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Verleihung des Berliner Landesordens

Pressemitteilung vom 01.10.2012

Es gilt das gesprochene Wort! Das Presse- und Informationsamt des Landes Berlin teilt mit:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, führte anlässlich der Verleihung des Verdienstordens des Landes Berlin 2012 am 1. Oktober 2012 im Großen Saal des Roten Rathauses u. a. aus:
Wer in diesen Tagen einen Blick in den Berliner Veranstaltungskalender wirft, stößt auch auf eine Ausstellung im Ephraimpalais. Sie heißt: „Berlinmacher“. 775 Portraits für 775 Jahre Berlin. Und die Botschaft lautet: Berlin wäre nicht die Stadt, die sie ist, wenn sie nicht von ihren Bürgerinnen und Bürgern geprägt worden wäre. Von ihren Leistungen, von ihrem Mut, von ihrer Innovationskraft.

Das ist auch die Idee des Berliner Landesordens. Er wurde im Jahr des letzten großen Berlin-Jubiläums 1987 ins Leben gerufen. Wir feiern also in diesem Jahr nicht nur unser 775-jähriges Stadtjubiläum, sondern auch 25 Jahre Verdienstorden des Landes Berlin. Und wir wollen auch heute wieder, am Berliner Verfassungstag, Menschen ehren, die Vorbildliches für Berlin leisten, Menschen, die ein Beispiel geben für Gemeinsinn und Zusammenhalt, völlig unterschiedliche Menschen, die aber eines eint: Sie machen Berlin zu einer lebenswerten, faszinierenden und unverwechselbaren Metropole. Ihnen gelten unser Dank und unsere Anerkennung.

Bei den Fans gilt er als lebende Legende und im Rathaus ist er ein gern gesehener Gast. Die Rede ist von Sven Felski, von den Fans liebevoll „Felle“ genannt, dessen bisherige Besuche im Rathaus immer im großen Pulk stattfanden, gemeinsam mit der Mannschaft, den Berliner Eisbären. Ein Bild aus der Zeit vor der Großbaustelle vor dem Rathaus hat sich eingeprägt: das Team in voller Eishockey-Montur auf dem Rathausbalkon, bejubelt von den Anhängern. Schon als Junge tummelte sich Sven Felski regelmäßig im Hohenschönhausener Sportforum – eine Nachwuchshoffnung von Dynamo Berlin. Und auch für Sven Felski war der Fall der Mauer ein biografisches Schlüsselerlebnis. Erstmals konnte er ein Spiel der Preussen besuchen. Das gab dem 15-Jährigen einen kräftigen Motivationsschub. Und nun entschloss er sich, was er gelernt hatte, zum Beruf zu machen: das Eishockeyspielen.

Heute, gut 20 Jahre später, blickt Sven Felski auf 1000 Spiele im Trikot der Eisbären zurück. Sechsmal Deutscher Meister, 2008 Deutscher Pokalsieger, 2010 European Trophy Champion. Eine große, eine stolze Karriere. Sven Felski gilt als „Ikone“ des deutschen Eishockeys. Seiner Heimatstadt und seinem Heimatbezirk ist dieser „Hohenschönhausener Junge“ immer treu geblieben. Dieses Maß an Beständigkeit ist selten geworden in der rauen Profiwelt. Umso mehr gilt diesem Ausnahmespieler unser Respekt.

Wie es sportlich weitergeht, wissen wir nicht. Berlin wünscht jedenfalls dem berühmtesten Knie der Stadt, dass es aufhört zu mucken. Und natürlich wünschen wir den Eisbären, dass nach dem schwierigen Saisonstart nunmehr die Tore wieder vorne fallen statt hinten. Wo auch immer in Zukunft sein Platz ist – auf dem Eis oder im Management des Vereins: Berlin dankt Sven Felski für sein faires und sympathisches Auftreten und für all das, was er als lebendes Aushängeschild der Sportmetropole Berlin geleistet hat. Lieber Sven Felski, ich darf Sie zu mir bitten, um Sie mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszuzeichnen.

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Jeder kennt Dieter Hallervorden. Und jeder liebt ihn. Denn er ist ein Meister des Komischen Fachs. Als Kabarettist, Komiker, Schauspieler und Quoten-König hat er Bühnen- und Fernsehgeschichte geschrieben. Nun ist er in einem reiferen Alter. Da könnte er die Beine hochlegen und das Leben in vollen Zügen genießen. Denn ausgesorgt hat er längst. Was aber tut Dieter Hallervorden? Er wird Theaterdirektor. Zum zweiten Mal. Dem Kabarett „Die Wühlmäuse“ hält er bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert die Treue. Jetzt kam vor vier Jahren das Schlosspark Theater in Steglitz hinzu. Aus diesem Anlass prägte er den denkwürdigen Satz: „Hier soll mein Geld begraben werden.“ Woraus man einmal mehr schließen kann, dass Berufskomiker über einen ausgeprägten Realitätssinn verfügen können. Denn eine Goldgrube war es wahrlich nicht, auf die Dieter Hallervorden gestoßen war. Das Schlosspark Theater hatte zwar nach dem Krieg eine große Zeit. Aber die war lange vorbei. Seither hatten sich an diesem Haus schon andere versucht und waren gescheitert. Er wusste also, worauf er sich einließ. Aber jemand, der in jugendlichem Leichtsinn einst Ulbricht an den Kragen wollte, kennt keine Angst. Und so stürzte sich Dieter Hallervorden mit einer solchen Begeisterung und Leidenschaft auf diese Herausforderung, dass dieses Haus zu neuem Leben erwacht ist.

Mit eigenem Geld hat er das Theater wieder hergerichtet. Und nicht nur äußerlich ist das Schlossparktheater wieder eine Perle der Berliner Kultur. Auch das Repertoire kann sich sehen lassen. Vor allem auch dank der vielen Stars, die Dieter Hallervorden für das Schlosspark Theater gewinnt. Der Ruhestand muss hoffentlich noch lange warten. Heute freue ich mich, Dieter Hallervorden mit dem Berliner Landesorden auszuzeichnen.

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Eine Studie der Deutschen Sporthilfe vom Herbst letzten Jahres sagt: Für 91 % der Deutschen sind Spitzensportler Vorbilder. Ein beachtliches Ergebnis. Nicht gefragt wurde allerdings, ob dies auch für Athleten gilt, die nach einem gewonnenen Wettbewerb ihr Trikot zerreißen… Wir ehren heute Vorbilder und dazu zählt auch Robert Harting. Er widerlegt auf eindrucksvolle Weise die berühmte These: „Erst kommt Fußball, dann Fußball, dann lange nichts und dann wieder Fußball.“ Nein, beim Diskuswerfer Robert Harting ist das anders: Zehn Millionen Deutsche haben mitgefiebert, als Robert Harting seinen großen Auftritt in London hatte. Spannend hat er es gemacht. Erst mit dem vorletzten Wurf schaffte er die 68,27 Meter. Zehn Millionen: Das war eine höhere Einschaltquote als beim 100-Meter-Endlauf mit Usain Bolt. Von wegen Nischensportart Diskuswurf! Aber woher kommt diese Popularität?

Robert Harting hat zweifellos Sportgeschichte geschrieben. Als erster amtierender Welt- und Europameister gewann er auch olympisches Gold – und damit die erste Goldmedaille der deutschen Leichtathletik seit Sydney im Jahr 2000. Er hat aber vor allem eine beeindruckende, eine vorbildliche Haltung an den Tag gelegt. Er war am Knie verletzt und musste sich operieren lassen. Aber einen Robert Harting wirft das nicht um. Er hat sich wieder nach vorn gekämpft. Mit eiserner Trainingsdisziplin und der ganzen Leidenschaft für seinen Sport. Für diese Haltung lieben ihn die Fans, ganz besonders die Berliner, die er zum Saisonabschluss noch mit einem Istaf-Erfolg beglückte. Auch in London kennt man jetzt die große Fahne seines Vereins SCC Charlottenburg, die er stolz durchs weite Rund des Stadions trug.

Robert Harting ist das Gesicht der deutschen Leichtathletik. Er ist ein Sympathieträger seiner Heimatstadt Berlin. Und sie ist es, die ihn heute mit ihrem Verdienstorden auszeichnet.

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Im Jahr 2001 wurde der Einsatzgruppenversorger „BERLIN“ der Deutschen Marine in Dienst gestellt. Das war auch die Geburtsstunde einer lebendigen Patenschaft, die die deutsche Hauptstadt seither mit dem Schiff verbindet. Von Anfang an dabei war Volker Heinrich. Er blickte damals schon auf 20 Jahre Erfahrung als Soldat und Seemann zurück. Als Oberstabsbootsmann war er so etwas wie der Hausmeister des Schiffes. Und mehr als ein Jahrzehnt fungierte Volker Heinrich als Verbindungsmann zwischen Schiff und Hauptstadt, zwischen der Besatzung und vielen Berliner Institutionen und Einrichtungen, die dem EGV seit langem verbunden sind.

Insbesondere mit dem Kinderheim Sankt Joseph in Neukölln hat sich eine feste Freundschaft entwickelt. Ganz gleich wo unser Patenschiff im Einsatz ist, die Kinder aus Neukölln sind im Geiste immer dabei. Mehr als 20.000 € hat die Besatzung auf Initiative von Volker Heinrich für das Kinderheim gespendet. Die Kids sind gern gesehene Gäste an Bord, Besatzungsmitglieder besuchen häufig das Kinderheim. Volker Heinrich war über ein Jahrzehnt „die Seele von’s Janze“. Weit über die dienstlichen Belange hinaus – das weiß ich auch aus vielen persönlichen Begegnungen, lieber Volker Heinrich – haben Sie sich für Berlin eingesetzt. Mit großer Hingabe pflegten Sie die Kontakte zum Standortkommando, zu Kultureinrichtungen, zu staatlichen Institutionen unserer Stadt – und das auch in mancher Freizeitstunde. Eine Patenschaft lebt davon, dass sich jemand als „Pate“ fühlt. Sie waren ein echter Pate und ein stets zuverlässiger Ansprechpartner und Organisator, wenn es um das Thema Berlin ging.

Vor drei Monaten wurde Volker Heinrich mit allen Ehren und unter großer Anteilnahme der Kameradinnen und Kameraden und seiner Berliner Freunde in den Ruhestand versetzt. Der wird unruhig sein, denn, lieber Volker Heinrich, Berlin liegt Ihnen auch weiterhin am Herzen. Für das bisher Geleistete danken wir Ihnen heute mit der Verleihung des Berliner Landesordens.

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Die im vergangenen November bekannt gewordene Nazi-Mordserie hat unser Land erschüttert. Die Gefahr organisierten rechten Terrors wurde unterschätzt. Und ebenso die Ursachen. Denn auch Mordtaten gedeihen auf einem Nährboden aus Vorurteilen, aus Diskriminierungen im Alltag, aus Ressentiments gegenüber Menschen, die vermeintlich anders sind. Hier sind wir alle gefordert, Gesicht zu zeigen. Der Staat muss die Rahmenbedingungen abstecken. Deshalb setzt sich der Berliner Senat für ein NPD-Verbot ein. Entscheidend ist jedoch, dass sich unsere Gesellschaft selbst gegen ihre Feinde wehrt.

Unter diesem Motto engagiert sich Bianca Klose schon seit Jahren. 2001 hat sie in Berlin die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus MBR gegründet. Ihr Ziel: Menschen zu unterstützen, die ein Problem mit Rechtsextremismus wahrnehmen. Demokratische Netzwerke in den Kiezen aufzubauen. Und vor allem: Das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass NS-Verklärung und Ausländerfeindlichkeit auch aus der Mitte der Gesellschaft kommen können.

Bianca Klose hat die Arbeit der MBR entscheidend geprägt. Die dort erarbeiteten Standards etwa im Bereich Jugendarbeit haben Maßstäbe gesetzt. Gemeinsam mit ihrem Team kämpft sie vehement gegen die Gefahr von rechts. Sie warnt vor Alltagsrassismus in jeder Form. Sie weist darauf hin, dass die Ausgrenzung einzelner ein Angriff auf die gesamte Gesellschaft bedeutet. Sie ermutigt andere, sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren. Sie führt vor Augen, dass ein Klima des Respekts essentiell ist gerade für eine von Vielfalt so stark geprägte Stadt wie Berlin. Viele Demokraten in unserer Stadt profitieren von Bianca Kloses fundierten Kenntnissen der rechtsextremen Szene und von ihrem klugen Rat. Mit ihrer Arbeit hat sie sich allerdings nicht nur Freunde gemacht. Immer wieder wird sie selbst bedroht. Umso wichtiger ist es, dass wir zivilgesellschaftliche Organisationen wie die MBR stärken. Die Verleihung des Landesordens soll ein klares Zeichen setzen: Bianca Kloses Engagement verdient höchste Anerkennung. In diesem Sinne darf ich Sie, liebe Frau Klose, zu mir bitten.

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Was bewegt Menschen, nach Berlin zu kommen? Die Lebensqualität einer quirligen Metropole, das überragende Kulturangebot, die bunte Vielfalt der Einwanderungsstadt. Alles gute Gründe, die für Berlin sprechen. Andreas Penk wird sie gewiss auch alle unterschreiben können. Und doch hat er einen anderen, einen besonderen Grund genannt, als er gefragt wurde, warum er als Deutschland-Chef von Pfizer im Jahr 2008 mit seinem Unternehmen und Hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in die Hauptstadt kam: „Forschung“ war sein Hauptargument.

Andreas Penk ist nicht nur ein begeisterter Berliner geworden, sondern längst einer der Köpfe und treibenden Kräfte der Gesundheitsstadt Berlin, die rund 350.000 Menschen Beschäftigung bietet und wo alle relevanten Akteure des Gesundheitswesens ansässig und miteinander vernetzt sind. Über die Funktion des Deutschland-Chefs hinaus leitet er als President Pfizer Oncology von Berlin aus die europäische Geschäftseinheit, die sich mit moderner Krebsforschung und -therapie beschäftigt. Andreas Penk sieht das große Plus Berlins in der einmaligen Kombination aus medizinischer Infrastruktur, universitärer und außeruniversitärer Forschung und Biotech-Unternehmen. Und er sagt: „Die Gesundheitsstadt Berlin muss aber ihre Einmaligkeit stärker außerhalb kommunizieren. Dann werden wir auch mehr Forschung und Investitionen nach Berlin bringen.“

Bei der Kommunikation über die Stadt hinaus haben wir in den letzten Jahren schon gemeinsam eine Menge erreicht. Untersuchungen zeigen, dass unsere Imagekampagne wirkt. Und das hat viel mit der Unterstützung von Persönlichkeiten wie Andreas Penk zu tun, die für Berlin als innovativen Wirtschaftsstandort stehen, sich mit der Stadt identifizieren und für sie werben. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam noch eine Menge für Berlin als „the place to be for future industries“ erreichen werden und freue mich nun, Andreas Penk mit dem Verdienstorden des Landes Berlin auszeichnen zu dürfen.

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Mit Frack und viel Pomade im Haar wirkt der Mann als sei er Berlins Goldenen Zwanzigern entsprungen. Und so ist es auch – und doch wieder nicht. Max Raabe kultiviert eine musikalische Tradition, bei der man glaubt, das Kratzen und Knarzen der Schellackplatten mitzuhören. Aber von wegen: Dieser Mann ist nicht von gestern, sondern sehr heutig. Denn er zitiert nicht bloß, er macht sich’s nicht bequem in der vermeintlich guten, alten Zeit. Er nimmt sie ernst und prüft sie auf ihren Gegenwarts-Wert. Und siehe da: Das alte Liedgut, das oft aus jüdischer Feder stammt und von jüdischen Interpreten dargeboten wurde, funkelt bei Max Raabe verführerisch wie einst.

Seine musikalischen Entdeckungen legen ein kulturelles Erbe frei, das durch die Nazi-Zeit verschüttet war. Das Leichte, Heitere, Frivole und Ironische ist künstlerisch ein sehr schmaler Grad. Max Raabe balanciert auf ihm wie ein Seiltänzer. Längst hat er auch Klassiker des Swing oder raffinierte Eigen-kompositionen seinem Repertoire zugefügt. Und damit die großen Konzertsäle in und außerhalb Berlins erobert. Ob in New York, Los Angeles, ob Wien, Peking oder Tel Aviv: Das Publikum liegt ihm zu Füßen. Übrigens auch heute: Max Raabe ist auf Tournee und kann den Verdienstorden des Landes Berlin nicht entgegennehmen. Wir werden das zu gegebener Zeit nachholen.

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Daniela Schulte ist eine Ausnahmeathletin. Seit ihrem 13. Lebensjahr nimmt die blinde Schwimmerin an Wettkämpfen für Sportler mit Handicap teil. Und das mit beeindruckendem Erfolg: Bei den Paralympics in London holte sie einmal Gold und einmal Silber. Insgesamt schmücken ihre Bilanz damit nun acht paralympische Medaillen, darunter dreimal Gold. Sie ist vierzehnfache Welt- und Europameisterin und hat bereits mehr als 60 Weltrekorde aufgestellt. Zudem ist Daniela Schulte für viele junge Sportler ein sportliches wie menschliches Vorbild. Denn sie bringt nicht nur Top-Leistungen. Auch an ihrer Bescheidenheit, an ihrer Offenheit und ihrem Durchhaltevermögen können sich junge Menschen ein Beispiel nehmen. Mit gutem Grund hat man sich bei der Eröffnung der Londoner Paralympics für sie als deutsche Fahnenträgerin entschieden.

Ein wichtiges Anliegen von Daniela Schulte: Dass der Behindertensport noch mehr öffentliche Anerkennung erfährt. Dazu gehört es für sie auch, dass die Prämien für paralympische Medaillen ebenso hoch sein sollten wie bei den Olympischen Spielen. Und dass sich bei der Sportförderung noch mehr tut. In einem Interview sagte sie dazu vor kurzem völlig zu Recht: „Unsere Leistung ist nicht weniger wert als die von einem Nichtbehinderten.“ Daniela Schulte wünscht sich dabei keineswegs besondere Aufmerksamkeit. Sondern etwas eigentlich Selbstverständliches: Dass Behindertensportler nicht in Watte gepackt werden, sondern ganz genauso behandelt wie Nichtbehinderte.

Fest steht: Daniela Schulte ist eine großartige Botschafterin des deutschen Sports. Und sie ist zugleich eine herausragende Botschafterin der Sportmetropole Berlin. Ich wünsche ihr weiterhin viel Erfolg im Sport, aber auch mehr Aufmerksamkeit für ihre Anliegen insgesamt. Liebe Frau Schulte, ich darf Sie zu mir bitten.

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Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ein Satz voller Weisheit, vor allem, wenn man ihn auf das Thema Integration bezieht. In diesem Fall müsste man konkretisieren: Die gute Tat der Integrationsarbeit erschöpft sich nicht im Verfassen von Büchern. Das wird in der Öffentlichkeit gerne übersehen – und auch von den Buchautoren selbst. Eine, die sich da besonders gut auskennt – nämlich mit Bücherschreiben und praktischer Integrationsarbeit – ist Dr. Czarina Wilpert. Sie ist eine renommierte Sozialforscherin, deren Expertise am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU, am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Bundesinstitut für Berufsbildung gefragt war und ist. Ihr Thema ist Migration und Diversity – also alles, was mit Einwanderung und kultureller Vielfalt zu tun hat. Ihr besonderer Schwerpunkt liegt auf Frauen mit Migrationshintergrund und ihrer Eingliederung in die Arbeitswelt. Für Dr. Czarina Wilpert nicht nur ein akademischer Stoff, sondern ein Lebensthema. Sie ist mexikanisch-amerikanischer Herkunft, geboren in Los Angeles, seit 30 Jahren lebt sie in Berlin. Sie weiß also, wovon sie schreibt. Und sie weiß folglich, dass schreiben nicht alles ist. Also tut sie was und das richtig.

Seit Anfang der neunziger Jahre hat sie eine ganze Reihe von Initiativen angeregt und mitgegründet, die wertvolle Integrationsarbeit leisten. Ich nenne die „Initiative Selbständiger Immigrantinnen (ISI e.V.)“, den Verein „Eine Welt der Vielfalt e. V.“ oder ihre tatkräftige Mitarbeit bei der Umsetzung des Projekts „Berlin DiverCity“, ein vom Europäischen Sozialfonds gefördertes Projekt des Berliner FrauenComputerCentrums. Und wer hier eine enge Verbindung zwischen ihrer wissenschaftlichen und praktischen integrationspolitischen Arbeit sieht, der liegt richtig. Für manche aktuelle und künftige Buchautoren zum Thema Integration kein schlechtes Vorbild. Liebe Frau Dr. Wilpert, ich darf Sie zu mir bitten und Ihnen den Berliner Landesorden überreichen.

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Frank Zander ist eine echte Berliner Pflanze. Sein Humor ist so rau wie seine Stimme. Und damit erreicht er die Menschen. Seit fast vier Jahrzehnten ist Frank Zander erfolgreich im Show-Geschäft. Er hat zahlreiche Klassiker des humoristischen Schlagers geschrieben und selbst interpretiert. Bekannt machten ihn auch seine Fernseh-Moderationen – etwa die „Plattenküche“ mit der wunderbaren Helga Feddersen. Und seine Hertha-Hymne ist längst das, was die Mannschaft von Jos Luhukay noch schaffen muss – bundesligareif.

Frank Zander ist aber nicht nur ein Meister des schwarzen und manchmal auch brachialen Humors. Er ist auch einer, der mit offenen Augen durchs Leben geht. Einer, der sich hochgearbeitet, dabei aber nicht vergessen hat, wie schwer es andere haben. Das fängt schon mit den kleinen Dingen des Alltags an: Er selbst bekennt, nicht an Straßenmusikern vorbeigehen zu können, ohne ihnen zuzuhören und eine Münze in den Hut zu werfen. Frank Zander ist ein vorbildlich engagierter Berliner. Mit seiner Weihnachtsfeier für Obdachlose hat er einen echten Hit gelandet. Es begann 1995 in Schloss Diedersdorf mit 250 Gästen. Schnell wurde das Anwesen zu klein. Inzwischen kommen bis zu 3.000 obdachlose Gäste ins Hotel Estrel. Dabei kann sich Frank Zander auf sein großes Show-Talent verlassen: Denn spielend gelingt es ihm, andere mitzureißen, Prominente zu gewinnen, um für die Gäste zu kellnern oder vor ihnen aufzutreten. Inzwischen kann er sich vor Helferzusagen kaum noch retten. Und wer weiß, vielleicht lässt sich die große Hilfsbereitschaft der Berlinerinnen und Berliner zugunsten obdachloser Mitbürgerinnen und Mitbürger für ein weiteres Projekt nutzen? Lieber Frank Zander, ich darf Sie jetzt zu mir bitten, um Sie mit dem Berliner Landesorden auszuzeichnen.

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