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Rede des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, zum Abschluss der 14. European Maccabi Games 2015

Pressemitteilung vom 04.08.2015

Sperrfrist: 4. August, 21.00 Uhr
Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, führt anlässlich der Abschlussfeier der 14. European Maccabi Games 2015 am heutigen Dienstagabend im Hotel Estrel laut Redemanuskript unter anderem aus:

„Ich freue mich sehr, mit Ihnen allen den Abschluss der European Maccabi Games 2015 feiern zu können. Wir blicken heute auf ein paar wundervolle Tage in Berlin zurück. Es waren spannende Spiele. Es waren friedliche und sichere Spiele. Und diese Tage in Berlin waren ein Fest der Völkerverständigung und der Lebensfreude.

Viele haben diese Spiele möglich gemacht. Ich kann sie daher nicht alle aufzählen. Aber ich kann und möchte eines tun: Danke sagen! Danke dafür, dass wir dieses historische Ereignis, European Maccabi Games, in Berlin erleben durften.

In vielen Wettbewerben haben Sie, liebe Athletinnen und Athleten, großartige Leistungen erbracht. Herzlichen Glückwunsch im Namen der Sportmetropole Berlin an alle Medaillen-Gewinnerinnen und -Gewinner!

Aber: Wie auch bei anderen großen Sportereignissen gilt für die Maccabi Games: Dabei sein ist alles. Niemand wird Ihnen diese Erfahrungen nehmen: Das Erlebnis, angefeuert durch Sportbegeisterte im Berliner Olympiastadion das Beste zu geben. Das Gemeinschaftsgefühl in den Teams. Die Verbundenheit unter den Athleten über nationale Grenzen hinweg. Die Tage in unserer vielfältigen Stadt. Das sind Erfahrungen, die vergisst man nicht.

Ich sage es aber auch für Berlin: Es ist – nach allem, was im 20. Jahrhundert geschehen ist – ein sehr bewegender Moment, an diesem Tag, am Ende dieses größten jüdischen Sportfestivals in Europa als Regierender Bürgermeister von Berlin vor Ihnen zu stehen.

Margot Friedlander hat uns vor ein paar Tagen an die Frage erinnert, die ihr gestellt wurde, als sie erstmals nach ihrer Emigration wieder zu einem Besuch nach Berlin reiste: ‚Wie kannst Du zurückgehen in das Land der Täter?‘

Das ist die Frage, die Freunde und Verwandte der Holocaust-Überlebenden Margot Friedlander 2003 stellten. Und ich kann mir vorstellen, dass auch einige von Ihnen diese Frage gestellt bekamen, als Sie sich auf den Weg zu den European Maccabi Games nach Berlin gemacht haben.

Margot Friedlander sagte über ihre erste Reise nach Deutschland nach ihrer Auswanderung: ‚Ich habe ein neues Deutschland vorgefunden, nicht das Deutschland, das ich vor 70 Jahren verlassen musste. Eine neue Generation ist aufgewachsen
– eine, der wir die Verbrechen ihrer Großeltern nicht anlasten können.‘

Diese Haltung erfüllt uns mit Dankbarkeit und Demut. Wir wissen um unsere Geschichte. Und wir wollen dieses Wissen bewahren. Das Wissen um die Menschheitsverbrechen an den Juden Europas. Darum, dass jüdische Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 gefehlt haben, weil sie von den Nazis ausgegrenzt, verfolgt, gedemütigt und ermordet wurden.

Wir erinnern an vielen Orten Berlins an die Shoah: Mit unserem großen Mahnmal im Herzen der Stadt; aber auch mit vielen einzelnen ‚Stolpersteinen‘, kleinen Messingplatten, die vor den ehemaligen Wohnhäusern von NS-Opfern in den Gehweg eingelassen werden. Eine wichtige zivilgesellschaftliche Initiative, die uns im Alltag an Menschen denken lässt, die von den Nazis ermordet wurden.

Ich versichere Ihnen allen: Die Erinnerung ist vielen Berlinerinnen und Berlinern ein persönliches Anliegen. Wir werden die Opfer nicht vergessen.

Wir wissen heute um unsere Verantwortung – unsere Verantwortung dafür, dass solches Unrecht nie wieder geschieht. Dass Juden und Angehörige anderer Religionen sicher und frei leben können. Und: Dass wir unseren Kindern und Enkeln eine bessere, eine menschlichere Welt hinterlassen.

Gerade in unserer heutigen Zeit, in der viele Millionen Menschen weltweit auf der Flucht vor Krieg, Not und Unrecht sind, sind wir alle gefordert, für ein menschliches Miteinander einzutreten. Und das heißt auch: Dass wir in denen, die bei uns Zuflucht suchen, weil sie in ihrer Heimat alles verloren haben, Menschen sehen. Und dass wir ihnen gegenüber Solidarität und Mitmenschlichkeit zeigen.

Der Sport ist für mich ein Symbol für die Bedeutung von Fair Play. Wir werden ja heute Abend auch noch die Verleihung des gleichnamigen Awards erleben. Ohne Fair Play gibt es keinen guten Sport. Und Fairness, Gerechtigkeit, ein friedliches Miteinander in der Vielfalt: Darum geht es auch in unseren Gesellschaften insgesamt und im Umgang der Völker miteinander. Insofern ist der Sport immer auch ein Symbol dafür, dass alle Menschen gleich sind – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache oder Lebensweise.

Diskriminierung ganz gleich welcher Art darf keinen Platz haben, weder auf dem Sportplatz noch in der Gesellschaft oder in der Politik.

Gegenseitiger Respekt: Das ist die Botschaft, die von den 14. European Maccabi Games ausgeht. Das ist die Botschaft, die wir aus dem toleranten und weltoffenen Berlin in die Welt senden. Und das ist der Geist, in dem wir uns gegenseitig begegnen wollen – heute und in Zukunft.

Es ist wundervoll, dass Sie unsere Gäste waren.
Seien Sie jederzeit wieder willkommen in Berlin!

Am Ende der European Maccabi Games 2015 bleibt mir nur noch eines zu sagen: Berlin sagt Danke und wünscht Ihnen allen viel Erfolg im Sport und uns allen eine Welt des Friedens und des Respekts.

Shalom!”