Heimkinderfonds für Kinder und Jugendliche, die in früheren stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen Leid und Unrecht erfahren haben

Pressemitteilung vom 29.11.2016

Aus der Sitzung des Senats am 29. November 2016:

Der Senat hat in seiner heutigen Sitzung auf Vorlage von Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja beschlossen, dass Berlin der Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund, Ländern und Kirchen über die Errichtung der bundesdeutschen Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ beitritt. Die Vereinbarung soll am Rande der 93. Arbeits- und Sozialministerkonferenz am 1. Dezember 2016 unterzeichnet werden. Im Januar 2017 soll die Stiftung ihre Arbeit aufnehmen.

Die Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ richtet sich an Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in der Zeit vom 23. Mai 1949 bis zum 31. Dezember 1975 (Bundesrepublik Deutschland) bzw. vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 (DDR) in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in stationären psychiatrischen Einrichtungen untergebracht waren und die heute noch unter den Folgen des dort erlittenen Leids und Unrechts leiden.

Neben der individuellen Anerkennung des Erlebten durch persönliche Gespräche mit den Betroffenen und einer öffentlichen Anerkennung sieht die Stiftung auch eine wissenschaftliche Aufarbeitung der damaligen Geschehnisse vor. Die Stiftung trägt so dazu bei, das in der Vergangenheit erlebte Leid und Unrecht transparent zu machen, aufzuarbeiten und das Leid der Betroffenen anzuerkennen.

Anders als bei den bisherigen Fonds „Heimerziehung“ haben sich die Errichter des neuen Fonds darauf verständigt, dass die Gelder aus der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ als einmalige Geldpauschale in Höhe von 9.000 € zur selbstbestimmten Verwendung geleistet werden. Wer während seiner Unterbringung arbeiten musste, ohne dass dafür ausreichende Sozialversicherungsbeiträge entrichtet wurden, soll bei einer Arbeitsdauer von bis zu zwei Jahren eine Rentenersatzleistung in Höhe von 3.000 € erhalten, bei längerer Arbeitsdauer in Höhe von 5.000 €.

Bis April 2017 wird in Berlin eine regionale Anlauf- und Beratungsstelle eingerichtet. Über sie soll der Kontakt mit den Betroffenen stattfinden, die qualifizierte Beratung und individuelle Aufarbeitung der Erlebnisse der Betroffenen erfolgen und auch Unterstützung geleistet werden bei der Anmeldung eines Hilfebedarfs.