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Rede des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin

Pressemitteilung vom 30.09.2016

Sperrfrist: 1. Oktober 2016, 11.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, führt in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Berliner Landesordens an verdiente Bürgerinnen und Bürger der Stadt am 1. Oktober 2016 im Großen Saal des Roten Rathauses laut Redemanuskript u.a. aus:

„Es kommt nicht oft vor, dass ich zu Verleihung des Berliner Landesordens gleich doppelt gratulieren kann. Bei Lea Rosh ist das der Fall. Sie feiert nämlich heute auch einen runden Geburtstag. Deshalb von dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch, liebe Lea Rosh. Wir alle wünschen Ihnen im neuen Lebensjahr Glück, Gesundheit und Erfolg. Und auch Udo Marin feiert heute seinen Geburtstag. Auch Ihnen, lieber Herr Marin, ein herzlicher Glückwunsch!

Heute, am 1. Oktober, ist der Verfassungstag Berlins. Und es ist der Tag, an dem wir Jahr für Jahr Menschen ehren, die sich um unsere Stadt verdient gemacht haben. Menschen, die frei nach Kennedy nicht fragen, was der Staat für sie tut, sondern sich selbst fragen, was sie für das Gemeinwesen tun können – und es dann auch machen. Es sind Menschen, die nicht nur an ihre eigenen Interessen denken, sondern sich auch für andere engagieren. Auf sie kommt es gerade in Zeiten wie diesen an, da der gesellschaftliche Zusammenhalt Fliehkräften ausgesetzt ist. Die Persönlichkeiten, die wir heute mit dem Landesorden ehren, stehen beispielhaft für ein tolerantes und weltoffenes, für ein freies und solidarisches Berlin. Sie zeigen, was unsere Gesellschaft ausmacht: Empathie und Engagement. Es sind Menschen, die in größeren Zusammenhängen denken und sich nicht gleich von Gegenwind entmutigen lassen – aufrechte Persönlichkeiten, Vorbilder, Schrittmacher einer engagierten Stadtgesellschaft. Es sind Menschen, die all jene Lügen strafen, die sagen: Es hat ja doch alles keinen Sinn. Sie geben uns Hoffnung und vermitteln Zuversicht, indem sie zeigen, dass man sehr wohl – mit eigenem Engagement und indem man sich mit anderen verbündet – etwas verändern und Gutes bewirken kann. Sie sind die Mutmacher unserer Stadt.

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Tieren mit Mitgefühl und Respekt zu begegnen – das lernte er schon als Kind von seiner Familie. Später machte er das Thema Tierschutz zu seiner Lebensaufgabe. Bereits als junger Mann übernahm Wolfgang Apel den Vorsitz des Bremer Tierschutzvereins. Nur wenig später wurde er Geschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Er amtierte dort als Bundesschatzmeister, war Vizepräsident und zudem lange Mitglied der Tierschutzkommission beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. 1993 wurde Wolfgang Apel zum Präsidenten des Tierschutzbundes gewählt – und blieb das 18 Jahre. Seit 2011 ist er Ehrenpräsident. Parallel hat sich Wolfgang Apel ehrenamtlich im Berliner Tierschutzverein engagiert – seit dem Jahr 2000 und bis heute als dessen Präsident.

Das waren nur die wichtigsten Stationen. Die Liste von Wolfgang Apels Ämtern und Funktionen im Bereich Tierschutz ist lang. Und noch länger ist die Liste seiner Erfolge. Dazu gehört, dass der Tierschutz 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert wurde – wofür der Tierschutzbund unter Wolfgang Apel lange gestritten hatte. Auch gibt es heute ein größeres Bewusstsein für eine artgerechte Tierhaltung, für die Bedeutung von Tier-, Natur- und Artenschutz insgesamt. Und das ist in besonderer Weise der unermüdlichen Informationsarbeit des Deutschen Tierschutzbundes unter Wolfgang Apel zu verdanken.

Trotz aller Erfolge bleibt viel zu tun, um einen wirksamen Tierschutz zu erreichen. Dafür kämpft Wolfgang Apel nach wie vor – etwa mit dem Berliner Tierschutzverein, dem größten und aktivsten Verein dieser Art in Deutschland. Und der zudem eines der modernsten und bestausgestatteten Tierheime Europas betreibt, das unter Wolfgang Apels Präsidentschaft eingeweiht wurde.

Für Ihr wichtiges Engagement, lieber Herr Apel, sagt Ihnen Berlin heute Dank.

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Mo Asumang ist ein Multi-Talent – erfolgreich als Fernsehmoderatorin, Schauspielerin, Sängerin, Synchronsprecherin und Regisseurin. Sie ist gewohnt, im Rampenlicht zu stehen. Als aber eine Neonazi-Band zum Mord an ihr und anderen Prominenten aufrief, da war das nicht nur ein tiefer Schock für sie, sondern auch der Beginn, sich in Film- und Buchprojekten mit ihrer Identität auseinanderzusetzen. Sie sprach mit Neonazis, reiste nach Ghana, der Heimat Ihres Vaters. Und erfuhr: Zum Thema ‚Identität‘ und der Frage der Zugehörigkeit gibt es keine einfachen Antworten.

Die filmische Selbstbefragung in dem Film ‚Roots Germania‘ und ihr mutiger Blick auf die Neonazi-Szene, den sie mit dem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm ‚Die Arier‘ und zuletzt mit dem Buch ‚Mo und die Arier: Allein unter Rassisten und Neonazis‘ wagte, nahmen ihr nicht nur die eigene Angst vor rassistischer Hetze. Mo Asumang ermutigt auch andere, sich für eine freie, weltoffene und tolerante Gesellschaft ohne Rassismus und Gewalt einzusetzen. Sie unterstützt Projekte gegen Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt. Besonders überzeugend ist Mo Asumangs Engagement, weil sie von ihren eigenen Erfahrungen spricht und zeigt, dass man Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern mit Mut und Aufklärung entgegentreten kann.

Sehr geehrte Frau Asumang, Berlin dankt Ihnen für Ihr Engagement für eine freie, weltoffene und tolerante Gesellschaft. Ich darf Sie nun zu mir bitten, um Ihnen den Verdienstorden des Landes Berlin zu verleihen.

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Er zählt zu den Weltstars des Films. Er hat mit Rainer-Werner Fassbinder gedreht und den Neuen deutschen Film geprägt, er hat mit Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Robert Redford und Wolfgang Petersen gearbeitet. Er war ein Mann Hollywoods und hatte doch immer mehr als einen Koffer in Berlin. Drei Mal für den Oscar nominiert, bei der Berlinale geehrt mit dem Goldenen Bären für sein Lebenswerk. Im Deutschen nennen wir einen wie ihn ‚Kameramann‘. Aber in Wahrheit ist er ein Director of Photography, ein Bildregisseur. Filme wie ‚Die Ehe der Maria Braun‘, ‚Air Force One‘ und ‚Bramstoker’s Dracula‘, ‚Die letzte Versuchung Christi‘, ‚Goodfellas‘ und ‚Gangs of New York‘ begründen seinen Weltruhm. Mit über 70 feierte er dann noch sein Regie-Debut. Und das mit einem Film, nein: einer Liebeserklärung an seine Geburts- und Heimatstadt Berlin.

Michael Ballhaus sagt von sich, dass er in seinem Leben sehr viel Glück hatte. Aber zu einer Karriere wie der von Michael Ballhaus gehört auch sehr viel Können. Er ist ein Ausnahmekönner! Michael Ballhaus hat sein Glück und sein Können immer mit anderen geteilt, so u.a. an der dffb. Er genießt es, mit dem Nachwuchs zu arbeiten. ‚Das ist was Frisches, was die für Ideen und Interessen haben!‘ hat Michael Ballhaus einmal gesagt. Diese Freude daran, Talente zu entdecken und die Directors of Photography von morgen zu fördern: Sie treibt Michael Ballhaus bis heute um. Und dafür engagiert er sich seit vielen Jahren mit seiner Michael Ballhaus Stiftung.

Lieber Michael Ballhaus, in Anerkennung Ihrer Verdienste um den Film und um unsere Stadt darf ich Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin überreichen.

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Ihre Kindheit endete am 30. Januar 1933. Da war sie noch keine zwölf. Ihre Familie wurde in Auschwitz ermordet. Die Mutter ließ ihr eine denkwürdige Botschaft zukommen: ‚Versuche, Dein Leben zu machen‘.

Wie Margot Friedländer den Holocaust überlebte, ist eine atemberaubende Geschichte, die sie selbst niedergeschrieben hat. Mit ihrem Mann, den sie im Ghetto Theresienstadt kennen gelernt hatte, wanderte sie nach dem Krieg nach New York aus. Als Ihr Mann starb, nahm sie die Einladung des Berliner Senats an, ihre alte Heimatstadt zu besuchen. Das war im Jahr 2003. Und was dann geschah, konnte man nicht erwarten und hat vielleicht auch Margot Friedländer selbst nicht erwartet. Margot Friedländer kehrte dauerhaft in Ihre Heimatstadt zurück.

Das ist jetzt sechs Jahre her und ein Glücksfall für Berlin. Aber Margot Friedländer hatte eine Mission: Sie wollte Zeugnis ablegen, was sie und andere Jüdinnen und Juden in der Zeit des Nationalsozialismus erleiden mussten. Sie, liebe Frau Friedländer, sind eine der letzten Zeitzeuginnen. Und Sie haben in Ihrer Biographie ‚Versuche, dein Leben zu machen: als Jüdin versteckt in Berlin‘, durch öffentliche Lesungen und Diskussionen in Schulen und anderen Einrichtungen viele junge Menschen erreicht. Sie haben aufgeklärt und die Menschen bewegt. Und ich darf sagen: Ein Auftritt von Margot Friedländer in einer Berliner Schule ist ein Ereignis, das das Schulleben nachhaltig prägt.

Heute sagt Berlin Ihnen, liebe Frau Friedländer, danke für Ihr großes Engagement gegen das Vergessen der Nazi-Verbrechen und auch für Ihr Vertrauen in diese Stadt und vor allem in die junge Generation. Ich darf Ihnen jetzt den Verdienstorden des Landes Berlin überreichen.

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Brigitte Kupferschmidt hat in den vergangenen mehr als 35 Jahren Großes geleistet. Und sie tut dies nach wie vor.

Am Anfang stand der Kampf gegen den eigenen Krebs. Nach ihrer Brustkrebs-Diagnose suchte Brigitte Kupferschmidt Rat und Unterstützung über die medizinische Betreuung hinaus. Doch sie fand keine passenden Ansprechpartner. Deshalb gründete sie im Mai 1980 an der Diakonie-Station Spandau eine Selbsthilfegruppe für an Krebs erkrankte Frauen – und damit eine der ersten Selbsthilfegruppen dieser Art in ganz Berlin.

Mit dieser Initiative hat Brigitte Kupferschmidt eine Lücke geschlossen. Ihr Angebot fand schnell großen Zuspruch. Immer mehr Teilnehmerinnen kamen hinzu. Und der Austausch mit anderen betroffenen Frauen hat vielen geholfen, einen Weg zu finden, um mit der Krankheit umzugehen.

Heute gibt es in Berlin zahlreiche Anlaufstellen für krebskranke Frauen. Und auch Brigitte Kupferschmidt engagiert sich nach wie vor in diesem Bereich. Bis heute ist sie Leiterin der Selbsthilfegruppe der Diakonie-Station Spandau. Inzwischen wurde das Angebot ausgeweitet, so gibt es heute zum Beispiel auch eine Gruppe für Ehepaare. Um kompetente Beratung anbieten zu können, arbeitet Brigitte Kupferschmidt zudem mit anderen Stellen zusammen – etwa mit dem Brustzentrum des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau, mit Sozialdiensten und Sozialarbeiterinnen.

Zahlreiche Frauen haben bei Brigitte Kupferschmidt im Laufe der Jahre bereits Zuwendung, Kraft und neuen Lebensmut gefunden.

In diesem Sinne: Herzlichen Dank, liebe Frau Kupferschmidt, für Ihr beeindruckendes ehrenamtliches Engagement. Durch Ihr Beispiel ermutigen Sie auch andere, sich für ihre Mitmenschen einzusetzen. Ich freue mich daher sehr, Ihnen nun den Berliner Landesorden überreichen zu dürfen.

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Was geht in jungen Menschen vor, die hier bei uns mitten in Deutschland aufgewachsen sind und plötzlich den Entschluss fassen, nach Syrien oder in den Irak zu gehen, um dort in den Dschihad zu ziehen? Was treibt junge Frauen, in diese Länder zu reisen, um einen Mann zu heiraten, den sie nur von Bildern kennen?

Ahmad Mansour sagt: Mitten unter uns ist ein ‚Ungeheuer‘ herangewachsen. Er beschäftigt sich seit langem mit den Mechanismen der Radikalisierung und beschreibt, wie junge Menschen sich von den demokratischen Grundsätzen unseres Landes entfernen – junge Menschen, die antisemitische Einstellungen in sich tragen, problematischen Geschlechterrollen anhängen und anfällig sind für Verschwörungstheorien. Ahmad Mansour mahnt uns eindringlich, nicht nur zu reagieren, wenn nach Terroranschlägen das Entsetzen groß ist, sondern mit einem umfassenden Präventionsansatz. Und: Er geht mit gutem Beispiel voran – in Projekten wie Hayat und Heroes. Er berät Eltern, die Veränderungen im Verhalten ihres Kindes beobachten und sich Sorgen machen. Er geht in Schulen und Jugendclubs, um direkt mit den Jugendlichen über den Islam zu diskutieren. Hat meine Ehre wirklich etwas mit der Jungfräulichkeit meiner Schwester zu tun? Wo steht geschrieben, dass ein muslimisches Mädchen weniger lernen darf als ein nicht-muslimisches, das Abitur und Studium machen darf? Prävention ist harte Arbeit. Viele Gespräche müssen geführt werden. Es geht darum, die jungen Menschen ernst zu nehmen, sie anzusprechen und dies nicht Anderen zu überlassen, sie zu ermutigen und ihnen Angebote zu machen. Es geht um Fordern und Fördern.

Ahmad Mansour macht Graswurzelarbeit für die Demokratie. Er öffnet uns die Augen und fordert zum Handeln auf, um die Radikalisierung zu bekämpfen und die jungen Menschen nicht den Dschihadisten zu überlassen, sondern für unsere Gesellschaft zu gewinnen.

Lieber Her Mansour, ich freue mich, Sie nun mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszuzeichnen.

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Wir alle kennen das Bild vom ‚ehrbaren Kaufmann‘. Und wir erleben immer wieder, dass es dann bemüht wird, wenn in der Wirtschaft etwas gründlich schiefläuft, wie in der Finanzkrise oder dann, wenn die Gier und das kurzfristige Gewinnstreben mal wieder stärker sind als das Verantwortungsbewusstsein.

Einer, der nicht nur in Krisen an die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns erinnert, ist Udo Marin. Als langjähriger Geschäftsführer des Verbands Berliner Kaufleute und Industrieller hat er entscheidend daran mitgewirkt, diesen traditionsreichen Berliner Kaufmannsclub zu einem der bedeutendsten Netzwerke von Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik in der Hauptstadt auszubauen. Gleichzeitig setzt sich Udo Marin mit Nachdruck dafür ein, wirtschaftliches Denken und Handeln auch daran zu messen, wie es dem Gemeinwohl dient – so, wie es den klassischen Tugenden des ehrbaren Kaufmanns entspricht.

‚Der ehrbare Kaufmann unterstützt das Gemeinwohl in der Gesellschaft.‘ So heißt einer der Leitsätze, die Udo Marin zusammen mit engagierten Mitstreitern im VBKI erarbeitet hat. Und dieser Satz wird beim VBKI auch dank Udo Marins Engagement mit Leben erfüllt: Mit der Unterstützung des Berliner Sports und der Wissenschaft, aber auch mit dem Bürgernetzwerk Bildung, das seit über zehn Jahren Woche für Woche ehrenamtliche Lesepaten für Kinder an Kitas und Schulen vermittelt. Ein fantastisches Projekt, das ein Band der Solidarität innerhalb unserer Stadt schafft – zwischen Zehlendorf und Neukölln, Prenzlauer Berg und Marzahn, Frohnau und Wedding.

Lieber Herr Marin, ich freue mich sehr, Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen zu dürfen.

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Kaweh Niroomand ist einer der engagiertesten Fürsprecher und Repräsentanten der Sportstadt Berlin. Er gehört zu den Gründern der Initiative ‚Sportmetropole Berlin‘ und ist Sprecher der Berliner Profi-Clubs.

Seine Leidenschaft gilt dem Volleyball-Sport, dem er Zeit seines Lebens verbunden geblieben ist. Früher war er selbst aktiver Spieler und Mannschaftstrainer, heute leitet er die Geschäfte der BR Volleys. Und das sehr erfolgreich. Im letzten Jahr ist den Volleys mit der deutschen Meisterschaft, dem deutschen Pokalsieg und dem Gewinn des Europapokals das historische Triple gelungen. Die Volleys sind zurzeit das Aushängeschild des deutschen Volleyballs.

Dieser Erfolg beruht ganz wesentlich auf der sportlichen Expertise und dem kaufmännischen Geschick von Kaweh Niroomand. Er ist das prominente Gesicht des Berliner Volleyballs. Und er hat diesem schönen Sport zu großer Popularität bei den Berlinerinnen und Berlinern verholfen.

Sehr geehrter Herr Niroomand, ‚liberal und mit großer Brille zu denken‘, das ist Ihr Anspruch bei allem, was Sie tun. In all Ihren ehrenamtlichen Funktionen haben Sie sich stets für die Verbesserung der sportlichen Bedingungen in Berlin stark gemacht und für ein solidarisches gesellschaftliches Miteinander eingesetzt. Mit Ihrem Engagement haben Sie sich um die Sportmetropole Berlin in besonderer Weise verdient gemacht. Ich freue mich, Ihnen nun den Berliner Landesorden für Ihre Verdienste überreichen zu dürfen.

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Gut elf Jahre ist es her, dass das Denkmal für die ermordeten Juden Europas eingeweiht wurde. Seither behauptet es seinen Platz in der Nachbarschaft von Brandenburger Tor und Reichstag mit einer Selbstverständlichkeit, die damals nicht zu erwarten war. Was ist nicht debattiert, ja gestritten worden? Was gab es nicht für Widerstände und Ängste, selbst aus der Mitte der Gesellschaft?

Lea Rosh, die gemeinsam mit dem Historiker Eberhard Jäckel den Bau des Denkmals angeregt und in zähem Ringen erfolgreich durchgesetzt hat, musste auf diesem langen Weg eine Menge einstecken – nicht nur Kritik, auch persönliche Anfeindungen. Doch sie hat sich zum Glück nicht beirren lassen.

Wenn man ihren Lebensweg betrachtet, dann merkt man, dass sich ihre Energie tiefen Überzeugungen verdankt. Sie war die erste Frau, die im Fernsehen ein Politmagazin moderierte. Und sie hat Themen angefasst, die sie für wichtig hielt, mit denen man aber nicht unbedingt die Karriere förderte. So hat sich Lea Rosh früh schon für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus engagiert. Sie nannte in ihren Fernseharbeiten die Täter beim Namen und ergriff entschieden Partei für die Opfer – für Juden, Zwangsarbeiter, für Sinti und Roma. Dafür hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Berlin dankt Ihnen, liebe Lea Rosh, für Ihr Engagement zugunsten einer lebendigen Erinnerungskultur. Ich freue mich, Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin zu überreichen.

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Nie zuvor haben sich weltweit so viele Menschen auf der Flucht befunden wie heute. Laut der UNO waren im Jahr 2015 insgesamt 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht. Besonders erschütternd ist, dass etwa die Hälfte aller Flüchtlinge Kinder sind. Allein in unserer Stadt haben im letzten Jahr rund 80.000 Menschen Zuflucht vor Hunger, Terror und Krieg gesucht. Viele Berlinerinnen und Berliner haben sie willkommen geheißen, haben die Ärmel hochgekrempelt und sich tatkräftig in der Flüchtlingshilfe engagiert.

So auch der Musiker Fetsum Sebhat. Auch ihn hat das Schicksal der geflüchteten Menschen nicht kalt gelassen. Er wollte helfen, insbesondere den Kleinsten und Wehrlosesten unter ihnen: den Kindern. Und so entstand die Idee für ein Benefizkonzert. Mit großem Einsatz hat es Fetsum geschafft, dafür einen Großteil der namhaftesten deutschen Bands und Solo-Künstler hinter sich zu versammeln. Alle waren bereit, ohne Gage bei einem Benefizkonzert aufzutreten. Am 5. Juni 2016 kamen schließlich über 20.000 Konzertbesucherinnen und -besucher in die Berliner Waldbühne und erlebten einen Abend, an dem die Musik sie alle verband. Von den Erlösen und Spenden des Konzerts werden nun mehrere Kinderhilfsprojekte von UNICEF in verschiedenen Ländern gefördert.

Lieber Fetsum Sebhat, mit Ihrem Einsatz haben Sie nicht nur ganz konkret finanzielle Hilfe für viele geflüchtete Menschen ermöglicht, sondern auch ein bemerkenswertes Zeichen der Solidarität und der Mitmenschlichkeit gesetzt. Von der Waldbühne ging am 5. Juni 2016 eine ganz klare Botschaft aus: Berlin ist und bleibt eine solidarische Stadt. Jetzt freue ich mich, Ihnen für Engagement den Verdienstorden des Landes Berlin zu überreichen.“