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Friedhofsentwicklungsplan: Berlin hat Friedhofsflächen reduziert

Pressemitteilung vom 18.11.2014

Aus der Sitzung des Senats am 18. November 2014:

In den vergangenen Jahren wurden in Berlin 39 ha Friedhofsfläche entwidmet. Hinzu kommen weitere 170 ha Friedhofsflächen, die künftig nicht mehr für Bestattungen zur Verfügung stehen. Das geht aus einem von Stadtentwicklungs- und Umweltsenator Michael Müller vorgelegten Bericht zum Stand der Umset¬zung des Friedhofsentwicklungsplans (FEP) 2006 hervor, den der Senat heute beschlossen hat.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Friedhofsflächenbedarf aufgrund der rückläufigen Sterberate und eines sich verändernden Bestattungsverhaltens stark zurückgegangen. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass viele Grabfelder oft nur noch lückenhaft belegt werden und die Friedhofsträger oft nicht mehr in der Lage sind, die Ausgaben für den Erhalt der gesamten Friedhofsflächen zu erwirtschaften. Diese Situation hat den Senat veranlasst, im Jahr 2006 den Friedhofsentwicklungsplan (FEP) zu verabschieden, der sowohl die vorhandene als auch die ange¬strebte Versorgung der Stadt mit Friedhofsflächen aufzeigt und Aussagen zur Nutzung nach der Schließung und Aufhebung von Friedhofsflächen trifft. Demnach sollen von den für Bestattungen geöffneten insgesamt 1037 ha Friedhofsflächen noch 747 ha für Bestattungen erhalten bleiben und 290 ha einer anderen Nutzung zugewiesen werden. Der größte Teil der ausge¬wiesenen Schließungsflächen wird als Grünpotenzial zukünftig weiter zur Verfügung stehen, aber auch eine Eignung als Wohnungsbaufläche wird im Einzelfall zu prüfen sein.

Mit dem vorliegenden Bericht wird aufgezeigt, dass von den für eine Umnutzung ausgewiesenen 290 ha Friedhofsflächen bereits bei 209 ha dieser Flächen mit der Umsetzung begonnen (170 ha) bzw. diese bereits komplett vollzogen (39 ha) worden ist. Die Umsetzung der Vorgaben des FEP ist aber ein langfristiger und schrittweiser Prozess, der aufgrund der Dauer bestehender Nutzungsrechte und der zumeist über den Friedhof verstreut liegenden freiwer¬denden Flächen erst in langen Zeiträumen sichtbar wird.

Der Bericht informiert über die Herangehensweise, finanzielle Auswirkungen sowie Probleme und Hemmnisse bei der Umsetzung der Vorgaben des FEP 2006. Es werden Aussagen zur künftigen Entwicklung von Friedhofsflächenbedarf und -versorgung getroffen sowie Empfehlungen für das weitere Vorgehen gegeben. Dabei wird auch die Notwendigkeit aufgezeigt, auf sich ändernde Bedarfe zu reagieren und die Vorgaben des FEP 2006 entsprechend anzupassen. Zum Beispiel kann es durch die prognostizierte Zunahme von Bestattungen nach isla¬mischem Ritus erforderlich sein, auf Friedhöfen einzelne für Bestattun¬gen bereits geschlossene Flächen wieder zu aktivieren, um der Nachfrage entsprechen zu können. Auf dem Landschaftsfriedhof Gatow im Bezirk Spandau erfolgt aktuell eine Erweiterung der bereits vorhandenen Flächen für islamische Bestattungen. Darüber hinaus bestehen auf dem Friedhof weitere Flächenpotenziale, die zwar auf Grundlage des FEP 2006 geschlossen und entwidmet wurden, jedoch bei weiter steigender Nachfrage nach islamischen Bestattungen auch wieder für Bestattungen geöffnet werden können. Darüber hinaus prüft die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Abstimmung mit den Bezirksämtern und der evangelischen Kirche, ob zusätzliche Flächen für Bestattungen nach islamischem Ritus in Wohngebietsnähe zur Verfügung gestellt werden können.

Die innerstädtischen Lagen, der hohe Grünanteil und die gute verkehrliche Anbindung geschlossener und entwidmeter Friedhofsflächen bieten durchaus auch Voraussetzungen für Wohnungsbaustandorte. Für Teilflächen der Friedhöfe Emmaus, St. Simeon und St. Lukas im Bezirk Neukölln, die zum Friedhofsverband Berlin Stadtmitte gehören, wird die bauliche Nachnutzung vorbereitet. Daneben ist eine Bebauung für Teile der Friedhöfe Golgatha-Gnaden im Bezirk Reinickendorf, St. Marien- und St. Nikolai-Friedhof II im Bezirk Pankow und Georgen-Parochial-Friedhof II im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, die ebenso zum Friedhofsverband Berlin Stadtmitte gehören, beabsichtigt.

Mit der begonnenen und weiter fortzusetzenden Umsetzung des FEP erhält Berlin die Chance, die einzigartige, vielgestaltige Friedhofslandschaft zu erhalten, die negative Ent-wicklung auf den Friedhöfen zu stoppen und trotz der Schließung von Friedhofsflächen auch zukünftig den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit der Bestattung und des Grabbesu¬chs in Wohngebietsnähe anbieten zu können sowie ergänzend auf geeigneten Flächen auch dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.