Coronavirus in Berlin

Zentrale Informationen der Berliner Verwaltung zum Coronavirus finden Sie unter:

berlin.de/corona

Regierungserklärung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, vom 10. Mai 2012 zum Thema "Sicherheit geht vor – mit Nachdruck weiter am Erfolg des Hauptstadtflughafens BER arbeiten"

Pressemitteilung vom 11.05.2012

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Der letzte Dienstag war kein guter Tag für die Region. Die Erklärung der Flughafengesellschaft, den Termin der Eröffnung unseres neuen Flughafens Willy Brandt verschieben zu müssen, war sicherlich keine Erfolgsmeldung, ja, man kann es als ein Desaster bezeichnen. Da gibt es nichts zu beschönigen. Viele Menschen, Airlines, Institutionen und Unternehmen haben sich auf diesen Termin verlassen, ja, sie konnten sich auch auf diesen Termin verlassen. Sie alle sind enttäuscht worden. Dafür möchte ich mich im Namen der Flughafengesellschaft entschuldigen. Wir werden alles Mögliche unternehmen, um eine Schadenminimierung durchzuführen und dort Hilfestellung zu leisten, wo Hilfe notwendig ist, auch jenseits von rechtlichen Ansprüchen, wie beispielsweise bei Gewerbetreibenden, die jetzt ihr Geschäft später eröffnen müssen, aber schon Personal eingestellt haben. Ich weiß nicht, wie die Rechtslage da ist. Das wird geprüft werden. Aber selbstverständlich werden wir im Interesse von Unternehmen auch Härtefallregelungen einführen, um dort Hilfestellung zu leisten.

[Beifall bei der SPD und der CDU]

Ich glaube, Sie können nachvollziehen, dass diese schwerwiegende Entscheidung keinem leichtgefallen ist. Dabei geht es nicht nur um den sogenannten Imageschaden oder die Häme, die jetzt mit Brachialgewalt ausgeschüttet wird, sondern es geht um viele Beteiligte, die enttäuscht wurden oder eben einen Schaden zu befürchten haben. Und natürlich ist Glaubwürdigkeit zerstört worden, jedenfalls bei vielen Menschen, die an die pünktliche Fertigstellung dieses Flughafens am 3. Juni geglaubt und sich dafür auch eingesetzt haben. Sie können auch sicher sein, dass die verantwortlichen Gesellschafter, die Vertreter der Gesellschaften, der brandenburgische Ministerpräsident Herr Platzeck, der zuständige Bundesminister Herr Ramsauer, die Mitglieder des Aufsichtsrates und andere mit Überzeugung bislang davon ausgegangen waren, dass der 3. Juni der Eröffnungstermin sein wird. Und ich bitte auch, uns bei aller Kritik, bei allem Versuch von Kritik, nicht für blauäugig zu halten und uns abzunehmen, dass wir tatsächlich landauf, landab aus vollster Überzeugung diesen Termin vertreten haben – auch gegen Kritiker.

Natürlich gab es diese Kritiker. Natürlich gab es die Wisser – früher hätte ich gesagt: Besserwisser, heute sage ich: Wisser –, die der Meinung waren, das kann überhaupt nicht gutgehen. Natürlich gab es viele Situationen auf dem Weg zur Verwirklichung dieses Projektes, wo Zweifel aufkommen konnten. Aber es ist ja gerade die Aufgabe sowohl der Geschäftsführung als auch der gesamten Frau- und Mannschaft des Flughafens und der begleitenden und kontrollierenden Gremien, nicht Zweifel zu säen oder sie weiterzuverbreiten, sondern mit dafür Sorge zu tragen, dass Lösungen gefunden werden, Optimierungen vorgenommen werden und da, wo Probleme vorhanden sind oder neu auftauchen, diese Probleme beseitigt werden.

Deshalb – bei all den Problemen, die mit der Fertigstellung dieses Flughafens verbunden waren – hätte ich persönlich – wie gesagt, ich glaube, das auch für andere sagen zu können – nicht geglaubt, dass diese Verschiebung möglich wäre – so kurz vor der Eröffnung dieses Flughafens, weil in der Tat viele Dinge damit verbunden sind. Es ist eben nicht nur ein normaler Umzug, wo mal ein Gebäude etwas später fertig wird – damit rechnet man in vielen Bereichen –, sondern von so einem Eröffnungstermin eines Flughafens hängen viele Dinge ab, die Folgen haben, die man am liebsten vermeiden wollte. So war es natürlich die Aufgabe des Flughafens und der Gremien, Vorsorge zu treffen, dass die Eröffnung laufen kann. Jetzt muss man unterscheiden zwischen Dingen, die beeinflussbar sind durch mehr Personal, das zur Verfügung gestellt werden kann, durch Provisorien, durch Maßnahmen, die etwas heilen und wo man anfangen kann, es auch bei Betrieb weiterzuentwickeln. Viele kennen das: Eine Baustelle wird geschlossen, sie ist danach wieder eröffnet. All das wäre sicherlich – und nicht nur in einem Fall, sondern an vielen Gewerken – auf diesem riesigen Flughafenkomplex auch mit Eröffnung am 3. Juni zu sehen gewesen. Da wäre noch nicht alles fertig gewesen. Aber ich glaube, jeder und jede hätte auch Verständnis dafür gehabt, dass bei so einer Riesenbaustelle und dem Zeitdruck, der dort herrscht, und bei den Verzögerungen, die sich ergeben haben, die bei solchen Großprojekten nicht nur in Berlin oder in Brandenburg, sondern weltweit passieren, nicht alles hätte picobello sein können, sondern auch die eine oder andere Misslichkeit noch hätte beseitig werden müssen.

Aber es gibt eben Dinge, die man dann ganz schwer beeinflussen kann. Dazu gehört die Frage der Sicherheit. Sicherheit muss oberste Priorität haben. Dies ist eine Verantwortung. Spätestens nach den Vorkommnissen in Düsseldorf ist völlig klar, dass hier besonders ausgeklügelte Brandschutzmaßnahmen, Entrauchungsanlagen installiert werden müssen, die eine nach Möglichkeit optimale Sicherheitssituation im Falle eines Falles darstellen. Da kann kein Abstrich gemacht werden, und da gibt es auch kein Vertun. Wenn die Experten sagen, dies ist nicht gewährleistet, dann kann keiner in Verantwortung sagen: Darüber setzen wir uns hinweg. Schauen wir mal! Sehen wir mal zu! Wird schon alles gut gehen! Oder es wird in den letzten Wochen noch ein Wunder geschehen, und alles wird sich lösen lassen. – Diese Situation hatten wir in dem Punkt nicht, und deshalb mussten wir am letzten Dienstag zwangsweise die Notbremse ziehen, weil keiner diese Verantwortung hätte übernehmen können.

Es kann doch nicht sein, dass der letzte Mitarbeiter bei der Genehmigungsbehörde im brandenburgischen Landratsamt diese Verantwortung zugeschoben bekommt, nach dem Motto: Der lehnt das ab, am besten noch am 2. Juni. Es musste jetzt die Notbremse gezogen werden, es gab für uns, für die Gesellschafter keine andere Entscheidungsgrundlage, und deshalb ist sie so getroffen worden. Wir mussten sie so treffen, und wir bedauern das ausdrücklich!

[Beifall bei der SPD und der CDU]

Viele fragen sich natürlich zu Recht, warum das erst am letzten Montag so virulent geworden ist. Hätte man das nicht früher entdecken können? Wozu hat man Aufsichtsgremien? Was sind ihre Aufgaben? Was hat der Aufsichtsratsvorsitzende gemacht, was haben die anderen gemacht, die Geschäftsführung? Wer trägt die Verantwortung? Selbstverständlich sind diese Fragen nicht nur zulässig, sie müssen auch beantwortet werden. Völlig klar ist auch, dass wir unsere Gremien mit umfangreichen Controllingberichten bestückt haben. Wir haben Wert darauf gelegt, dass die Geschäftsführung ein Controllingsystem mit einem Frühwarnsystem installiert. Als Aufsichtsrat hatten wir überhaupt kein Interesse daran, Dinge zu beschönigen. In dem Controllingbericht gab es die sogenannten Ampeln – einige konnte man heute in der Zeitung lesen: Grün bedeutet, das alles im grünen Bereich ist, rot ist nicht in Ordnung, gelb ist problembehaftet, aber zu lösen. Beim Thema Brandschutz hat man gewusst, dass man die vollautomatisierte Anlage nicht pünktlich zum 3. Juni in Betrieb nehmen kann – dies ist seit Längerem bekannt, das ist auch kein Geheimnis. Das ist erst einmal eine Problembeschreibung. Selbstverständlich muss man daran arbeiten, dass das Problem gelöst wird, und dazu gibt es Alternativen. Diese wurden uns auch vorgestellt. Dies bedeutet, dass zum 3. Juni nicht die vollautomatisierte Anlage in Betrieb genommen werden sollte, sondern eine teilautomatisierte Anlage. Unser Kenntnisstand aus dem Aufsichtsrat bei der Bearbeitung und Diskussion über den Controllingbericht war, dass dort ein Problem vorherrscht, dass dieses Problem aber auch gelöst werden kann und die Eröffnung des Flughafens nicht gefährdet ist – diese Auskunft haben wir noch am 20. April offiziell in der Diskussion im Aufsichtsrat erhalten, das lässt sich nachlesen. Ich zitiere: “Aus aktueller Sicht ist auf Basis der vorher genannten Thematiken die Betriebsaufnahme zum 3.6.2012 sichergestellt, jedoch befindet sich das Projekt BBI auf dem kritischen Weg und bedarf einer sehr engen Steuerung unter Beteiligung aller Fachverantwortlichen.”

Es ist auch darüber diskutiert worden, ob die Kapazitäten bei den Genehmigungsbehörden ausreichen, weil klar war, dass sich das zum Schluss darauf verdichtet, dass der Antrag gestellt und bearbeitet werden muss und es ein dichter Zeitrahmen ist. Ja, das war bekannt, das wurde diskutiert, aber es hat nicht zum K.-o.-Schlag geführt, vielmehr gab es die Auffassung, dass diese Situation zu klären ist. Wir haben dann festgestellt – nach intensiven, tagelangen Beratungen offensichtlich im Flughafenbereich bei all den Beteiligten –, dass diese These nicht mehr zu halten war. Deshalb ist die Notbremse gezogen worden, weil es gar nicht mehr zur Antragstellung bei der Genehmigungsbehörde hätte kommen können, weil die Vorausprüfungen nicht alle mit einem Testat hätten abgeschlossen werden können. Man darf sich nicht vorstellen, dass da gar nichts funktioniert oder nichts installiert sei. Es sind ganze Teilbereiche erfolgreich durchgetestet worden, die laufen auch. Bei den Brandschutzmaßnahmen müssen Sie das gesamte Terminal im Auge haben. Es gibt da über 1000 Brandschutzklappen und korrespondierende Mechanismen, die dafür sorgen, dass sich im Brandfalle, im Falle der Entrauchung Fenster öffnen und Systeme in Gang gesetzt werden – das ist ein hochkomplexer Vorgang, der schwer zu steuern ist und so eingeschätzt wurde, dass in der Kürze der Zeit bis zum 3. Juni die Genehmigungsfähigkeit nicht mehr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erreicht werden kann. Das war der Hintergrund für die Notbremse.

Der Aufsichtsrat hat auch andere Probleme erörtert. Viele sagen, das sei nicht das einzige Problem gewesen, ja, in der Tat, wir haben andere Probleme zu lösen gehabt und Vorsorge getroffen, die auch Millionen Euro an Kosten verursacht hätten, wenn es zum Worst Case gekommen wäre. Es war völlig klar, dass alles unternommen werden soll, um Vorsorge zu treffen. Wegen der Zelte, die mit zusätzlichen Check-In-Schaltern bedacht wurden, hat man uns auch für verrückt erklärt – jetzt bauen sie einen Flughafen und haben zu wenig Check-In-Inseln und Abfertigungscounter, das hätte man doch wissen müssen! Dazu gibt es Erfahrungswerte von allen Flughäfen, die die Abfertigung von soundso vielen Personen pro Stunde ermöglichen. Wenn aber beim Probebetrieb – und dazu ist er ja da – diese Zahlen nicht erreicht werden, dann stellt man fest, dass es in Spitzenzeiten zu Engpässen kommen kann. Ich finde es richtig, dass die Flughafengesellschaft dann entscheidet, Vorsorge zu treffen. Kann ja sein, dass bis zum 3. Juni so viel Erfahrung vorhanden ist, dass man die angedachten Frequenzen – 60 pro Stunde – schafft. Wenn es aber nur 40 oder 45 sind, dann fehlt Kapazität, dann trifft man Vorsorge. Es ist insofern versucht
worden, den Eröffnungstermin 3. Juni zu halten, und die Aufsichtsgremien haben dazu auch grünes Licht gegeben.

Diese Verzögerung verursacht natürlich einen Riesenschaden. Die Frage, ob ein dauerhafter Imageschaden übrig bleibt, kann noch nicht beantwortet werden. Sie haben sehen können, wie bei anderen großen Projekten nachher, wenn es denn gelaufen ist, viele Dinge auch wieder vergessen wurden. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses großartige Flughafenprojekt nicht diskreditiert werden darf und wir alle eine Verantwortung dafür tragen, dieses wichtigste Infrastrukturprojekt in ganz Ostdeutschland für die Region Berlin-Brandenburg zum Erfolg zu bringen und es nicht selbst schlechtzureden. Es ist eine gemeinsame Verantwortung, zum Gelingendieses Projektes beizutragen!

[Beifall bei der SPD und der CDU]

Viele der Ereignisse, die zu einem engen Zeitplan geführt haben, hängen damit zusammen, dass der Flughafen heute ganz anders aussieht, als er bei Baubeginn geplant war.

[Joachim Esser (GRÜNE): Das haut doch nicht hin!]

Er sollte ursprünglich nur mit dem Hauptgebäude gebaut werden, ohne Nord- und Südpier. Die fulminante und erfolgreiche Entwicklung der Flughafengesellschaft und die Entwicklung sowohl am alten Schönefelder Flughafen wie auch in Tegel haben dazu geführt, dass das Aufkommen so groß geworden ist, dass bereits in der Bauphase Erweiterungsbauten vorgenommen werden mussten – beispielsweise die beiden Piers, zusätzliche Pavillonbauten oder auch die Doppelbrücken. Am Anfang hat das doch keiner geglaubt! Ich weiß noch genau, wie auch in diesem Haus davor gewarnt wurde, dass man auf der grünen Wiese einen gigantischen Flughafen hinbaut und keine Passagiere hat – das war doch die Auffassung zu Schönefeld! Wir können glücklich sein, dass diese Erfolgsstory so geschrieben wurde, dass wir von 10 Millionen Passagieren heute schon bei 24 Millionen sind!

[Beifall bei der SPD und der CDU – Zurufe von den Grünen]

Dies ist ein großartiger Erfolg – ich weiß gar nicht, warum Sie sich darüber aufregen!

[Zurufe von Uwe Doering (LINKE) und Martin Delius (PIRATEN) – Zurufe von den Grünen]

Warum regen Sie sich darüber auf, dass wir einen wirtschaftlichen Erfolg für die Region haben, das ist doch genau der Punkt!

[Beifall bei der SPD und der CDU – Wann denn? von den PIRATEN – Zurufe von den Grünen]

Tausende von neuen Arbeitsplätzen sind damit geschaffen worden, und das unterscheidet uns in der Tat bei großen Infrastrukturprojekten – die sind dazu da, Wirtschaft zu generieren, und deshalb wird das erfolgreich sein!

[Beifall bei der SPD und der CDU – Joachim Esser (GRÜNE): Der ändert sich nie!]

– Sie bestimmt nicht, Herr Esser! Ich kenne Sie schon so lange, und Sie werden sich auch nicht ändern.

Vizepräsident Andreas Gram: Meine Damen und Herren! Jetzt hat der Regierende Bürgermeister das Wort! Jetzt kommen wir alle wieder ein bisschen herunter!

Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit:

Meine sehr verehrten Damen und Herren! Bei aller berechtigten Kritik: Ich muss auch in Verantwortung für die Menschen, die vor Ort sind, die parallel zu dieser Regierungserklärung am Flughafen Schönefeld arbeiten – das sind fast 7 000 Menschen –, die seit mehreren Monaten Tag und Nacht arbeiten, damit dieser Flughafen gelingt, sprechen. Ich sage an dieser Stelle ein großes Danke schön an all diejenigen,

[Beifall bei der SPD und der CDU]

die da ackern und schuften, und auch enttäuscht sind, dass es nicht gelingt, den 3. Juni als Eröffnungstag hinzubekommen. Aber sie haben – und da ist genau der Ansatzpunkt – weiterhin die Aufgabe, mit Nachdruck daran zu arbeiten. Das Gefährlichste wäre jetzt, dass der Druck aus dem Kessel entweicht und so getan wird, als hätten wir unendlich viel Zeit und als sei es egal, ob es zwei, drei oder vier Monate dauert. Nein! Wir müssen gemeinsam ein großes Interesse daran haben, dass dieser Flughafen so schnell wie möglich eröffnet wird. Deshalb müssen wir unsere volle Kraft darauf konzentrieren, dass das möglich gemacht wird.

[Beifall bei der SPD und der CDU – Antje Kapek (GRÜNE): Na, dann nehmen Sie doch die Schippe!]

Wir haben in dieser Situation einerseits die Notwendigkeit, belastbar den neuen Termin festzulegen.

[Oliver Höfinghoff (PIRATEN): Ja, so belastbar wie der vorherige!]

Auch da sind die Spekulationen schon wieder wild in Gang. Sie können sich vorstellen, dass wir auch im Wege einer besseren Kommunikation Ihnen am letzten Dienstag den neuen Eröffnungstermin hätten mitteilen können und wollen.

[Oliver Höfinghoff (PIRATEN): Machen Sie es doch heute!]

– Nein, das kann ich Ihnen heute nicht sagen. Ich möchte Ihnen aber auch erklären, warum ich es Ihnen nicht sagen kann. Ich bin auch ganz zufrieden, dass wir es Ihnen nicht gesagt haben. Es sind Zeiten angedeutet worden.

[Oliver Höfinghoff (PIRATEN): Die dann eh nicht eingehalten werden!]

– Ja, aber das ist ja keine Glaubwürdigkeitsverbesserung. Da werden wir uns wohl einig sein.

[Alexander Spies (PIRATEN): Nehmen Sie doch den 1. April!]

Es geht darum, einen belastbaren Termin zu finden. Dies bedeutet, dass alle Beteiligten – auch die Unternehmen, die Planer – sich bekennen müssen, wie weit dann diese Anlage in Gang zu setzen ist, und zwar höchstwahrscheinlich nicht mehr Zwischenlösungen, sondern die endgültige Lösung.

[Anja Kofbinger (GRÜNE): Höchstwahrscheinlich!]

– Ja, ich bin etwas vorsichtig. Ich kann auch nicht mehr sagen, weil das alles ein komplexes Verfahren ist. Liebe Frau Abgeordnete! Wenn Sie so klug sind und alles wissen, dann beglückwünsche ich Sie.

[Beifall bei der SPD und der CDU – Heidi Kosche (GRÜNE): Danke!]

Das bedeutet, dass wir für die nächste Woche die Gremien zu Sondersitzungen zusammengerufen haben – sowohl den Projektausschuss als auch den Aufsichtsrat. Wir erwarten, dass uns die Geschäftsführung dann belastbare Termine vorlegen kann, ebenso die Begründung dafür, wie auch die Glaubwürdigkeit nachweisen kann.

Was ich schon jetzt prophylaktisch sagen möchte – weil ich das von vielen Seiten höre –, es gibt viele Interessenten daran, dass sich der Termin lange hinauszögert – ich meine jetzt nicht Flughafengegner, sondern Beteiligte –, aus unterschiedlichen Gründen, weil es für den einen oder anderen Vorteile bringt, dass man in Tegel ist oder in Ruhe Zeit hat, bestimmte Dinge in Schönefeld fertigzustellen, oder dass andere Veranstaltungen durchgeführt werden sollen, die ohne den regulären Flugbetrieb vielleicht ungestörter stattfinden könnten. Ich sage: Für den Aufsichtsrat – ich bin mir da ziemlich sicher – wird allein der Maßstab angelegt werden, ob es möglich ist, den Flughafen rechtzeitig zu eröffnen, oder zu einem Termin zu eröffnen, der sich nicht danach bestimmt, ob er jetzt dem Interessenten A oder B besser passt. Dass wir natürlich eine Gesamtschau machen müssen, ist auch selbstverständlich. Deshalb bitte ich um die Geduld, dass wir insgesamt diese Abwägung vornehmen können, um dann einigermaßen sicher – Sie werden uns das ohnehin kaum noch glauben, so, wie ich Sie kenne – –

[Beifall von Benedikt Lux (GRÜNE)]

– Ja, Herr Lux, ich kenne Sie ja!

[Benedikt Lux (GRÜNE): Auf einmal, oder was?]

Ich bin ja gern bereit, Kritik von Ihnen ganz schroff abzulehnen, aber ich muss sagen, wenn solch eine Vorlage geliefert wird, dann kann ich auch nachvollziehen, dass hier heftigste Kritik geäußert wird, und dass eine Glaubwürdigkeitslücke entsteht.

[Oliver Höfinghoff (PIRATEN): Aber die war schon lange da!]

Dazu bekenne ich mich dann auch. Es wäre fatal und dumm, wenn man sagen würde, das ignoriert man einfach. Da ist Glaubwürdigkeit verloren gegangen. Selbstverständlich, darum muss nach menschlichem Ermessen erst einmal von den Beteiligten seriös ein Termin genannt werden, und wir müssen in der Lage sein, nachzuvollziehen, ob es tatsächlich so ist oder ob schon wieder irgendeine Gefahr besteht. Es darf nur nicht dazu führen, dass ich aus lauter Sicherheitsgründen sage: Dann machen wir einen Termin in weiter Ferne,

[Ramona Pop (GRÜNE): Sicherheit hat oberste Priorität!]

denn es sind natürlich auch Kosten damit verbunden.

[Joachim Esser (GRÜNE): Das galt 2010 auch!]

Ich sage auch, das haben wir an dieser Stelle sehr häufig bei den Debatten gesagt, dass sogar der alte Eröffnungstermin sehr ambitioniert war, und der 3. Juni auch. Das wissen wir.

[Joachim Esser (GRÜNE): Eben!]

Aber ohne den Druck, dieses Projekt zum 3. Juni zu vollenden, würden wir heute nicht über Eröffnungstermine sprechen – auch mit Verschiebungen –, die in unmittelbarer Zukunft liegen, sondern die noch weit darüber hinaus lägen. Auch das muss man sagen. Dementsprechend werden wir das nutzen.

[Zuruf von Joachim Esser (GRÜNE)]

Es gibt auch die Chance, mehr Lärmschutzmaßnahmen für die Bürgerinnen und Bürger umzusetzen,

[Vereinzelter Beifall bei der SPD]

die bislang noch nicht so weit waren. Wir werden auch deutlich machen, dass dieser Flughafen eine elementare Weiterentwicklung unserer Gesamtsituation ist. Deshalb hoffe ich und lade die Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich extra dazu ein, am Wochenende zu den Tagen der offenen Tür zu kommen, um vor Ort zu sehen, dass nicht der ganze Flughafen gefährdet ist beziehungsweise dass da nichts passiert ist, sondern sich selbst ein Bild davon zu machen, wie grandios dieser Flughafen geworden ist. Der lässt sich sehen! Ich bin überzeugt davon, wenn er an den Start geht, wird er ein Referenzprojekt sein.

[Beifall bei der SPD und der CDU]

Die Weiterentwicklung und die Notwendigkeit der Weiterentwicklung dieses Flughafens hängt damit zusammen, dass Berlin und die Region insgesamt wachsen – sowohl bevölkerungsmäßig als auch wirtschaftlich. Deshalb wird dieser Flughafen, nachdem er an den Start gegangen ist, sicherlich erweitert werden müssen. Wir werden dann rechtzeitig die Entscheidung über den ersten Satelliten treffen müssen, weil bereits jetzt zu erkennen ist, dass der Flughafen natürlich weiter ausgebaut werden muss. Dieser Flughafen und die Entwicklung der Flughafengesellschaft sind bei all den Problemen, die überhaupt nicht unter den Tisch zu kehren sind, nach wie vor eine Erfolgsgeschichte. Dafür sind wir dankbar!

[Beifall bei der SPD und der CDU – Zurufe von den GRÜNEN]

Vizepräsident Andreas Gram:

Herr Regierender Bürgermeister! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Lauer?

Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit:

Bitte sehr!

Vizepräsident Andreas Gram:

Bitte sehr!

Christopher Lauer (PIRATEN):

Vor dem Hintergrund der Sicherheitsbedenken bezüglich des Brandschutzes frage ich Sie, inwieweit dieser Tag der offenen Tür am Wochenende zu verantworten ist.

Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit:

Der ist zu verantworten, weil die Menschen nicht ins Terminal kommen.

[Beifall bei der SPD und der CDU]

Das ist aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich. Aber Sie werden sehen,

[Zuruf von Heidi Kosche (GRÜNE)]

Sie werden genügend Einblicke bekommen, und ich bin sicher, dass all die Skeptiker, die – teilweise jetzt zu Recht – einen Grund haben, uns alle zu kritisieren, die aber auch schon vorher – ob Sie einen Grund hatten oder nicht – heftigste Kritik geäußert haben, dass die sich mit der absoluten Mehrheit der Bevölkerung in Berlin und Brandenburg – die Umfragen waren da sehr deutlich – davon überzeugen lassen, dass der Flughafen Willy Brandt in Schönefeld ein Zukunftsprojekt ist und dass wir – bei allen Schwierigkeiten – hart daran arbeiten werden, die Probleme zu lösen. Das ist der Ausblick auf die Zukunft: Wir arbeiten hart daran, die Probleme zu lösen und die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben, positiv weiterzuschreiben.

[Beifall bei der SPD und der CDU]