Rede des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit anlässlich der Verleihung des Berliner Landesordens am 1. Oktober 2013

Pressemitteilung vom 01.10.2013

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führte anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin am 1. Oktober 2013 im Festsaal des Roten Rathauses laut Redemanuskript u.a. aus:

Herzlich willkommen Ihnen allen zur heutigen Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin im Roten Rathaus!

Seit 1987, dem Jahr der 750-Jahr-Feier Berlins ist es eine gute Tradition, dass wir alljährlich am Berliner Verfassungstag Frauen und Männer ehren, die sich in besonderer Weise um Berlin verdient gemacht haben. Frauen und Männer, die Beispielhaftes für unser Gemeinwesen leisten. Frauen und Männer, die mit ihrem persönlichen Engagement den sozialen Zusammenhalt in Berlin fördern und zu der Weltoffenheit unserer Stadt beitragen, die so viele Menschen rund um den Globus an Berlin fasziniert. Heute ist der Tag, an dem wir ihnen danken und ihnen im Namen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt Respekt zollen.

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Sportmetropole Berlin: Wer denkt da nicht an packende Wettkämpfe im Olympiastadion, in der O2-Arena oder Max-Schmeling-Halle? Aber Sport in Berlin hat viele Facetten, die tief in die Gesellschaft hineinreichen. Was Sport alles kann, weiß kaum jemand besser als Frau Professorin Gudrun Doll-Tepper . Sie forscht und lehrt am Institut für Sportwissenschaften der Freien Universität. Aber ihre Kompetenz speist sich aus vielen Quellen. Dazu gehörten: aktiv gelebter Sport, die Lehrtätigkeit an Berliner Gymnasien und an einer Sonderschule für lern- und geistig behinderte Kinder sowie zahlreiche Spitzenämter in bedeutenden nationalen und internationalen Organisationen. Ihre Publikationsliste ist ebenso beeindruckend wie die zahlreichen Ehrenämter, die sie bekleidet.

Frau Professorin Doll-Teppers außergewöhnliches Engagement zielte stets darauf ab, Benachteiligungen abzubauen, Menschen zu ermutigen und zu ertüchtigen. Gegen verbreitete Tabus und Beschränkungen im Frauensport hat sie erfolgreich angekämpft. Zudem hat sie geistig und körperlich behinderten Menschen im Sport eine Perspektive aufgezeigt, die Lebensfreude, Selbstbewusstsein und gesellschaftliches Ansehen vermittelt. Und Kinder sind ihr wichtig: Früh ihre Begeisterung für den Sport zu wecken, war und ist ihr Anliegen.

Leider kann Frau Professorin Doll-Tepper den Verdienstorden heute nicht entgegennehmen. Wir werden das zu gegebener Zeit nachholen.

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Sie zieren Trottoirs, Schreibtische und Entrees von deutschen Botschaften in der ganzen Welt. Man trifft sie einzeln, zuweilen aber auch Hand in Hand und in einem großen Kreis. Und das an vielen Orten rund um den Globus. Die Rede ist von den Berliner „Buddy Bären“. Weniger Aufsehen, dafür umso mehr Wirkung entfalten die beiden Menschen, die für die weltweite Verbreitung unseres kunstvoll gestalteten Berliner Wappentieres verantwortlich sind: Eva und Klaus Herlitz.

Angefangen hat alles im Jahr 2001. Die Idee war, Künstler einzuladen, Berliner Bären zu bemalen und diese dann auf Straßen und Plätzen aufzustellen. Ein Jahr später setzten Eva und Klaus Herlitz erstmals die Idee der United Buddy Bears um – auf der damaligen Brache neben dem Brandenburger Tor, wo heute die Botschaft der USA steht. Jeder Bär stand für ein Mitgliedsland der Vereinten Nationen und war von einem Künstler aus dem jeweiligen Land für sein Heimatland gestaltet worden. Eine beeindruckende Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen ist dabei entstanden. Sie sollte die Vielfalt der Menschen auf der Erde widerspiegeln. Und zeigen, worauf wir heute stolz sind: die Anziehungskraft Berlins für Kreative und die einladende Weltoffenheit unserer Stadt.

Etwas Wichtiges kommt hinzu: Eva und Klaus Herlitz verbinden mit der künstlerischen Gestaltung unseres Wappentieres auch eine Charity-Aktion. Ihr Erlös kam im Laufe der Jahre bereits einer Reihe von Kinderhilfsorganisationen zugute.
Ich darf nun Eva und Klaus Herlitz – die „Bärenmutter“ und den „Bärenvater“ – zu mir bitten, um sie mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszuzeichnen.

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Er ist nicht nur ein waschechter Berliner. Er wurde auch zum Botschafter der Stadt. Und war nie verlegen, die Vorzüge des Wirtschaftsstandortes Berlin zu preisen, als diese noch nicht so deutlich erkennbar waren. Heute hat sich rumgesprochen, dass Berlins Wirtschaft nachhaltig wächst und der Wirtschaftsstandort wieder sehr attraktiv ist. In den 90er-Jahren war das noch anders. Damals ging Berlins Wirtschaft durch eine schwere Krise. Die Stadt konnte froh sein, einen wie Dr. Hartmann Kleiner zu haben. Seine Zuversicht wirkte ansteckend. Ebenso das große Engagement, mit dem er sich einbrachte, um der Berliner Wirtschaft neue Perspektiven zu geben. Ich nenne nur die Reform unserer Wirtschaftsförderung: weg vom Gießkannenprinzip, hin zur Konzentration auf innovative Wachstumsfelder – dafür hat er sich erfolgreich eingesetzt.

37 Jahre lang stand Dr. Hartmann Kleiner in Diensten der Berliner Metallarbeitgeber und der Zentralvereinigung Berliner Arbeitgeberverbände, 26 Jahre davon als Hauptgeschäftsführer. Mit Engagement und Umsicht führte er 1990 beide Verbände in die neue Zeit. Stets erwies er sich als verlässlicher Sozialpartner. Seinem Engagement ist es entscheidend mit zu verdanken, dass die Deutsche Rentenversicherung Bund ihren Sitz in Berlin nahm. Dr. Hartmann Kleiner ist seit 2005 für die Arbeitgeberseite alternierender Vorstandsvorsitzender. Insgesamt 25 Jahre saß er dem Verwaltungsrat von SFB und RBB vor, dessen finanzielle Konsolidierung ihm ein besonderes Anliegen war. Nicht zu vergessen sein verdienstvoller Einsatz für den Gesundheitsstandort Berlin: Als Aufsichtsratsvorsitzender von Vivantes hat er entscheidend dazu beigetragen, dass Deutschlands größter kommunaler Krankenhauskonzern auf einem guten Kurs ist.

Herr Dr. Kleiner, ich darf Sie nun zu mir bitten, um Sie mit dem Berliner Landesorden auszuzeichnen.

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Er ist einer der bekanntesten Visagisten Deutschlands. Zu seinem Kundenstamm gehören nicht nur deutsche Showgrößen, sondern auch internationale Stars. Vielen wäre ein solcher Erfolg genug. Nicht so René Koch . Er hat noch eine andere Mission: Er verhilft Menschen mit schweren Hautproblemen zu neuem Selbstbewusstsein.

Man muss sich vorstellen: Nach einem Unfall bleibt eine Narbe zurück. Eine Verbrennung oder Krankheit hat unübersehbare Spuren hinterlassen. Eine großflächige Pigmentstörung zieht immer wieder lästige Blicke auf sich. Für viele Betroffene bedeutet das einen erheblichen Leidensdruck. René Koch hat das in seinem Berufsalltag vielfach erlebt. Doch er wollte sich damit nicht abfinden. Seit langem arbeitet er mit einer speziellen Schminktechnik – der sogenannten Camouflage, mit deren Hilfe sich auch schwere Hautschäden perfekt abdecken lassen.

Mittlerweile hat sich René Koch auf diesem Gebiet ein enormes Wissen erworben. Und er gibt dieses Wissen kostenlos weiter: 1996 rief er den Arbeitskreis Camouflage ins Leben – eine Anlaufstelle, die Menschen mit schweren Hautläsionen zur Seite steht. Dazu gehört neben Schulungen in der richtigen Abtecktechnik beispielsweise auch die Unterstützung in Rechts- und Kostenfragen oder bei der sozialen und beruflichen Reintegration.

Inzwischen hat René Koch ein Netzwerk von Experten um sich versammelt – er selbst ist nach wie vor Herz und Seele des Arbeitskreises Camouflage. Intensiv kümmert er sich um alle, die bei ihm Rat und Hilfe suchen. Dazu gehören auch blinde Frauen, für die er kostenlose Schminkkurse anbietet.

René Kochs Engagement hat schon vielen Menschen Selbstvertrauen und damit auch Lebensmut zurückgegeben. Ich freue mich daher sehr, ihm für seine wichtige ehrenamtliche Arbeit nun den Berliner Landesorden überreichen zu dürfen.

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Pferdesport hat in Berlin eine große Tradition. In diesem Jahr feiert die Trabrennbahn Mariendorf ihr 100-jähriges Bestehen. Dass dieses Jubiläum überhaupt begangen werden kann, ist das Verdienst eines Mannes: Ulrich Mommert , Berlins „Mr. Trabrennsport“. Ulrich Mommert war nicht nur zehn Jahre lang Vorstandsvorsitzender des Berliner Trabrennvereins Mariendorf. Er hat im Jahr 2005 die Trabrennbahn auch gekauft und damit bis heute das Überleben des Vereins gesichert.

Eigentlich ist Ulrich Mommert erfolgreicher Unternehmer. Sein Unternehmen Zizala Lichtsysteme stellt Beleuchtungssysteme vorwiegend für die Autoindustrie her. Ein „halbes Pferd“ hatte einst seine Leidenschaft für den Pferdesport geweckt. Damals beteiligte sich Ulrich Mommert zur Hälfte am Traber seiner Buchhalterin. Fortan war er für den Pferdesport entflammt. Bis heute ist er ein erfolgreicher Züchter, der auch gerne selbst in den Sulky steigt. Seine Frau Karin war Europameisterin der Amateure.

Mit dem Kauf der Trabrennbahn Mariendorf ließ es Ulrich Mommert nicht bewenden. Seit Jahren garantiert er mit seinem Geld Betrieb und Rennpreise in Mariendorf. Da hat seine Ankündigung, die Finanzlast nicht mehr alleine schultern zu wollen, für einige Aufregung in Berlins Pferdesportszene gesorgt. Aber, wer Ulrich Mommert kennt, der weiß, dass er nicht einfach das Handtuch wirft. Sondern für eine verantwortungsvolle Lösung im Sinne des Berliner Trabrennsports kämpft. Im nächsten Jahr findet das 119. Deutsche Traberderby statt. Ulrich Mommert will diese traditionsreiche Veranstaltung weiterhin mitfinanzieren.

Im Interesse aller Pferdesportfreunde hoffen wir, dass die Trabrennbahn Mariendorf eine Zukunft hat. Ulrich Mommert hat viel für den Pferdesport in Berlin geleistet. Dafür erhält er heute den Berliner Landesorden. Herr Mommert, ich darf Sie zu mir bitten.

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In Berlin leben mehr als 14.000 Menschen mit vietnamesischer Staatsangehörigkeit. Sie stellen damit die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe aus Asien. Und man kann sagen: Die allermeisten von ihnen sind hervorragend integriert. Für Berlin bedeutet die überaus aktive vietnamesische Gemeinde eine enorme Bereicherung.

Früher war die Situation eine andere. Was allerdings nicht an den in Berlin lebenden Vietnamesinnen und Vietnamesen selbst lag. Thúy Nonnemann könnte uns darüber sicher einiges berichten. 1968 ist sie der Liebe wegen von Saigon nach Berlin gezogen. Als einige Jahre später die ersten Boat-People in West-Berlin eintrafen, begann auch ihr ehrenamtliches Engagement. Sie begleitete sie zu Ämtern und Ärzten, dolmetschte und stand ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Mit der Wiedervereinigung stellte sich eine neue Aufgabe: Viele der ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter waren damals von Abschiebung bedroht. Viel zu lange wurden sie mit ihren Sorgen allein gelassen. Aber Thúy Nonnemann war zur Stelle. Erneut war sie für viele Menschen eine wichtige Anlaufstelle.

Bis heute engagiert sich Thúy Nonnemann für die Interessen von Migrantinnen und Migranten, für Flüchtlinge und für Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Seit vielen Jahren ist sie Mitglied des Migrationsrates Berlin-Brandenburg sowie der Berliner Härtefallkommission.

Man kann Thúy Nonnemanns langjähriges ehrenamtliches Engagement für Respekt, Toleranz und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Lebensweise auch einfach so zusammenfassen: Es ist beispielgebend.

Umso mehr freut es mich, Thúy Nonnemann heute mit dem Berliner Landesorden auszeichnen zu dürfen.

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Wir alle erinnern uns noch an die verheerende Hochwasserkatastrophe im Frühsommer: Tagelange Regenfälle hatten vor allem im Osten und Süden Deutschlands für schwere Überschwemmungen gesorgt, zahlreiche Häuser und Straßen wurden überflutet, an Elbe und Donau mussten ganze Regionen evakuiert werden.

Was mich sehr beeindruckt hat: Die betroffenen Menschen wurden nicht allein gelassen. Im Gegenteil: Mit der Flut setzte auch eine Welle der Hilfsbereitschaft ein – auch hier in Berlin, obwohl unsere Stadt selbst nicht unter Überschwemmungen zu leiden hatte.

Allein rund 1.150 Berlinerinnen und Berliner waren für die Freiwilligen Feuerwehren oder eine der fünf großen Hilfsorganisationen im Einsatz. Hinzu kommen zahlreiche weitere Menschen, die spontan geholfen haben, die sich angesichts der dramatischen Berichte sofort auf den Weg gemacht haben, um den Betroffenen vor Ort zur Seite zu stehen.

Dieses breite ehrenamtliche Engagement verdient Anerkennung und Respekt. Ich werde deshalb alle Berlinerinnen und Berliner, die bei der Hochwasserkatastrophe in diesem Jahr geholfen haben, mit einer Erinnerungsplakette auszeichnen.

Heute aber wollen wir stellvertretend für die vielen anderen freiwilligen Berliner Helferinnen und Helfer bereits drei Menschen ehren, die sich während der Katastrophentage in besonderer Weise engagiert haben.

Da ist zum einen Ronald Riege , der als Einsatzleitdienst den Hintergrunddienst des Berliner Roten Kreuzes übernommen hatte. Rund um die Uhr hielt er die Verbindung zwischen der Berliner Feuerwehr und den nachgeordneten Leitungsebenen der Bereitschaften in den Kreisverbänden. Er klärte die verfügbaren personellen und materiellen Ressourcen, sorgte für die Bereitstellung von Einsatzinformationen und brachte diese auf Anforderung des Stabes zum Einsatz. Auf diese Weise hat Ronald Riege viel dazu beigetragen, dass die Berliner Einsatzkräfte den vom Hochwasser bedrohten Menschen gut koordiniert zu Hilfe kommen konnten.

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Ehren wollen wir heute zudem Vanessa Sassen , die sich ehrenamtlich beim Malteser Hilfsdienst Berlin engagiert. Auch während des Hochwassereinsatzes war sie sofort zur Stelle. Sie arbeitete unter anderem als Betreuerin auf einem Krankentransportwagen, nahm an mehreren Erkundungsfahrten im vom Hochwasser schwer betroffenen Jessener Land teil und war eine wichtige Stütze bei der Evakuierung eines Pflegeheims. Vielen Dank für dieses Engagement, liebe Frau Sassen!

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Ich komme nun zu Benjamin Schoenmakers , der sich ebenfalls durch eine besondere Einsatzbereitschaft ausgezeichnet hat. Er ist schon seit langem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Rudow und gehört zur Führungsstaffel der IV. Brandschutzbereitschaft.

Dazu muss man wissen: Die Brandschutzbereitschaften – kurz BSB – der Berliner Freiwilligen Feuerwehren haben unter anderem die Aufgabe, bei sogenannten Großschadensereignissen in und um Berlin schnelle Hilfe zu leisten. Auch beim Hochwasser in diesem Jahr waren sie sofort im Einsatz.

Benjamin Schoenmakers übernahm dabei wichtige Koordinierungsaufgaben. Er hat den Einsatz der vierten Brandschutzbereitschaft von Berlin aus begleitet, hat die Kameradinnen und Kameraden vor Ort in allen erdenklichen Fragen unterstützt und war maßgeblich an der Vor- und Nachbereitung des Einsatzes beteiligt.

Für dieses wichtige Engagement als Katastrophenschutzhelfer wollen wir Benjamin Schoenmakers heute ehren. Und mit ihm Vanessa Sassen und Ronald Riege.

Ich darf Sie nun gemeinsam zu mir bitten, um ihnen den Berliner Landesorden zu überreichen.

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„Hut ab“ möchte man Ute Schnur zurufen, wenn man ihren Werdegang Revue passieren lässt. Sie kommt als Spastikerin zur Welt und schafft trotz vielfältiger Einschränkungen das Abitur. Anschließend absolviert sie ein Englisch-Fernstudium und es gelingt ihr der Einstieg ins Berufsleben: als Fachübersetzerin am Institut für Getreideverarbeitung und Kaffee in Potsdam-Rehbrücke. Als sie nach dem Fall der Mauer ihre Arbeit verliert, wendet sie sich einer neuen Aufgabe zu: Sie gründet den Allgemeinen Behindertenverband der DDR mit. Sie ist zudem Mitbegründerin des Berliner Behindertenverbandes und leitet als Chefredakteurin fünf Jahre lang die Berliner Behinderten-Zeitung. Bis heute zählt Ute Schnur zu den Aktiven, die sich für das Zusammenleben und –arbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung einsetzen. Für die Behindertenvereinigung Prenzlauer Berg e. V. ist sie derzeit Mitglied im Behindertenbeirat des Bezirkes Pankow. Außerdem ist sie Mitglied der Pankower Bezirksverordnetenversammlung und dort stellvertretende
BVV-Vorsteherin.

„Hut ab“, denn ein solcher Weg ist mit unendlich vielen Hindernissen gepflastert: Von Barrieren für den Rollstuhl über Vorurteile im menschlichen Umgang bis hin zu bewusster oder unbewusster Diskriminierung. Ute Schnur kennt das alles aus eigener Erfahrung. Aber sie hat sich mit anderen zusammengeschlossen und so die Erfahrung gemacht: Man ist nicht allein. Und: Man kann etwas verändern, wenn man bereit ist, dicke Bretter zu bohren.

Liebe Frau Schnur, Sie haben sich nicht nur um die Belange behinderter Menschen verdient gemacht. Es ist für unsere Gesellschaft insgesamt ein Gewinn, wenn jeder Mensch so wie er ist akzeptiert wird. Und wenn aus dem Nebeneinander ein Miteinander wird. Dazu tragen Sie mit Ihrem Engagement bei. Und dafür darf ich Ihnen nun den Verdienstorden des Landes Berlin aushändigen.

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Ich freue mich sehr, an dieser Stelle Michael Sommer begrüßen zu können. Erst kürzlich hat er seiner Frau eine Niere gespendet – ein erheblicher Eingriff für beide. Wir sind froh, dass die Operationen bei beiden gut verlaufen sind. Vor allem wünschen wir von hier aus Ulrike Sommer alles erdenklich Gute.

Michael Sommer steht seit 2002 an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes. In vielfältiger Weise hat er sich um Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt verdient gemacht. Er gilt auf nationaler und internationaler Ebene als engagierter Fürsprecher von benachteiligten Gruppen in der Arbeitswelt. In Berlin und darüber hinaus engagiert er sich immer wieder auch für die Stärkung der demokratischen Kultur, für die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus, aber auch an den Aufstand vom 17. Juni 1953, der ja maßgeblich von den Bauarbeitern auf der Stalinallee ausging.

Wo Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der Welt Repressionen und Verfolgung ausgesetzt sind, hat Michael Sommer immer wieder persönlich geholfen. Ausdruck seines hohen Ansehens in der internationalen Gewerkschaftsbewegung ist die Wahl Michael Sommers zum Präsidenten des IGB im Jahr 2010.

Wer Michael Sommer begegnet, erlebt einen bescheidenen Menschen, für den Solidarität und Mitmenschlichkeit zentrale Werte seines Handelns sind. Das erkennt man an seiner Haltung an der Spitze der Gewerkschaften und das zeigt er – wie jüngst mit der Spende seiner Niere – im privaten Leben. Lieber Michael Sommer, ich darf Sie zu mir bitten, um Ihnen den Berliner Landesorden auszuhändigen.

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Teddy wie Bär: Das passt zur Berlinale. Das passt auch zu Berlin. Wieland Speck hat den Teddy Award miterfunden – zusammen mit dem viel zu früh verstorbenen Manfred Salzgeber. Und ihn zum weltweit bedeutendsten queeren Filmpreis gemacht. Es ist nur eines von vielen Kino-Projekten, die Wieland Speck ausgedacht und angeschoben hat. Aber auch eines, in dem sich sein Engagement für den Film und die Filmstadt Berlin beispielhaft zeigt. Er ist nicht nur ein begnadeter Impresario, ein Künstler-Flüsterer und Publikums-Verführer. Er verbindet mit dem Thema Film auch ein gesellschaftspolitisches Anliegen: Schwule Emanzipation und homosexuelle Identität.

Bis heute ist Wieland Speck ein entschiedener Wegbereiter schwul-lesbischer Filmkunst. Seit 1992 leitet Wieland Speck die Sektion Panorama der Berlinale.

Und natürlich der Teddy Award: Der ist mehr als ein Preis für herausragende schwul-lesbische und transidentische Filmkunst. Den Teddy Award rief Wieland Speck zu einer Zeit ins Leben, als Aids zum Thema einer Groß-Debatte wurde. Damals wurden alle Fortschritte bei der Emanzipation Homosexueller in Frage gestellt. Der Teddy Award war also auch eine kulturelle Reaktion auf wachsenden politischen Druck. Und ist dies bis heute, wie nicht zuletzt die starke internationale Ausstrahlung des Teddy Awards beweist. Queere Film-Festivals gibt es inzwischen auch dort, wo die schwul-lesbische Community noch viel zu kämpfen hat – etwa in Russland.

Künstlerische Qualität und gesellschaftliche Emanzipation: Das bedeutet oft einen Balanceakt, der Wieland Speck spielerisch leicht zu gelingen scheint.
Sehr geehrter Herr Speck, ich darf Sie nun zu mir bitten.

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„Willkommenskultur“: Das ist ein wichtiges Merkmal einer weltoffenen Metropole. Es meint, dass wir Zuwanderern die Ankunft erleichtern und ihnen gesellschaftliches Mitwirken ermöglichen. Zu einer Willkommenskultur gehört aber auch, dass wir offiziellen Gästen unserer Stadt im Rahmen ihrer Besuche die Ehre erweisen. Bernd Thiel leistet dazu einen öffentlich kaum sichtbaren, aber die Staatsgäste immer wieder erfreuenden Beitrag. Seit fast 40 Jahren ist er nebenberuflich als Kalligraph für das Protokoll des Landes Berlin tätig, quasi als unser „Schönschreiber“.

Mit seinen kalligraphischen Arbeiten bereitet Bernd Thiel regelmäßig die Seiten in unserem Goldenen Buch und im Gästebuch der Stadt vor, auf denen sich dann die Gäste handschriftlich verewigen. Jede Seite ist ein kleines Kunstwerk. Und jeder Gast erhält so einen würdigen Rahmen für seinen Eintrag. Auch die Ehrenurkunden des Berliner Senats, wie zum Beispiel vor kurzem zur Verleihung der Ernst-Reuter-Plakette an Daniel Barenboim, versieht Bernd Thiel regelmäßig mit dem ihm eigenen künstlerischen Schriftbild.

Das Goldene Buch der Stadt Berlin und das Gästebuch unserer Stadt sind Zeugnisse Berliner Gastfreundschaft und vielfältiger freundschaftlicher Beziehungen mit Partnern in aller Welt. Lieber Herr Thiel, ich freue mich, dass Sie uns nun schon seit 40 Jahren mit Ihrer Kunst dabei unterstützen, die nationalen und internationalen Gäste Berlins zu ehren. Für Ihre Verdienste um unsere Stadt darf ich Sie nun mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen.

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Berlin ist eine wachsende Stadt, auch dank einer steigenden Zahl an Geburten. Das freut uns alle, aber eine Berufsgruppe besonders: Die Ärztinnen und Ärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Dr. Emine Yüksel ist eine von ihnen, allerdings hatte sie auch vor dem Geburtenanstieg nie einen Mangel an Aufgaben. Denn weit über diese Arbeit hinaus ist Frau Dr. Yüksel seit langem im Bereich der gesundheitlichen Prävention aktiv. Sie wirbt für eine gezielte Aufklärung über Methoden der Familienplanung und Verhütung, besonders bei Mädchen aus türkischstämmigen Familien. In zahlreichen Vorträgen und Informationsveranstaltungen setzt sie sich dafür ein, in unserem Gesundheitssystem mehr auf die Belange muslimischer Patientinnen einzugehen.

Frau Dr. Yüksel hat die Berliner Gesellschaft Türkischer Mediziner e. V.
- BGTM – mitbegründet und ist deren ehrenamtliche Vorsitzende. Sie hat die Türkischen Gesundheitstage mit ins Leben gerufen. Sie organisiert Fortbildungen für Mediziner und Mitarbeiter im Gesundheitsbereich sowie diverse Informationsveranstaltungen für türkische Patienten.

Dr. Emine Yüksel hat sich durch ihr ehrenamtliches Engagement um ein gelingendes Zusammenleben in unserer vielfältigen Metropole verdient gemacht. Liebe Frau
Dr. Yüksel, ich darf Sie zu mir bitten, um Sie mit dem Berliner Landesorden auszuzeichnen.

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