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Rede des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, zum 65. Jahrestag der Beendigung der Blockade Berlins am 12. Mai 2014

Pressemitteilung vom 12.05.2014

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führt in seiner Rede anlässlich der Gedenkstunde zum 65. Jahrestag der Beendigung der Berlin-Blockade am 12. Mai 2014 auf dem Platz der Luftbrücke laut Redemanuskript aus (es gilt das gesprochene Wort!):

„Besonders herzlich begrüße ich die Veteranen der Luftbrücke aus den USA und aus Großbritannien sowie Ihre Angehörigen. Wir freuen uns sehr, dass Sie auch diesmal wieder so zahlreich zu unserer Gedenkveranstaltung nach Berlin gereist sind. Und vor allem: Dass Sie bis heute einen so engen Kontakt zu unserer Stadt und ihren Menschen pflegen. Herzlich Willkommen! Ich begrüße zudem die ebenfalls extra aus den USA angereisten Mitglieder der Gruppe ‚Berlin Airlift Kids‘ – allesamt ehemalige Berlinerinnen und Berliner, die die Berlin-Blockade als Kinder miterlebt haben. Und die inzwischen in der San Francisco Bay Area leben und sich regelmäßig treffen, um an die großartige Leistung der Luftbrücke zu erinnern. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen in Ihrer früheren Heimatstadt Berlin!

Es freut mich auch sehr, dass erneut so viele junge Berlinerinnen und Berliner gekommen sind. In diesem Sinne begrüße ich die Boy Scouts der Berliner Troop 46 sowie die Schülerinnen und Schüler jener Berliner Schule, die seit knapp einem Jahr den Namen des berühmtesten aller Luftbrücken-Piloten trägt – der Gail S. Halvorsen Schule in Berlin-Dahlem. Das zahlreiche Erscheinen junger wie älterer Menschen, von Berlinerinnen und Berlinern, Veteranen der Luftbrücke und Freundinnen und Freunden unserer Stadt aus aller Welt unterstreicht einmal mehr: Die Luftbrücke war die Geburtsstunde einer einzigartigen Freundschaft zwischen Berlin und der westlichen Welt. Die Zeiten haben sich seither zwar fundamental verändert. Doch diese Freundschaft dauert an. Und sie wird auch in Zukunft andauern.

Wie Sie alle sicherlich wissen, ist 2014 ein sehr besonderes Gedenkjahr für Berlin. Und auch für Deutschland und Europa insgesamt: Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, vor 75 Jahren der von Nazi-Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg. Zudem ist es nun 25 Jahre her, dass die Menschen in der DDR für ihre Freiheitsrechte auf die Straße gingen. Kurz darauf fiel die Mauer und Berlin und Deutschland wurden nach Jahrzehnten der Teilung wiedervereint.

Der heutige Jahrestag ist mit diesen Ereignissen eng verknüpft: Das Ende der Berlin-Blockade vor genau 65 Jahren. Denn so wie der Beginn der Blockade am 24. Juni 1948 für die Spaltung Berlins und Deutschlands steht, so sehr steht ihr Ende am 12. Mai 1949 für die Verheißung einer besseren Zukunft. Denn mit der Luftbrücke haben die Westalliierten in einer dramatischen Lage ein friedliches Zeichen gegen Diktatur und Unterdrückung gesetzt. Zugleich hat ihr Einsatz den Menschen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gezeigt, dass Freiheit und Demokratie einhergehen mit Solidarität und Menschlichkeit. Diese Botschaft hallte nach: Die Erfahrung der Luftbrücke hat viel dazu beigetragen, dass die Menschen in Ost und West den Traum von Freiheit, Einheit und Selbstbestimmung nie aufgegeben haben. Mit dem Herbst 1989 ist dieser Traum wahr geworden: Der Eiserne Vorhang ist gefallen, die Jahrzehnte des Kalten Krieges, der Teilung Berlins, Deutschlands und Europas sind Geschichte. Und das wiedervereinte Berlin hat sich zu einer toleranten und weltoffenen Metropole entwickelt, die Menschen aus aller Welt fasziniert.

Umso wichtiger ist es, daran zu erinnern, welche Schlüsselrolle die Luftbrücke für die Entwicklung Berlins spielte. Ohne das schnelle und entschlossene Handeln der westlichen Alliierten wäre die Existenz des freien Teils unserer Stadt bedroht gewesen. Ihrem Einsatz, ihrer Entschlossenheit und ihrer Ausdauer ist es zu verdanken, dass West-Berlin dauerhaft am Leben blieb, dass Freiheit und Demokratie erhalten werden konnten. Wir gedenken deshalb heute in großer Dankbarkeit der mutigen Frauen und Männer der Luftbrücke aus Amerika, Großbritannien und Frankreich, aus Kanada, Südafrika, Neuseeland und Australien. Unter Einsatz ihres Lebens haben sie Berlin in Zeiten schwerster Bedrängnis zur Seite gestanden. Das war ein eindrucksvolles Bekenntnis zu dieser Stadt. Wir werden das niemals vergessen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Luftbrücke auch Leben gekostet hat. 78 Menschen sind im Zusammenhang mit den Hilfsflügen zu Tode gekommen. Wir verneigen uns vor den Opfern, die ihren Einsatz für Berlins Freiheit und Sicherheit mit ihrem Leben bezahlen mussten. Wir werden die Erinnerung an sie auch in Zukunft lebendig halten.

Ihr, die Berliner Schülerinnen und Schüler, die heute hier sind, kennt die Mauer nicht mehr aus eigenem Erleben. Ihr könnt nicht wissen, was es bedeutete, in einer geteilten Stadt in Unfreiheit zu leben. Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmtheit sind für Euch selbstverständlich. Deshalb ist es uns in Berlin so wichtig, das Wissen über die Zeit der Blockade, über Diktatur und Teilung an die junge Generation weiterzugeben. Auch sie sollte wissen, dass Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit unserer Stadt nicht in die Wiege gelegt worden sind. Sondern dass sie hart erkämpft werden mussten. Und dass es auch künftig aktiver Demokratinnen und Demokraten bedarf, um die zentralen Werte unseres Zusammenlebens immer wieder aufs Neue zu verteidigen.

Daran wollen wir auch im Herbst erinnern, wenn Berlin den 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution in der DDR und des Falls der Mauer begeht. Wir haben einen bewegenden Veranstaltungsreigen geplant. Und wir werden dabei auch junge Berlinerinnen und Berliner einbeziehen. Denn gerade für eine Stadt wie Berlin, die so viele Brüche, Umbrüche und Katastrophen erlebt hat, ist die Erinnerung an die Zeitgeschichte unverzichtbar. Sie schärft uns das Bewusstsein dafür, woher wir kommen und was wir tun müssen, um allen Menschen in dieser Stadt eine gute Zukunft zu ermöglichen. Zugleich wollen wir dieses Jubiläum auch nutzen, um zu zeigen, was Berlin aus seiner einzigartigen Chance seit dem Mauerfall gemacht hat. Und dass es möglich ist, auch die höchsten und festesten Mauern zu überwinden. Denn Berlin ist die Stadt, in der die Menschen eine noch bis zuletzt unüberwindbar erscheinende Mauer auf friedlichem Wege zum Einsturz und eine Diktatur zu Fall gebracht haben. Und die sich heute zu einer attraktiven Metropole im Herzen Europas entwickelt hat, in der es sich zu leben lohnt. Ich meine: Das kann Zuversicht geben auch für die vielfältigen Herausforderungen der Gegenwart.

Wir wissen aber auch: Die westlichen Siegermächte des Zweiten Weltkrieges haben zu Berlins positiver Entwicklung maßgeblich beigetragen. In den schweren Jahren der Teilung sind sie zu unseren Partnern und Freunden geworden. Und das sind sie bis heute. Die Luftbrücke hat damals den Anfang gesetzt. Und jene vielen Männer und Frauen, die mit dieser beispiellosen Hilfsaktion gegen die Preisgabe von Freiheit und Demokratie in unserer Stadt gekämpft haben. Und die trotz widrigster Umstände nicht aufgegeben haben.

Wir sind dankbar dafür, was diese Menschen für Berlin geleistet haben. Besonders herzlich bedanken möchte ich mich daher noch einmal bei Ihnen, verehrte Veteranen der Luftbrücke. Ihr Engagement zum Wohle unserer Stadt bleibt unvergessen. Zugleich darf ich Ihnen versichern: Wir werden den Opfern ein ehrendes Andenken bewahren.“