Michael Müller verleiht den Berliner Landesorden

Pressemitteilung vom 27.09.2019

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Senat würdigt hervorragende Verdienste um das Land Berlin traditionell am Jahrestag des Inkrafttretens der Berliner Verfassung von 1950 mit der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller zeichnet am Dienstag, 1. Oktober 2019, 14.00 Uhr, im Großen Saal des Roten Rathauses dreizehn Bürgerinnen und Bürger, die sich in besonderem Maße um Berlin verdient gemacht haben, mit dem Verdienstorden des Landes Berlin aus (Wort-Bild-Termin – um Anmeldung unter presse-information@senatskanzlei.berlin .de bis Montag, 30. September 2019, 16 Uhr, wird gebeten).

Michael Müller: „Es ist mir auch in diesem Jahr eine große Freude, am Tag der Berliner Verfassung Bürgerinnen und Bürger mit dem Landesorden ehren zu dürfen und so ihr Wirken zum Wohle unserer Stadt zu würdigen. Sie haben sich in außerordentlichem Maße in unterschiedlichen Bereichen für Berlin engagiert. Dafür gebührt ihnen unser aller Dank.“

Ausgezeichnet werden: Riza Baran, Annett Gröschner, Klaus Hoffmann, Sybill Knobloch, Hanni Lévy, Christoph Links, Philomene Magers und Monika Sprüth, Gernot Moegelin, Sebastian Pflugbeil, Volker Schröder, Christa Stolle, Michael Winter. Hanni Lévy und Monika Sprüth können nicht anwesend sein. Die Aushändigung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Riza Baran arbeitete seit 1973 als Berufsschullehrer in Berlin und setzte sich fortan vor allem für die Chancengleichheit im Bildungswesen ein. Er hat sich unermüdlich für die Belange von Zuwander/innen engagiert und sich um die Verständigung der türkischen und kurdischen Communities in Berlin große Verdienste erworben. Zunächst engagierte er sich als Interessenvertreter und als Dolmetscher bei Gewerkschaften sowie in unterschiedlichen Vereinen, und schließlich in der Kommunal- und Landespolitik. Er gründete 1985 mit weiteren engagierten Menschen den „Türkischen Elternverein e.V. in Berlin“ (später Berlin-Brandenburg) mit dem Ziel, die Herausforderungen im Bereich der Bildung auch strukturell bewältigen zu können. Des Weiteren brachte er die Gründung mehrerer kurdischer Vereine, u.a. Kurdisches Zentrum e.V., auf den Weg. Er war an dem Aufbau der Staatlichen Deutsch-Türkischen Europaschule (SESB) „Aziz Nesin Grundschule“ beteiligt. Auch die Städtepartnerschaft zwischen Kreuzberg und Kadiköy/Istanbul, die mittlerweile seit über 20 Jahren besteht, geht auf seine Initiative zurück. Er gehörte von 1992 bis 1995 der Bezirksverordnetenversammlung von Kreuzberg an, anschließend wurde er in das Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt, dem er von 1995 bis 1999 angehörte. Danach war er wieder auf Bezirksebene tätig und amtierte von 2001 bis 2006 als Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain- Kreuzberg.
Als Vorsteher des Bezirksparlaments initiierte Herr Baran die „Senioren-BVV“, seitdem stellt sich das Bezirksamt einmal im Jahr den Fragen und der Kritik von Senior/innen.

Annett Gröschner studierte 1983-1991 Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin.1990-1991 war sie Mitbegründerin und Mitarbeiterin der Frauenzeitschrift Ypsilon und arbeitete 1992-1996 als Historikerin für das Prenzlauer Berg Museum und ist seit 1994 an zahlreichen Forschungs-, Buch- und Ausstellungsprojekten beteiligt. Seit 1997 ist sie freiberuflich als Schriftstellerin und Journalistin tätig, u.a. für die Berliner Seiten der FAZ (1999-2002), den Freitag, die taz, Theater der Zeit, Literaturen, Literarische Welt u. v. a, für Netzprojekte wie piqd.de sowie für das Radio. Sie ist Mitbegründerin und Redakteurin von 10 nach 8 bei ZEITonline. Sie veröffentlichte Romane, Reportagen, Dokumentarliteratur sowie Rundfunkfeatures und lebt als freie Autorin in Berlin.

Seit 1992 arbeitet sie mit dem Fotografen Arwed Messmer an interdisziplinären Buch- und Ausstellungsprojekten. Annett Gröschner war in der unabhängigen Frauenbewegung der DDR aktiv. Im Ostteil Berlins wurde die unabhängige Frauenbewegung eine wichtige Strömung der Friedlichen Revolution 1989, der Unabhängige Frauenverband war eine wichtige Kraft bei der Wiedervereinigung. In Gröschners zuletzt erschienenem Buch: „Berolinas zornige Töchter – 50 Jahre Berliner Frauenbewegung“ (Hrsg. Frauenforschungs-, -Bildungs- und –Informationszentrum FFBiZ, Berlin 2018) gibt sie Einblicke in die politischen Kämpfe von Frauen. Als Dozentin und Professorin lehrt und beeinflusst sie bis heute die nächste Generation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern und weist als freie Autorin und Redakteurin weiterhin auf gesellschaftliche Problemfelder hin. Annett Gröschner hat sich immer dafür eingesetzt, die Stimme von Frauen sichtbar und hörbar zu machen.

Klaus Hoffmann hatte bereits Ende der 60er Jahre seine ersten musikalischen Auftritte. Ab 1970 lernte er Schauspiel an der West-Berliner Max-Reinhardt-Schule. Vier Jahre später erschien sein erstes Album. 1976/77 erhielt Klaus Hoffmann die Goldene Kamera und den Bambi für die Hauptrolle im Kino- und Fernsehfilm „Die neuen Leiden des jungen W.“. Ein Jahr später wurde ihm der Deutsche Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson verliehen. In den folgenden Jahren hatte Klaus Hoffmann verschiedene Engagements in Film und Fernsehen, veröffentlichte Alben und ging auf zahlreiche Tourneen in Ost und West und auch im Ausland.

2000 veröffentliche Hoffmann den Roman „Afghana“, mit dem er auch auf Lesereise ging. Er engagierte sich für Afghanistan, indem z.B. Erlöse aus dem Plattenverkauf an Projekte zugunsten von Kindern in Afghanistan gespendet werden.Klaus Hoffmann setzte sich im Laufe seiner Karriere auch gesellschaftlich und politisch ein, z.B. durch seine Liedtexte oder mit Auftritten beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover oder der Gala der Berliner Aids-Hilfe.

Sybill Knobloch ist seit 1990 bei dem Verein „Freiabonnements für Gefangene e.V.“ tätig und seit 1992 die Geschäftsführerin. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Informationsversorgung in den Haftanstalten mit kostenlosen Leseangeboten von Zeitungen oder Zeitschriften zu verbessern. Durch das Engagement und die Organisation von Frau Knobloch in dem Verein wird Gefangenen der Zugang zu Medien ermöglicht und sie unterstützt somit Gefangene auf dem Weg zurück in die Gesellschaft.

Durch die Initiative von Frau Knobloch wurde im Jahr 2000 der „Runde Tisch für ausländische Gefangene“ ins Leben gerufen. Damals war sie Vorsitzende des Anstaltsbeirates in der Justizvollzugsanstalt für Frauen und somit Mitglied im Berliner Vollzugsbeirat. Frau Knobloch setzt sich auch für die Gewinnung neuer ehrenamtlicher Vollzugshelfer/innen mit Migrationshintergrund ein und bietet das Kochprojekt „Leichte Küche hinter dicken Mauern“ in der Justizvollzugsanstalt für Frauen an. Ein weiteres Projekt ist die religiöse Betreuung muslimischer Inhaftierter in den Justizvollzugsanstalten. Frau Knobloch ist seit 2010 an dem Aufbau und der Organisation dieses Projektes maßgeblich beteiligt. Sie ist Mitglied im „Berliner Beirat für die Religiöse Betreuung muslimischer Inhaftierter“, organisiert federführend die Einsätze der religiösen Betreuer und ist Ansprechpartnerin für alle Haftanstalten.

Im Februar 1943 konnte Hanni Lévy, geb. Weißenberg durch einen Zufall knapp der eigenen Deportation entgehen. Sie änderte ihr Äußeres, nahm einen falschen Namen an und schaffte es mit der Hilfe vor allem zweier Familien, die Zeit des Nationalsozialismus und des Kriegs in Berlin zu überleben. Nach der Befreiung Berlins folgte sie der Einladung eines Onkels nach Paris. Sie lernte dort ihren Mann kennen, gründet eine Familie, blieb in Frankreich und nahm die französische Staatsangehörigkeit an. Hanni Lévy gehört damit zu den ca. 1.700 Jüdinnen und Juden, denen es gelang, den Nationalsozialismus in Berlin zu überleben. Auf die Geschichte von Hanni Lévy wurde eine breite Öffentlichkeit durch das Buch und den halbdokumentarischen Film „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ (2017) von Claus Räfle aufmerksam.

Frau Lévy ist eng mit der „Gedenkstätte Stille Helden“ in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand verbunden, mehrfach hat sie dort vor Schulklassen gesprochen. Dem Jüdischen Museum Berlin hat sie 2008 einige Dokumente und Fotos für die Ausstellung gestiftet. Ihre Geschichte wird darüber hinaus in der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg gezeigt.

Das Besondere am Wirken von Hanni Lévy als Zeitzeugin ist, dass es ihr ein großes Anliegen ist zu betonen, dass „nicht alle Deutschen Mörder waren“, wie sie es in einem Interview formuliert hat. Sie hat erreicht, dass ihre Helferinnen, Viktoria Kolzer sowie die Schwestern Elfriede und Grete Most, 1978 in die Liste der Gerechten unter den Völkern in Yad Vashem aufgenommen wurden. Auch für eine Gedenktafel am Haus der Familie Kolzers in der Berliner Nollendorfstraße, mit der die Rettung Levys durch Jean und Viktoria Kolzer gewürdigt wird, hat Hanni Lévy sich eingesetzt.

Christoph Links arbeitete von 1980 bis 1986 als Lateinamerika-Redakteur bei der »Berliner Zeitung«. Währenddessen war er nebenberuflich als Sachbuchautor und Literaturrezensent für die Kulturzeitschrift »Sonntag« tätig. Anschließend arbeitete er von 1986 bis 1989 als Assistent der Geschäftsleitung im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar. 1989 gründete Christoph Links den Ch. Links Verlag mit einem Programmschwerpunkt auf Politik und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, zunächst, um als Herausgeber und Autor die jahrelang in der DDR tabuisierten Themen aufzuarbeiten. Später wurde das Verlagsprogramm dann erweitert und diversifiziert.

Seine Publikationen und seine Verlegertätigkeit sind gekennzeichnet durch ausdauerndes Engagement um politische und historische Aufklärung in Form von weitreichender Hintergrundrecherche und kritischer Analyse. Seine eigenen Veröffentlichungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Wende und den Verhältnissen in der DDR. Auch mit seiner programmatischen Verlagstätigkeit hat sich Christoph Links in besonderer Weise um die politische Diskussion und Bildung der Allgemeinheit verdient gemacht. Die historischen Untersuchungen des Verlages, diverse Länderportraits und aktuelle Gesellschaftsanalysen wurden in der Vergangenheit aufgrund ihrer Qualität wiederholt in die Programme von Sonderheften der Bundeszentrale und vielen Landeszentralen für politische Bildung aufgenommen. Christoph Links hielt zudem zahlreiche Vorträge und äußerte sich auch im Übrigen regelmäßig zu gesellschaftlichen und politischen Themen, unter anderem in Interviews und Vorträgen zum Thema Wende und DDR, aber auch zum aktuellen Thema des „Bücher – Scannings“ von Google und seinen Auswirkungen auf die deutschen Verlage. In seinem Verlag erschienen unter seiner strukturellen und konzeptionellen Leitung zudem eine Vielzahl Sachbücher, betreffend die DDR- und NS-Geschichte, Politik und aktuelle Zeitgeschichte, Länderportraits und Biographien.

Die von Monika Sprüth und Philomene Magers 2008 in Berlin eröffnete Galerie Sprüth Magers zählt heute zu den weltweit erfolgreichsten Galerien. Die beiden Galeristinnen haben ihre Wurzeln in Köln, wo auch die erste gemeinsame Galerie angesiedelt war. Dann zogen sie nach München, von dort nach London, um 2008 die Galerie ganz bewusst nach Berlin zu verlegen.

Seit dieser Zeit zählt die Galerie in der Oranienburger Straße zu den wichtigsten Kunstorten Berlins – nicht nur in der Galerienszene, sondern auch bei Künstler/innen, Institutionen, Hochschulen, Sammler/innen etc. Monika Sprüth hat ihre Künstlerinnen stark gefördert. Die Arbeiten ihrer Schützlinge rufen heute bis zu sechsstellige Summen auf. Gerade ihre Künstlerinnen vertreten sogenannte feministische Positionen, die bis in die heutige Zeit noch aktuell sind und oftmals immer noch missverstanden werden. Monika Sprüth ging seit 1983 diesen Sonderweg, als sie ihre erste Galerie stark auf Künstlerinnen und dabei besonders auf noch junge, unbekannte Personen konzentrierte: Cindy Sherman, Jenny Holzer, Rosemarie Trockel, Louise Lawler.

Für Philomene Magers bot das Format „Galerie“ die beste Möglichkeit, sich als Frau innerhalb der männlich dominierten Kunstszene zu positionieren. Fürsorge und Treue gegenüber ihren Künstler/innen sind für sie selbstverständlich. Monika Sprüth und Philomene Magers geht es nicht um Herkunft, Trends, Ansehen, sondern in erster Linie um Kunst. Hier jedoch beziehen sie Position. Monika Sprüth beispielsweise legte ihren Fokus nicht auf Künstlerinnen, weil sie weiblich waren, sondern weil sie außergewöhnliche Charaktere mit großem Potential suchte. Die Berliner Kultur, die Stadt selbst, profitiert vom internationalen Renommee der Galerie. Dieses gründet sich nicht auf ökonomischen Erfolg, sondern darauf, dass Monika Sprüths und Philomene Magers‘ Blick nicht verstellt ist durch marktorientierte Trends, sondern geleitet von langfristigen Perspektiven und intensiver Entwicklung künstlerischer Biographien. Authentizität, Verantwortungsbewusstsein, Widerstand gegen kurzfristige ökonomische Reize und Misstrauen gegenüber populären Trends machen den Vorbildcharakter der beiden Galeristinnen aus.

Gernot Moegelin setzt sich seit vielen Jahren für die Belange von Kunst und Kultur in Berlin ein, nicht zuletzt durch außerberufliche, ehrenamtliche Tätigkeiten und durch Spenden. So ist Herr Moegelin seit vielen Jahren Mitglied des Vorstandes des Kaiser Friedrich Museums-Vereins. Dieser Verein ist der älteste Freundeskreis staatlicher Kunstmuseen in Europa und seit Jahrzehnten als beispielgebendes Finanzierungsmodell für öffentliche Sammlungen Inbegriff bürgerlichen Mäzenatentums, als ideelles und materielles Engagement des Vereins zwei Museen von Weltrang: der Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin. Aus Tradition, mit Leidenschaft und Kunstverstand unterstützt der Verein die Museen bei der Erweiterung ihrer Sammlungen, bei der wissenschaftlichen Arbeit und ihrer Aufgabe, Kunstwerke zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Herr Dr. Moegelin hat sich weit über das übliche Maß für die Interessen des Vereins engagiert, insbesondere bei dessen Erwerbungen, ohne die die Sammeltätigkeit für die Gemäldegalerie und Skulpturensammlung in Zeiten knapper öffentlicher Mittel nahezu zum Erliegen gekommen wäre.

Darüber hinaus war Gernot Moegelin von 1993 bis 2007 für den Förderverein der Berlinischen Galerie tätig. Ebenso hat er sich viele Jahre im Vorstand des Förderkreises der Deutschen Oper engagiert. Hier war er beispielsweise Mitstifter des Götz-Friedrich-Nachwuchspreises sowie Sponsor der Aufführung von zwei Wagner-Opern. Des Weiteren ist Herr Moegelin seit 1991 Mitglied des Förderkreises der Freunde der Komischen Oper Berlin e.V. 1997 wurde er zunächst Mitglied des Beirats, dann stellvertretender Beiratsvorsitzender und schließlich bis 2011 Beiratsvorsitzender. Auch ist er Mitglied im Förderverein Berliner Schloss. Dort gehörte er zum ersten Team und hat mit hohen Geldspenden den Bau der von 1993 bis 1994 gezeigten Schloss-Simulation letztlich erst ermöglicht. Bis heute hat er immer wieder seine Bereitschaft bewiesen, weitere Freunde und Spender für den Wiederaufbau zu gewinnen und scheut sich nicht, auch an sehr kontrovers geführten Diskussionen zum Schloss-Wiederaufbau teilzunehmen und Position zu beziehen.

Sebastian Pflugbeil hat sich als Fachmann und Motor der Anti-Atombewegung in der DDR vor, während und nach der Friedlichen Revolution hohe Verdienste erworben. Ihm ist mit zu verdanken, dass die Atomreaktoren der DDR in Rheinsberg und Greifswald stillgelegt wurden, noch bevor die beiden deutschen Staaten sich im Oktober 1990 vereinigten. Nach seinem Studium der Physik arbeitete er seit 1971 bei der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Buch. Daneben engagierte er sich in der Friedens- und Umweltarbeit der Evangelischen Kirche in Berlin. Nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 beriet er die Evangelische Kirche in der DDR zu Gefahren der Kernkraftnutzung in der DDR.

Im September 1989 war er Mitbegründer der größten Bürgerbewegung Neues Forum und deren Sprecher am Berliner und am Zentralen Runden Tisch. Ab Februar 1990 war er Minister ohne Geschäftsbereich in der Modrow-Regierung. In dieser Zeit sammelte er Unterlagen über die Atomkraftwerke der DDR, welche er in einem Dossier für den zentralen Runden zusammenfasste. Von 1990 bis 1994 war er für das Neue Forum Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Ab 1993 war er Vorsitzender des Vereins Kinder von Tschernobyl, seit 1999 ist er Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e. V. Die Gefahren der militärischen wie auch der „friedlichen“ Nutzung der Atomkraft lassen ihn bis heute nicht ruhen. 2012 erhielt er einen Ehrenpreis des Nuclear-Free Future Award für sein Lebenswerk.

Volker Schröder widmete sich neben seinem Beruf der fortlaufenden Erinnerung an die Berliner Barrikadenkämpfe vom 18. März 1848. Die Ereignisse des 18.März 1848 in Berlin stellen einen Kulminationspunkt der deutschen Märzrevolution dar. 1978 begann eine von Herrn Schröder angestoßene Initiative, unter der Schirmherrschaft von Ingeborg Drewitz und Heinrich Albertz in Berlin Unterschriften für den 18.März als gemeinsamer Feiertag in der Bundesrepublik und in der DDR zu sammeln. Eine Anzeige in der „Frankfurter Rundschau“, die bereits von zahlreichen Unterstützern/innen unterzeichnet wurde, war der „Startschuss“.

Durch sein stetes Engagement seit vier Jahrzehnten, mit Plakaten und Aufrufen, Anzeigen und Druckschriften, persönlichen Briefen und Gesprächen, erfuhr das Anliegen die Zustimmung zahlreicher Parteien aus Bund und Ländern. Auch in der Öffentlichkeit und den Medien ist die Resonanz beachtlich. Ein sichtbarer Erfolg war die Umbenennung des Platzes auf der Westseite vor dem Brandenburger Tor in „Platz des 18.März“ und die Beflaggung der Stadt an diesem Tag. An den jährlichen, von Herrn Schröder organisierten Feierstunden vor dem Brandenburger Tor werden die revolutionären Ereignisse und ihre Auswirkungen jeweils von prominenten Festrednern gewürdigt und Kränze der Bundesländer und zahlreicher Organisationen niedergelegt.

Christa Stolle ist seit 1990 hauptamtliche Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. 2004 übernahm sie auch die Geschäftsführung für die im gleichen Jahr gegründete Förderstiftung von TERRE DES FEMMES. Christa Stolles langjährigem haupt- und ehrenamtlichen Engagement ist es zu verdanken, dass TERRE DES FEMMES heute als eine der bedeutendsten Frauenrechtsorganisationen in Deutschland gilt. Seit vielen Jahren setzt sich Christa Stolle mit viel Kraft und Mut für Gleichberechtigung und Frauenrechte ein, um ein freies, gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben für alle Mädchen und Frauen zu ermöglichen.

Frau Stolle setzt sich gegen die weibliche Genitalverstümmelung ein. Ebenso vehement engagiert sich Frau Stolle auch gegen häusliche und sexualisierte Gewalt. Jedes Jahr macht sie mit der von ihr initiierten und nun weltweit erfolgreichen Fahnenaktion auf Gewalt an Mädchen und Frauen aufmerksam und regt die Zivilgesellschaft dazu an, gegen Gewalt aktiv zu werden. So ist es Christa Stolles unermüdlicher Arbeit zu verdanken, dass der Gedenktag am 25. November „Nein zu Gewalt an Mädchen und Frauen“ nun ein fester Termin im Kalender von vielen Gleichstellungsbeauftragten, Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Politikerinnen und Politikern in ganz Deutschland geworden ist.

Kapitänleutnant Michael Winter trat 1996 in die Marine der Bundeswehr ein und ist seit nahezu 12 Jahren an Bord des Einsatzgruppenversorgers EGV BERLIN. In dieser Zeit war er an allen militärischen und humanitären Einsätzen des Schiffes beteiligt, von der Piratenbekämpfung bis zur Flüchtlingsrettung im Mittelmeer. Als Patenschiffsoffizier hat er in besonderer Weise die Patenschaft zwischen dem Land Berlin und seinem Patenschiff Einsatzgruppenversorger BERLIN befördert. Auf seine Initiative ging die Ausstattung des Schiffes mit mehrsprachigem Informationsmaterial über Berlin, die Ausgestaltung der Offiziersmesse mit Berlin-Symbolen und die Beschaffung von berlintypischen Gastgeschenken zurück. Ebenso war er Ideengeber für das Schiffsmodell, das sich nun im Roten Rathaus befindet.

Viele Male hat Kapitänleutnant Winter an der Organisation von Berlin-Reisen von Besatzungsdelegationen mitgewirkt und die Programmgestaltung so ausrichten können, dass die Besatzungsmitglieder nachhaltig positive Eindrücke von ihrer Patenstadt und ihren führenden politischen und gesellschaftlichen Repräsentanten mitnehmen konnten. Hervorzuheben ist überdies sein Engagement für das Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Berlin-Neukölln, mit dem die Besatzung des Schiffes patenschaftlich verbunden ist. Herr Winter ist aktiver Spendensammler unter den Besatzungsmitgliedern und hat einen hohen Anteil daran, dass das Schiff dem Neuköllner Heim mittlerweile rund 37.000 Euro an Spenden zukommen lassen konnte. Kapitänleutnant Michael Winter wird das Schiff nach vielen Jahren Seefahrt Ende Oktober dieses Jahres verlassen und einen Landdienstposten beim Marinekommando in Rostock antreten.