Charta für das Berliner Stadtgrün: Selbstverpflichtung soll urbane Grünflächen und Parks ausweiten und verbessern – Handlungsprogramm nennt konkrete Projekte bis 2030

Pressemitteilung vom 21.04.2020

Aus der Sitzung des Senats am 21. April 2020:

Auf Vorlage der Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther, hat der Senat heute die Charta für das Berliner Stadtgrün und das Handlungsprogramm Berliner Stadtgrün 2030 zur Kenntnis genommen. Die Vorlage wird zunächst an den Rat der Bürgermeister zur Stellungnahme überwiesen.

Das Berliner Stadtgrün ist elementar für die Lebensqualität unserer Stadt: Es ist Ruhepol, Ort der Begegnung und der Bewegung sowie – angesichts des Klimawandels und des Artensterbens – eine entscheidende ökologische Ressource. Mit dem Bevölkerungszuwachs steigen die Konkurrenz um die Verteilung der Flächen und gleichzeitig der Nutzungsdruck auf die öffentlichen Räume. Mit der Charta für das Berliner Stadtgrün will der Berliner Senat daher eine Selbstverpflichtung für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Stadtgrüns eingehen. Mit dem dazugehörigen Handlungsprogramm Berliner Stadtgrün 2030 wird zugleich eine Vielzahl konkreter Maßnahmen vereinbart, die in den nächsten Jahren umzusetzen sind.

Senatorin Günther: „In der Ausnahmesituation der Corona-Krise spüren wir noch einmal verstärkt, wie wichtig das Stadtgrün und städtische Freiräume für unsere Erholung, für unser Wohlbefinden sind. Dieses wertvolle urbane Grün muss als integraler Bestandteil der Stadtentwicklung gerade in einer wachsenden Stadt noch stärker in den Fokus rücken. Mit der Charta für das Berliner Stadtgrün verständigen wir uns darauf, Parks und Grünflächen in Berlin nachhaltig zu sichern, besser zu pflegen und möglichst auszuweiten. Der Dreiklang von mehr Grün, mehr Qualität der Anlagen und besserer Pflege wird dabei zum Erfolg führen.“

Die Charta ist langfristige Strategie und politische Selbstverpflichtung zugleich. Die darin formulierten neun Leitlinien werden integraler Bestandteil der Stadtentwicklung. Zu den geplanten Vorhaben des Handlungsprogramms Berliner Stadtgrün 2030 gehören innovative Pilotprojekte sowie die gezielte finanzielle und personelle Förderung des Stadtgrüns vor allem in den Bezirken.

Wichtigste Ziele sind:

  • Mehr Grün: Das „Grundgerüst“ des Stadtgrüns ist zu sichern und auszuweiten, bestehende Flächen sind zu vernetzen, versiegelte Flächen, wo immer möglich, zu entsiegeln. So geht es auch etwa um neue Pocketparks (kleine und kleinste Grünanlagen), um mehr begrünte Dächer und Fassaden, um mehr Grün auf den Schul- und in den Innenhöfen – um die Stadt gegen den Klimawandel zu wappnen und sie lebenswert zu halten. Gerade bei Fragen der Nachverdichtung von Wohnquartieren in der Innenstadt ist immer auch abzuwägen, wo mehr und neues Grün geschaffen werden kann.
  • Mehr Qualität: Die Stadt und mit ihr das Stadtgrün müssen fit gemacht werden – gerade angesichts von gestiegenem Nutzungsdruck und den vielfältigen Funktionen, die es für unsere Stadtgesellschaft hat: Grünanlagen müssen eine intensive Nutzung aushalten, Klimaanpassung und Erhalt der Artenvielfalt sind weitere wichtige Aspekte. Gerade die Bezirke brauchen mehr Ressourcen für ihre Grünflächen. Aber auch die Berlinerinnen und Berliner können sich einbringen und Verantwortung zeigen: Wer einen Balkon oder Garten hat, kann die Artenvielfalt fördern und bestäuberfreundliche Stauden pflanzen, Flächen entsiegeln etc.
  • Mehr Pflege: Das Stadtgrün wird viel stärker beansprucht, also muss es auch viel intensiver gepflegt werden, mit mehr Gärtnerinnen und Gärtnern.

Die Charta für das Berliner Stadtgrün greift die wesentlichen Aspekte vorhandener planerischer und stadtentwicklungspolitischer Strategien, Planwerke und Programme auf und fokussiert sie in einem integrativen Ansatz mit dem Ziel, Berlins Grün-, Frei- und Naturflächen dauerhaft zu erhalten und zukunftsfähig zu gestalten. Die grüne Infrastruktur in der wachsenden Stadt gewinnt damit an Bedeutung. Als Selbstverpflichtung des Landes Berlin wird die Charta für das Berliner Stadtgrün bei der Fortschreibung und Neufassung von Programmen, Planungen und Strategien, bei der Auslegung des geltenden Rechts oder bei Entscheidungen über die Veranschlagung und den Einsatz von Haushaltsmitteln als Grundlage dienen.

Die Charta für das Berliner Stadtgrün wurde in einem breiten Beteiligungsprozess unter der Federführung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz erarbeitet, damit sie von der Stadtgesellschaft mitgetragen wird. Es wurden sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch die Fachöffentlichkeit in den Entstehungsprozess eingebunden. Im Rahmen von zwei Onlinebeteiligungen, mehreren Workshops und Fachgesprächen gab es über tausend Vorschläge, Ideen und Anregungen zum Charta-Entwurf und zum Handlungsprogramm, die diskutiert und soweit als möglich berücksichtigt wurden.

Weitere Informationen zur Charta für das Berliner Stadtgrün und zum Handlungsprogramm Berliner Stadtgrün 2030.