Müller zur Verabschiedung des Groß-Berlin-Gesetzes vor 100 Jahren

Pressemitteilung vom 24.04.2020

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, erklärt anlässlich der Verabschiedung des offiziell „Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ bezeichneten Groß-Berlin-Gesetzes in der Verfassungsgebende Preußischen Landesversammlung am 27. April 1920:

„Die Schaffung der Einheitsgemeinde ist eines der bedeutsamsten Ereignisse unserer Stadtgeschichte. Durch das vom damaligen Oberbürgermeister Adolf Wermuth federführend durchgesetzte Gesetz ist Berlin erst zu der Stadt geworden, wie sie uns heute vertraut ist. Der auf den ersten Blick nur formale Akt war die wesentliche Voraussetzung dafür, dass sich unsere Stadt zu der Weltmetropole entwickeln konnte, die sie durch alle Höhen und Tiefen der vergangenen 100 Jahre geworden ist.“

Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Bildung Groß-Berlins im April 1920 wurden die Grundlagen für eine überaus dynamische Entwicklung der Metropole Berlin geschaffen, die schon bald zukunftsweisende Leistungen unter anderem auf den Gebieten des Wohnungsbaus, der Verkehrsinfrastruktur, des Schulwesens, in der Grünflächenfrage und des kulturellen Lebens hervorbrachte. In der Nacht zum 1. Oktober 1920, dem Tag des Inkrafttretens des Gesetzes, entstand aus dem alten Kern-Berlin das Metropolen-Berlin, das mit seinen 3,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern nach New York und London schlagartig die drittgrößte Stadt der Welt war. Insgesamt wurden mit dieser Gebiets- und Verwaltungsreform große Energien freigesetzt, die sich aufgrund der politischen und administrativen Zersplitterung im Großraum Berlin zuvor nicht hatten entfalten können.

Müller weiter: „Das Jubiläumsjahr bietet Gelegenheit, den Vater von Groß-Berlin, Oberbürgermeister Wermuth und seine herausragende Bedeutung für die Geschichte unserer Stadt neu zu entdecken. Ohne Wermuths beharrliche Art wäre die Bildung Groß-Berlins wahrscheinlich nicht gelungen. Der Senat hat deshalb sein Grab in Berlin-Buch als Ehrengrab des Landes Berlin ausgewiesen.“

Der Regierende: „Leider mussten wir den vom Senat und Abgeordnetenhaus für den 25. April 2020 vorgesehenen Festakt zum 100-jährigen Jubiläum des Groß-Berlin-Gesetzes bis auf Weiteres absagen. Diese Veranstaltung ist wie viele andere den Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus zum Opfer gefallen.“

Müller weiter: „Vielleicht sollten wir uns vor diesem Hintergrund für einen Moment daran erinnern, dass sich die Berlinerinnen und Berliner auch vor 100 Jahren mit den Folgen einer Pandemie auseinandersetzen mussten. Im zu Ende gehenden Ersten Weltkrieg hatte die sogenannte Spanische Grippe im Juni 1918 auch Berlin erfasst. Wie eingreifend eine solche Pandemie in das Leben einer Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger ist, das erleben wir in diesen Tagen.“

Dennoch bietet dieses Jahr die Gelegenheit, aus der Distanz eines Jahrhunderts mit wachem Blick auf Problemstellungen der Gegenwart zu blicken. Sowohl durch bereits durchgeführte Ausstellungen im Roten Rathaus, aber auch über weitere fachliche und künstlerische Auseinandersetzungen verschiedener Akteurinnen und Akteure der Stadtgesellschaft in den nächsten Monaten – darunter insbesondere die Groß-Berlin-Ausstellung im Märkischen Museum, deren Eröffnung aus vorgenannten Gründen ins zweite Halbjahr verschoben werden muss. Bereits jetzt startet dagegen das Online-Portal „1000x Berlin, das faszinierende Einblicke in eines der wichtigsten Kapitel der Berliner Stadtgeschichte gibt.

Michael Müller: „Selbstverständlich ist es anregend auch für die künftige Gestaltung unserer Stadt, die parallelen Herausforderungen und die Lösungen der Politik damals und heute in den Blick zu nehmen. Wie vor 100 Jahren sind heute Zuwanderung, der Arbeitsmarkt oder Wohnungsmangel elementare soziale Fragen. Auf der anderen Seite steht das freiheitliche und demokratische Berlin der 1920er-Jahre mit seiner weltweit ausstrahlenden und bis heute wirkenden kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Energie. Die Bedeutung von Freiheit und Weltoffenheit als Wesenskern und Standortfaktor ist Berlin auch 100 Jahre später geblieben. Der Blick auf das Berlin der Vergangenheit mahnt uns zugleich, den Anfängen zu wehren und unsere freien und demokratischen Werte entschlossen gegen jede Art von Ausgrenzung und Spaltung zu verteidigen.“

Beachten Sie bitte die umfassende Internetseite zum Jubiläumsjahr Groß-Berlin 1920-2020 auf Berlin.de.