Senat beschließt Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung

Pressemitteilung vom 01.09.2015

Aus der Sitzung des Senats am 1. September 2015:

Unter dem Motto „Grundbildung fördern – Teilhabe stärken“ hat der Senat heute auf Vorlage der Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sandra Scheeres, eine Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung beschlossen. Er hat damit einen wichtigen Grundstein im Kampf gegen den funktionalen Analphabetismus von Erwachsenen in Berlin gelegt. Die Senatsstrategie hat das Ziel, die Angebote zum Erlernen der Schriftsprache für Erwachsene auszubauen und den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen für Menschen, die kaum lesen und schreiben können, zu erleichtern. Außerdem soll die Öffentlichkeit für das Problem des funktionalen Analphabetismus in der Stadt sensibilisiert werden. An der Erarbeitung der Strategie waren sämtliche Senatsressorts, die Berliner Volkshochschulen sowie der Runde Tisch Alphabetisierung und Grundbildung beteiligt.

Mit Hilfe von drei Leitaktionen und 31 Einzelmaßnahmen sollen die Lese- und Schreibkompetenzen von Erwachsenen verbessert und soll ihre Teilhabe an staatlichen und gesellschaftlichen Angeboten gestärkt werden. Der Senat wird das Angebot an Alphabetisierungskursen deutlich ausbauen. Hierfür stehen in den kommenden acht Jahren rd. 11 Mio. € aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Landesmitteln zur Verfügung. Außerdem ist die Einführung eines Alpha-Siegels geplant, das an Unternehmen, Verwaltungen und Nichtregierungsorganisationen vergeben wird, die mit Grundbildungsdefiziten bei Kunden und in der eigenen Belegschaft kompetent und sensibel umgehen. Das Alpha-Siegel soll Betroffene ermuntern, Rat und Unterstützung einzuholen, und ein Signal an die Öffentlichkeit senden, dass funktionaler Analphabetismus bei Erwachsenen häufiger vorkommt als allgemein vermutet wird. Daneben sind Fortbildungen und Schulungen im Umgang mit funktionalem Analphabetismus für Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Jobcentern, Stadtteilzentren, Bibliotheken, Museen und Beratungseinrichtungen geplant.

Bereits im Mai 2014 hatte Senatorin Scheeres das Berliner Grundbildungszentrum eröffnet, das als Kompetenz- und Beratungszentrum für Fachleute und Betroffene dient. Dieses Zentrum führt die im Rahmen der Senatsstrategie vorgesehenen Fortbildungen und Schulungen durch.

Laut der leo. – Level-One Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2011 können rd. 14 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland nur unzureichend lesen und schreiben. Nur 42 Prozent der Betroffenen sind Zuwanderer, für 58 Prozent ist Deutsch die Muttersprache. In Berlin schätzt man die Zahl der erwachsenen sogenannten funktionalen Analphabeten auf mindestens 320.000 (rd. 14 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Berlins).

Der Umfang des Problems in Deutschland und Berlin hatte die Bildungssenatorin bewogen, Ende 2012 einen Katalog an Maßnahmen zur Verbesserung der Grundbildungskompetenzen Erwachsener zu entwickeln. Dazu gehören die Gründung des Berliner Runden Tisches Alphabetisierung und Grundbildung, die Einrichtung eines Grundbildungszentrums in Berlin und die Ausweitung des Kursangebots für Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten an den Volkshochschulen und bei freien Trägern. Mit der Senatsstrategie Alphabetisierung und Grundbildung werden die Maßnahmen auf andere Ressorts ausgeweitet.

Mangelnde Grundbildung von Erwachsenen trifft die Gesellschaft im Kern und ist für ein hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland nicht akzeptabel. Das Problem ist zu groß und in seinen Auswirkungen zu komplex, um es ausschließlich beim Bildungsressort zu belassen. Mit der Verabschiedung der Alphabetisierungsstrategie hat der Senat jetzt ressortübergreifend Verantwortung übernommen.

Über die Umsetzung der Senatsstrategie soll spätestens im Jahr 2017 erstmals berichtet werden.