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Feyerabend „Gerechter unter den Völkern“

PIA, 25.11.2015

Es ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Auswärtige vergibt: Die Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“: Am 25. November wurde die Auszeichnung posthum Hans Feyerabend verliehen. Stellvertretend für den Großvater nahm seine Enkelin den Titel in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters von Berlin im Wappensaal des Berliner Rathauses vom israelischen Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, entgegen.

Ursula Ahlström nahm die Yad Vashem-Medaille und die Urkunde zur Verleihung des Ehrentitels im Namen der Familie entgegen. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vergibt die Ehrung „Gerechte bzw. Gerechter der Völker“ an nichtjüdische Menschen, die während des Holocaust ihr Leben riskierten, um Juden zu retten. Die Ehrung ist mit der Aufstellung einer Ehrentafel in der Gedenkstätte Yad Vashem verbunden. Eine Feierstunde mit Verleihung einer Medaille und einer Urkunde findet nur statt, wenn entweder die oder der Geehrte noch lebt oder Angehörige gefunden werden konnten. Hans Feyerabend wird für seinen Versuch geehrt, KZ-Häftlinge zu retten, die sich vor 70 Jahren auf einem Todesmarsch von Königsberg zur Ostseeküste befanden.

Auf diesem Marsch von ursprünglich rund 5000 Häftlingen aus dem Danziger Konzentrationslager Stutthof waren bereits viele Menschen in den Januartagen des Jahres 1945 ums Leben gekommen. Etwa 3000, nahezu ausschließlich Frauen, erreichten den Ort Palmnicken. Dort sollten sie nach den Plänen der SS im Stollen eines Bernsteinwerks eingemauert und lebendig begraben werden. Palmnicken liegt vor dem damaligen Königsberg (heute Kaliningrad) an der ostpreußischen Küste.

Hans Feyerabend war Kommandeur des Palmnicker Volkssturms, und der Güterdirektor stellte sich den Plänen der SS entgegen. Er brachte viele der Häftlinge in der Werksschlosserei unter und versorgte sie. Am 30. Januar wurde Feyerabend, vermutlich im Zuge einer Intrige der SS aus der Stadt weggelockt. Er starb noch am gleichen Tag. Niemals wurde aufgeklärt, ob er sich umbrachte oder ob die SS ihn ermordete.

Am 31. Januar bzw. 1. Februar 1945 wurden alle Häftlinge, die noch am Leben waren, umgebracht. Einen Teil trieb die SS in die mit Eisschollen bedeckte Ostsee, die anderen wurden erschossen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sagte in seiner Rede u.a.: „Heute ehren wir Hans Feyerabend als ‚Gerechten unter den Völkern‘. Gerade vier Wochen ist es her, da wurde hier in Berlin Ida Jauch, die Retterin des später berühmten Hans Rosenthal, geehrt, obwohl sie selbst bereits 1944 gestorben war. Die Liste der Retterinnen und Retter wird auch heute noch länger. Aber sie wird nie lang genug sein, um dem Völkermord an den europäischen Juden seinen Schrecken zu nehmen. Im Gegenteil: Männer wie Hans Feyerabend und Frauen wie Ida Jauch haben jene Zivilcourage und persönlichen Mut bewiesen, den die überwiegende Mehrheit der Deutschen nicht hatten. Diese Menschen haben großes geleistet. Sie verdienen unsere höchste Anerkennung.“

An der Veranstaltung im Berliner Rathaus nehmen auch 100 Schülerinnen und Schüler teil.