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Jüdischer Friedhof in Weißensee soll in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen werden

Pressemitteilung vom 03.07.2012

Aus der Sitzung des Senats am 3. Juli 2012:

In diesem Jahr stellt die Bundesrepublik Deutschland eine neue Liste mit Vorschlägen für mögliche neue Kultur- oder Naturerbestätten für die Welterbeliste der UNESCO zusammen. Der Berliner Senat hat daher beschlossen, den Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee zu melden, und will einen Welterbeantrag für den jüdischen Friedhof im Verbund mit anderen jüdischen Kulturstätten in und außerhalb Europas auf den Weg bringen.

Stadtentwicklungs- und Umweltsenator Michael Müller: „Berlin verfügt heute schon über drei sehr unterschiedliche und bedeutende Welterbestätten. Durch eine Aufnahme des jüdischen Friedhofs käme ein weiterer Ort aus einem wichtigen kulturellen und geschichtsträchtigen Bereich hinzu. Berlin könnte damit eine beeindruckende Vielfalt in den Welterbestätten erreichen. Das Antragsverfahren für den jüdischen Friedhof wird uns mit anderen europäischen Ländern zusammenbringen. Es steht für die europäische Verbundenheit Berlins.“

Schon 1990 wurden die „Schlösser und Parks in Potsdam und Berlin“ mit dem auf Berliner Gebiet liegenden Park Glienicke in die Welterbeliste aufgenommen. 1999 kam die Museumsinsel dazu und zuletzt 2008 die sechs Berliner Siedlungen der Moderne.

Seit 2006 werden unter der Regie des Landesdenkmalamtes Restaurierungsmaßnahmen an wertvollen Grabanlagen des jüdischen Friedhofes gefördert und durchgeführt. 2007 folgten detaillierte Gutachten und Bestandsaufnahmen zur Erfassung der einzelnen Grabstätten in Zusammenarbeit mit der TU Berlin (Institut für Architektur, Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte). Die Ergebnisse wurden 2009 einer international und interdisziplinär zusammengesetzten Expertengruppe vorgestellt. 2011 konnte ein System aus Orientierungshilfen auf den jüdischen Friedhöfen an der Großen Hamburger Straße, der Schönhauser Allee und in Weißensee installiert werden, die das Erbe besser zugänglich und bekannt machen – beides wichtige Voraussetzungen und Schritte auf dem Weg zum Welterbe!
Der Jüdische Friedhof Weißensee wurde 1880 vom Architekten Hugo Licht im Nordosten Berlins auf einer Fläche von ca. 42 ha angelegt. Er ist mit mehr als 115.000 Grabstellen und als herausragender und typischer Teil europäisch-jüdischer Sepulkralkultur das bedeutendste Geschichts- und Gartendenkmal seiner Art in Deutschland. Überlegungen, den Jüdischen Friedhof in Weißensee als Welterbestätte zu nominieren, bestehen seit längerem. Das Landesdenkmalamt Berlin hat eine Begründung zur Nennung des Jüdischen Friedhofs Weißensee bereits erarbeitet. Auch der Landesdenkmalrat Berlin unterstützt das Vorhaben. Der heutige Senatsbeschluss manifestiert den Willen der Stadt, zusammen mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und dem Centrum Judaicum das Antragsverfahren zur Eintragung des jüdischen Friedhofes in die Welterbeliste der UNESCO weiter vorzubereiten. Die Stätte soll zusammen mit anderen europäischen und außereuropäischen bedeutsamen jüdischen Friedhöfen, die in derselben historischen Tradition stehen, als „Serienantrag“ präsentiert werden.

Der Jüdische Friedhof Weißensee ist Ruhestätte namhafter Persönlichkeiten aus dem Kultur-, Wissenschafts- und Wirtschaftsleben des Deutschen Kaiserreiches (1871–1918) und der Weimarer Republik (1919–1933). Neben einem einzigartigen Bestand an herausragenden Bau- und Bildwerken der Grabmalskunst des 19. und 20. Jahrhunderts beherbergt der Friedhof eine Reihe von Ehrengrabanlagen, die die Geschichte der Juden in Deutschland und Europa widerspiegeln. Dazu gehören im Eingangsbereich die Gedenkstätte für die sechs Millionen Opfer der Shoah, die anschließende Ehrenreihe großer jüdischer Persönlichkeiten von Berlin, ein Urnenfeld mit der Asche von in Konzentrationslagern ermordeten Juden und der Ehrenhain für im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite gefallene jüdische Frontsoldaten. Bedeutender Bestandteil des „möglichen Weltkulturerbes“ ist auch ein einmalig umfassendes überliefertes Archiv- und Dokumentarerbe.

Die Vorlage des Senators für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Müller, wird dem Abgeordnetenhaus zur Kenntnisnahme zugeleitet.

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