Corona-Pandemie erfordert Maßnahmen zum regelmäßigen Luftaustausch in Dienstgebäuden: BIM GmbH legt tragfähiges Konzept für die Belüftung vor

Pressemitteilung vom 29.09.2020

Aus der Sitzung des Senats am 29. September 2020:

Die Corona-Pandemie erfordert mit Blick auf den Herbst und Winter eine Anpassung der Maßnahmen zur Be- und Entlüftung von Räumen. Daher hat die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) unter Einbeziehung der Charité Vorschläge erarbeitet. Entsprechende Lüftungsleitfäden für den Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen und für die Nutzung von Räumen in Dienstgebäuden hat der Senat heute auf Vorlage von Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz zur Kenntnis genommen.

Regelmäßiger Luftaustausch verbessert die Qualität der Raumluft. Dieser senkt die Konzentration gesundheitsschädlicher Stoffe in der Luft und verringert somit das Ansteckungsrisiko. Es gilt daher die Empfehlung, Außenluft in Räume einzuleiten, um den größtmöglichen Verdünnungseffekt zu erreichen. Eine raumlufttechnische Anlage erhöht den Frischluftanteil im Raum und kann zum Abtragen der Viren beitragen.

Zielwerte: Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent bei 20 bis 23 Grad Celsius

Im Leitfaden für den Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen wird auf die richtigen Einstellungen hingewiesen. Diese sehen zum Beispiel vor, dass Lüftungsanlagen bereits vor und noch einige Zeit nach der Benutzung der Räume auf Nennleistung fahren, um kontaminierte Partikel abzuführen. Außerdem sollen Lüftungsanlagen in Zeiten, in denen die Räume nicht genutzt werden, mit abgesenktem Volumenstrom weiter in Betrieb bleiben, um Ablagerungen zu vermeiden. Bei zentralen Lüftungsanlagen soll der Mischbetrieb vermieden und auf reinen Außenluftbetrieb umgestellt werden. Lüftungsanlagen, die nur Raumluft umwälzen und konditionieren (Heizen, Kühlen), sind kritisch, da diese eher zur Verteilung von Viren beitragen. Wo möglich, ist auf den Betrieb zu verzichten. Belüftungsanlagen ohne Umluft- und Mischluftbetrieb sind unbedenklich: Zugeführte Außenluft verdünnt die eventuell belastete Raumluft und senkt die Virenkonzentration.

Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass die Überlebenszeit der Corona-Viren bei höherer Luftfeuchtigkeit sinkt. Daher gelten als Zielwerte für raumlufttechnische Anlagen eine Luftfeuchtigkeit von etwa 40 bis 60 Prozent und ein Temperaturbereich von etwa 20 bis 23 Grad Celsius. Wenn möglich, sollten bei Klimaanlagen Filter mit einem höheren Abscheidegrad verwendet werden. Zusätzliche Filterwechsel sind nicht notwendig. Es ist jedoch umso wichtiger, die regelmäßige Wartung der Anlagen und den turnusmäßigen Filterwechsel durchzuführen.

Finanzsenator Dr. Kollatz: „Die BIM GmbH hat mit den Empfehlungen für den Betrieb von raumlufttechnischen Anlagen einen großen Beitrag zum Gesundheitsschutz geleistet. Es ist ein tragfähiges, wissenschaftlich fundiertes Konzept für die kalte Jahreszeit. Außerdem wird unser Immobiliendienstleister in enger Abstimmung mit dem jeweils zuständigen Facility Management weitere Schritte prüfen. Dies betrifft vor allem Corona-gerechte Umrüstungen von Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden und Versammlungsstätten sowie den kurzfristigen Abruf und Einsatz von Bundesmitteln. Der Bund hat hierfür ein auf 2020 und 2021 befristetes Förderprogramm beschlossen.“

Verwendung von raumlufttechnischen Anlagen ersetzt nicht die Fensterlüftung

Die optimale Belüftung hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu zählen vor allem die Art des Raumes, die Nutzungsform und der Einsatz raumlufttechnischer Anlagen. Die Verwendung dieser Anlagen ersetzt jedoch nicht die klassische Fensterlüftung. Daher sollten in regelmäßigen Abständen die Fenster geöffnet werden. Weitere hilfreiche Maßnahmen sind: Räume vor Benutzung mindestens 15 Minuten lüften, Aufenthalt in dicht besetzten, schlecht gelüfteten Räumen vermeiden, Personenzahl gering halten, Lüftungsintervalle vereinbaren – mindestens zwei Mal stündlich.

In Büros für ein bis zwei Personen sollte in regelmäßigen Abständen stoßgelüftet werden. Der Raum sollte nach Möglichkeit während des Lüftens verlassen werden. Auf die Verwendung von Tisch- oder Standventilatoren ist zu verzichten. Dies gilt auch für Gruppen- und Großraumbüros. In Besprechungsräumen ist zusätzlich darauf zu achten, zwischen Besprechungen Lüftungspausen zu machen. Die Intervalle sind abhängig von der Personenzahl. Außerdem sollten Besprechungen kürzer geplant und die Personenzahl reduziert werden. Dies trifft auch auf Seminar-, Veranstaltungs- und Versammlungsräume zu. Bei Empfangsräumen und Wartebereichen sollten zusätzlich Online- oder telefonische Anmeldungen erfolgen.

„Das Belüftungskonzept ist Bestandteil eines Gesamtschutzkonzeptes. Es entbindet die Dienststellen weder von der Verantwortung für Infektionsschutzmaßnahmen noch ersetzt es die weiterhin geltenden Hygienemaßnahmen. Wir werden das Corona-Virus in den Dienstgebäuden nur erfolgreich eindämmen, wenn alle Beschäftigten der Berliner Verwaltung mitziehen“, so Dr. Kollatz.

Die Senatsfinanzverwaltung ist beauftragt worden, ein Konzept für die Belüftung von Dienstgebäuden zu erarbeiten. Das gilt vor allem für die Zeit im Herbst und Winter. Daraufhin wurden von der BIM GmbH – beraten durch das Arbeitsmedizinische Zentrum der Charité – Lüftungsleitfäden erstellt. Diese basieren auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen (Stand: 8. September 2020).