Für eine sichere und gute Geburt in Berlin: Senat beschließt Aktionsprogramm

Pressemitteilung vom 20.03.2018

Aus der Sitzung des Senats am 20. März 2018:

Der Senat hat heute auf Vorlage der Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Dilek Kolat, das Berliner Aktionsprogramm für eine sichere und gute Geburt beschlossen. Das Programm war von September 2017 bis Februar 2018 an einem Runden Tisch mit rund 50 Vertreterinnen und Vertretern von Eltern, Geburtskliniken, Hebammen, Krankenkassen, Ausbildungsstätten, Ärzten und Verwaltung erarbeitet worden und umfasst zehn einzelne Maßnahmen. Der Runde Tisch wird fortgesetzt, um die Abarbeitung des Aktionsplans zu kontrollieren und zu begleiten.

Senatorin Kolat: „Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung, die bestmögliche Versorgung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt sicherzustellen. Im Mittelpunkt stehen die Gebärende und ihr Kind. Werdende Eltern sollen jederzeit das Gefühl haben, sicher und gut betreut zu werden. Das vor wenigen Wochen vom Runden Tisch verabschiedete Aktionsprogramm wird jetzt zügig umgesetzt. Die Maßnahmen werden die Situation der Geburtshilfe in Berlin spürbar verbessern. Neben 20 Mio. €, die wir in den Ausbau von Kreißsälen an sechs Standorten investieren, werden unter anderem auch die Ausbildungskapazitäten für Hebammen um 130 Plätze erweitert.“

Das Berliner Aktionsprogramm „Sichere und gute Geburt“ sieht im Einzelnen folgende Maßnahmen vor:

  1. Mehr Hebammen: Die Hebammenschulen in Berlin werden ihre Kapazitäten um fast zwei Drittel von derzeit 202 auf 332 Ausbildungsplätze im Jahr 2020 erhöhen. Im Vergleich zum Jahr 2013, als 152 Ausbildungsplätze angeboten wurden, ist das sogar eine Steigerung auf mehr als das Doppelte.
  2. Kreißsäle mit Landeszuschüssen ausbauen: Sechs Geburtskliniken werden ihre Kreißsäle auch baulich erweitern. Es handelt sich um das Helios Klinikum Berlin-Buch, das Sana Klinikum Lichtenberg, die DRK Kliniken Berlin Westend, das St. Joseph Krankenhaus Tempelhof, das Evangelische Waldkrankenhaus Spandau und das Vivantes Klinikum im Friedrichshain. Das Land Berlin unterstützt die Krankenhäuser bei der Umsetzung mit einem gezielten Förderprogramm im Umfang von 20 Mio. € aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (SIWANA). Die besonders nachgefragten Perinatalzentren (hochspezialisierte Geburtskliniken, die Frühchen und lebensbedrohlich kranke Säuglinge versorgen) werden mit mehr Personal und effizienterer Organisation kurzfristig mindestens 900 Geburten mehr ermöglichen und so kurzfristige Engpässe auch ohne Baumaßnahmen auffangen.
  3. Bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen: Die Krankenhäuser werden sich auf Grundlage von Best-practice-Beispielen darüber verständigen, wie sich in allen Berliner Geburtskliniken die Arbeitsbedingungen für Hebammen verbessern lassen, und nach Wegen suchen, wie sie Beleghebammen bei den Haftpflichtprämien entlasten können. Der Senat wird sich auf Bundesebene – unter anderem durch eine Initiative im Bundesrat – dafür einsetzen, dass eine Personaluntergrenze auch für Hebammen auf Geburtsstationen gilt. Die Berliner Krankenhäuser werden mit dem Berliner Hebammenverband bei Hebammen in Teilzeit für eine Tätigkeit in Vollzeit werben.
  4. Akademische Ausbildung der Hebammen: Die Hebammenausbildung ist nach EU-Vorgaben bis Anfang 2020 zu einer akademischen Ausbildung weiterzuentwickeln. Bereits heute bietet die Evangelische Hochschule Berlin (EHB) dies an. Die Charité entwickelt derzeit einen Studiengang. Das Land Berlin wird EHB und Charité unterstützen und die Akademisierung der Hebammenausbildung vorantreiben.
  5. Anerkennung ausländischer Hebammen: Im Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) wurden vier zusätzliche Stellen für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen geschaffen. Dies wird die Antragsbearbeitung beschleunigen. Die Berliner Hebammenschulen richten einen Anpassungslehrgang für Hebammen aus Drittstaaten in Berlin ein. Diesen gab es bisher nur in Niedersachsen. Das LAGeSo und das Berliner Landesnetzwerk „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) unterstützen den Lehrgang, bieten E-Learning an und fördern die notwendige Praxisanleitung finanziell.
  6. Online-Vermittlungsplattform für Hebammen: Der Berliner Hebammenverband baut eine digitale Plattform zur Vermittlung von Hebammen auf, die aus Lottomitteln gefördert wird. Mit der Plattform sollen Schwangere schneller und zuverlässiger eine Hebamme finden sowie Hebammen eine Vertretung.
  7. Kreißsaalkapazitäten transparent darstellen: Mit dem digitalen Bettennachweis IVENA wird es möglich, Hochschwangere schnell und unkompliziert in ein Haus mit freien Kapazitäten zu verlegen. Ab April 2018 werden die Krankenhäuser dort in Echtzeit abrufen können, welche Kreißsäle frei sind.
  8. Bettenzahl bedarfsgerecht erhöhen: Die Bettenkapazitäten in der Geburtshilfe werden nach Bedarf flexibel, aber auch durch dauerhafte Aufstockung erhöht. Auch die Zahl der neonatologischen Betten, wo insbesondere Frühgeborene und kranke Neugeborene behandelt werden, soll dem Bedarf entsprechend wachsen.
  9. Sensibel und situationsgerecht mit Schwangeren kommunizieren: Die Geburtskliniken kommunizieren zugewandt und transparent, sodass Schwangere sich bei ihnen jederzeit gut aufgehoben fühlen. Unter Federführung der Patientenbeauftragten überarbeiten Geburtskliniken und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die Informationen für Schwangere so, dass werdende Eltern eine bewusste Wahl für die Geburt treffen können. Die Krankenhäuser verpflichten sich, bei Engpässen untereinander besser zu kooperieren und ihr Personal im Umgang mit Hochschwangeren zu schulen.
  10. Aktionsprogramm Geburtshilfe aktiv umsetzen und kontrollieren: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Runden Tisches verpflichten sich, einen Beitrag zur Verbesserung der Berliner Geburtshilfe zu leisten. In einer nächsten Sitzung Ende 2018 wird der Runde Tisch überprüfen, wie die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt wurden.

Das vollständige Aktionsprogramm finden Sie unter folgender Adresse:
https://www.berlin.de/sen/gesundheit/themen/stationaere-versorgung/krankenhaus-versorgung/.