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Rede des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller, bei der Überreichung des Wissenschaftspreises 2014 am 20. Januar 2015

Pressemitteilung vom 20.01.2015

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, hat anlässlich der Verleihung des Berliner Wissenschaftspreises 2014 am 20. Januar 2015 im Berliner Rathaus ein Grußwort gehalten. Das Presse- und Informationsamt veröffentlicht den Wortlaut auf der Basis des Manuskripts:

“Zum 7. Mal wird heute der Berliner Wissenschaftspreis verliehen. Mit diesem Preis ehren wir herausragende Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wir schaffen Aufmerksamkeit für faszinierende Forschungen, die oft von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Ja – wir wollen auch ein bisschen Stolz wecken auf das, was hier in Berlin nicht zuletzt mit erheblichem öffentlichen Einsatz hervorgebracht wird. Und wir wollen mit einer solchen Preisverleihung eine Standortbestimmung verbinden und zeigen, wo Berlin als Ort exzellenter Wissenschaft hinsteuert.

Für mich ist die Wissenschaft einer der wichtigsten Faktoren für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt.

Selten war das wissenschaftspolitische Umfeld so spannend und herausfordernd wie jetzt. Wir erleben gerade einen großen Umbruch. Bund und Länder gehen neue Wege, um Wissenschaft – das heißt Forschung und Lehre – unsere wichtigste Zukunftsressource, zu stärken.

Die wichtigsten Botschaften der vergangenen Monate lauten:

- Der Hochschulpakt wird fortgeführt.
- Die Exzellenz-Initiative erfährt eine Fortsetzung.
- Der Bund steigt künftig in die Hochschulförderung ein. Der Beschluss des Bundesrats vom 19. Dezember hat den Weg freigemacht für eine entsprechende Änderung unseres Grundgesetzes.

Das sind gerade für Berlin sehr gute Neuigkeiten. Wir haben jetzt die große Chance, den Wissenschaftsstandort Berlin noch weiter zu stärken. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen und gemeinsam die nächsten Schritte gut planen, dann könnte das ein Quantensprung für die Wissenschaft in Berlin bedeuten.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das gelingt. Der Senat wird seinen Teil dazu beitragen. Wir bekennen uns dazu, dass wir die erfolgreichen Projekte der Exzellenzinitiative verstetigen wollen, in jedem Fall soweit es die laufenden Landeszuwendungen betrifft. Dazu stehen wir. Und Berlin besitzt ein wichtiges Förderinstrument, das wir noch stärker nutzen müssen. Ich meine die Einstein-Stiftung.

Es war eine schwere Geburt, begleitet von manchen Missverständnissen. Aber die Einstein-Stiftung besitzt inzwischen für ihre wissenschaftsgeleitete Qualität großes Renommee, auch im Ausland. Sie ist ein bedeutsames, zusätzliches Förderinstrument für die Hochschulen. So hilft die Stiftung, internationale Top-Leute nach Berlin zu holen oder hier zu halten. Damit ist die Einstein-Stiftung ein wichtiger Pfeiler für die Zukunft der Berliner Spitzenforschung. Das muss deutlicher herausgestellt und in der Öffentlichkeit sichtbarer gemacht werden – auch und gerade durch die Hochschulen selbst.

Für die bauliche Infrastruktur haben wir jetzt ebenfalls erhebliche, zusätzliche Gelder zur Verfügung. Wir werden von den frei werdenden BAföG-Mitteln jährlich 32 Millionen Euro für den Hochschulbau bereitstellen. Das sind echte Zuwächse, die werden nicht verrechnet. Das kommt oben drauf.

Wir alle wissen: Die Hochschulen haben einen enormen Sanierungsbedarf. Umfang und konkrete Maßnahme-Anforderungen werden bis Mitte des Jahres erfasst. Dann werden wir gemeinsam einen Investitionspakt Hochschulsanierung erarbeiten, der zum Ziel hat, die baulichen Voraussetzungen für exzellente Forschung und Lehre innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren zu sichern.

Bei der Charité sind wir bereits auf einem guten Weg. Auch hier streben wir die Fortsetzung des Masterplans Charité an, insbesondere für die Standorte Campus Benjamin Franklin und, zu einem späteren Zeitpunkt, am Virchow-Klinikum.

Ich weiß, dass wir nicht die deutsche, ja europäische Spitzenklinik haben können, wenn wir im Durchschnitt über die Jahre nicht mindestens so viel investieren wie die anderen deutschen Universitätsklinika. In den letzten Jahren haben wir es geschafft.

Wenn wir die Hochschulsanierung angehen, dann muss aber auch sichtbar werden, was mit dem Geld geschieht. Etwa, indem man ein Label entwirft: „Erbaut mit den Mitteln des Programms …“. Damit jeder sieht, wofür dieses zusätzliche Geld verwendet wird.

Es gibt also mehr Geld für den Hochschulbau, auch damit Berlins Unis für Studierende noch attraktiver werden. Aber dazu gehört auch, dass es genug erschwinglichen Wohnraum gibt. Deshalb werden wir mit der vereinbarten Errichtung von 5.000 Wohnungen für Studierende beginnen. Der Auftrag zur Errichtung von 2.500 Wohnplätzen wird jetzt vergeben. Daneben werden die städtischen Wohnungsbaugesellschaften und das Studentenwerk ihre Aktivitäten in diesem Bereich verstärken.

Die Botschaft lautet: Wissenschaft in Berlin ist auf Wachstumskurs, in der Breite und in der Spitze. Beides ist mir wichtig.

Berlin ist eine wachsende Stadt. Das bedeutet auch, dass Wissenschaft und Forschung wachsen müssen.

Wissen ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts – bei uns ist dieser viel zitierte Satz keine Phrase. Wir wollen, dass Berlin beim Wettlauf um die besten Talente und Spitzenkräfte in der Pole Position ist.

Wir kürzen im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht bei den Hochschulen und Studienplätzen. Wir bauen aus. Berlins Hochschulverträge bringen den Unis bis 2017 Zuwächse um 300 Millionen Euro im Vergleich zu den vorangegangen Hochschulverträgen.

Das ist die Basis für künftiges Wachstum und Beschäftigung. Wir erleben es bereits an vielen Stellen der Stadt. Start ups und Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungsinstituten tragen mit innovativen Produkten mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen zum Wirtschafts-wachstum bei. Berlin ist Gründerhauptstadt und liegt vor allem in der Digitalen Wirtschaft weit vorn. Die Wissenschaft trägt überdies entscheidend dazu bei, dass Berlin eine lebenswerte Stadt ist. Denken Sie an die Energie- und Umwelttechnik, an die Bereiche Mobilität oder Gesundheitswesen.

Berlin ist einfach hervorragend aufgestellt:

- Wir sind nach dem DFG-Forschungsranking die Nummer 1 in Deutschland.
- Unsere Hochschulen waren im Exzellenzwettbewerb sehr erfolgreich: Zwei Zukunftskonzepte der „Spitzenunis“ FU und HU, fünf Exzellenzcluster, zehn Graduiertenschulen für die Nachwuchsförderung. Diese Bilanz kann sich mehr als sehen lassen.
- Unsere Hochschulen werben jedes Jahr rund 350 Millionen Euro an Drittmittel ein.
- Allein Berlins vier Hochschulen erzielen eine Wertschöpfung von mehr als 1,7 Milliarden Euro pro Jahr.
- Wir haben die stärkste außeruniversitäre Forschungs-landschaft in Deutschland. * So generiert Berlin ein jährliches Ausgabevolumen von rund 800 Millionen Euro pro Jahr, unter anderem aus der gemeinsamen Forschungsfinanzierung von Bund und Ländern.
- Mit Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von 3,6 Prozent des BIP liegt Berlin bundesweit an zweiter Stelle hinter Baden-Württemberg und überspringt damit locker die drei-Prozent-Hürde der Lissabon-Strategie.

Und wenn sich in den südlichen Bundesländern mal wieder jemand über den Länderfinanzausgleich oder den Solidarpakt mokiert, dann muss man klar entgegnen: Bei Forschung und Wissenschaft ist Berlin ein Geberland. Mit unseren 50.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und mehr als 170.000 Studierenden bilden wir für die ganze Bundesrepublik aus, insbesondere auch für die Bayern. Das darf man ruhig auch mal würdigen.

Diese eindrucksvolle Bilanz ist Berlin nicht in den Schoß gefallen. Es war ein langer und harter Weg, bis unsere Stadt zum Spitzenstandort für Forschung und Wissenschaft wurde.

Aber wir hatten eine klare Strategie: Gemeinsam mit Brandenburg haben wir Zukunftsbranchen definiert mit hohem Wachstumspotential: Gesundheits-wirtschaft, Energietechnik, Mobilität, Verkehr und Logistik, Informations- und Kommunikationstechnik, Medien, Kreativwirtschaft und Optik.

Wie erfolgreich diese Strategie ist, zeigt sich beispielsweise an der herausragenden Entwicklung der Technologieparks Buch und Adlershof.

In Berlin sind aus historischen Gründen leider nicht die großen innovativen Weltkonzerne ansässig, die zehntausende Arbeitsplätze schaffen und mit Millionen Forschungsgeldern die Wissenschaft florieren lassen. Solche Unternehmen müssen wir selbst hervorbringen. Eine starke Wissenschaftslandschaft ist dabei die entscheidende Voraussetzung.

Rückschläge wie etwa bei der Solarbranche gehören dazu. Aber insgesamt können wir stolz sein, auf das, was bisher geleistet wurde. Und wenn wir stark bleiben wollen, heißt das: Wir müssen die großen Chancen, die ich eingangs skizziert habe nutzen. Dafür haben wir hervorragende Voraussetzungen. Ein Beispiel: Das Kooperationsverbot wird gelockert, der Bund steigt in die Hochschulfinanzierung ein. Während die anderen Länder noch in den Startblöcken sitzen, hat Berlin mit dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung bereits einen Vorsprung. Das BIG ist ein echter Leuchtturm und bringt viele Vorteile:
- für das internationale Renommee,
- für Nachwuchswissenschaftler,
- und: Ergebnisse der Forschung können schneller den Patientinnen und Patienten zu Gute kommen.

311 Millionen Euro geben das Land Berlin, der Bund und die Helmholtz-Gemeinschaft bis 2018 in den Aufbau des Instituts. Der Bund trägt 90 Prozent des Etats. Die anderen Länder beneiden uns um das BIG. Jetzt ist es an den Verantwortlichen des BIG zu zeigen, dass sie aus der einmaligen Chance auch etwas machen.

Wir wollen auch bei der künftigen Hochschulförderung des Bundes zeigen, dass an Berlins Unis kein Weg und kein Euro vorbei führen.

Aber auch noch eine Bitte: Berlin ist Stadt der Bildung und der Wissenschaften. Ich finde, das kann noch populärer werden. Berlin ist auch eine Kulturmetropole und eine Stadt der lebendigen Zeitgeschichte. Fragt man die Berlinerinnen und Berliner oder die Besucherinnen und Besucher unserer Stadt nach kulturellen und zeitgeschichtlichen Highlights, bekommt man immer eine gute Antwort. Bei den Wissenschaften ist das anders. Da muss man schon Insider sein, um Bescheid zu wissen. Berlins Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen müssen sichtbarer werden – in der Stadt und für die Stadt.

Die Antikensammlung der Staatlichen Museen zieht Heerscharen von Besucherinnen und Besuchern an. Aber nur die wenigsten wissen, dass Berlin bei den Altertumswissenschaften Weltspitze ist, und dass es hier jetzt ein „Einstein-Zentrum Antike“ gibt, in dem das Exzellenz-Cluster Topoi nach Auslaufen der Fördermittel aus dem Exzellenz-Wettbewerb weiterleben kann. Es gibt viele solcher Beispiele wissenschaftlicher Exzellenz, die für Berlin unglaublich wichtig sind, aber nahezu unsichtbar bleiben.

Deshalb bin ich dafür, dass die Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen eine Art „Schaufenster der Wissenschaften“ schaffen, einen Showroom, in dem sie sich gemeinsam präsentieren. Damit deutlich wird, wie wichtig Forschung und Wissenschaften in Berlin sind und welchen großen Wert sie für die Stadt haben.

Zur Sichtbarkeit trägt auch der Berliner Wissenschaftspreis bei. Auch in diesem Jahr ist es der Jury gelungen, zwei hervorragende Preisträger zu küren. Und wenn man dann sieht, womit die sich beschäftigen, dann ist man immer ein bisschen überrascht über die außergewöhnlichen Leistungen, welche die Preisträger vollbracht haben.

Professor Klaus-Robert Müller von der Technischen Universität erforscht die Schnittstelle zwischen Hirn und Maschine. Was es damit und dem „nicht invasiven EEG-basierten Brain Computer Interfacing“ auf sich hat, erfahren wir gleich. Professor Müller steht nicht nur für eine aufregend-innovative Forschung von Weltgeltung. Er ist auch Gründer des Bernstein Centers für Neurowissenschaften, Initiator des Spitzenclusters Big Data, er hat zahlreiche Hochschulausgründungen unterstützt. Als Forscher, Wissenschaftsorganisator und Ökonom zeichnet er sich gleich dreifach aus für die Verzahnung von Wissenschaften und Gesellschaft.

Ähnliches gilt für die Trägerin des Nachwuchspreises, Frau Professorin Jule Specht, Juniorprofessorin an der Freien Universität. In einem Alter, in dem andere noch studieren, hat sie bereits zahlreiche Projekte durchgeführt. Hoch spannend ist auch ihr Forschungsbereich: Die Persönlichkeitsentwicklung im Alterungsprozess. Was ihr besonders gut gelingt, ist ein populärer Zugang zu ihrem Wissenschaftsgebiet. Sie ist Bloggerin und hat zuletzt ein populärwissenschaftliches Sachbuch geschrieben mit dem Titel: „Suche kochenden Betthasen: Was wir aus wissenschaftlichen Studien für die Liebe lernen können“. Na, das wollen wir doch wissen!

Mein herzlicher Glückwunsch gilt dem Träger des Berliner Wissenschaftspreises 2014, Professor Müller, und Professorin Specht, der Trägerin des Nachwuchspreises.

Ganz herzlich danke ich der Jury für ihre ausgezeichnete Auswahl.

Ihnen allen wünsche ich eine anregende Veranstaltung und viel Glück und Erfolg bei ihrer Arbeit, den Wissenschaftsstandort Berlin weiter voran zu bringen.”