Sonderkommission Ausbildungsplatzsituation: Positive Trends fortsetzen

Pressemitteilung vom 12.08.2019

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Bei der heutigen Sitzung der Sonderkommission „Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftesicherung“ (Soko) wurde die Entwicklung auf dem Berliner Ausbildungsmarkt erörtert. Der Senat, die Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertreter von Wirtschaftsverbänden, Kammern, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit würdigten die positiven Entwicklungen des Ausbildungsjahres 2017/2018, in dem mehr Ausbildungsplätze pro 100 Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung standen als im Ausbildungsjahr davor. Ferner stieg die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber im Kontext von Flucht und Migration um 65%. Die Jugendarbeitslosigkeit sank weiter auf 8,2% im März 2019.

Gleichzeitig diskutierte die Soko auch die anhaltenden Herausforderungen auf dem Berliner Ausbildungsmarkt: Noch immer gibt es deutlich mehr Bewerberinnen und Bewerber als Stellenangebote und die Jugendarbeitslosigkeit bleibt über dem Bundesdurchschnitt. Zugleich bleiben erneut tausende Ausbildungsplätze, die die Unternehmen anbieten, unbesetzt. Auch vor dem Hintergrund der stetig steigenden Schülerzahlen sind weitere Anstrengungen notwendig, um Angebote und Nachfragen zusammenzubringen.

Themen der Sitzung waren:

  • Vorstellung des Projekts „Jugendarbeitslosigkeit in Berlin reduzieren“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung
  • Vorstellung des Pilotprojekts „Erprobung neues Zugänge in die Ausbildung“ (Berlin braucht dich!) des Berufsqualifizierungsnetzwerks für Migrantinnen und Migranten
  • Vorstellung des „Talente Check“: gemeinsames Projekt der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, der IHK Berlin und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit; Talente der Schülerinnen und Schüler frühzeitig erkennen und aufzeigen
  • Positive Zwischenbilanz zur 2015 in Berlin eingeführten Jugendberufsagentur, die die Tätigkeiten von der Bundesagentur für Arbeit, den Jobcentern und den Trägern der Jugendhilfe bündeln, um Jugendliche beim Übergang von der Schule zum Beruf zu unterstützen.

Die Partner aus der Soko haben sich darüber hinaus unter Federführung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf ein Konzept zur „Qualitätsoffensive Betriebliche Praktika“ verständigt. Alle Beteiligten betonten die Bedeutung der betrieblichen Praktika für die berufliche Orientierung der Jugendlichen der Stadt, die die dringend benötigten Fachkräfte von morgen sind.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller: „Ich möchte an erster Stelle das Engagement von allen Beteiligten würdigen. Betriebe, die Stück für Stück mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, und initiative Projekte tragen zur Umsetzung der Berliner Vereinbarung bei, die wir 2015 beschlossen haben mit dem Ziel, Berlin zur Stadt der Arbeit zu machen. Auch durch die Arbeit der Jugendberufsagentur ist erreicht worden, dass immer mehr Jugendlichen ein guter Übergang von der Schule in den Beruf gelingt. Jetzt heißt es, an diesen Trend anzuknüpfen und die positive Entwicklung zu verstetigen und auszubauen.“

Die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach: „Die heutige Sitzung der Sonderkommission zeigt, wir werden in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, allen jungen Berlinerinnen und Berlinern Ausbildungsperspektiven zu eröffnen. Dabei müssen wir auch die Jugendlichen stärken, deren Chancen auf einen Ausbildungsplatz schlechter sind. Eine gute Ausbildung nutzt allen. Sie ebnet Jugendlichen Wege in die Arbeitswelt. Sie stärkt die Innovationskraft der Berliner Wirtschaft. Sie trägt zur Festigung des sozialen Zusammenhalts in der Stadt bei.“

Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres: „Mit dem Talente Check gehen wir nach der erfolgreichen Einrichtung der Jugendberufsagentur das nächste gemeinsame Projekt an. Ziel ist, die Jugendlichen sehr frühzeitig bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Sie sollen sich selbst besser einschätzen lernen und ihre Talente somit genauer erkennen können. Damit wollen wir den Jugendlichen helfen, den richtigen Beruf für sich zu finden. Das Angebot wird jugendgerecht und modern gestaltet.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder: „Mit einem 10-Jahres-Hoch an gemeldeten Ausbildungsplätzen demonstriert die Berliner Wirtschaft zum 1. August ihren ungebrochen hohen Einsatz für die Duale Ausbildung. Anlässlich des seit Jahren steigenden Bedarfs an beruflich qualifizierten Fachkräften und der parallel hartnäckig hohen Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze muss es unsere gemeinsame Aufgabe sein, mehr junge Menschen für die jährlich wachsende Anzahl an betrieblichen Ausbildungsstellen zu begeistern. Um die Azubi-Lücke zu schließen muss deshalb sichergestellt werden, dass junge Menschen noch zielgerichteter zur Jugendberufsagentur und von dort in die Duale Ausbildung finden. Neben einer Verbesserung der Schulqualität und der Vermittlung realistischer Berufsvorstellungen muss nicht zuletzt die Wertigkeit der Dualen Ausbildung im Vergleich zu anderen Bildungswegen noch besser zum Ausdruck gebracht werden.“

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg: “Die Gewerkschaften begrüßen die Aufmerksamkeit, die das Thema Jugendarbeitslosigkeit heute erhalten hat und weiter erhalten soll. Berlin muss noch aktiver gegen Jugendarbeitslosigkeit vorgehen und dabei an den Wurzeln ansetzen: Die Mehrheit des Arbeitslosen unter 25 in der Hauptstadt hat heute keine abgeschlossene Berufsausbildung. Damit diese Gruppe nicht ständig neuen Nachwuchs erhält, müssen die Schulen gestärkt werden. Sie brauchen Ressourcen für die Berufsorientierung, um etwa Praktika so effektiv begleiten zu können, dass sie den Jugendlichen einen Weg in die berufliche Ausbildung ebnen. Von den Unternehmen erwarten wir, dass sie ausreichend Praktikumsplätze anbieten, sonst kann auch die beste Konzeption für Berufsorientierung nicht wirksam werden.“

Christian Andresen, Vizepräsident der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg: „Betrachtet man Berlin und Brandenburg als Ganzes, ist eine Ausbildungsplatzlücke heute praktisch nicht mehr vorhanden. Viele Betriebe und Jugendliche würden profitieren, wenn die Akteure in beiden Bundesländern in Ausbildungsfragen enger miteinander kooperieren würden. Die Wirtschaft sieht die wachsende Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze mit großer Sorge. Es besteht die Gefahr, dass sich der Mangel an Fachkräften weiter verschärft. Für die Betriebe ist es wichtiger denn je, alle jungen Menschen zu erreichen, die für eine Ausbildung in Frage kommen – Abiturienten ebenso wie Schulabbrecher. Hier sehen wir vor allem die Jugendberufsagentur in der Verantwortung. Sie muss analysieren, warum Angebot und Nachfrage in Berlin nicht zusammenkommen und welche zusätzlichen Maßnahmen daraus folgen müssen.“

Die Präsidentin der Handwerkskammer Berlin, Carola Zarth: „Die Berliner Handwerksbetriebe tragen mit ihrer hohen Ausbildungsleistung wesentlich zum positiven Ergebnis des Ausbildungsjahres bei. Jetzt kommt es in den nächsten Wochen darauf an, gemeinsam alles zu tun, dass die noch unentschiedenen Jugendlichen ihren Ausbildungsplatz finden. Eine Ausbildung im Handwerk bietet dabei hervorragende Möglichkeiten als Einstieg in eine berufliche Karriere.“

Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: „Die Beschäftigung in Berlin ist weiter deutlich gestiegen – innerhalb von fünf Jahren um rund 250.000 Personen. Der Trend ist positiv, viele Firmen suchen Fachkräfte. Ausbildung ist daher der beste Weg, diesen Bedarf zu decken und somit Jugendlichen eine berufliche Perspektive zu geben. Die Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in Berlin muss weiter Top-Thema auf der Agenda bleiben, denn sie ist besonders am Übergang zur Schule und zum Beruf noch immer schmerzlich hoch. Alle Akteure am Ausbildungsmarkt müssen gemeinsam ihre Anstrengungen hochhalten, um mehr Jugendliche in Ausbildung zu bringen.“