Müller-Rede auf Veranstaltung des Städtenetzwerks Metropolis im Berliner Rathaus

Pressemitteilung vom 06.03.2019

Sperrfrist: Redebeginn (heute, ca. 17.00 Uhr)
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Präsident des internationalen Städtenetzwerkes Metropolis, Michael Müller, hält heute im Festsaal des Berliner Rathauses eine Rede zur Vorstellung der neuen Kommunikations- und Vernetzungsplattform „Urban Sustainability Exchange (USE)“. Zur Wahrnehmung der Medienberichterstattung des um 17.00 Uhr beginnenden Wort-Bild-Termins ist eine Anmeldung bei der Pressestelle der USE unter use.info@metropolis.org erforderlich.

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin dokumentiert den Wortlaut der Rede des Regierenden Bürgermeisters vorab auf Grundlage des Redemanuskripts (Es gilt das gesprochene Wort!):

„(…) Zahlreiche wichtige Akteure der Berliner Stadtgesellschaft sind heute gekommen, ebenso viele internationale Gäste. Sie arbeiten oder forschen, studieren oder engagieren sich zwar in unterschiedlichen Bereichen. Aber Sie verbindet das Interesse an einer zukunftsweisenden Stadtentwicklung, im Einklang mit den Bedürfnissen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Das zeigt mir, dass wir mit dieser Netzwerkveranstaltung einen Nerv getroffen haben. Also: Herzlich willkommen im Roten Rathaus!

Ich begrüße dabei besonders die Expertinnen und Experten, die uns in Impulsvorträgen einen Einblick in ihre Arbeits- bzw. Forschungsschwerpunkte im Bereich internationale Stadtentwicklung geben. Und ich darf Sie alle schon jetzt dazu einladen, im Anschluss die Möglichkeit zum Nachfragen, zu Austausch und Vernetzung zu nutzen.

Auch für mich ist das ein besonderer Termin: Ich spreche heute nicht nur als Regierender Bürgermeister zu Ihnen, sondern vor allem als Präsident des internationalen Städtenetzwerkes Metropolis. Denn heute geht der Blick weit über Berlins Tellerrand hinaus. Es geht um die Zukunft von Städten weltweit. Um eine Stadtentwicklung, die das Leben der Stadtbevölkerung überall auf der Welt nachhaltig verbessert. Darum, dass wir dieses Ziel durch internationale Vernetzung, durch den Austausch von Wissen, Ideen, Erfahrungen sehr viel besser erreichen werden. Klar ist: Die wichtigen Zukunftsfragen der Menschheit werden in den Städten entschieden. Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. 2050 werden es mehr als zwei Drittel sein. Diese rasante Entwicklung hat tiefgreifende Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche des städtischen Lebens: Wirtschaft, Umwelt, Infrastruktur, Bildung, Kultur. Und sie berührt auch das Thema Partizipationsmöglichkeit.

Im Kern geht es also um zentrale Fragen für die Zukunft unserer Städte. Das bedeutet nach innen: Wie stellen die Städte sicher, dass Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen in ihre Metropolenentwicklung einbezogen werden? Können sie erfüllen, was sie in den Augen ihrer Zuwanderer so attraktiv machen? Gelingt es, bezahlbares Wohnen für alle zu schaffen, Bildungsangebote auszuweiten, Mobilität, Gesundheits- und Energieversorgung zukunftsfest zu gestalten – um nur einige Beispiele zu nennen. Und das bedeutet nach außen: Die Städte arbeiten auf lokaler Ebene an der Lösung globaler Herausforderungen. Ihre Stimme muss deshalb international mehr Gewicht haben.

Entscheidend wird sein, dass wir auf das Phänomen der Metropolisierung nicht nur reagieren, sondern vorausschauende Politik betreiben. Das heißt: Die Bevölkerung einbinden, Lösungswege aktiv gestalten und sie im internationalen Kontext diskutieren.

Mit diesem Ansatz engagiert sich Berlin in diversen Städtenetzwerken. Metropolis ist mir dabei besonders wichtig. Es ist mit aktuell 139 Mitgliedern nicht nur das größte Städtenetzwerk der Welt. Es bietet auch die seltene Möglichkeit, mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus allen Kontinenten direkt zu kommunizieren und kontinuierlich an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Metropolis stellt dabei nicht einzelne Mitgliedsstädte in den Vordergrund. Es geht um Austausch – darum, voneinander zu lernen, um miteinander voranzukommen.

Darin liegt die große Chance von Metropolis. Denn fest steht: Die Städte werden die großen Herausforderungen unserer Zeit kaum im Alleingang meistern. Aber in unserem Netzwerk konzentrieren sich so viele Erfahrungen und Kompetenzen, dass wir gemeinsam Lösungswege finden können, um die Attraktivität und Lebensqualität in den Städten nachhaltig zu verbessern.

(…) Berlin ist heute zwar hervorragend aufgestellt. Unsere Stadt hat sich im Jahr 30 nach dem Mauerfall zu einer weltoffenen, lebenswerten Metropole entwickelt; die wirtschaftlichen Perspektiven stimmen. Mir ist bewusst, dass die Probleme bei uns andere sind als anderswo auf der Welt. Berlin ist da als europäische Stadt und deutsche Hauptstadt privilegiert. Aber das war nicht immer so. Berlin hat in seiner Geschichte sehr viel Hilfe und Solidarität von außen erfahren. Es ist an der Zeit, etwas zurückzugeben: Unsere globale Verantwortung als Hauptstadt der größten Volkswirtschaft Europas wahrzunehmen. Mit anderen Städte rund um den Globus zusammenzuarbeiten, sie bei konkreten Projekten zu unterstützen, aber natürlich auch: von ihnen zu lernen. In Metropolis ist Berlin bereits seit fast dreißig Jahren aktiv. Viel hat sich seither geändert. Das rasante Wachstum von Metropolen weltweit hat uns vor neue Herausforderungen gestellt. Es wird deshalb immer wichtiger, die Interessen der Städte in Netzwerken geballt und selbstbewusst zu vertreten.

Metropolis leistet dafür wichtige Arbeit. So hat unsere Berliner Metropolis-Initiative PrepCity dazu beigetragen, dass die Städte die Neue Urbane Agenda mitgestalten konnten. Unsere Zusammenarbeit hat auch dafür gesorgt, dass wir letztes Jahr mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus aller Welt Forderungen nach einer gerechten Wohn- und Bodenpolitik vor den Vereinten Nationen artikulieren konnten. Daran wird übrigens auch deutlich, wie wichtige Themen der Berliner Stadtentwicklung in die internationale Netzwerkarbeit einfließen.
Neu ist heute zudem auch, dass globale Leitbilder – etwa zur nachhaltigen Entwicklung – immer konkreter werden. Die nachhaltigen Entwicklungsziele (die sogenannten SDGs), die 2015 von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurden, skizzieren eine neue, ehrgeizige Agenda, um die Lebensbedingungen weltweit zu verbessern. Unsere Städte sind dabei besonders gefragt. Städtenetzwerke wie Metropolis sind da ein wichtiges Forum, diesen Prozess übergeordnet auf politischer und technischer Ebene zu koordinieren.

Und was – anders als vor 30 Jahren – inzwischen auch allen Verantwortlichen bewusst ist: Internationale Netzwerkarbeit muss multilateral angelegt sein. Kooperationen zwischen Stadtregierungen und Verwaltungen reichen nicht aus. Fortschritte werden wir nur erreichen, wenn alle relevanten Akteure an einem Strang ziehen: Nationale Regierungen, aber auch wissenschaftliche Institutionen, NGOs, Stiftungen, Wirtschaft, natürlich die Stadtgesellschaft.

Auch daran arbeitet Berlin in Metropolis: Im Projekt ‚Sustainable Cities Collaboratory‘ kooperieren Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter und Politiker aus Städten von fünf Kontinenten, um gemeinsam die Umsetzung der SDGs voranzutreiben. Ebenso wichtig ist uns die bürgerschaftliche Beteiligung. Ich möchte erreichen, dass der internationale Austausch sozialer und demokratischer wird. Denn ich bin davon überzeugt, dass wir in der Lage sind, die Herausforderungen unserer Zeit konkret anzugehen. Und konkret heißt auch: partizipativ, unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, die mündig die Zukunft unserer Städte mitgestalten. Gerade Kommunalpolitik bietet eine gute Möglichkeit, der oft beklagten Entfremdung der Menschen vom Politischen vorzubeugen.

Darum geht es heute: Wir haben ein Tool geschaffen, das Menschen weltweit die Möglichkeit gibt, sich am internationalen Austausch zu nachhaltiger Stadtentwicklung zu beteiligen. Unsere online-Plattform gibt es zwar bereits seit einigen Jahren. Nun ist sie mit neuem Layout, neuen Funktionen und mit dem neuen Namen ‚use – Urban Sustainability Exchange‘ online gegangen. Neben Planungsverantwortlichen werden wir damit künftig verstärkt Akteure aus der urbanen Praxis ansprechen.

Ich lade Sie ein, sich die Plattform anzuschauen. Sie finden Sie unter use.metropolis.org. Schon jetzt bietet sie fast 300 detaillierte Fallstudien zu unterschiedlichen Handlungsfeldern nachhaltiger Stadtentwicklung aus aller Welt. Werden Sie Mitglied der Community, um Expertinnen und Experten, Menschen mit Erfahrung zu Stadtentwicklung aus der ganzen Welt zu kontaktieren. Ein Newsletter erscheint zweimal im Monat. ‚From and for citymakers worldwide’ lautet das Motto unserer Plattform. Die Nutzung ist gratis. Jede und jeder kann sich registrieren, kann Fallstudien präsentieren. Ein Wissenschaftsteam hauptsächlich aus Berlin und Sydney stellt die Qualität der Fallstudien sicher. Im Sinne des multilateralen Austausches kooperiert die Plattform mit Partnern, mit anderen Städtenetzwerken, Awards, Stiftungen. Jede Fallstudie ist mit relevanten SDGs verknüpft. Der neue Name ‚use – Urban Sustainability Exchange‘ soll stärker betonen, was auf der Plattform stattfindet: ein dynamischer, praxisorientierter Austausch zur nachhaltigen Stadtentwicklung.

Ich freue mich, dass Berlin diese Plattform auf die Beine gestellt hat. Und ich bin stolz auf die Berliner Projekte, die sich darauf bereits präsentieren. Sie reichen von barrierefreier Stadtentwicklung über eine Open-Data-Strategie bis zur energetischen Sanierung von Großwohnsiedlungen. Es würde mich freuen, wenn künftig noch sehr viel mehr Projekte aus Berlin und anderen Städten auf der Plattform erscheinen. Dafür, meine Damen und Herren, brauchen wir Sie. Registrieren können Sie sich gleich heute. Ich bin sicher: Unser weiteres Programm gibt Ihnen viele Impulse, die Sie von einer Beteiligung überzeugen. Und vor allem: Dass wir das Thema Nachhaltige Stadtentwicklung weltweit damit ein gutes Stück voranbringen (…).“