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Sonderkommission „Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftebedarf“: Integration Geflüchteter vordringliche Aufgabe

Pressemitteilung vom 20.05.2016

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Bei der heutigen Sitzung der Sonderkommission „Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftesicherung“ (Soko) wurden verschiedene Themen zur Verbesserung der Ausbildungssituation Jugendlicher erörtert. Dabei spielten auch die Qualifizierung und Teilhabe durch Ausbildung und Arbeit von Geflüchteten eine Rolle.

Übereinstimmung bestand zwischen Senat, Spitzenvertreterinnen und Spitzenvertretern von Wirtschaftsverbänden, Kammern, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit unter anderem darüber, dass die vom Regierenden Bürgermeister angeregten beiden Schwerpunkte, der Ausbau von Praktika auch in der Berliner Industrie und Berufsqualifizierung für Jugendliche sowie die Einführung des dualen Abiturs, also Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife bei gleichzeitiger Ausbildung, durch die Mitglieder der Soko unterstützt und gefördert werden sollen. Beides zielt auf die Gewinnung von Fachkräften und die Qualifizierung von Geflüchteten, aber auch aller anderen Jugendlichen.

Die Wirtschaft sollte, so wie dies beim Projekt ARRIVO gemeinsam mit dem Senat schon stattfindet, hierzu auch weiterhin Ausbildungsplätze bereitstellen. Die entsprechende Förderunterstützung durch die Bundesagentur für Arbeit und die Unterstützung durch die Gewerkschaften, durch die Initiative „Integrationsjahr der IG Metall“ und Initiativen aus der Wirtschaft bilden wichtige Bestandteile dieser Überlegungen für mehr Teilhabe durch Ausbildung und Arbeit. Hier soll auch auf die vorhandenen Förderprogramme aufgesetzt werden. Hinsichtlich des Dualen Abiturs wurde diskutiert, dass aus Senatssicht ein Pilotprojekt ab Sommer 2017 möglich sei, sofern Senat, Kammern und Gewerkschaften im Rahmen eines gemeinsam entwickelten Modellkonzepts kooperieren. Es bestand Übereinstimmung darin, dass die jeweiligen Aktivitäten der Soko-Mitglieder zu den genannten Initiativen in ein gemeinsames Konzept einfließen müssen. Dies bedeutet vor allem, dass weiterhin und mehr Ausbildungsplätze in den Unternehmen bereitgestellt werden müssen, die dann mit geeigneten Jugendlichen besetzt werden können.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Einigkeit besteht bei allen Beteiligten, dass die Initiativen von Kammern, Verbänden und der Gewerkschaft zusammen mit der Senatspolitik für die ‚Stadt der Arbeit‘ die Integration der Jugendlichen in den Arbeitsmarkt massiv verbessern müssen. Die angeregte Kooperation für Ausbildung und Qualifizierung soll die Teilhabe Jugendlicher und die Integration geflüchteter Jugendlicher in unsere Gesellschaft weiter erleichtern und mehr Fachkräfte für unsere wachsende Wirtschaft hervorbringen. Wir fangen hier nicht bei null an. Wir verfügen bereits über erprobte Instrumente wie ARRIVO, also der Kooperation von Senat und Wirtschaft, und wollen gemeinsam neue schaffen oder die erprobten den aktuellen Erfordernissen anpassen.“

Doro Zinke, Vorsitzende des DGB-Landesbezirks Berlin-Brandenburg: „Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist leider gesunken – darauf müssen die Unternehmen reagieren. Manche müssen sich noch abgewöhnen, nur auf die Bewerber mit Abitur oder einem exzellenten mittleren Schulabschluss zu schauen, und stattdessen auch schulisch schwächere Bewerberinnen und Bewerber berücksichtigen. Schließlich kommen 16-jährige Azubis nicht fix und fertig als Mitarbeiter des Monats ins Haus. Und es gibt positive Beispiele gerade aus kleinen Betrieben etwa im Handwerk, die schulisch schwächeren Jugendlichen eine Chance geben und sie dann erfolgreich durch die Ausbildung führen. Hier wünsche ich mir auch von den größeren Ausbildungsbetrieben in Berlin mehr Courage und Vertrauen in die Lernfähigkeit der jungen Leute.“

Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin: „Das Berliner Handwerk kann auf ein sehr erfolgreiches Ausbildungsjahr zurückblicken. Ein Plus von 8,7 Prozent bei den neuen betrieblichen Ausbildungsverträgen belegt das große Engagement der Handwerksbetriebe zur Sicherung des eigenen Fachkräftebedarfs. Der Einstieg in eine berufliche Karriere im Handwerk über eine duale Ausbildung steht bei vielen jungen Menschen hoch im Kurs – und die Entwicklungschancen in den Handwerksbetrieben waren angesichts einer guten konjunkturellen Situation so gut wie lange nicht.“

Dr. Beatrice Kramm, Präsidentin Industrie- und Handelskammer zu Berlin: „Die Berliner Wirtschaft braucht Fachkräfte, besonders beruflich qualifizierte. Daher begrüße ich es, dass die Sonderkommission heute das gemeinsame Ziel bekräftigt hat, die duale Ausbildung zu stärken. Es darf kein Ausbildungsplatz unbesetzt bleiben und kein Jugendlicher verloren gehen. Dafür hat sich die Berliner Wirtschaft kräftig ins Zeug gelegt: Das Angebot an Ausbildungsplätzen liegt derzeit auf einem Rekordniveau. Nun gilt es für die Jugendlichen, diese Chancen zu nutzen und sich für einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Bildungsmessen wie die Zweite Deutsch Türkische Ausbildungsmesse am 28. Mai im Türkischen Generalkonsulat und die Tage der Berufsausbildung am 15. und 16. Juni in den STATION Hallen Berlin bieten beste Möglichkeit, sich vor Ort über Ausbildungsberufe zu informieren und mit Unternehmen persönlich in Kontakt zu treten.“

Jutta Cordt, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit: „Das hohe Engagement der Deutschen Bahn für junge Menschen mit dem Projekt ‚Chance Plus‘ begrüße ich sehr. Ich wünsche mir, dass dieses Projekt auch von anderen Unternehmen in dieser Stadt als ‚erreichbares‘ Vorbild betrachtet wird. Jeder Betrieb in Berlin kann unabhängig von seiner Größe jungen Menschen, insbesondere auch denen, die auf dem Fluchtweg zu uns gekommen sind, eine Chance auf Ausbildung oder Arbeit geben. Die Bundesagentur für Arbeit kann hier – ebenso wie bei dem Projekt ‚Chance Plus‘ — einen Teil der Kosten übernehmen.“

Christian Andresen, Präsidiumsmitglied der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg: „Ausbildung, Fachkräftesicherung und auch die Integration von geflüchteten Menschen sind Gemeinschaftsaufgaben. Die Berliner Wirtschaft hat im vergangenen Jahr mit der deutlichen Steigerung der gemeldeten Ausbildungsstellen und 50.000 zusätzlichen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen einen erheblichen Beitrag geleistet. Gemeinsam mit allen Partnern wollen wir weiter daran arbeiten, dass angebotene Plätze auch besetzt und die Ausbildungen erfolgreich zu Ende geführt werden können. Dafür benötigen wir eine zielgenaue Berufsorientierung, leistungsfähige Berufsschulen und eine gute Qualität der Ausbildung in den Unternehmen. Zur Integration von geflüchteten Menschen in Ausbildung und Arbeit engagieren sich die Berliner Arbeitgeber in zahlreichen Initiativen auf Branchen- und Unternehmensebene. Es ist gut, wenn im Ergebnis der Sonderkommission eine Diskussion darüber geführt wird, wie die Unterstützungsangebote der Bundesagentur für Arbeit durch das Land Berlin sinnvoll ergänzt und mit Initiativen und Vorschlägen der Wirtschaft- und Sozialpartner abgestimmt werden können. Dabei muss gelten: je betriebsnäher, desto besser.“

Positiv festzuhalten ist im Ergebnis der Sitzung der Soko außerdem, dass sich durch die Umsetzung der „Berliner Vereinbarung“ vom 5. Mai 2015 die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze spürbar erhöht hat. Die im Rahmen der Soko getroffene Vereinbarung vom vorigen Jahr behandelte schwerpunktmäßig Maßnahmen zur Begleitung Jugendlicher im Übergang von der Schule in die Ausbildung.

Gastgeber der Sitzung in der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde der S-Bahn Berlin GmbH war die Deutsche Bahn AG. Deren Vorstandsvorsitzender, Dr. Rüdiger Grube, präsentierte nach der Sitzung das Projekt „Chance Plus“ für Geflüchtete.

Hierzu sagte Müller: „Herr Dr. Grube hat uns exemplarisch vorgeführt, wie Integration in Ausbildung und Arbeit ganz konkret gelingt: Das Instrumentarium des Programms ‚Chance plus‘ wurde seitens der Bahn und ihrer engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf die Bedürfnisse Geflüchteter abgestimmt und angewendet. Ich danke im Namen des Senats und der Sonderkommission für die Einladung in die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde.“

Im Anschluss an die Sitzung der Soko hatte Bahnchef Dr. Grube dem Regierenden Bürgermeister und Beteiligten der Soko in der Werkhalle der S-Bahn Berlin GmbH die zwölf Flüchtlinge vorgestellt und erläutert, wie das Projekt „Chance plus“ durch die Verantwortlichen umgesetzt wird, welche Überlegungen zugrunde gelegt wurden und welche praktischen Erfahrungen bisher gemacht worden sind. Ferner kam es zu persönlichem Austausch mit den Flüchtlingen.

Die Sonderkommission „Ausbildungsplatzsituation und Fachkräftesicherung“ beim Regierenden Bürgermeister von Berlin wurde 1975 durch den Berliner Senat eingesetzt, um dem damals ansteigenden Bedarf von Ausbildungsplätzen gerecht zu werden. In der Soko sind Spitzenvertreter des Senats, oberster Landesbehörden, der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sowie der Wirtschaft und der Sozialpartner vertreten. Seit 2008 widmet sich die Soko auch verstärkt der Fachkräfteentwicklung.