin, Hannan Hadi, Botschaftsrat für Presse, Soziales und kulturelle Angelegenheiten der Botschaft der Republik Indonesien in Berlin und Nina Peters von ZUsammenKUNFT Berlin eG/Haus der Statistik

  • Bundesrätin

    MinR‘ Gabriele Kautz, Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (2. von rechts) und Dr. Torsten Wöhlert, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin (rechts)