Rede des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, anlässlich der Veranstaltung „Berlin trägt Kippa“ 25. April 2018, 18:00 Uhr, vor dem Jüdischen Gemeindehaus

Pressemitteilung vom 25.04.2018

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hat heute anlässlich der Veranstaltung „Berlin trägt Kippa“ vor dem Jüdischen Gemeindehaus die folgende Rede gehalten. Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin dokumentiert den Wortlaut der Rede auf Grundlage des Manuskripts:

Sehr geehrter Herr Dr. Schuster,
sehr geehrter Herr Dr. Joffe,
sehr geehrte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde zu Berlin,
meine Damen und Herren,

es tut gut zu sehen, wie viele Berlinerinnen und Berliner heute hier Vorort sind. Zentausende weitere sind mit dem Herzen und im Gedanken bei uns. Heute tragen wir alle, heute trägt Berlin Kippa.

Vor wenigen Tagen wurde hier bei uns ein israelischer Student attackiert, der eine Kippa trug. Diese antisemitische Gewalttat hat uns alle entsetzt. Wir alle verurteilen sie auf das schärfste.

Das reiht sich leider ein in eine Reihe von Vorfällen. Immer wieder gibt es Übergriffe und Mobbing oder Drohungen auch an Schulen.

Ich danke der Jüdischen Gemeinde für die Organisation der heutigen Veranstaltung. Es ist wichtig, dass heute so viele Berlinerinnen und Berliner ein Zeichen setzen und mit Kippa auf die Straße gehen. Damit klar wird: Antisemitismus hat hier keinen Platz!

Berlin ist heute eine Stadt der Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz. Das ist mit Blick auf unsere Geschichte und besonders auf den Völkermord an den europäischen Juden alles andere als selbstverständlich. Von hier aus wurden Menschen entrechtet, verfolgt und ermordet. Wir dürfen so etwas nie wieder zulassen.

Wir müssen wachsam sein! An jedem Tag, an jedem Ort, jeder von uns! Das zu betonen ist in diesen Tagen wichtig, in denen sich die Gründung des Staates Israel zum 70. Mal jährt.

Uns Deutschen und uns Berlinerinnen und Berlinern liegt Israel besonders am Herzen. Unzählige Initiativen in unserer Stadt knüpfen nachhaltige und enge Beziehungen zwischen unseren Ländern. Berlin steht in unverbrüchlicher Solidarität an der Seite Israels!

Wir sind froh und dankbar, dass viele Israelis unsere Stadt besuchen und manche auch bleiben. Junge Israeli lieben Berlin. Jüdisches Leben und jüdische Kultur gehören wieder zu unserer Stadt. Das ist ein unschätzbares Geschenk und ein großes Glück. Wir alle sind verpflichtet, uns für den Schutz jüdischen Lebens einzusetzen. Dieser Verpflichtung wollen und werden wir gerecht werden.

Es darf niemanden kalt lassen, wenn Jüdinnen und Juden unter uns mit Angst leben. Ja, in jüngerer Zeit gab es leider eine ganze Reihe von Vorfällen, die zeigen, dass diese Gefahr besteht. Von verbalen Attacken über Mobbing bis hin zu Gewalttaten.

Und wir erleben aktuell, dass sich Hass und Manipulationen über die sozialen Medien rasend schnell ausbreiten können. All das darf niemals kommentarlos hingenommen werden.

Und zum Glück gibt es auch eine große öffentliche Anteilnahme und Solidarität mit jenen, die antisemitisch angepöbelt und attackiert werden. Das ist gut und wichtig! Denn wenn Jüdinnen und Juden angegriffen werden, ist das ein Angriff auf uns alle, auf unsere Freiheit und unser solidarisches Miteinander. Deshalb dürfen wir uns bei der Verteidigung von Freiheit, Menschenrechten und Demokratie niemals zurücklehnen.

Religionsfreiheit, Meinungs- und Pressefreiheit, Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, das friedliche Zusammenleben: alle diese Werte sind für uns nicht verhandelbar und nicht interpretierbar. Das deutlich zu machen, das schaffen wir nur gemeinsam. Wir brauchen in unserer Gesellschaft einen klaren Konsens gegen Antisemitismus. Und wir brauchen Zivilcourage. Nur, wenn wir alle auch im Alltag wach sind und bei antisemitischen Vorfällen einschreiten, können wir diesen Kampf gewinnen.

Heute setzen wir ein Zeichen, denn auch Symbole sind wichtig. Die Kippa ist ein Zeichen des Respekts und der Ehrfurcht gegenüber Gott. Heute tragen wir alle eine Kippa. Heute ist die Kippa Symbol für Freiheit und Toleranz. Für das Aufstehen gegen Antisemitismus, für Zivilcourage. Heute ist die Kippa das Symbol für ein Berlin, wie wir es haben wollen und in dem alle gerne leben. Zusammen und friedlich!

Danke.