Ukraine

Informationen für Geflüchtete aus der Ukraine und ehrenamtlich Helfende / Інформація для біженців з України і для волонтерів: berlin.de/ukraine

Chebli zu neuer ZiviZ-Studie: „Gemeinnützige Organisationen brauchen Unterstützung – Senat greift Ergebnisse auf und bereitet Soforthilfeprogramm vor“

Pressemitteilung vom 27.05.2020

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

In der Corona-Krise haben sich viele Menschen in allen Teilen der Stadt gegenseitig geholfen. Es gab und gibt viel freiwilliges Engagement in der Nachbarschaft und eine Vielzahl ehrenamtlicher Aktivitäten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Doch die Zivilgesellschaft ist auch Leidtragende der Krise. Die Studie des ZiviZ-Instituts im Stifterverband unter dem Titel „Lokal kreativ, finanziell unter Druck, digital herausgefordert. Die Lage des freiwilligen Engagements in der ersten Phase der Corona-Krise“ hat die Leistungen, aber auch die Herausforderungen für die Zivilgesellschaft untersucht und jetzt vorgelegt. Der Senat hatte sie zusammen mit anderen Ländern in Auftrag gegeben.

Wichtige Ergebnisse der Studie sind:

  • Nachbarschaftliche Einkaufshilfen, kiezgebundene Sachspendenaktionen, Onlinekurse zum Fitbleiben in der Krise: Bürgerschaftliches Engagement fängt in der Coronakrise verschiedene Problemlagen auf und sichert den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
  • Die Corona-Krise stellt allerdings für einzelne Bereiche des gemeinnützigen Sektors eine existenzgefährdende Bedrohung dar. Von starken Problemen berichten unter anderem Jugend- und Bildungsstätten, Kultureinrichtungen, Selbsthilfeorganisationen oder muslimische Glaubensgemeinschaften. Kurzarbeit ist, sofern die Organisationen Beschäftigte haben, in diesen Bereichen weit verbreitet. Ursachen sind der Wegfall von Kollekten und der Ausfall von Gebühren und Entgelten wirtschaftlicher Geschäftsbetriebe. Stabile Fundamente bestehen hingegen überall dort, wo der größere Teil der Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen kommt. Zahlreiche gemeinnützige Organisationen schauen aber auch hier wenig optimistisch in die Zukunft: Durch künftigen Mitgliederschwund und das Wegbrechen von Spenden und Sponsoring-Partnern drohen auch hier große Finanzierungslücken.
  • Die Studie zeigt außerdem, dass die Umstellung auf digitale Formen der Zusammenarbeit eine große Herausforderung darstellt, die von vielen Organisationen zwar mit Bravour gemeistert wird, aber doch auch viele gemeinnützige Organisationen und freiwillig Engagierte vor immense Probleme stellt. Dazu zählt die Umstellung auf neue Formen der Arbeit in gemeinnützigen Organisationen (von der individuellen Beratung bis hin zu Fundraising und Kommunikation).
  • Existenzbedrohte Organisationen brauchen Zugang zu finanzieller Soforthilfe und Unterstützung bei der Bewältigung der finanziellen Langzeitfolgen. ZiviZ empfiehlt daher dem Bund und den Ländern, einen Schutzschirm für existenzbedrohte Organisationen und neue Dialogstrukturen bis hin zu einem Zivilgesellschaftsgipfel im Bundeskanzleramt zu schaffen, um die Zivilgesellschaft als mitgestaltenden Akteur in die Krisenbewältigung einzubeziehen.

Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement, zu den Ergebnissen der Studie: „Die Studie zeigt, wie wichtig das freiwillige Engagement für den Zusammenhalt in der Krise ist. Die vielen ehrenamtlichen Aktivitäten tragen entscheidend dazu bei, dass wir in Berlin vergleichsweise gut durch die Krise kommen. Danke an alle Berlinerinnen und Berlinern, die sich in diesen Zeiten für andere Menschen einsetzen und ihnen helfen!“

Staatssekretärin Chebli weiter zu den aktuellen Herausforderungen: „Viele gemeinnützige Organisationen stoßen jetzt an ihre finanziellen Grenzen. Wenn Einnahmen aus Benefiz-Veranstaltungen oder Spendenaktionen wegbrechen und gleichzeitig Kosten anfallen, kann das auf Dauer existenzgefährdend sein. Hinzu kommen oft immense Aufgaben bei der Digitalisierung der Organisationen.“

Zu den Schlussfolgerungen für Berlin erklärt Staatssekretärin Chebli weiter: „Die ZiviZ-Studie gibt wichtige Anstöße für eine zielgerichtete Förderung gemeinnütziger Organisationen. Mit dem gestern im Senat verabschiedeten Nachtragshaushalt haben wir Kernpunkte aus der Studie aufgegriffen. Wir bereiten ein Soforthilfeprogramm vor, um gemeinnützige Organisationen vor existenzbedrohenden finanziellen Problemen zu bewahren. Außerdem arbeiten wir an einem Programm, das Corona-bedingtes Engagement fördert und an einem weiteren Programm, das die Zivilgesellschaft bei der Digitalisierung unterstützt. Unser Ziel ist, dass sie ihren Einsatz für den gesellschaftlichen Zusammenhalt erfolgreich fortsetzen können und hoffentlich gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

Informationen zur Studie:

Die Studie „Lokal kreativ, digital herausgefordert, finanziell unter Druck. Die Lage des freiwilligen Engagements in der ersten Phase der Corona-Krise“ wurde von den Ländern Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz und der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern in Auftrag gegeben. Im Zeitraum von 16. Bis zum 30. April wurden 45 qualitative Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Leitungsebene von Verbänden auf der Landes- und der Bundesebene, von Infrastruktureinrichtungen im Bereich der Engagementförderung, der organisierten Selbsthilfe und von Bürgerstiftungen durchgeführt. In den folgenden Wochen wird es Nachfolgebefragungen geben, um die Entwicklung der Lage aus Perspektive der Zivilgesellschaft zu untersuchen.

Weitere Informationen zur Engagementförderung in Berlin:
www.berlin.de