Verleihung des Berliner Landesordens

Pressemitteilung vom 27.09.2018

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller verleiht am Montag, 1. Oktober 2018, 11.00 Uhr, im Großen Saal des Berliner Rathauses an zwölf verdiente Bürgerinnen und Bürger der Stadt den Verdienstorden des Landes Berlin (Wort-Bild-Termin).

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller: „Es ist eine gute Tradition, dass wir am Jahrestag des Inkrafttretens der Berliner Verfassung von 1950 Persönlichkeiten, die sich in außergewöhnlicher Weise um unsere Stadt verdient gemacht haben, ehren. Mit der Verleihung des Berliner Landesordens bringen wir unsere Anerkennung und unseren Dank für ihr Engagement für das Gemeinwohl zum Ausdruck.“

Mit dem Berliner Landesorden 2018 werden geehrt: Dietmar Arnold, Dr. Maria Diefenbach, Prof. Dr. Walter Homolka, Dr. Heike von Joest, Anselm Lange, Anna Loos, Prof. Dr. Karin Mölling, Sir Simon Rattle, Gisela Sdorra, Wolfgang Templin, Dr. Klaus Ulbricht und Roland Weber.

Die Aushändigung der Orden an Anna Loos und Sir Simon Rattle erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Dietmar Arnold war 1997 Mitbegründer des Vereins „Berliner Unterwelten e.V.“ und fungiert seitdem auch als dessen Vorsitzender. Er hat sich in bemerkenswerter Weise um den Erhalt von historischen Orten in Berlin, insbesondere in Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Zeit und der Epoche des Kalten Krieges, verdient gemacht. Herrn Arnolds Bestreben ist es, diese Orte zu bewahren und zu schützen und sie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich und verständlich zu machen. Hierfür organisiert er jährlich eine Vielzahl von Führungen an verschiedenen Standorten.

Dr. Maria Diefenbach gründete 1993 den Förderkreis Raum der Stille in Berlin e.V. und wurde zur Vorsitzenden gewählt. Der „Raum der Stille“, der 1994 eröffnet wurde, liegt im nördlichen Torhaus des Brandenburger Tors. Das Angebot ist offen für alle und damit in dieser Form einmalig: Dem Förderkreis gehören gleichberechtigt Vertreter unter anderem der vier großen Weltreligionen des Christentums, Islams, Judentums und Buddhismus an. Unter ihrer Führung hat sich der Raum der Stille in Berlin zu einer festen und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Institution entwickelt. Der Raum wird täglich von ca. 100 Besuchern aus aller Welt aufgesucht, bis heute waren ca. 1,4 Millionen Menschen dort.

Professor Dr. Walter Homolka ist als Rabbiner und Universitätsprofessor eine wichtige Stimme des liberalen Judentums in Deutschland, aber auch über Deutschland und Europa hinaus. Er ist Gründer und Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs an der Universität Potsdam sowie Mitglied im Direktorium des Zentrums für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Professor Homolka hat maßgeblich dazu beigetragen, die jüdische Theologie in Berlin und Brandenburg zu stärken. Es ist seinem Engagement zu verdanken, dass die Ausbildung jüdischer Geistlicher nach der Schoa in Deutschland wieder möglich ist. Für das Land Berlin ist das Engagement von Professor Homolka für den interreligiösen Dialog hervorzuheben. Der Dialog zwischen den Religionen, aber auch mit der Gesellschaft, ist ihm ein besonderes Anliegen.

Dr. Heike von Joest ist seit 2009 die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Berlin. Die Bürgerstiftung Berlin unterstützt aktuell 10 Projekte an 140 Standorten; die 500 Ehrenamtlichen erreichen jährlich mehr als 8.500 Kinder/Jugendliche. Durch ihr Wirken hat sie maßgeblich dazu beigetragen, die Arbeit der Bürgerstiftung zu professionalisieren und das Finanzvolumen deutlich zu vergrößern. Sie ist nicht zuletzt aufgrund ihrer vielen Kontakte zu Personen der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens eine tatkräftige Multiplikatorin der Projektideen und ein Vorbild für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projektes. Durch ihren Einfluss kann sie zum Wohle der Bürgerstiftung viele Menschen und Institutionen für eine finanzielle und ideelle Unterstützung gewinnen.

Anselm Lange studierte Vergleichende Literaturwissenschaften und Betriebswirtschaft in Chicago, Boston, Paris und Berlin. Von 1995 bis 1999 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses. Seit 2004 arbeitet er für BBGK Berliner Botschaft Gesellschaft für Kommunikation mbH. 2007 erfolgte die Gründung und Geschäftsführung der Kommunikationsagentur lange&friends. Seit 2009 ist Herr Lange hauptamtlicher Geschäftsführer der Telefonseelsorge Berlin e.V. Die Telefonseelsorge leistet als die älteste Telefonseelsorge Deutschlands eine wichtige Arbeit für Menschen in Krisensituationen, in der Suizidprävention sowie in der Begleitung von Angehörigen. Seit 2013 ist Herr Lange zudem Mitglied im Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde. 2015 übernahm er den Vorsitz und wurde Anfang 2017 in diesem Amt bestätigt.

Anna Loos hat sich mit ihrem vielfältigen künstlerischen und hierbei im Besonderen mit ihrem filmischen Schaffen um das Land Berlin verdient gemacht. Sie wuchs in der DDR auf und flüchtete 1988 mit achtzehn Jahren über die Tschechoslowakei und Ungarn nach Österreich. In Hamburg absolvierte Frau Loos ab 1992 eine Ausbildung an der Stage School of Music, Dance and Drama. Ihr Kino- und ihr Fernsehfilmdebüt gab Frau Loos in den Produktionen „Das Mambospiel“ beziehungsweise „Blind Date“ (beide 1998). Daraufhin trat Frau Loos regelmäßig im Fernsehen in Erscheinung. Zudem blieb sie eine passionierte Musikerin. Nach dem Tod von Tamara Danz verstärkt Anna Loos seit 2006 die Band Silly als Leadsängerin. Frau Loos nutzt ihre mediale Präsenz auch für wahrnehmbares bürgerschaftliches Engagement. So engagiert sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Jan Josef Liefers für die internationale Organisation ONE, die sich dem Kampf gegen extreme Armut und vermeidbare Krankheiten verschrieben hat.

Frau Prof. Dr. Karin Mölling hat ihr gesamtes Leben der Wissenschaft im Bereich der medizinischen Virologie, insbesondere der Krebs- und AIDS-Forschung, gewidmet. Sie hat dies in einem Maße getan, das weit über die reine Erfüllung von Berufspflichten hinausgeht. Auf diese Weise sind überragende Forschungsergebnisse und richtungsweisende Erfolge ermöglicht worden. Als Frau in hoher beruflicher Funktion hat sie dabei auch immer einen Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter geführt. Frau Prof. Mölling hat wichtige Stationen ihrer eindrucksvollen wissenschaftlichen Karriere in Berlin am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik, am Robert-Koch-Institut, als Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie als Honorarprofessorin an der Charité verbracht und hat damit den Wissenschaftsstandort Berlin durch ihre langjährige erfolgreiche Forschungsarbeit bereichert. Das umfangreiche wissenschaftliche Wirken von Frau Prof. Mölling ist durch zahlreiche Publikationen in hochrangiger Fachliteratur und eine engagierte Lehrtätigkeit unterlegt.

Simon Rattle ist seit 2002 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Er übernahm ein anspruchsvolles Erbe, musste in dieser Position doch auf besondere Weise zwischen Tradition und Innovation vermittelt werden. Mit seinem Namen verbinden sich neben der Bewahrung des Alten wesentliche Neuerungen. So hat er das anglo-amerikanische Repertoire der Berliner Philharmoniker um Werke von Britten, Elgar, Bernstein und Gershwin bereichert. Außerdem ist Simon Rattle seit Langem in der historischen Aufführungspraxis zu Hause. Deren Erkenntnisse hat er in hochgelobten Aufführungen von Haydns Symphonien und Bachs Passionsmusiken zum Klingen gebracht. Darüber hinaus haben sich die Berliner Philharmoniker unter Rattle verstärkt für neuere und neueste Musik engagiert. Er hat viel in Berlin bewegt: die Educationarbeit etabliert, stilistische Flexibilität der Musikerinnen und Musiker gefördert, sich für die Musik zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten eingesetzt, soziales Engagement gezeigt. 2004 motivierte er Schülerinnen und Schüler aus Berliner Problemschulen, zu Igor Strawinskys “Le Sacre du Printemps” zu tanzen und zu spielen. Aus dem Projekt entstand der mehrfach ausgezeichnete Film “Rhythm Is It!”. Als Botschafter Berlins leitete er weltweit zahlreiche Gastspiele, die das Ansehen der Stadt als weltoffene Kulturmetropole entscheidend prägten.

Gisela Sdorra besitzt in zahlreichen Stadtteilen Berlins Immobilien, die sie selbst verwaltete und instand halten ließ. Das Vermögen, das sie im Laufe der Jahre damit erworben hat, möchte sie nun teilen. Es ist ihr ein großes Anliegen, Menschen, die weniger Glück im Leben hatten als sie, zu helfen und zu unterstützen. So hilft sie Familien, die ein Auto brauchen, um ihr behindertes Kind in die Schule zu fahren oder zahlt Kindern aus Kabul die Flüge nach Deutschland, damit sie hier operiert werden können. Schließlich wurde 1998 die Gisela Sdorra-Stiftung für notleidende Kinder und Menschen mit Behinderung als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts gegründet. Die Stiftung von Frau Sdorra dient dem Zweck der finanziellen Unterstützung von bedürftigen Kindern und Menschen mit Behinderung zum Lebensunter-halt, für die Ausbildung und das Studium und für die Anschaffung von medizinischen Hilfsmitteln für therapeutische Maßnahmen. Frau Sdorra hebt sich in besonderer Weise von anderen Stiftern ab. Sie hat beschlossen, ihr gesamtes Vermögen und alle ihre Immobilien auf die Stiftung zu übertragen, um dieses Geld denen zu geben, die es dringender benötigen.

Wolfgang Templin ist einer der Protagonisten der demokratischen Opposition in der DDR. Entscheidend war vor allem seine Rolle als Mitbegründer der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM), die eine prägende Rolle in der Opposition gegen Diktatur spielte. Dazu kam die Arbeit in verschiedenen weiteren Umwelt- und Menschenrechtsgruppen. Nach der Wende 1989 war Herr Templin während der Friedlichen Revolution Sprecher der IFM am Zentralen Runden Tisch und arbeitete mit in Initiativen zur Auseinandersetzung mit der Diktatur der SED. Dabei zeichnete er sich immer durch größtes Engagement aus und war besonders in der Auseinandersetzung mit der deutschen Zeitgeschichte, aber auch mit gegenwärtigen Problemen ein engagierter Debattenredner und Publizist. Wolfgang Templin wurde für sein Engagement 2009 der Dialog-Preis der Deutsch-Polnischen Gesellschaft verliehen. 2010 erhielt er im Reichstagsgebäude in Berlin die Dankesmedaille des Europäischen Zentrums der Solidarität. Die Auszeichnung wurde ihm vom polnischen Staatspräsidenten Bronisław Komorowski für seine Unterstützung der Solidarność überreicht. 2015 erhielt Herr Templin zudem den Viadrina-Preis der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Dr. Klaus Ulbricht war langjähriger Bezirksbürgermeister des Bezirks Berlin-Köpenick und nach der Bezirksgebietsreform 2001 bis 2006 des Bezirks Treptow-Köpenick von Berlin. Er gilt als ein „Mann der ersten Stunde“ zur Zeit der politischen Wende und engagierte sich sofort für demokratische und transparente Kommunalpolitik. Nach den freien Kommunalwahlen 1990 saß er in der Bezirksverordnetenversammlung Köpenick seiner Fraktion vor. Bereits 1991 zum Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Finanzen gewählt, wirkte er erfolgreich für den Aufbau einer an rechtsstaatlichen Prinzipien orientierten Verwaltung. Dies setzte er auch nach seiner Wahl zum Bezirksbürgermeister 1992 fort. Der Aufbau des Technik- und Gründerzentrums in Oberschöneweide und des Innovationszentrums Wuhlheide wurden von ihm tatkräftig vorangetrieben und unterstützt. Das trifft auch für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof zu, den er in enger Zusammenarbeit mit dem benachbarten damaligen Bezirk Treptow nach Kräften förderte. Diese Tätigkeiten setzte er nach seiner Wahl zum Bezirksbürgermeister des neuen, gemeinsamen Bezirks Treptow-Köpenick energisch fort. Er hat sich durch ein überdurchschnittliches, weit über die Aufgaben eines Kommunalpolitikers hinausgehendes Engagement ausgezeichnet.

Roland Weber übt das Ehrenamt des Opferbeauftragten des Landes Berlin seit September 2012 aus. Zu seinen Aufgaben gehört der Aufbau eines Netzwerkes aus bestehenden Hilfsangeboten der Polizei und der Justiz im Bereich der Opferhilfe mit privaten Opferhilfeorganisationen und dessen Koordinierung. Die im Land Berlin bestehenden Angebote im Opferschutz werden von ihm ausgewertet. Immer dem Ziel verbunden, den Opferschutz in Berlin zu verbessern, unterbreitet er der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung Vorschläge, die aus seiner Sicht dem Wohle der Opfer dienen. Herr Weber hat von Anfang an seine Aufgaben mit großem Engagement wahrgenommen. Wenngleich die Tätigkeit des Opferbeauftragten als Ehrenamt ausgestaltet ist, brachte und bringt sich Herr Weber in die Belange des Opferschutzes intensiv ein. Zu Gesetzesvorhaben des Bundes im Bereich des Opferschutzes nimmt er ebenso fachlich fundiert Stellung wie zu solchen des Landes Berlin. Herr Weber hat diverse fachlich sehr hochrangige Vortragsveranstaltungen organisiert, die auch international positiv aufgenommen worden sind. Nach dem Anschlag am Breitscheidplatz hat sich gezeigt, dass das Handeln der Behörden in einigen Bereichen, und zwar insbesondere im Umgang mit Hinterbliebenen und Geschädigten, optimiert werden kann. Herr Weber stand sofort als kompetenter Ansprechpartner für die Betroffenen zur Verfügung. Das Engagement des Opferbeauftragten des Landes Berlin ist beispielhaft. Insbesondere in der Folge des Terroranschlags vom 19. Dezember 2016 hat er sich als ruhender Pol für Hinterbliebene und Geschädigte erwiesen.